BLKÖ:Theobald, Zacharias

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 44 (1882), ab Seite: 205. (Quelle)
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Noch ist erwähnenswerth:

1. Zacharias Theobald (geb. zu Schlackenwald in Böhmen 29. März 1584, gest. zu Krafthof nächst Nürnberg im Jahre 1627), dessen Arbeiten zur Geschichte Böhmens, namentlich aber zu jener des Hussitenkrieges, noch heute sehr schätzbar sind. Wohl vorgebildet auf dem Gymnasium seiner Vaterstadt, bezog er die Hochschule in Wittenberg, wo er 1604 die philosophische Doctorwürde erlangte. Nach Abschluß seiner theologischen Studien ging er als Reisebegleiter mit einigen jungen Edelleuten, welche die čechische Sprache erlernen wollten, nach Böhmen, besuchte die vornehmsten [206] Städte dieses Landes und sammelte in Bibliotheken und Archiven, sowie aus dem Munde glaubwürdiger und unterrichteter Männer seine Materialien zu einer Geschichte des Hussitenkrieges. Nach Ausbruch des dreißigjährigen Krieges nahm er im Heere des Grafen Mannsfeld, als dieser Pilsen belagerte, die Stelle eines Feldpredigers an, aber bald darauf leidend geworden, mußte er sich nach Nürnberg bringen lassen. Daselbst gewann er durch sein reiches Wissen und sein würdevolles Verhalten das Vertrauen einiger Patricier, die ihm nach seiner Genesung die Pfarre in dem bei Nürnberg gelegenen Orte Krafthof verschafften. Wegen chronischer Heiserkeit seiner Stimme im Begriffe, das Predigtamt aufzugeben, wurde er von den Vorstehern der Altdorfer Universität als Lehrer der Mathematik an dieselbe berufen. Aber noch mitten in den Anstalten zur Uebersiedlung befiel ihn die tödtliche Krankheit, durch die er in der Vollkraft seines Lebens, im Alter von erst 43 Jahren, dahingerafft wurde. Seine Materialien zur Geschichte Böhmens hat er in mehreren noch heute geschätzten Werken verwerthet. Außer Geschichte trieb er auch Naturforschung und Mathematik. Die Titel der von ihm herausgegebenen Schriften sind: „Chronologica Bohemicae Ecclesiae adumbratio“ (Wittembergae 1611); – „Series genealogica et chronologica Judicum, Ducum et Regum Bohemiae“ (ibid. 1612; neue Aufl. 1617); eine deutsche Uebersetzung davon erschien zu Augsburg 1620. Worauf Theobald in dieser Schrift einige mit großer Bestimmtheit ausgesprochene Angaben stützt, welche bisherigen Annahmen widerstreiten, so z. B. die Festsetzung der Ankunft Čech’s in Böhmen und der Zeit des Todes desselben, ist nirgends ersichtlich, und dieser Umstand erweckte auch das Befremden der böhmischen Historiker; – „Topographica Regni Bohemiae descriptio“ (Wittemb. 1612), befindet sich auch als Anhang bei der vorgenannten „Series genealogica“; – „Hussitenkrieg oder Geschichte des Lebens und der Lehre des M. Johann Hussens, ingleichen der böhmischen Kirche, der Heldenthaten des Johann Zischka u. s. w.