BLKÖ:Tschiderer von Gleifheim, Johann Nepomuk

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Tschink, Cajetan
Band: 48 (1883), ab Seite: 46. (Quelle)
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Tschiderer von Gleifheim, Johann Nepomuk (Bischof von Trient, geb. zu Bozen am 15. April 1777, gest. zu Trient am 3. December 1860). Der Sproß einer altadeligen Tiroler Familie, über welche die Quellen Seite 45 und die Stammtafel nähere Nachricht enthalten. Er ist ein Sohn des Joseph Joachim Ritter von Tschiderer aus dessen Ehe mit Katharina Giovanelli von Görstburg und Hörtenberg. Dem geistlichen Berufe sich widmend, empfing er am 27. Juli 1800 von dem Trienter Bischofe Emanuel Maria aus dem Hause der Grafen Thun die Priesterweihe, wirkte zwei Jahre als Hilfspriester in der Seelsorge und ging dann zu seiner weiteren Ausbildung nach Rom, wo er zum Notarius apostolicus ernannt wurde. Nach seiner Rückkehr diente er wieder in der Seelsorge, und zwar im deutschen Antheile der Trienter Diöcese, worauf er eine Professur [47] der Moral- und Pastoraltheologie zu Trient erhielt und gleichzeitig als Examinator Prosynodalis fungirte. Im Jahre 1810 kam er auf die Pfarre Sarnthal im Kreise an der Etsch, 1819 auf jene zu Meran in Tyrol, wo er auch die Stelle eines Schuldistrictsinspectors und Dekans bekleidete, überall, wo er weilte, durch unermüdlichen Eifer, durch Wohlthätigkeit, Dienstfertigkeit und Menschenliebe ein unvergeßliches Andenken hinterlassend. 1826 wurde er vom Fürstbischof Luschin [Bd. XVI, S. 164] zum Domherrn und Provicar in Trient und am 20. Mai 1832 vom Bischof Galura [Bd. V, S. 76] zum Bischof von Heliopolis in partibus infidelium und zum Generalvicar in Vorarlberg ernannt. Am 15. Juli 1834 von Kaiser Franz als Nachfolger Luschin’s auf den fürstbischöflichen Stuhl von Trient berufen, hielt er, am 19. December g. J. in dieser Würde bestätigt, am 3. Mai 1835 seinen feierlichen Einzug. Ein Vierteljahrhundert waltete er seines hohen Kirchenamtes, und sein Wirken war nichts als eine ununterbrochene Kette von Tugendübungen, Segen und Wohlthaten. Sein im hohen Alter von 83 Jahren erfolgter Tod wurde allgemein auf das tiefste beklagt. Erben aller seiner Habseligkeiten waren das Taubstummeninstitut in Trient und das von ihm errichtete und deshalb nach ihm Joanneum genannte Erziehungsinstitut in Bozen, dessen Zweck die Heranziehung von Studirenden ist, um dieselben vor dem unheilvollen Einflusse des leider sehr ausartenden Studentenlebens zu schützen. Papst Pius IX. hatte unseren Bischof zum Assistenten des päpstlichen Stuhles und zu seinem Hausprälaten ernannt, der Kaiser ihn mit dem Orden der eisernen Krone erster Classe ausgezeichnet. Wir sagten oben, daß Tschiderer’s Leben eine ununterbrochene Kette von Wohlthaten und Tugendübungen bildete. Er war bereits viele Jahre todt, als in einem historischen Rückblick auf das Leben dieses als Heiliger verehrten Kirchenfürsten sein Wirken näher geschildert wurde. „Obgleich von Ehren umgeben“, heißt es daselbst, „suchte er dieselben nie, vielmehr that er das Mögliche, um selbe sich ferne zu halten. Nur aus Gehorsam konnte er bewogen werden, die bischöfliche Würde anzunehmen. In seinem ganzen Benehmen, in Kleidung, in Nahrung, im Hausunterhalt hatte er nicht blos keinen Luxus, sondern war arm, ja hie und da völlig unter der Würde des Bischofs. Auf das sorgfältigste verbarg er seine Vorzüge, seine guten Werke und besonders das Almosen. Wovon er nie redete, war er selbst. Unannehmlichkeiten und Beleidigungen wußte er immer mit einer unverwüstlichen Ruhe