BLKÖ:Württemberg, Friedrich Ludwig Prinz

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 58 (1889), ab Seite: 239. (Quelle)
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10. Friedrich Ludwig Prinz (geb. 5. November 1690, gefallen im Treffen bei Guastalla am 19. September 1734). Der jüngste Sohn des Herzogs Friedrich Karl aus dessen Ehe mit Eleonore Juliane geborenen Markgräfin von Brandenburg-Anspach und Bruder der Prinzen Karl Alexander, Heinrich Friedrich und Max Emanuel. 1708, achtzehn Jahre alt, ging er nach den Niederlanden und wohnte zugleich mit seinem Bruder Heinrich Friedrich allen übrigen Feldzügen des spanischen Erbfolgekrieges bei. Dann begab er sich nach Sachsen, machte den Feldzug 1715 in Pommern mit, wo er sich bei der Eroberung der Insel Usedom, dann beim Angriff auf Rügen und bei der Belagerung der Festung Stralsund durch große Bravour auszeichnete. Nun wandte er sich mit Erlaubniß seines Vaters 1716 nach Ungarn, um unter den Fahnen des Prinzen Eugen als Freiwilliger gegen die Türken zu kämpfen, und gab 1717 vor Belgrad neue Beweise seiner Tapferkeit. Kaiser Karl VI. verlieh ihm infolge dessen im Herbste gedachten Jahres das Infanterie-Regiment Nr. 10, das bis dahin sein Bruder Heinrich Friedrich innegehabt hatte, und ernannte ihn im Jänner 1718 zum General-Feldmarschall-Lieutenant. Gleich darauf wurde Friedrich Ludwig auch polnisch-sächsischer Generallieutenant. Die nächsten Jahre lebte er zumeist in Dresden, dann geheim bei der Fürstin von Teschen, Ursula Katharina geborenen von Bukow (geb. 1674, gest. 1744) auf ihrem Besitze zu Hoyerswerda in der Oberlausitz und verband sich mit ihr auch am 22. October 1722 in heimlicher Ehe. 1723 wohnte er den Krönungsfeierlichkeiten in Böhmen bei, wurde darauf k. k. General-Feldzeugmeister und 1731 Commandirender in Parma und Piacenza. 1732 führte er 7000 Mann Hilfstruppen zu Gunsten der Genuesen gegen Corsica und gab bei dieser Gelegenheit Beweise edler Humanität, die den siegreichen Feldherrn doppelt adelt, indem er nach errungenem Siege, die Härte Derer, für die er gesiegt, erkennend, mit diesen zu Gunsten der Besiegten verhandelte. Der Senat von Genua verehrte ihm als Ausdruck seines Dankes einen Stock, dessen Knopf und einen Degen, dessen Gefäß von Gold reich mit Diamanten besetzt waren, 8 Stück kostbare Gemälde, deren vier verschiedene Thaten des Generals in Corsica vorstellten, mehrere Kisten mit Chocolade, welche damals als eine ganz besondere Köstlichkeit angesehen wurde, eine vollständige Garnitur Diamantenknöpfe zu einem Staatskleide, welche auf 250.000 Scudi bewerthet wurden. Darauf befehligte der Prinz 1733 das bei Groß-Glogau in Schlesien aufgestellte Observationscorps, dessen Zweck ein doppelter war, zunächst um Schlesien gegen die Einbrüche der polnischen Horden und dann für alle Fälle die Freiheit der polnischen Königswahl zu schützen. Im August des nämlichen Jahres erhielt der Prinz das Generalcommando in den Niederlanden und dann in dem italienischen Feldzuge ein Corps zuerst unter dem Obercommando des Feldmarschalls Grafen Mercy und nach dessen Tode unter jenem des Feldmarschalls Grafen Königseck. Da that er sich zuerst im Treffen bei Parma am 27. Juni 1734 hervor, wo Feldmarschall Mercy sein Leben ließ, dann bei Quistello am 15. September, zuletzt bei Guastalla am 19. September, wo er aber, eben im Begriff, ein frisches Pferd zu besteigen, durch zwei Kugeln, deren eine in das rechte Auge, die andere in die Brust ging, im Alter von 44 Jahren den Heldentod starb. Die kaiserliche Armee erlitt in ihm den Verlust eines ihrer besten Generale. Seine Gattin Ursula Katharina von Bukow, eine Nichte des polnischen Cardinals und Primas Radziejowski war zuerst mit dem Fürsten Georg Lubomirski vermält. Diese Ehe, aus welcher der 1700 geborene Georg Chevalier de Saxe stammt, wurde jedoch geschieden. Der König von Polen aber ließ die geschiedene Fürstin in den Reichsfürstenstand unter dem Titel einer Fürstin von Teschen erheben. Als Fürst Friedrich Ludwig starb, nahm sie, wie es bei der heimlichen Trauung ausgemacht worden war, den fürstlich Württemberg’schen Titel an und führte das fürstliche Wappen. Obwohl die herzogliche Familie anfangs dagegen war, machte man ihr doch in der Folge keine [240] weiteren Anstände. Sie überlebte den Prinzen um zehn Jahre und starb zu Dresden am 4. Mai 1744. [(Zedler’s) Universal-Lexikon, 59. Bd., Sp. 1188–1195, mit reicher Quellenliteratur.] –