BLKÖ:Stubenberg, Friedrich (II.)

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 40 (1880), ab Seite: 126. (Quelle)
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11. Friedrich (II.) (gest. zwischen dem 29. September 1318 und dem 29. December 1319). Eine der ritterlichsten Gestalten des Mittelalters, einstehend mit seinem Leben für die verbrieften Rechte seines Landes. Durch seinen Vater Ulrich (II.), der sich mit Elsbeth von Ortenburg vermält hatte, trat er in den Kreis der vornehmsten Familien seines Landes. Frühzeitig widmete er sich, wie es damals Sitte war, dem Waffendienste. Er focht für Kaiser Rudolph im Marchfelde; befand sich im Gefolge des Erzbischofs Rudolph von Salzburg, als dieser sich zu Judenburg am 11. Mai 1286 mit dem Herzog Albrecht aussöhnte; erwarb 1288 mit seinen Brüdern Ulrich und Heinrich von Leuthold von Kuenring die noch heute im Besitze der Familie befindliche Burg und Herrschaft Guttenberg um 1200 Mark Silbers; schirmte 1290 als Vogt der Stift Lambrecht’schen Güter im Mürzthale das Kloster gegen widerrechtliche Ansprüche der Apfalterer; 1291 eilten er und sein Bruder Heinrich mit dem größten Contingente unter allen steierischen Edlen (200 Reiter) dem Herzoge Albrecht zu Hilfe, um die in Oesterreich eingefallenen Ungarn zurückzuweisen. Als der Herzog darauf nach Gratz kam, um ergiebige Beiträge zu den Bedürfnissen des Staates zu begehren, erneuerten die Stände ihre schon früher vorgebrachte Bitte um Bestätigung ihrer Privilegien, fanden aber kein Gehör. Die Erklärung der Stände, in diesem Falle den Gehorsam aufzusagen, führte zu gegenseitiger Erregung. Die Stände, mit dem Bischof Leopold von Seckau an der Spitze, traten nochmals vor den Herzog mit der Bitte um Bestätigung ihrer Freiheiten und um Aufnahme von einigen Steiermärkern in den Rath, und hierbei sprach der Bischof dem Fürsten gegenüber die denkwürdigen Worte: „Daß den Pflichten der Unterthanen auch Rechte gegenüber ständen, denn würden die Privilegien des Landes verletzt, so höre die Eidespflicht der Unterthanen auf“. Albrecht erwiderte darauf, „daß er die Landesprivilegien bisher in dem Zustande habe bestehen lassen, wie sein Vater dieselben angetroffen, als das Land der Herrschaft Ottokars entrissen wurde“. Da fiel Friedrich von Stubenberg dem Herzog mit den Worten in die Rede: „Hätte sich der Böhmen König nicht so viel Gewaltthaten gegen uns erlaubt, fürwahr, [127] er könnte noch immer leben und Herr dieses Landes sein, aber er zwang uns beim deutschen Reiche Hilfe zu suchen“. Die „Reimchronik“ Ottokars, irrig genannt von Horneck, berichtet (Cap. 289) eingehend über diesen Streit zwischen den steierischen Ständen und dem Herzog Albrecht, welch Letzterer überdies an dem ränkevollen Abt Heinrich von Admont einen schlimmen Rathgeber besaß, der, statt den Herzog zu besänftigen, ihn gegen den Adel nur aufstachelte. Auf die Frage des Herzogs: „ob dies eine Kriegserklärung bedeute“, entgegnete der Bischof: „daß, so lange der Herzog säume, seine Pflicht zu thun, auch die Stände keinen Befehl desselben befolgen, keinen Kriegszug für ihn unternehmen würden“. Damit wurden alle weiteren Unterhandlungen abgebrochen. Herzog Albrecht kehrte nach Wien zurück, die Stände schickten sich im Spätherbste 1291 zum bewaffneten Widerstande an und verbündeten sich zu Leibnitz sowohl mit dem Erzbischof Conrad von Salzburg, dessen beabsichtigte Aussöhnung mit Albrecht sie verhinderten, als auch mit dem Herzoge Otto von Bayern. Bischof Leopold war mittlerweile gestorben, und Graf Ulrich von Pfannberg, Hartnid und Herrand von Wildon, die Brüder von Erenfels und Friedrich von Stubenberg waren die Häupter des Bundes. Ernstlich