BLKÖ:Strassoldo-Grafenberg, Michael Graf

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 39 (1879), ab Seite: 293. (Quelle)
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Strassoldo-Grafenberg, Michael Graf (Staatsmann, geb. 23. März 1800, gest. auf Schloß Strassoldo bei Görz 26. December 1873). Er ist ein Bruder des Maria Theresien-Ritters Julius Cäsar Graf S. [siehe dessen besondere Biographie S. 282]. Nach beendeten Studien wählte er zu seinem Lebensberufe den politischen Verwaltungsdienst, dem er zunächst in Venedig und dann in der Lombardei oblag. Nach Wien zur k. k. vereinigten Hofkanzlei – heute Ministerium des Innern – versetzt, arbeitete er eine Reihe von Jahren im Departement für das [294] lombardisch-venetianische Königreich und für Dalmatien, anfangs als Hofconcipist, später als Hofsecretär, bis er 1847 als Provinzial-Delegat nach Rovigo gesendet wurde. In dieser Stellung fand ihn die Revolution, und nun kam er als Hofrath zu dem dalmatinischen Landesgubernium. Jedoch nur kurze Zeit blieb er auf diesem Posten, denn schon 1849 erfolgte seine Ernennung zum Chef der Civilabtheilung des General-Gouvernements für das lombardisch-venetianische Königreich in Mailand. Als Karl Fürst Schwarzenberg [Band XXXIII, S. 88], der am 19. October 1849 das Civil- und Militär-Gouvernement von Mailand übernommen, im nächsten Jahre dieses Amtes enthoben wurde, trat Graf Strassoldo an dessen Stelle. 1853 vertauschte er den mailändischen Statthalterposten mit dem von Steiermark, auf welchem er volle zwölf Jahre ausharrte. Mit Graf Belcredi’s Uebernahme der Geschäfte des Innern fand Strassoldo’s Abberufung statt, und da er bereits 40 Jahre gedient hatte, bat er um seine Versetzung in den bleibenden Ruhestand, die ihm auch von Seiner Majestät in der huldvollsten Weise gewährt wurde. Sein Rücktritt, für den keine äußeren Gründe vorlagen, erregte in der Steiermark um so größeres Befremden und Bedauern, als der Graf wegen seines Gesinnungmuthes und seiner liberalen politischen Ansichten in allen Kreisen sich großer Achtung und Beliebtheit erfreute. Als einen Zug seines staatsmännischen Wesens glauben wir die Thatsache melden zu können, daß er mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln einen Preßproceß in Gratz zu vermeiden bestrebt war. Er wollte das Recht der freien Presse in dem seiner Leitung anvertrauten Lande nicht verkümmert sehen und wurde in dieser liberalen Anschauung von der Staatsanwaltschaft unterstützt. Mit dieser Vorliebe für das freie Wort, das er nicht beeinträchtigt sehen wollte, verband er Achtung für die Verfassung und nahm das Vereinsleben in seinen Schutz. Als man noch in Wien das Genossenschaftswesen mit ängstlichen Blicken betrachtete und dessen Entwicklung manchen Hemmschuh unterlegte, dachte der Graf unbefangener und befürwortete zur nämlichen Zeit die Gründung des steierischen Sängerbundes. In die Verhandlungen des Landtages griff er nie hemmend ein und wurde deshalb von den Abgeordneten hochgehalten. Er stimmte fast immer mit den Ansichten der Landesvertretung überein, und seine Eingaben an das Ministerium des Innern, welche Landesinteressen zum Gegenstande hatten, befanden sich oft im Widerspruche mit den in ministeriellen Kreisen herrschenden Ansichten. Unter solchen Umständen sah die Bevölkerung den Rücktritt des würdigen Staatsmannes mit unverhohlener Betrübniß an, und die Verwaltungsbeamten gaben diesen Gefühlen Ausdruck, indem sie ihm bei seinem Scheiden ein von den politischen Behörden gewidmetes Album überreichten, welches eine in den wärmsten Worten abgefaßte Ehrenadresse enthielt. Graf Strassoldo, eine der populärsten Gestalten in der freundlichen Murstadt, genoß die Ruhe des Privatlebens noch acht Jahre. Aus seiner am 30. November 1850 mit Maria Anna geborenen Freiin Malowez von Malowitz und Kossorz (geb. 28. October 1821), Sternkreuz-Ordens, und Palastdame Ihrer Majestät der Kaiserin Elisabeth, [295] geschlossenen Ehe stammen zwei Kinder, Julius Cäsar (geb. 14. August 1851) und Josephine Therese (geb. 11. November 1855). Des Grafen Schwester Franziska vermälte sich am 5. April 1798 mit dem Heldenmarschall Radetzky, welcher sie (gest. 12. Jänner 1854) vier Jahre überlebte. Der Graf war der intimste Freund des Feldmarschalls.

