BLKÖ:Vietz, Ferdinand Bernhard

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Vietz, Johann Georg
Band: 50 (1884), ab Seite: 282. (Quelle)
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Vietz, Ferdinand Bernhard (Director des Thierarzenei-Institutes in Wien, geb. ebenda am 20. August 1772, gest. am 24., nach Anderen 25. Juli 1815). In Wien beendete er Gymnasium und philosophische Studien und widmete sich dann der Jurisprudenz, woraus er 1794 als Kanzlist bei dem Reichshofrathe in den österreichischen Staatsdienst trat. Aber bei seiner vorherrschenden Neigung für naturhistorische und medicinische Wissenschaften verließ er denselben noch im nämlichen Jahre und begann das Studium der Medicin, aus welchem er am 9. April 1799 die Doctorwürde erlangte. Für das Lehramt sich entscheidend, erhielt er 1801 von der niederösterreichischen Landesregierung die außerordentliche Professur der medicinischen Polizei- und gerichtlichen Arzeneikunde an der Wiener Universität. Als dann 1805 die Systemisirung dieser Lehrkanzel als einer ordentlichen erfolgte, wurde ihm dieselbe nach abgelegtem Concurse mit Decret vom 2. März 1805 verliehen. In der Zwischenzeit hatte er überdies an Sonn- und Feiertagen über die Rettung und Behandlung Scheintodter gelesen. Mit Regierungsdecret vom Jahre 1803 erging an ihn der Auftrag, Vorlesungen im allgemeinen Krankenhause zu halten und zugleich mit seinen Schülern den gerichtlichen Leichenbesichtigungen beizuwohnen. Nach der Vereinigung des Thierarzenei-Institutes mit der Universität wurde er mit Decret vom 11. September 1812 an Fechner’s Stelle, der kränklichkeitshalber aus dem Amte geschieden, zum Director dieses Institutes ernannt. Noch im nämlichen Jahre erhielt er den Auftrag, sämmtliche Quarantaine-Anstalten in den Provinzen des österreichischen Küstenlandes zu besuchen und darüber Bericht zu erstatten. Im Februar 1813 trat er zu diesem Zwecke seine Reise an. Er entledigte sich seines Auftrages, bereiste die Seeküste von Venedig bis Ragusa und Cattaro und besuchte auch Livorno. Aber auf der Rückreise nach Wien begriffen, wurde er auf der Ueberfahrt von Triest nach Dalmatien von einem heftigen Nervenfieber befallen und erlag in Zara im schönsten Mannesalter von erst 43 Jahren dem Uebel, dessen Keime er wohl bei den Untersuchungen der Quarantaine-Anstalten in sich aufgenommen. Die Muße seines lehramtlichen Berufes widmete Vietz schriftstellerischen Arbeiten in naturwissenschaftlichen Fächern. Die Titel seiner Schriften sind: „Icones plantarum medico-oeconomico-technologicaum cum earum fructus ususque explicatione oder Abbildung [283] aller medicinisch-ökonomisch-technologischen Gewächse mit der Beschreibung ihres Nutzens und Gebrauches. 10 Bände mit 1090 illum. Kupfern“ (Wien 1800–1820, Schrämbl, 4°., 150 Reichsthlr.); nur die ersten drei Bände sind von Vietz, die Fortsetzung besorgten Ign. Albrecht und L. J. Kerndl; theils die Anstrengungen seines Berufes, theils sein früher Tod hinderten ihn, das Werk selbst zu vollenden; – „Ueber das Rettungsgeschäft scheintodter und in plötzliche Lebensgefahr gerathener Menschen, nebst den k. k. österreichischen neuen Verordnungen und der Noth- und Hilfstafel“ (Wien 1804, Camesina, gr. 8°.); – „Anatomische Abbildungen des menschlichen Körpers. Herausgegeben von P. J. Weindl. Erster Band: Bänderlehre, mit KK.