BLKÖ:Virág, Benedict

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
Band: 51 (1885), ab Seite: 37. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
in der Wikipedia
GND-Eintrag: 143373013, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Virág, Benedict|51|37|}}

Virág, Benedict (ungarischer Poet, geb. zu Nagy-Bajom im Sümegher Comitate 1752, gest. in Pesth 23. Jänner 1830). Obgleich es ungarische Adelsfamilien des Namens Virág gibt, so scheint doch in Rede Stehender keiner solchen anzugehören, denn sonst würde er wohl in Iván Nagy’s Adelswerke „Magyarország családai“, zu finden sein. Benedict, der seine Gymnasialbildung in Kanizsa und Fünfkirchen genoß, trat 1775, 23 Jahre alt, zu Pesth in den Paulinerorden, in welchem er daselbst Philosophie und dann zu Fünfkirchen Theologie studirte. Nach Empfang der Priesterweihe dem Lehrberufe sich widmend, wurde er 1781 Professor am [38] Gymnasium zu Stuhlweißenburg, wo er fünf Jahre später die Auflösung seines Ordens erlebte. Jedoch verblieb er in seinem Lehramte, bis er häufiger Kränklichkeit halber sich 1794 in den Ruhestand versetzen ließ. Er zog sich darauf nach Pesth, später nach Ofen zurück und lebte daselbst bis zu seinem Hinscheiden ausschließlich literarischen Arbeiten. Obgleich sein Tod in natürlicher Weise erfolgte, war er doch von gräßlichen Umständen begleitet. In entsagender Armut verbrachte nämlich Virág 36 Jahre in völliger Abgeschiedenheit von der Welt und ward als 78jähriger Greis in der Nacht vom Schlage getroffen. Erst als sein Nichterscheinen auffiel und man nach einigen Tagen die Thür seiner Wohnung sprengte, fand man ihn von seinen Hausthieren, einer Katze und einem Raben, fast zernagt. Virág, der anfangs Stephan Paul Anyos [Bd. I, S. 50] zum Verbilde nahm, war frühzeitig literarisch thätig, doch trat er erst 1788 im „Magyar Museum“ mit einigen Oden öffentlich auf. Als er nach Niederlegung seines Lehramtes sich ausschließlich literarischen Arbeiten widmen konnte, gab er seine „Poétai munkák“, d. i. Poetische Werke (Pesth 1799), heraus, von denen 23 Jahre später eine zweite auf zwei Bücher angewachsene Ausgabe (Pesth 1822) erschien, welche ihm keinen geringeren Beinamen, als den des „ungarischen Horaz“ erwarb. Dieser ersten Sammlung folgten dann noch einige andere, wie: „Poemák“, d. i. Poesien (Pesth 1811), „Thalia“ (ebd. 1813), „Euridice“ (ebd. 1814) und „Magyar lant“, d. i. Ungarische Leier, 3 Hefte (Ofen 1825), welche indeß weniger ansprachen, als seine ersten Gedichte. Außer diesen poetischen Arbeiten besitzt aber die ungarische Literatur von ihm noch andere auf verschiedenen Gebieten, so jenen der Uebersetzung und der Geschichte, auf welchen beiden ihm von den Literaturhistorikern volle Meisterschaft eingeräumt wird. So bearbeitete er Bessenyei’s [Bd. I, S. 350] Trauerspiel „Hunyadi László“ (Ofen 1817), übersetzte die Fabeln des Phaedrus unter dem Titel: „Költemények Phaedrusként“ (Ofen 1819, 8°.), ferner sämmtliche Werke des Horaz: die Briefe (Horátius levelei) (Ofen 1815); – die Satyren (Hor. Satyráji) (Ofen 1820) und die Oden (Hor. Odáji) (Ofen 1824, 8°.), worin er alle seine Mitwerber verdunkelte, besorgte eine Ausgabe von Horazens „Dichtkunst“ mit ungarischen Erläuterungen (Horátius poétikája) (Pesth 1801) und gab eine ungarische Prosodie unter dem Titel: „Magyar Prosodia és magyar írás“ (Ofen 1821) heraus. Nicht gering ferner sind seine Verdienste um die ungarische Prosa, indem er zwei Werke Cicero’s, den „Laelius“ und „Cato“ u. d. T.: „Laelius. vagy M. T. Cicerónak beszélgetése Barátságról“ (Pesth 1802) und „Az üdősb Cato vagy M. T. Cicerónak beszélgetése az öregségről“ (Pesth 1803) übersetzte. Die ungarische Geschichte bereicherte er durch eine von Kritikern als musterhaft bezeichnete pragmatische