BLKÖ:Szontagh, Gustav von

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Szombathy, Ignaz
Band: 42 (1880), ab Seite: 246. (Quelle)
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Szontagh, Gustav v. (k. k. Hauptmann, philosophischer und landwirthschaftlicher Schriftsteller, geb. zu Csetnek im Gömörer Comitate Ungarns 9. April 1793, gest. zu Pesth 7. Juni 1858). Der Sproß einer alten ursprünglich deutschen Familie [vergl. das Nähere S. 248 in den Quellen] ist er der ältere Sohn des Gömörer Stuhlrichters Adam (geb. 1759, gest. 17. März 1840) aus dessen Ehe mit Susanne Bodó. Die unteren Schulen besuchte er zu Miskolcz und Mezöberény, die philosophischen Jahrgänge zu Pesth, wo er sodann die Rechte studirte, nach deren Beendigung er bei A. Cházár in Rosenau der Advocatenpraxis sich widmete. Im Jahre 1813 stellte er sich in das ungarische Infanterie-Regiment Nr. 33, damals Hieronymus Graf Colloredo, ein und betheiligte sich noch an den letzten französischen Kriegen. Er rückte zum Fähnrich, später zum Lieutenant bei Máriássy-Infanterie Nr. 37 vor und trat nach 13jähriger Activität in diesem Regimente, bei dessen Inhaber Feldzeugmeister Freiherrn Máriássy er auch einige Zeit Adjutantendienste versah, 1837 als Hauptmann in den Ruhestand über. Er lebte nun seinen wissenschaftlichen Neigungen und beschäftigte sich daneben mit Landwirthschaft, die er ebenso rationell als mit Erfolg betrieb. Seine ersten schriftstellerischen Arbeiten, die ungedruckt geblieben sind, verfaßte er in deutschem Idiom, später begann er in seiner Muttersprache zu schreiben und veröffentlichte verschiedene philosophische, pädagogische, kritische und selbst schöngeistige Artikel in den ungarischen Zeitschriften „Tudománytár“, „Athenaeum“, „Uj magyar Muzeum“, „Figyelmező“ u. A. Es seien davon genannt: „Ueber literarisch-kritische Flugschriften“; – „Der Heldenkampf um Eva Takács; – „Scene aus unserem [247] Babel“ ein Lustspiel, 1828 in der Zeitschrift „Koszorú“, d. i. Der Kranz; – „Glaube, Hoffnung und Liebe“ 1837 im „Muzarion“; – „Das Preisbild“ 1837 in der „Aurora“; – „Napoleon als Schriftsteller“ im „Tudománytár“ und die Einquartierung, Lustspiel im „Árvizkönyv“ (Ueberschwemmungs-Album), und einige Leitartikel für „Jelenkor“ (die Gegenwart). Sprach sich auch in allen diesen Arbeiten schriftstellerische Gewandtheit, Geist und ungewöhnliches Wissen aus, so erregte er denn doch erst mit seinem Werke: „Propyleumok a magyar Philosophiához“, d. i. Propyläen zur ungarischen Philosophie (Ofen 1839), in wissenschaftlichen Kreisen Ungarns, welche er in demselben mit verschiedenen philosophischen Systemen bekannt machte, nicht gewöhnliches Aufsehen. Nicht etwa, daß er ein neues philosophisches System geschaffen hätte, aber er erklärte sich als Gegner Hegel’s und der neueren deutschen Philosophie, und das wollte zu jener Zeit, da man in philosophischen Kreisen noch zu Hegel schwur, immerhin etwas sagen. Er trat in die Fußstapfen Hetényi’s, der, indem er jedes constructive Princip der Philosophie negirte, ihr nur ein regularives einräumte, dieses letztere aber als ihr absolut nothwendig und unerläßlich bezeichnend, denn das Gesetz der Einheit befindet sich in unserer Vernunft, ohne diese ist es nicht denkbar, die Erkenntniß in ein einheitliches Ganzes, in ein System zusammenzufassen. Szontagh war nun der zwar nicht originelle, aber doch gründliche und tüchtigste Fortbildner des Hetényi’schen Grundgedankens. Die ungarische Akademie nahm den wissenschaftlichen Kämpfer unter die Mitglieder der philosophischen Classe auf, und er behandelte in seiner Antrittsrede die Hauptprincipien und den Charakter der ungarischen Philosophie. Später hielt er in dieser gelehrten Körperschaft die Gedächtnißrede auf Alexander Tanárky, welche in den Schriften derselben abgedruckt ist, und schloß dann seine schriftstellerische Thätigkeit als Philosoph mit dem Werke: „A magyar egyerzmenyes ügye“ (Pesth 1855). Mit dieser strengwissenschaftlichen Wirksamkeit verband er aber auch eine große Vorliebe für die Landwirthschaft und den Gartenbau, namentlich für die Specialitäten der Melonen- und Tabakcultur, über welche von ihm folgende Schriften erschienen sind: „A szenvedelmes dinnyész“, d. i. Der passionirte Melonenzüchter (Miskolcz 1843, zweite Auflage Pesth 1854); – „Utmutatás az oIcszerü dohánytermesztésre“, d. i. Anleitung zu einem rationellen Tabakbau (Ofen 1846, 2. Aufl., Pesth 1854), welche mit dem Preise gekrönt wurde. Kleinere Fachartikel veröffentlichte er in der landwirthschaftlichen Zeitschrift: „Mezei gazda“. Seit 1849, in welchem Jahre der provisorische Ausschuß des Pesther Landwirthschafts-Vereines sich gebildet hatte, gehörte er demselben als Mitglied an und entwickelte als solches eine aufopfernde und sehr ersprießliche Thätigkeit. Szontagh starb unvermält im Alter von 65 Jahren. Sein jüngerer Bruder Adam Thaddäus (geb. 1794, gest. 1830), gleich dem Vater Gömörer Stuhlrichter, pflanzte mit seiner Gattin Josepha Abráhami diesen Nebenzweig des ausgebreiteten Geschlechts der Szontagh fort.

Allgemeine Zeitung (Augsburg, Cotta, 4°.) 1858, Nr. 164, S. 2639 u. f. – Oesterreichische Zeitung (Wiener polit. Blatt) 1858, Nr. 129: „Correspondenz aus Pesth ddo. 8. Juli. – Militär-Zeitung (Wien [248] gr. 4°.) 1858, Nr. 38, S. 327. – Vasárnapi ujság, d. i. Sonntags-Zeitung (Pesth, 4°.) 1858, Nr. 25: „Szontagh Gusztáv“ [nach dieser gestorben am 6. Juni 1858]. – Magyar irók arczképei és életrajzai, d. i. Ungarns Schriftsteller in Bildern und Biographien (Pesth 1858, Gust. Heckenast, 4°.) S. 149. – Ujabb kori ismeretek tára, d. i. Ungarisches Conversations-Lexikon Bd. VI, S. 307.
Porträte. 1) Lithographie auf dem großen 1857 erschienenen Gruppenbilde „Magyar irók arczképcsarnoka 1857“. – 2) Holzschnitt ohne Angabe des Zeichners und Xylographen, im „Vasárnapi ujság“, 1858, Nr. 25; derselbe auch im „Protestáns képes naptár“ (protestantischer Bilder-Kalender) 1857, S. 50, und im „Magyar irók arczképei és életrajzai“, S. 151.