verhandelte Letzterer mit dem Grafen Ulrich von Heimburg, seit 1270 Gemal der Agnes von Baden, um dessen Sohn zum künftigen Herzog von Steiermark zu candidiren. Die Bundesherren brachten einige herzogliche Schlösser, das ganze Enns- und Paltenthal in ihre Gewalt und nöthigten das Haupt der herzoglichen Partei im Lande, den Abt Heinrich von Admont zur Flucht auf die Veste Gallenstein. Allein das Glück wandte sich bald, Hermann von Landenberg, Wülfing von Hanau u. A. vertheidigten tapfer die Schlösser Bruck, Gratz und Judenburg. und Herzog Albrecht selbst zog mitten im Winter, bei hohem Schnee mit Heeresmacht über den Semmering, um den in Bruck belagerten Landenberg zu entsetzen. Bei der Nachricht von dem Anmarsch Albrechts erfüllte Schrecken die Verbündeten, und ohne sich in einen Kampf einzulassen; entflohen die Bayern und Salzburger nach Rastadt ins Salzburg’sche, die Steirer aber verloren sich ins Gebirge. Der Marschall von Landenberg verfolgte die Fliehenden bis nach Judenburg und traf auf dem Rückwege bei Kraubath mit Friedrich von Stubenberg zusammen, der eben zur Vertheidigung seiner Burgen ins Mürzthal ziehen wollte und nun allein den Kampf aufnahm. Nach hartnäckiger Gegenwehr wurde derselbe geschlagen, gefangen genommen und nach Judenburg gebracht. Um der Gefangenschaft zu entgehen, habe der zweimal verwundete Friedrich, als ihm das Roß unter dem Leibe erstochen war, einen seiner Lehensleute Völkl von Puchel unter großen Versprechungen ersucht, ihm sein Roß zu überlassen, aber die Antwort empfangen: „Ich entrinne als gern, als Ihr“. (So berichtet Ottokars „Reimchronik“ pag. 495–498.) In Judenburg wurde Stubenberg vor den Herzog geführt, welcher den Rath seiner Umgebung, den hartnäckigen Gegner die Erhebung mit dem Tode büßen zu lassen, ablehnte und sich nur dessen sämmtliche Schlösser: Stubenberg, Guttenberg, Kapfenberg und Katsch überantworten ließ, ihn aber gleichwohl noch weiter auf Offenburg an der Pöls und dann zu Hainburg gefangen hielt. Erst als der Herzog nach Unterwerfung der Steirer diesen aus freien Stücken ddo. Freisach 20. März 1292 die alten Freiheiten und Landesgewohnheiten neu verbrieft, sowie den Widerstand des Grafen Ulrich von Heunburg gebrochen hatte, vermittelte Friedrichs von Stubenberg, zugleich auch Herzog Albrechts hochangesehener Oheim Graf Friedrich von Ortenburg einen Vergleich, gemäß dessen Friedrich von Stubenberg 1000 Mark für seine persönliche Freiheit, 3000 Mark für die Rückgabe seiner Schlösser, zusammen 4000 Mark Silbers zahlte und in der Urkunde ddo. Gratz den 24. August 1293, unter dem Siegel seines Oheims Grafen Friedrich von Ortenburg und seines Bruders Heinrich und unter seinem eigenen gelobte, dem Herzoge Albrecht von Oesterreich treu zu dienen. Dieser Vertrag drückte den Dynasten von Stubenberg zur Ministerialität herab. Dem politischen Leben scheint Friedrich nun sich ferngehalten und nur sein Bruder Heinrich darin noch thätig geblieben zu sein. Den Namen seiner Gattin kennen wir nicht, [128] wohl aber den seiner Tochter Elsbeth, welche er um 1300 an Ulrich von Rindscheid vermälte. [Sartori (Franz), Lebensbeschreibungen berühmter Helden u. s. w. (Wien 1814, 8°.) S. 351: „Friedrich von Stubenberg“. – Mailáth (Johann Graf), Geschichte des österreichischen Kaiserstaates (Hamburg 1850, Franz Perthes, 8°.) Bd. I, S. 70 und 73. – Friedrichs Niederlage bei Kraubath behandelte I. J. Hannusch poetisch und befindet sich das Gedicht abgedruckt in der „Oesterreichischen Adelshalle“ (Wien 1842, Franz Wimmer, 12°.) S. 303, in welche es aus dem Hormayr’schen „Taschenbuch für vaterländische Geschichte“, worin es zuerst abgedruckt war, aufgenommen wurde.] –