und gänzlicher Verschwiegenheit zu ertragen. An seinem heiligen Wandel konnte wohl Niemand das Geringste ausstellen, in Erfüllung der Pflichten seines erhabenen Amtes zeigte er brennenden Eifer. So mäßig, wenn es seine eigenen Bedürfnisse galt, so prachtliebend war er, wenn es die Zierde seiner Kathedrale galt, bei Anschaffung kirchlicher Paramente, beim Schmucke seines Gotteshauses. Beträchtliche Summen verwendete er auf Almosen, zum Baue neuer Kirchen und deren Ausschmückung, zur Anschaffung guter Bücher für Widdumsbibliotheken, wovon jede einzelne in der ganzen Diöcese Zeugniß ablegen kann, zur Unterstützung dürftiger Studenten. Seine Liebe zu den Nächsten kannte keine Grenze. Oefter war er von allem Gelde entblößt, weil er Alles schon den Armen ausgetheilt hatte. [48] Um die Bedürfnisse seines Hauses oder seiner eigenen Person zu bestreiten, mußte er nicht selten von seinen eigenen Hausleuten Geld leihen; es fehlte ihm sogar manchmal an Leibwäsche und Kleidungsstücken, weil er seine eigenen den Armen gegeben. Nie ging Jemand von ihm mit leeren Händen, und seine Pfarrer und andere Vertrauten wissen es, wie viel er durch sie in der Diöcese an Bedürftige vertheilen ließ, die nie erfuhren, woher die Hilfe gekommen. Kranke und verschämte Arme lagen ihm besonders am Herzen, und letzteren spendete er reichlich und in zartester Weise. Beidesmal als die Cholera wüthete, vertheilte er sein ganzes Privatvermögen, das er von seinen Eltern ererbt, und Alles, was ihm die bischöfliche Mensa außer dem Allernothwendigsten erübrigte, unter die armen Kranken. Als er starb, hieß es in der ganzen Diöcese: ein Heiliger ist gestorben. Zahllos war die Menschenmenge, welche herbeieilte, um ihren heiligen Bischof zum letzten Male auf dem Paradebette zu sehen. Man berührte seine Kleider mit Rosenkränzen, Medaillen und anderen Sachen, um gleichsam denselben von seiner Heiligkeit etwas zutheil werden zu lassen. Und so wuchs die Verehrung für diesen unvergleichlichen Oberhirten von Jahr zu Jahr. Alles, was er besaß: Wäsche, Kleidung, Geräthschaften, Bildnisse, wird von Jahr zu Jahr eifriger gesucht.“ Thatsache ist das Folgende: Als im Sommer 1866 die Feinde schon vor Trient standen, rief man den Seligen um Hilfe an, und als dann wider alle menschliche Erwartung die Feinde abzogen, hieß es allgemein: der heilige Bischof hat uns gerettet. Der Verewigte besaß das besondere Wohlwollen des Kaiserhauses, und er war es, der Seiner Majestät dem Kaiser Franz Joseph und dessen Brüdern das Firmungssacrament ertheilte. Wie die „Voce cattolica“ im Jahre 1867 meldete, liefen von allen Seiten der Trienter Diöcese Bitten an den gegenwärtigen Fürstbischof (Riccabona) sowohl vom Säcular-, als vom Regularclerus, sowie von sehr vielen Laien aller Stände, auch der gebildetsten und höchsten ein, es möge der gewöhnliche Proceß über das Leben und die Tugenden seines Vorgängers eingeleitet werden, um so dessen Seligsprechung zu erwirken.

Gazzetta di Trento (Trient, Fol.) anno IV, 1860, Nr. 233, 235, 236 und 242: Nachrichten über seinen Tod; seine feierliche Bestattung und Nekrolog. – Das Vaterland (Wiener polit. Blatt) 1860, Nr. 85: Fürstbischof von Tschiderer †“. – Südtiroler Volksblatt, 1868, Nr. 4 und 5: „Der heiligmäßige Fürstbischof Tschiderer von Trient“. – Neue Freie Presse (Wiener polit. Blatt) 1867, Nr. 909: „Die Seligsprechung des Fürstbischofs von Trient Joh. Nep. v. Tschiderer“.
Porträt. Unterschrift: „Johann Fürst-Bischof von Trient“. Eduard Kaiser 1856 (lith.). Druck von J. Haller (Wien, bei L. J. Neumann, Fol.) [sprechend ähnlich].