BLKÖ:Wallis, Franz Paul Graf

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
<<<Vorheriger
Wallis, Franz Graf
Band: 52 (1885), ab Seite: 258. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
Franz Paul von Wallis in der Wikipedia
Franz Paul von Wallis in Wikidata
GND-Eintrag: 1196928479, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Wallis, Franz Paul Graf|52|258|}}

3. Franz Paul Graf (k. k. General-Feldzeugmeister, geb. [259] 1677, gest. in Hermannstadt am 18. October 1737), von der älteren Linie. Der jüngere Sohn des Grafen Ernst Georg aus dessen Ehe mit Maria Magdalena geborenen Gräfin Attems, verlor er, erst zwölf Jahre alt, seinen Vater, den General-Feldzeugmeister Ernst Georg Freiherrn von Wallis, durch den Tod und kam dann mit seinem älteren Bruder Georg Olivier als Page an den kaiserlichen Hof. und zwar zunächst zur Dienstleistung bei dem römischen Könige Joseph. Ein besonderer Zufall begünstigte den jungen Pagen. König Joseph vergnügte sich eines Tages mit dem damals auch noch jungen Herzog Leopold von Lothringen im Waffenspiele. Da zielte Letzterer eine Flinte, die er nicht geladen glaubte, scherzweise auf seinen Gegner, und ehe er losdrückte, sprang Wallis dazwischen und empfing die ganze Labung, welche sonst den König getroffen und vielleicht getödtet hätte. Die Büchse war durch Unvorsichtigkeit des Büchsenspanners nicht entladen worden. Wallis lag nun an der empfangenen gefährlichen Wunde lange krank, aber der Herzog von Lothringen behielt ihn in Erinnerung und schenkte dem Genesenen eine Compagnie in seinem Regimente, mit welcher derselbe 1697 ins Feld zog und der Eroberung des Schlosses Ebernburg beiwohnte. 1701 ging Wallis als Hauptmann mit dem Regimente nach Italien, focht im Treffen bei Chiari, dann bei Luzzara 1702, wo er verwundet wurde. Gegen Ende letztgenannten Jahres rückte er zum Major im Regimente Longueval, 1705 zum Oberstwachtmeister in demselben vor. 1708 Oberst im Regimente Haßlinger, machte er an dessen Spitze unter dem Prinzen Eugen alle Feldzüge im Reiche und in den Niederlanden bis zum Friedensschlusse bei Utrecht (April 1713) mit. 1716 zum Generalmajor befördert, errichtete er das später unter Nr. 43 reducirte Infanterie-Regiment, zog noch im nämlichen Jahre gegen die Türken ins Feld und wurde nach der Einnahme Belgrads erster Commandant dieser Festung, in welcher Stellung er bis 1727 blieb, worauf er das Commando in Luxemburg erhielt. In der Zwischenzeit 1718 hatte er sein Regiment mit dem ehemals Regal’schen (heute Nr. 36) vertauscht. Im October 1729 ward er Feldmarschall-Lieutenant und kurze Zeit danach commandirender General in Siebenbürgen. Als 1732 Graf Kornis, Gouverneur in Siebenbürgen, starb, erhielt Feldmarschall-Lieutenant Wallis interimsweise das Gubernialpräsidium, welches vor ihm noch kein commandirender General bekleidet hatte, und in Folge dessen verliehen ihm die Landstände am 29. October 1732 das siebenbürgische Indigenat. Dadurch erhielten die Katholiken in diesem Fürstenthum mit 192 Stimmen die Mehrheit im Landtage. Auch führte der bereits 1706 zugleich mit seinem Bruder Georg Olivier in den Grafenstand erhobene General das sogenannte Opus correctionum juris remoratae justitiae im Großfürstenthum völlig ein. Im März 1734 wurde er General-Feldzeugmeister, im Juli 1736 General-Kriegscommissär. Als dann im folgenden Jahre der Krieg mit den Türken ausbrach, rückte Wallis sofort mit seiner Armee in die Walachei. Die Feindseligkeiten wider die Türken begannen am 12. Juli 1737, am 12. August eroberte er Campolongo, nahm dann zu Kempina, Pericsan, Argo, feste Stellung, besetzte Tergovist, das Kloster Marignany und Pitest und rückte nun unaufhaltsam gegen die Landeshauptstadt Bukarest, welche der Hospodar bereits flüchtig verlassen hatte. Eben im Begriff, seine Bereinigung mit General Khevenhüller bei Widdin zu bewerkstelligen. mußte er wegen plötzlicher Erkrankung nach Hermannstadt zurückkehren, wo er auch kurz danach im Alter von 59 Jahren starb. Seine Ehe mit Cäcilie geborenen Gräfin Liechtenstein war kinderlos geblieben. [Thürheim (Andr. Graf). Feldmarschall [BLKÖ:Traun und Abensperg, Otto Ferdinand Graf|Otto Ferdinand Graf von Abensperg und Traun]] (Wien 1877, Braumüller, 8°.) S. 294, 382.] –