BLKÖ:Weiß, Edmund

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 54 (1886), ab Seite: 97. (Quelle)
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Weiß, Edmund (Naturforscher, geb zu Freiwaldau in Oesterreichisch-Schlesien am 26. August 1837 als jüngerer Zwillingsbruder des Naturforschers Adolf G. Weiß [siehe diesen S. 82]). Obwohl in Oesterreich geboren, erhielt er doch den ersten Unterricht in England, und zwar im Alter von kaum sechs Jahren, als sein Vater zur Gründung einer Kaltwasserheilanstalt in Sudbrooke Park, einem damals königlichen Schlosse in der Nähe von Richmond, berufen worden war. Als aber der Vater auf einer zur Herstellung seiner Gesundheit unternommenen Reise im Frühlinge 1847 gestorben, begann der Sohn in demselben Jahre die Gymnasialstudien in Troppau, welche er 1855 mit ausgezeichnetem Erfolge beendete. Noch im Herbste letztgenannten Jahres bezog er die philosophische Facultät der Universität Wien und gab sich hauptsächlich astronomischen, mathematischen und physicalischen Studien hin. Kurz nach Vollendung des Trienniums im November 1858 zum Assistenten an der k. k. Sternwarte ernannt, unterzog er sich 1860 den Prüfungen zur Erlangung des philosophischen Doctorgrades, die er ebenfalls mit Auszeichnung zurücklegte. 1861 habilitirte er sich als Privatdocent für Mathematik an der Universität Wien, und im Herbste 1862 wurde er provisorisch, im April 1863 aber definitiv als Adjunct an der k. k. Sternwarte angestellt. Als solcher führte er von 1863 bis 1866, so lange v. Littrow (Sohn) als österreichischer Commissär der Gradmessung fungirte, den astronomischen Theil der auf Oesterreich entfallenden Arbeiten durch, und zeichnete ihn 1867 die kaiserliche Akademie durch die Wahl zum correspondirenden Mitgliede aus. Um diese Zeit hatte er sich durch seine literarische Thätigkeit einen so guten Namen in der astronomischen Welt erworben, daß, als 1867 eine der Chefastronomenstellen in Pulkova frei wurde, O. v. Struve ihm diese anbot, welchen Ruf er jedoch Familienverhältnisse wegen ab lehnte. Ebenso wurde ihm 1869 von Generallieutenant Baeyer, dem Begründer der europäischen Gradmessung, bei der Errichtung des geodätischen Institutes in Berlin die Stelle eines Abtheilungsvorstandes angetragen, was die österreichische Regierung am 31. März 1869 mit seiner Ernennung zum außerordentlichen Professor an der Wiener Universität beantwortete. In demselben Jahre erhielt er auch den ehrenvollen [98] Auftrag, die Kunstuhren der Schatzkammer des österreichischen Kaiserhauses wissenschaftlich zu beschreiben; eine Arbeit, die ihn durch nahezu zwei Jahre beschäftigte und zu einigen sehr interessanten Ergebnissen führte. Als 1872 der Bau einer neuen Sternwarte durch den Ankauf eines hierfür sehr geeigneten Grundstückes angebahnt wurde, sendete die österreichische Regierung den Gelehrten nach Amerika und England, damit er dort die optischen Werkstätten und Riesenfernrohre durch Autopsie kennen lerne, und seine in diesen Ländern gesammelten Wahrnehmungen waren auch bei der Anfertigung der Pläne für die neue Anstalt durch K. v. Littrow von wesentlichem Einflusse. 