Geschichte Ungarns: „Magyar századok“, d. i. Ungarische Jahrhunderte (Ofen 1808, 2. Aufl. 1816, 8°.), worin er die Geschichte Ungarns vom neunten bis zum dreizehnten Jahrhundert einschließlich behandelt und sich als ein helldenkender, freimüthiger und über Vorurtheile erhabener Geschichtschreiber bewährt. Ferner erschien von ihm noch: „Második András arany bullája“, d. i. Die goldene Bulle Andreas’ II. (Pesth 1805) und „Magyar poéták kik Római [39] mértékre irtak 1540-től 1800-ig“, d. i. Ungarische Poeten, die in römischem Versmaße geschrieben von 1540–1800 (Pesth 1804, 8°.). Benedict Virág war, wie ein Kenner der ungarischen Literatur, Gustav Steinacker, es ausspricht, nicht nur der geschickteste und geschmackvollste Handhaber äußerer Form unter seinen Zeitgenossen, sondern auch zugleich der reinste Ausdruck jenes Geistes, welchen das classische Alterthum ein für alle Mal als Muster und Regel aufstellt. Dann ist bei ihm die Form ein äußerer und nothwendiger Ausdruck des classischen Geistes, welcher bei ihm nicht etwas erst Angeeignetes, sondern als Keim mit ihm geboren, durch das zum Stoicismus erziehende Mönchsleben entwickelt und durch das Studium der ihm geistesverwandten römischen Philosophen und Dichter, insbesondere des Horaz, genährt wurde. Virág ward der Schöpfer der philosophischen und heroischen Ode in der ungarischen Literatur, wer seine Gedichte heutzutage liest, nachdem Berzsenyi diese Gattung auf den höchsten Standpunkt erhoben, wird kaum ahnen, wie dieselben seine Zeitgenossen hinrissen als poetische, wie sie auf die Sprache einwirkten als linguistische Werke. Er war der Sänger der Vaterlandsliebe und Tugend; das kriegerische und bürgerliche Verdienst, die echte Tugend im Gegensatz zu jedem falschen Glanze, die Freiheit mit Loyalität gepaart, bildeten die Hauptgegenstände seiner Verherrlichung. Die zwei Hauptformen, in denen er sich bewegte, waren die Ode und die poetische Epistel. Von seinen Oden, in denen er ernst ist, gehoben, sententiös voll lyrischen Schwunges, deren Rhythmus stets klangreich, volltönend, häufig kraftvoll dahinstürmend ist, in denen er aber, wie bei Beginn der Geschmacksentwickelung es selbst bei den größten Geistern vorkommt, stellenweise zur Prosa herabsinkt, durchzogen manche, flugblattweise abgedruckt, weit und breit das Land und waren bereits bekannt, ehe sie gesammelt (1799) erschienen. Seine Episteln, namentlich die älteren, sind gehaltvoll, launig, zuweilen satyrischen Charakters, zum großen Theile aber sind es wirkliche Briefe, welche ohne Kenntniß der Verhältnisse zwischen Briefsteller und Empfänger, sowie tausend kleiner Umstände und Beziehungen, stellenweise völlig unverständlich bleiben. In seinem „Magyar lant“ gab er die Psalmen aber schon mit der Schwäche des überhandnehmenden Alters zum Theile in der Form philosophischer Oden. Was seine Uebersetzung des Horaz betrifft, so stellte er alle seine Vorgänger in Schatten, sowohl hinsichtlich der Treue, mit welcher er ihn wiedergab, da Niemand den Horaz je besser verstand und empfand als er, als auch bezüglich der Schönheit; und obgleich die magyarische Sprache seit Virág unglaubliche Fortschritte gemacht, so ist bis zur Stunde eine bessere Uebersetzung des Horaz, als die seinige, noch nicht erschienen. Eine Gesammtausgabe der Originalwerke Virág’s besorgte erst in neuerer Zeit der ungarische Literarhistoriker Franz Toldy unter dem Titel: „I. Magyar századok. Harmadik kiadás. Öt kötet. II. Poétai Munkai. Egy kötetben“, d. i. I. Ungarische Jahrhunderte. Dritte Auflage in fünf Bänden. II. Poetische Werke in einem Bande (Pesth 1863, Heckenast, 8°.), wovon es auch eine Ausgabe auf Velinpapier gibt. Zum Schlüsse sei noch erwähnt, daß Virág der Lehrer des Dichters Ladislaus Pyrker [Bd. XXIV, S. 115] war.