“, von diesem Werke erschien das erste Buch 1609 zu Wittenberg in 4°., dann aber in neuer Ausgabe mit Verbesserungen, und mit drei Büchern vermehrt, zu Nürnberg 1621 in 4°.; in neuer Aufl, ebenda 1640 gleichfalls in 4°. und 1750 in Breslau mit dem Bildnisse Theobald’s und Anderer, die in dieser Zeit sich bemerkbar gemacht. Nach Balbin hätte Theobald’s Sohn, zur Unterscheidung vom Vater (Theobaldus senior) Theobaldus junior genannt, die lateinische Uebersetzung dieses Werkes besorgt. Nach Zedler’s „Universal-Lexikon“ wäre eine Ausgabe dieser Geschichte auch zu Frankfurt im Jahre 1621 und eine andere von Jacob Pontanus verlegte ebenda 1625 in Folio erschienen. Mit letzterer hat. es seine volle Richtigkeit, und von Freherus ist sie in dessen Sammlung böhmischer Geschichtsschreiber aufgenommen. Theobald’s Geschichte der Hussiten steht in vollem Gegensatze zu jener von Cochlaeus. Theobald ist der begeisterte Anhänger Hussens und Hieronymus’, er ist der entschiedene Gegner der Katholiken und Jesuiten. Aber bei der Befangenheit seines Standpunktes läßt er sich ungeachtet des Reichthums seiner Materialien nur mit Vorsicht benützen; – „Paraphrasis in libros Aristotelis de prima Philosophia“; – „Dehortatio de veteribus anabaptistis et rccentioribus fanaticis“; – „Arcana naturae“, d. i. Sonderlich Geheimniß der Natur aus glaubwürdigen Autoren und Erfahrungen zusammengetragen mit manchen für Böhmens Naturkunde bemerkenswerthen Nachrichten; – „Kinder-Büchlein in kurzen Fragen von den vornehmsten Festen im Jahr“; – „Bedenken, was von dem Beyfall in Bamberg zu halten“; – „Von dem seligen Anschauen Gottes im ewigen Leben“; – nach Balbin’s „Miscellanea Regni Bohemiae“, Lib. I, cap. 12, hätte Theobald auch ein Werk über die Joachimsthaler Bergwerke geschrieben. welches aber bisher nicht aufgefunden wurde; – ferner ist er auch der Verfasser der Schrift: „Bericht, was Jammer und Elend die alten Wiedertäuffer gestiftet und was von den Weizelianern, Rosencranzern und Pansophisten zu halten“. [Zedler’s Universal-Lexikon (Halle u. Leipzig) Bd. XLIII, Sp. 661, – Jöcher’s Gelehrten-Lexikon, Bd. IV, Sp. 1093. – Balbini (Boh.). Bohemia docta.... Edidit P. Candidus a S. Theresia (Pragae 1777, 8°.) p. 31. – Voigt a S. Germano (Adauct). Acta litteraria Bohemiae et Moraviae (Pragae 1774, kl. 8°.) p. 337. – d’Elvert (Christian). Historische Literaturgeschichte von Mähren und Oesterreichisch-Schlesien (Brünn 1850, 8°.) S. 78, 79 und 205. [S. 78 bezeichnet d’Elvert als eine Quelle über Zacharias Theobald das Werk: Voigt, „Abbildungen“, Bd. I, S. 101–104. Von Voigt existirt [207] ein so betiteltes Werk nicht, es sind darunter (Martin Pelzel’s) „Abbildungen böhmischer und mährischer Gelehrter und Künstler“ (Prag 1773, W. Gerle, 8°.) gemeint. – Porträte. 1) Unterschrift: „Zacharias | Theobaldus“. J. Kleinhard del. 1772. J. Balzer sc. (Pragae, 8°.). – 2) Unterschrift: „Effigies M. Zachariae Theobaldi | Aetatis: XXXVII Ao. Chr. CIƆIƆCXXI.“; über dem Bilde: „Summa rerum humanarum labor | et maeror.“ Wahlspruch: „Simplices sicut columbae, astuti ut serpentes”. Emblem: in einer Kugel, auf welcher eine Schlange sichtbar, eine Taube. Schöner kräftiger Stich ohne Angabe des Zeichners und Stechers (8°.). – 3) Unterschrift: „M. Zacharias Theobaldus | Aetatis XL Vol44page201ao tilde.jpg Chr. CIƆIƆCXXIV“. Dazwischen obbeschriebenes Emblem. In der linken oberen Bildecke: I P sc., in der rechten Theobald’s Wappen (32°.). –