1875 wurde E. Weiß, als die Gefahr vorlag, er könne an Argelander’s Stelle nach Bonn berufen werden, zum österreichischen ordentlichen Professor und nach dem im November 1877 erfolgten Tode K. v. Littrow’s im Jahre 1878 zum Director der eben im Neubau befindlichen Wiener Sternwarte ernannt und im selben Jahre zum wirklichen Mitgliede der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften erwählt. Edmund Weiß hat auch bedeutende wissenschaftliche Reisen unternommen. Außer der im Auftrage der österreichischen Regierung nach Amerika ausgeführten unternahm er 1861 in Begleitung seines Bruders die Fahrt an die Ostküste des Peloponnes, um die dort am letzten Tage des Jahres eintretende totale Sonnenfinsterniß zu beobachten. Zur Beobachtung der ringförmigen Sonnenfinsterniß am 7. März 1867 brachte ihn ein Avisodampfer der österreichischen Kriegsmarine nach Dalmatien; im nächstfolgenden Jahre organisirte er, wieder zur Beobachtung einer totalen Sonnenfinsterniß, eine Expedition nach Aden und 1871 eine solche mit Unterstützung der österreichischen Kriegsmarine abermals nach Tunis. 1874 endlich reiste er zur Beobachtung des Venusdurchganges nach Jassy. Diese erfolgreiche Thätigkeit blieb in wissenschaftlichen Kreisen nicht unbeachtet. Seiner Wahl zum Mitgliede der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften in Wien gedachten wir bereits, aber auch von anderen gelehrten Gesellschaften des In- und Auslandes wurde er zum correspondirenden oder Ehrenmitgliede gewählt, so z. B. von der Royal astroriomical Society in London, von der Société des sciences naturelles in Cherbourg, von der naturwissenschaftlichen Gesellschaft in Jassy, von der Leopoldinisch-Carolinischen Akademie, von der naturforschenden Gesellschaft in Brünn. In der deutschen astronomischen Gesellschaft ist er schon seit einer Reihe von Jahren Vorstandsmitglied, dem Vorstande der meteorologischen Gesellschaft in Wien gehört er seit deren Gründung an, und die Universität in Dublin ernannte ihn zum Ehrendoctor. Von Seite seines Monarchen aber wurde ihm das Ritterkreuz des Franz Joseph-Ordens zutheil. Director Weiß ist (seit 10. Juli 1872) mit Adelinde (geb. 9. März 1845), Tochter des Hofrathes und Directors des Wiener botanischen Gartens, E. Fenzl (†), vermält, aus welcher Ehe sechs Töchter und ein Sohn Edmund (geb. 16. Februar 1884), Zwilling mit seiner Schwester Clotilde, stammen.

Uebersicht der wichtigeren theils selbständig, theils in gelehrten Sammel- und Fachschriften erschienenen wissenschaftlichen Arbeiten von Edmund Weiß A. Selbständige Werke.Littrow. Wunder des Himmels, 7. Aufl., herausgegeben von Prof. Dr. E. Weiß“ (Berlin 1886). – „Littrow. Atlas des gestirnten Himmels, 4. Aufl.“ (Berlin 1886). [99] – Seit 1878 jährlich ein Band „Annalen der Wiener Sternwarte“. – Mit von Littrow: „Meteorologische Beobachtungen an der k. k. Sternwarte in Wien von 1775 bis 1855“ Bd. IV und V. – „Sternkarte, den nördlichen und südlichen Himmel umfassend“ (Berlin 1874). B. In Zeitschriften. In den Denkschriften der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften mathematisch-naturwissenschaftlicher Classe: „Entwickelungen zum Lagrange’schen Reversionstheorem und Anwendung derselben auf die Lösung der Kepler’schen Gleichung“ [Bd. 49 (Auszug aus dieser Abhandlung: „Sitzungsbericht der kaiserlichen Akademie“ Bd. 90)]. – „Ueber die Berechnung der Präcession mit besonderer Rücksicht auf die Reduction eines Sternkataloges auf eine andere Epoche“. – In den Sitzungsberichten math.