BLKÖ:Tomiotti de Fabris Graf von Cassano, Dominik

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 46 (1882), ab Seite: 92. (Quelle)
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Tomiotti de Fabris Graf von Cassano, Dominik (k. k. Feldzeugmeister und Ritter des Maria Theresien-Ordens, [93] geb. zu Mantua 28. Februar 1725, gest. zu Hermannstadt 14. Jänner 1789). In jungen Jahren trat er in das Infanterie-Regiment Bayreuth, heute Kellner von Köllenstein Nr. 41, in welchem er bis zum Hauptmann vorrückte. 1757 als Major in den Generalstab versetzt, hatte er bei Maxen am 20. und 21. November 1759 seine Ehrentage. Nach genauer Recognoscirung des Terrains und der Stellung des Feindes führte er die Grenadiere auf den bequemsten Wegen zum Angriff und erstieg der Erste die feindliche Redoute. In Folge dessen wurde er vom Feldmarschall Daun auf dem Schlachtfelde zum Oberstlieutenant befördert und erhielt in der fünften Promotion (vom 23. Jänner 1760) das Maria Theresien-Kreuz. Im Feldzuge 1760 trug er bei Torgau am 3. November eine Wunde davon. Im Jahre 1761 zum Obersten in seinem Corps vorgerückt, zeichnete er sich bei der Eroberung von Schweidnitz am 1. October durch den muthigen Angriff auf die Gartenschanze aus, wo er eine Contusion erhielt; dann im Juli 1762 in dem Scharmützel bei Adelsbach. Er diente überhaupt während des ganzen siebenjährigen Krieges im Generalstabe mit so vieler Auszeichnung und bewies namentlich in Bezug auf Marschdirectionen so große Umsicht und Ortskenntniß, daß ihn wechselweise bald Daun bald Loudon in ihre unmittelbare Umgebung zogen. Im November 1762 befand sich Tomiotti unter den Abgeordneten, die mit dem preußischen General Krokow den Waffenstillstand (24. November 1762) für die Wintermonate abschlossen, welchem dann der Hubertsburger Friede (15. Februar 1763) folgte. 1774 zum Generalmajor ernannt, erhielt er zwei Jahre später das Infanterie-Regiment Nr. 15, heute Adolph Herzog zu Nassau. Bei Ausbruch des bayrischen Erbfolgekrieges wurde er Feldmarschall-Lieutenant und General-Quartiermeister der Armee, 1779 wirklicher Hofkriegsrath, im December 1784 commandirender General in Siebenbürgen, 1788 General-Feldzeugmeister und Commandant des daselbst aufgestellten Observationscorps. Große Verdienste erwarb er sich um dieses Land, welches er in sehr kritischem Zeitpunkte mit fast unzulänglichen Streitkräften vor den Türken rettete, als diese im Jahre 1788 durch das Hatzegerthal einzubrechen versuchten. Auf allen Seiten und Pässen stellte er seine wenigen Truppen so vorsichtig und zu ihrer gegenseitigen Unterstützung so zusammenhängend auf, daß alle Anläufe der Türken, ins Land zu dringen, vereitelt wurden. Unausgesetzte Thätigkeit und Anstrengung des Geistes hatte die Gesundheit des wackeren Generals schon vor langer Zeit zerstört, aber so leidend und der Ruhe bedürftig er war, er wollte nicht krank sein. „Man muß“, sagte er, wenn man ihn mahnte, sich zu schonen, „der Krankheit Trotz bieten“, und unter solchen Umständen hatten die Aerzte gut reden, er that doch immer, was er wollte. So erschöpften sich denn bei ungetrübt bleibender Frische seines Geistes nur allzu bald seine physischen Kräfte. Aber als er schon nicht mehr ohne Stütze sich aufrecht zu erhalten im Stande war, noch immer traf er persönlich alle Anordnungen, und zwar mit seltener Umsicht und Geistesgegenwart. In dem Werke „Der Tempel des Nachruhms“ heißt es von Tomiotti „Er war nicht nur Krieger, er war auch ein Vertrauter der Musen, in deren Gesellschaft ihm die Tage dahin flossen, und bei denen er auch im Alter noch, [94] oft mitten im Geräusche der Waffen, Erholung suchte“. Wie Siebenbürgen ihm seine Rettung, so verdankt ihm Hermannstadt ein Schauspielhaus, das nach seinem Entwurfe und durch seine Bemühung erbaut wurde. Alle Nekrologe stimmen in der Nachricht überein, daß er als ein Opfer seines Diensteifers nach nur siebentägigem Krankenlager gestorben sei.

Oesterreichisches Militär-Conversations-Lexikon, Bd. II, S. 268. – Hirtenfeld (J. Dr.), Der Militär-Maria Theresien-Orden und seine Mitglieder (Wien 1857, Staatsdruckerei, kl. 4°.) Bd. I, S. 107 und 1729. – Der Tempel des Nachruhms oder Sammlung kurz verfaßter Lebensgeschichten großer ausgezeichneter Militärpersonen, Staatsminister u. s. w. (Wien 1797, J. G. Binz, 8°.) Bd. I, S. 167 [nach diesem geb. zu Mansue im Venetianischen, wird wohl Mantua heißen sollen].