“ (Wien 1805, gr. Fol.); – „Unterricht für Dominien und Unterthanen, um sowohl Viehseuchen als auch andere wichtige Krankheiten, wenn es möglich ist, zu verhüten, wirklich ausgebrochene zu tilgen“ (Wien 1809); – „Biographie des Dr. Ferdinand Leber“ (Wien 1810), ein Vortrag, gehalten anläßlich der 1810 von der medicinischen Facultät in Wien veranstalteten Gedächtnißfeier Leber’s; – „Unterricht für den Gutsbesitzer und Landmann über die Pocken der Schafe und ihre Impfung“ (Wien 1813); – „Instruction für die öffentlich angestellten Aerzte und Wundärzte in den k. k. Staaten, wie sie sich bei gerichtlichen Leichenbeschauungen zu benehmen haben“ (Wien 1814, 8°.); – „Kurze Darstellung mehrerer physiologisch-pathologischer und therapeutischer Versuche mit der Blausäure, die im k. k. Thierarzenei-Institute an Pferden und Hunden angestellt wurden“ (Wien 181., 8°.). Nach dem Tode unseres Gelehrten gab J. Bernt den ersten Band von dessen „Vorlesungen über gerichtliche Arzeneikunde, nach des Verfassers Handschrift mit Anmerkungen“ heraus (Wien 1817, Geistinger, gr. 8°.). Im Auftrage des Kaisers Franz verfaßte Vietz einen ganz neuen Pest-Polizeicodex für das feste Land des österreichischen Kaiserstaates, welche Arbeit im October 1811 den Behörden zur Würdigung übergeben wurde; ferner eine neue Organisation des Wiener Thierarzenei-Institutes, die im Mai 1813 gleichfalls den Behörden zur Prüfung vorgelegt wurde. Und in der letzten Zeit seines Lebens noch beschäftigte er sich im Auftrage des Kaisers mit der Zusammenstellung einer allgemeinen Quarantaine-Ordnung für die Seeküsten des österreichischen Staates, welche jedoch in Folge seines vorschnellen Todes unbeendet blieb.

Erneuerte vaterländische Blätter für den österreichischen Kaiserstaat (Wien, Strauß, 4°.) 1813, 362. – Oesterreichs Pantheon. Galerie alles Guten und Nützlichen im Vaterlande (Wien 1831, M. Chr. Adolph, 8°.) Bd. II, S. 64–66 und Bd. IV, l S. 187 [zwei fast ganz gleichlautende Artikel; das im Artikel des IV. Bandes unter Nr. 6 angeführte Werk: „Lebens-Biographie!“ ist ein komischer Druckfehler, und soll es heißen: „Leber’s Biographie“). – Schrader-Hering. Biographisch-literarisches Lexikon der Thierärzte aller Zeiten und Länder (Stuttgart 1860, Ebner und Seubert, Lex.-8°.) S. 449 [ein für ein Special-Lexikon der Veterinärärzte sehr lückenhafter Artikel, in welchem nicht eine der Vererinärschriften Vietz’s erwähnt wird]. – (Schwaldopler). Geschichte des neunzehnten Jahrhunderts. Mit besonderer Hinsicht aus die österreichischen Staaten (Wien 1808, Doll, 8°.) IV. Bändchen: „Geschichte des Jahres 1864°. in dem Werke „Iconos plantarum etc.“ Seite 169. [Während hier die Abbildungen als „gut gerathen und größtentheils nach lebenden oder getrockneten Exemplarien genommen“ bezeichnet werden, rügt Neilreich in seiner „Geschichte der Botanik in Niederösterreich“ geradezu, daß es keine Originalabbildungen enthält und sich so nur geringen Beifalls erfreute. Auch gibt Neilreich eilf Bände an während das Kayser’sche „Bücherlexikon“ und die „Oesterreichische National-Encyklopädie“ deren nur zehn anführen.] – Verhandlungen des zoologisch-botanischen Vereines in Wien (Wien 1855, 8°.) Bd. V, [284] S. 1855, Abhandlungen, S. 38, im Aufsatze: „Geschichte der Botanik in Niederösterreich“. Von August Neilreich.