Quellen zur Biographie. Neue freie Presse (Wiener polit. Blatt) 1865, Nr. 352: „Correspondenz aus Gratz ddo. 20. August“. – Tagespost (Gratzer Blatt) 1865, Nr. 192: „Correspondenz aus Gratz“, von demselben Datum. – Dieselbe, 1873, Nr. 297: „Michael Graf Strassoldo“. – Meyer (J.), Das große Conversations-Lexikon für die gebildeten Stände (Hildburghausen, Bibliogr. Institut, gr. 8°.) V. Supplementband, S. 1062, Nr. 1 [es heißt daselbst unrichtig Strassaldo]. – Teuffenbach (Albin Reichsfreiherr von), Vaterländisches Ehrenbuch. Geschichtliche Denkwürdigkeiten aus allen Ländern der österreichisch-ungarischen Monarchie (Wien und Teschen 1877, Prochaska, 8°.) S. 814, 830, 929, 930, 932 und 933.
Die dem Grafen Strassoldo überreichte Ehren-Adresse. Es hatten sich die Verwaltungsbeamten der Steiermark zusammengethan, um dem Grafen bei seinem Scheiden ein reich ausgestattetes Album zu überreichen, welches die erwähnte Ehren-Adresse enthielt. Der Vorderdecks des Albums zeigte in der Mitte das in Email ausgeführte Familienwappen des Grafen mit der Devise seines alten Geschlechtes: „Intima candent“. Den Rand des Deckels faßten reich vergoldete Ornamente ein. Die Blätter, welche die Adresse enthalten, sind mit Aquarellen bedeckt, darunter ein Kranz von den Veduten jener acht Städte, in welchen Graf Strassoldo besondere Erfolge seiner Thätigkeit zurückgelassen hat. ferner eine Abbildung des Statthalterei-Bureaus in der Burg, eingefaßt mit der Ansicht des nach dem Grafen benannten Strassoldo-Quais, der Strassoldo-Straße, des Thalia-Theaters u. s. w. Am 22. November 1865 wurde diese Adresse von einer Deputation, deren Führer und Sprecher der Vice-Präsident Freiherr von Lebzeltern war, dem Grafen überreicht.
Strassoldo-Gasse in Gratz. Das Andenken, welches Graf Michael S. als Statthalter der Steiermark hinterließ, sollte den Nachkommen erhalten bleiben, und so benannte man den zur Zeit seiner amtlichen Thätigkeit entstandenen Mur-Quai, dann eine Gasse im dritten Bezirke nach seinem Namen. Aus diesem Anlasse macht Beckh-Widmanstetter in seinem Aufsatze „Ueber die Benennung neu entstandener Gassen und Plätze in Gratz“ (1873) folgende treffende Glosse: „In jedem Falle geschah das zweite Mal zu viel des Guten und man benützte diesen Umstand, um 1869 den Namen dort zu verändern, wo er das erste Mal aufgetreten war, und beließ ihn in dem zweiten unbedeutenden Gäßchen. Natürlich kümmerte man sich um die Einwilligung des noch Lebenden nicht“. [Herausgeber findet, diesen Vorgang einer Commune unwürdig, unverantwortlich und willkürlich.]