BLKÖ:Thürheim, Christoph Wilhelm (der Jüngere) Graf

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 44 (1882), ab Seite: 284. (Quelle)
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Thürheim, Christoph Wilhelm (der Jüngere) Graf (Staatsmann, geb. zu Linz am 3. Jänner 1731, gest. daselbst am 29. Juli 1809). Der erstgeborene Sohn des Grafen Johann Wilhelm aus dessen Ehe mit Maria Albertine Gräfin von Sprinzenstein. Frühzeitig dem Staatsdienste sich widmend, wurde er, mit der Würde eines k. k. Kämmerers bekleidet, Regierungsrath in Oberösterreich, 1763, erst 32 Jahre alt, Landeshauptmann daselbst und kurz darauf wirklicher geheimer Rath. In letzterer Eigenschaft 1779 als bevollmächtigter kaiserlicher Commissär zur Uebernahme des Innviertels beordert, traf er zu diesem Zwecke am 28. Mai Mittags mit seinem Gefolge in vier Wagen zu Braunau ein, wo Abends auch die ständischen Ausschüsse des Prälaten-, Herren- und Ritterstandes ob der Enns, sowie der landesfürstlichen Städte erschienen. [285] Am 29. Mai, an welchem die Ablösung der kurbayrischen durch die kaiserlichen Truppen stattfand, begab er sich im Laufe des Vormittags unter Vorantritt seines Gefolges und des landschaftlichen Ausschusses auf das städtische Rathhaus. An der Stiege empfingen ihn der von der Kurpfalz befehligte Commissär Graf Topor von Morawitzky, die Beamten der zu übergebenden kurfürstlichen Land- und Pfleggerichte, Forst-, Cassen- und Mauthämter, sowie der Stadtmagistrat und begleiteten ihn ins Rathzimmer. Hierauf wurden die Vollmachten der beiden gegenseitigen Hofcommissäre durch die dazu bestimmten Notare feierlich der Versammlung verlesen, die sämmtlichen kurfürstlichen Beamten von dem kurpfälzischen Commissär ihrer Pflichten enthoben, mit dem bezüglichen Gericht an den kaiserlichen Commissär ordentlich überantwortet und für Ihre k. k. Majestät in Eidespflicht genommen. Am 2. Juni ging zu Braunau die feierliche Huldigung vor sich. Um 8 Uhr Früh stellte sich das k. k. Militär vor dem Absteigquartiere des k. k. Bevollmächtigten Grafen Thürheim vom Stadtplatze bis zur Pfarrkirche in zwei Reihen auf, die Bürgerschaft in Mänteln rechts und links vor der Wohnung, der Magistrat auf beiden Seiten der Stiege, die Beamten nahmen das Vorgemach und Vorhaus ein. Um 81/2 Uhr erschien der zum Huldigungsact abgeordnete Ausschuß der Stände ob der Enns, und zwar vom Prälatenstande: Abt Erembert von Kremsmünster und Abt Maurus von Garsten; vom Herrenstande: Graf Reichard Salburg und Graf Joseph Weickhard Engl zu Wagrain; vom Ritterstande: Ferdinand Hayden von Dorf und Ludwig von Frey; von den landesfürstlichen Städten: der Stadtrichter von Wels Franz Grezmüller und der Bürgermeister zu Freistadt David Reiter nebst dem ständischen Syndicus Norbert Baumbach. Um 9 Uhr bewegte sich der feierliche Zug unter Glockengeläute, Trompeten- und Paukenschall vom Absteigquartier des Hofcommissärs zur Kirche, wo das Veni sancte spiritus abgesungen und vom Abte von Ranshofen das Hochamt celebrirt wurde. In der Rathstube fand sodann der Huldigungsact statt, dessen Vollzug die Landestrompeter verkündigten, während die Stücke auf den Bastionen und die aufgestellte Truppe Salven gaben. Hierauf folgte ein feierliches Te Deum in der Kirche, sodann die Entfernung des kurbayrischen Wappens und die Anheftung des kaiserlichen Adlers. Durch diese feierlichen Acte und Ceremonien war das Innviertel dem Lande ob der Enns einverleibt. Sämmtliche Ständemitglieder lud man zu einem glänzenden Gastmahle, bei welchem die Bevollmächtigten mit den städtischen Deputirten an