BLKÖ:Wackernell, Josef Eduard

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 52 (1885), ab Seite: 156. (Quelle)
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Wackernell, Josef Eduard[WS 1] (Germanist, geb. in Göflan bei Schlanders im Vintschgau am 22. November 1850). Sein Vater Josef besuchte das Gymnasium in Meran, konnte jedoch seine Studien nicht vollenden, weil die Eltern die Mittel dazu nicht aufzubringen vermochten. So wurde er denn Steinmetz und heiratete ein Bauernmädchen, aus welcher Ehe nur ein Kind, unser Josef Eduard, hervorging. Derselbe war ursprünglich nicht zum Studium bestimmt, sondern arbeitete in der Werkstätte des Vaters; denn dieser hätte den Sohn zur Vorbereitung auf die gelehrte Laufbahn nur wenig unterstützen können, da die großen Verheerungen der Etsch in den Fünfziger-Jahren im ganzen Vintschgau und besonders in Göflan auch seiner kleinen Besitzung bedeutenden Schaden zugefügt hatten. Der Vater starb 1861. Des befähigten Knaben, welcher bereits das Auge der Geistlichkeit von Göflan und Schlanders auf sich gezogen, nahm sich besonders der Dekan Franz Leiter mit Wärme an und ermöglichte ihm 1865 den Eintritt ins Meraner Gymnasium. Natürlich sollte Wackernell[WS 2] „geistlicher Herr“ werden. In Meran brachte er sich mit Unterricht im Zeichnen und anderen [157] Gegenständen durch. Als 1872 das Obergymnasium daselbst aufgehoben wurde, bezog er jenes zu Hall, um den siebenten und achten Curs durchzumachen, und übernahm an Stelle des Architecten Vogel zugleich den Zeichenunterricht. Im Herbst 1873 ging er auf die Universität Innsbruck und nebenbei als Hofmeister im Hause des Kaufmannes Obexer beschäftigt, hörte er Collegien über Geschichte, classische Philologie und Germanistik, in welch’ letzterer Disciplin ihm Professor Ignaz Vincenz Zingerle die ersten Anleitungen gab. Besonders aber war der Umgang mit Adolf Pichler von großem Einfluß auf des Jünglings bildsamen Geist. Als Student noch gründete Wackernell[WS 2] in Gemeinschaft mit seinem Studienfreunde Alois Brandl (gegenwärtig Professor an der deutschen Universität in Prag) den akademischen Verein der Germanisten in Innsbruck, den Mutterverein aller ähnlichen Verbindungen an den österreichischen Hochschulen. Er war der erste Präsident dieses noch jetzt blühenden Vereines und ist nun dessen Ehrenmitglied[WS 3]. Zur Zeit, als er die Universität bezog, errichtete Minister Stremayr Staatsstipendien von je 300 Gulden für mittellose Studenten, die den geforderten strengen Nachweis ihrer Befähigung und ihres Eifers erbringen würden. Wackernell[WS 2] errang sich ein solches Stipendium und behielt es auch, nachdem er in Innsbruck sein Triennium beendet hatte und zum Doctor promovirt im Sommer 1877 an die Wiener Universität übersiedelt war. In diesem Jahre erschien seine erste Schrift: „Walter von der Vogelweide in Oesterreich“ (Innsbruck, Wagner’sche Universitäts-Buchhandlung, 1877, 8°., 130 S.), welche die Aufmerksamkeit der Germanisten auf den strebsamen Forscher lenkte. Er bewarb sich nun um ein Reisestipendium zur weiteren Ausbildung in der Germanistik an ausländischen Universitäten, erhielt dasselbe, studirte ein Semester unter Bernays in München (Winter 1877–1878), darauf ein Semester in Berlin unter Wilhelm Scherer und Müllenhoff (Sommer 1878) und brachte den Winter 1878–1879 wieder in Wien zu, um an den Bibliotheken daselbst die Ausgabe der