BLKÖ:Vay, Daniel Graf

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 50 (1884), ab Seite: 39. (Quelle)
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3. Daniel Graf Vay (geb. zu Felső-Vadász am 20. April 1820), ein Sohn des Grafen Abraham aus dessen Ehe mit Sophie Kazinczy, einer Base des berühmten ungarischen Dichters Franz Kazinczy [Bd. XI, S. 97]. Im Jahre 1843, als die Verhandlungen im ungarischen Parlamente wegen der Sprachenfrage Scandalscenen betrübendster Art hervorriefen und namentlich der Vorgang gegen die Deputirten Croatiens viele Gemüther erbitterte, war die Stimmung im Publicum eine ungemein erregte. In Massen drängte sich dasselbe zu der am 2. December anberäumten Circularsitzung. Der aus Serbien gekommene russische Gesandte Baron Lieven befand sich an Seite des Grafen Széchényi auf der Tribüne. Klauzal sprach und stellte den Antrag: „die Croaten, welche sich gegen die Aufnahme der ungarischen Sprache als Parlamentssprache gestellt, lateinisch sprechen zu lassen, davon jedoch weiter keine amtliche Notiz nehmen zu wollen, die Reden als nicht gesprochen anzusehen und deren Aufnahme ins Reichsdiarium zu verbieten!“ Dieser Antrag wurde angenommen, und die Aufregung wuchs. Die Juraten, welche von der ungarischen Opposition längst als öffentliche Meinung waren proclamirt worden, führten wie natürlich das große Wort, aber diesmal standen die Deputirten nicht zu ihnen, und Beőthy schrie voll Entrüstung zu den Galerien hinauf: „Die Galerien werden nie dem legislativen Körper imponiren!“ Der berühmte Personal Szentkiralyi ließ sich durch das Zischen derselben auch nicht irre machen und erklärte lakonisch: „Wenn Euch früher der Beifall gefiel, so muß Euch nun auch das Gegenteil gefallen“. Das war eine neue, von den Betreffenden, denen sie galt, nie gehörte Sprache. Die Jugend, die sich um ihre Macht gebracht sah, wollte eine Deputation an Deák schicken und ihn um Hilfe anflehen; sie wollte, um ihr Mißtrauen gegen die Deputirten auszusprechen, dem Grafen Louis Batthyány einen Fackelzug bringen und um sein kräftiges Einschreiten bitten; sie wollte wie zum Trotze für die den Croaten widerfahrene Unbill dem russischen Gesandten Lieven eine Nachtmusik veranstalten. In dieser kritischen Lage, deren weitere Consequenzen doch nicht abzusehen waren, trat ein junger Mann auf, der damals noch nicht 24jährige Daniel Graf Vay, und nur der größten Anstrengung desselben – Hugo in seinen „Neuen Croquis aus Ungarn“ S. 127 nennt ihn den Lafayette der Juraten und Kanzlisten – gelang es durch eine zweistündige [40] Rede im Hollinger’schen Kaffeehause, daß jede Demonstration vermieden wurde, welche wahrscheinlich zur Auflösung des Landtages geführt hätte. Der Graf, welcher sich auch später in den Tagen der Bewegung immer in den Schranken politischer Mäßigung hielt, wurde im Jahre 1864 Obergespan des Szaboleser Comitates. Er ist mit Amalie geborenen Baronin Sennyey vermält. [Sarkady (István). Hajnal. Arczképekkel és életrajzokkal diszetett Album, d. i. Die Heimat. Bilder- und Biographien-Album (Wien 1867, Leopold Sommer, gr. 4°.) Blatt 55. – Porträt. Unterschrift: „Gróf Vay Dániel“. Marastoni Jos. 1864 (lith.) Ny. Pollak Testvérek Pesten 1864 (4°.).] –