[40] Erneuerte vaterländische Blätter für den österreichischen Kaiserstaat (Wien, 4°.) 1815, S. 469. – Handbuch der ungarischen Poesie... In Verbindung mit Julius Fennéry herausgegeben von Franz Toldy (Pesth und Wien 1828, G. Kilian und K. Gerold, gr. 8°.) Bd. I, S. 258; Bd. II, S. 38. – (Hormayr’s) Archiv für Géographie, Historie, Staats- und Kriegskunst (Wien, 4°.) X. Jahrg. (1819), Nr. 70: „Virág an Pyrker“. – Kertbeny (C. M.). Album hundert ungarischer Dichter. In eigenen und fremden Uebersetzungen (Dresden und Pesth 1854, N. Schäfer und Hermann Geibel, 12°.) S. 41 und 524. – Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1835, 8°.) Bd. V, S. 559. – Ungarns Männer der Zeit. Biographien und Charakteristiken hervorragendster Persönlichkeiten. Aus der Feder eines Unabhängigen (C. M. Kertbeny) (Prag 1862, A. G. Steinhauser, 12°.) S. 252. – Kritikai lapok, d. i. Kritische Blätter (Pesth) III. Jahrg. (1833), S. 128. – Magyar irók arczképei és életrajzai, d. i. Ungarns Schriftsteller in Bildern und Biographien (Pesth 1858, Heckenast, kl. 4°.) S. 126. – Magyar irók. Életrajz-gyüjtemény. Gyüjték Ferenczy Jakab és Danielik József , d. i. Ungarische Schriftsteller. Sammlung von Lebensbeschreibungen. Von Jacob Ferenczy und Joseph Danielik (Pesth 1846, Gustav Emich, 8°.) Bd. I, S. 615. – Napkelet, d. i. Der Osten (ungarisches illustrirtes Blatt, Pesth, 4°.) 1857, Nr. 13. S. 208. – Toldy (Ferencz). A magyar költészet kézikönyve a Mohácsi vésztől a legujabb időig, d. i. Handbuch der ungarischen Dichtung von der Schlacht bei Mohács bis auf unsere Tage (Pesth 1855, Gust. Heckenast, gr. 8°.) Bd. I, S. 633. – Tudományos gyüjtemény, d. i. Wissenschaftliche Sammlung (Pesth) 1830, Bd. I, S. 129: „Nekrolog“. Von Stephan Horvát. – Vasárnapi ujság, d. i. Sonntagsblätter (Pesth, gr. 4°.) 1857, Nr. 32.
Porträte. 1) Simo pinx. A. Ehrenreich sc. Medaillonbildniß. – 2) Passini gest., befindet sich im Jahrgange 1818 der „Tudományos gyüjtemenyi, d. i. Wissenschaftliche Sammlung. – 3) Trefflicher Holzschnitt ohne Angabe des Zeichners und Xylographen in „Magyar irók arczképei és életrajzai“. – 4) Holzschnitt ohne Angabe des Zeichners und Xylographen in „Napkelet“, 1857, S. 209. – 5) Holzschnitt ohne Angabe des Zeichners und Xylographen in „Vasárnapi ujság“, 1857, Nr. 32. – 6) Unterschrift: „Virág Benedek“. Ny. Rohn és Grund, Pesth 1864 (Fol.). Beilage des „Koszorú“.