einer besonderen Tafel speisten. Unter dem Donner des großen und kleinen Geschützes wurden die Toaste auf das Wohl der k. k. Majestäten als nunmehriger Landesgebieter des Innviertels ausgebracht. Den Tag beschloß ein Festball. „Und solchergestalten“, sagt der Bericht über den Huldigungsact zu Braunau, „ist diese feierliche Handlung in größter Ordnung und zu allseitiger Zufriedenheit vollbracht worden“. Mit 1. November 1783 trat an Stelle der Landeshauptmannschaft in Oberösterreich die Präsidentschaft der Landesregierung. Der bisherige Landeshauptmann Christoph Wilhelm Graf Thürheim wurde somit der erste Landes-Regierungspräsident in Oberösterreich. Da seine persönlichen Rechtsüberzeugungen mit den nun [286] ins Leben tretenden Reformen Kaiser Josephs II. im Widerspruche standen, resignirte er 1786 auf seine Stelle, und zog er sich gänzlich aus dem Staatsdienste zurück. Abwechselnd lebte er auf seinen Schlössern Weinberg und Hagenberg, welches er gekauft hatte, sowie in seinem Hause zu Linz, bis er an letzterem Orte im 79. Lebensjahre das Zeitliche segnete. In der Gruftcapelle zu Käfermarkt, in welcher seine irdischen Ueberreste beigesetzt wurden, ist auch seine Gedächtnißtafel eingemauert. Die Herrschaft Weinberg cum apertinentiis hatte er noch bei Lebzeiten, weil er keine männlichen Erben besaß, im Jahre 1806 gegen den festgesetzten fideicommissarischen Einstand von 200.000 fl. seinem Vetter Joseph Wenzel Grafen Thürheim übergeben und die von ihm 1774 dem Freiherrn Thomas Wöber abgekauften Herrschaften Hagenberg und Pottendorf bereits am 15. October 1802 seiner Tochter Maria Francisca Gräfin Althann abgetreten. Christoph Wilhelm hatte sich dreimal vermält: am 13. September 1763 mit M. Antonia Gräfin Kaunitz-Rietberg, der einzigen Tochter des berühmten Hof- und Staatskanzlers der theresianischen Glanzepoche Fürsten Anton Wenzel von Kaunitz-Rietberg [siehe Antonia Maria S. 273, Nr. 2]; am 28. Juli 1771 mit Maria Anna geborenen Gräfin von Künigl, Witwe des k. k. Kämmerers und Obersten Grafen Christoph Migazzi; am 21. Jänner 1802 mit der Stifts- und Sternkreuzordensdame Marie Gräfin von Gaisruck, welche ihren Gemal überlebend, zu Wien 1840 starb. Diese letzte Ehe blieb kinderlos. Aus der ersten stammte außer einem am Tage seiner Geburt gestorbenen Sohne Namens Xaver die Tochter Maria Aloisia (geb. zu Wien 6. August 1767, die mit dem Grafen Christoph Migazzi am 13. Juni 1786 getraut und 1829 verwitwet, im hohen Greisenalter von 84 Jahren zu Wien am 25. Juni 1851 verschied. Sie besaß eine außerordentliche Gedächtnißstärke und scharfen Verstand, darin ihrem Großvater dem Fürsten Kaunitz ähnelnd. Der zweiten Ehe entsproßten zwei Tochter: Maria Wilhelmine (geb. 1772), mit dem kurbayrischen geheimen Rathe Grafen Franz Paris Lodron 1787 vermält und in ihrem 96. Lebensjahre auf ihrem Landsitze Minasheim bei Gnigl zu Salzburg am 22. Februar 1868 als Witwe gestorben; sie sowohl als ihre Schwester Aloisia Gräfin Migazzi waren Palast- und Sternkreuzordensdamen; Maria Francisca (geb. 1774, gest. im December 1848), welche sich 1796 mit dem Grafen Michael Maximilian Althann, Granden von Spanien erster Classe, k. k. Kämmerer, Commandeur des Leopoldordens, Major in der Armee, vermälte; sie ist die Mutter des gegenwärtigen Chefs des gräflichen Hauses Althann.

Oesterreichische Biedermanns-Chronik. Ein Gegenstück zum Phantasten- und Prediger-Almanach (Freiheitsburg [Akademie in Linz], Gebrüder von Redlich, 1784, kl. 8°.) im Anhange, S. 248 [enthält eine den Grafen Christoph Wilhelm Thürheim sehr ehrende Charakteristik].