Werke G. Chr. Lichtenberg’s für die Hempel’sche Bibliothek vorzubereiten. Eine Reihe germanistischer Abhandlungen in verschiedenen gelehrten Zeitschriften liefen nebenher (das Verzeichniß der wichtigsten derselben folgt auf S. 158). Im Sommer 1879 reichte er an der philosophischen Facultät der Innsbrucker Hochschule das Habilitationsgesuch ein mit der Habilitationsschrift: „Ueber Sprache und Metrik Hugos von Montfort“, aber erst Schluß 1881 erlangte er die Docentur für das Gesammtgebiet der deutschen Sprache und Literatur. Zu gleicher Zeit erschien auch sein Buch „Hugo von Montfort. Mit Abhandlungen zur Geschichte der deutschen Literatur, Sprache und Metrik im XIV. und XV. Jahrhundert“ (als 3. Band der Sammlung „Aeltere tirolische Dichter“, Innsbruck, Wagner’sche Universitätsbuchhandlung, 1881, 8°., 12, CCLX und 282 S.), worin insbesondere die sprachlichen und metrischen Untersuchungen hervorzuheben sind. Nicht blos Fachmänner, die Germanisten, sondern auch Historiker und Culturhistoriker anerkannten diese Arbeit als eine tüchtige auf gründlicher Quellenforschung beruhende und in alle philologischen und historischen Fragen sich ernsthaft vertiefende. Als Mitarbeiter des jährlich in einem Bande erscheinenden „Jahresberichts über die Erscheinungen der germanischen Philologie, herausgegeben von [158] der Gesellschaft für deutsche Philologie in Berlin“ (Berlin 1880 u. ff.), bearbeitet Wackernell[WS 2] die Abtheilung „Literaturgeschichte“ allein. Seit Jahren sammelt er an Materialien zu einer tirolischen Literaturgeschichte, zu denen auch eine größere Arbeit über ältere Passionsspiele in Tirol gehört, die ihn gegenwärtig beschäftigt und deren erster Band als demnächst erscheinend in Aussicht gestellt ist. Wir schließen diese Skizze mit einer Uebersicht der bisher veröffentlichten Arbeiten Wackernell’s[WS 4]: „Walter von der Vogelweide in Oesterreich“ (s. a.); – „Zur chronologischen Bestimmung des VI. und VII. Buches von Wolfram’s „Parzival“ und über den Beginn von Wolfram’s und Walter’s Aufenthalt in Thüringen“ [in der Zeitschrift „Germania“, Bd. XXII, 1877]; – „Ueber die Quellen zu Schiller’s Tell“ [in der Zeitschrift für „Deutsche Philologie“, Bd. IX, 1878]; – „Karl Simrock“ [in Edlinger’s „Literaturblatt“, Heft V und VI, 1878]; – „Das Drama vom römischen Reiche deutscher Nation“ [ebd., Heft XXI und XXII, 1878]; – „Karl Tomaschek“ [ebd., Heft V, 1879]; – „Ungedruckte Gedichte Platen’s“ [ebd., Heft XI bis XVII, 1879]; – „Ungedruckte Briefe G. Chr. Lichtenberg’s“ [ebd., Heft XXIII und XXVI, 1879]; – „Ueber den zweiten Wiener Aufenthalt Walter’s von der Vogelweide“ [in der Zeitschrift für „Deutsche Philologie“, Bd. XI, 1879]; – „Zur Schillerliteratur“ [ebd., Bd. XII, 1882]; – „Hugo von Montfort“; – „Ueber die Erlauer Spiele und die Orthographie des XIV. und XV. Jahrhunderts“ [in der Zeitschrift für „Deutsche Philologie“, Bd. XIII, 1883]. – Außerdem eine große Reihe von literarhistorischen Aufsätzen in der „Literarischen Beilage zur Wiener Montags-Revue“ und in anderen Zeitschriften.

Literarische Beilage zur Wiener „Montags-Revue“ 1881, Nr. 45, S. 3, von Adolf Pichler. – Bechstein (Reinhold). Die germanische Philologie vorzugsweise in Deutschland seit 1870 (Leipzig 1883) S. 27.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Wakernell, Josef Eduard.
  2. a b c d Wakernell.
  3. Vorlage: Ehrenmitgied.
  4. Vorlage: Wakernell’s.