-naturw. Classe der kaiserl. Akademie der Wissenschaften: Mit J. Grailich: „Ueber das Singen der Flammen“ [Bd. 29]. – Mit J. Peterin: „Untersuchungen über das Tönen der Flammen“ [Bd. 32]. – Mit Dr. A. Weiß: „Untersuchungen über den Zusammenhang in den Aenderungen der Dichten und Brechungsexponenten in Gemengen von Flüssigkeiten“ [Bd. 33]. – „Untersuchungen über die Bahnelemente der Ariadne“, 3 Abhandlungen [Bd. 31, 38, 42]. – „Ueber die Bahn des Kometen VIII 1838“ [Bd. 35]. – „Bahnbestimmung der Elpis(59) [Bd. 45]. – „Untersuchungen über die Bahnelemente der Maja (86) [Bd. 51]. – „Berechnung der totalen Sonnenfinsterniß am 31./12. 1861“ [Bd. 44 und 45]. – „Beobachtung der totalen Sonnenfinsterniß am 31./12. 1861 in Griechenland“ [Bd. 45]. – „Berechnung der Sonnenfinsternisse des Jahres 1867“ [Bd. 55]. – „Bericht über die Beobachtung der ringförmigen Sonnenfinsterniß vom 6./3. 1867 in Dalmatien“ [Bd. 55]. – „Berechnung der Sonnenfinsternisse der Jahre 1868–1870“ [Bd. 56]. – „Beiträge zur Kenntniß der Sternschnuppen“ [Bd. 57]. – „Berichte der zur Beobachtung der totalen Sonnenfinsterniß des Jahres 1868 nach Aden unternommenen österreichischen Expedition“. 1. Bericht: „Beobachtungen des Leiters der Expedition“ [Bd. 58]; 5. Bericht: „Beiträge zur Klimatologie von Aden“ [Bd. 58]; 7. Bericht: „Sternschnuppenbeobachtungen in Aden“ [Bd. 60]. – „Discussion der Beobachtungen während der totalen Sonnenfinsterniß des Jahres 1868 und deren Ergebnisse [Bd. 62]. – „Beiträge zur Kenntniß der Sternschnuppen“ [Bd. 62]. – „Ueber sprungweise Aenderungen in einzelnen Reductionselementen eines Apparates“ [Bd. 63]. – „Bestimmung der Längendifferenz Wien–Wiener-Neustadt durch Chronometerübertragungen“ [Bd. 65]. – „Beobachtung des Venusdurchganges vom 8./12. 1874 und Bestimmung der geographischen Länge des Beobachtungsortes“ [Bd. 71]. – „Ueber die Bahn der Kometen 1843 P und 1880 a“ [Bd. 82]. – „Ueber die Berechnung der Differentialquotienten der wahren Anomalie und des Radiusvector nach der Excentricität in stark excentrischen Bahnen“ [Bd. 83]. – „Notiz über zwei der Binomialreihe verwandte Reihengruppen“ [Bd. 91]. – „Ueber die Bestimmung von M bei Olber’s Methode der Berechnung einer Kometenbahn, mit besonderer Rücksicht auf den Ausnahmefall“ [Bd. 92]. – In den Astronomischen Nachrichten (mit Uebergehung der Mittheilung von Beobachtungen und kleineren Notizen): „Bestimmung der Elemente des Asteroiden (43) [Bd. 49]. – „Untersuchungen über die Ellipticität der Bahn des Kometen 1838 VIII “ [Bd. 50]. – „Ueber Berechnung der Sonnenfinsternisse“ [Bd. 56]. – „Elemente von Komet 1862 P“ [Bd. 58]. – „Ueber die Identität des Kometen 1863 V mit denen von 1810 und 1790“ [Bd. 61]. – „Beobachtung der Bedeckung zweier Sonnenflecke“ [Bd. 62]. – „Bahnelemente und Sweeping Ephemeride für Maja“ [Bd. 63]. – „Bemerkungen zu Weiße’s Reduction der Bessel’schen Zonen“ [Bd. 65]. – „Anzeige von Druckfehlern in Bremiker’s sechsstelliger Logarithmentafel“ [Bd. 63]. – „Ueber die Ursache des Ausbleibens von Biela’s Komet im Jahre 1865/66“ [Bd. 66]. – „Ueber den neuen Stern in der Krone“ [Bd. 67] – „Bemerkungen über den Zusammenhang zwischen Kometen und Sternschnuppen“ [Bd. 68]. – „Ueber die Beobachtungen während der ringförmigen Sonnenfinsterniß vom 7./3. 1867 in Dalmatien“ [Bd. 69]. – „Ueber die Sonnenfinsterniß vom 18./8. 1868“ [Bd. 70]. – „Resumé über die Arbeiten der österreichischen Sonnenfinsternißexpedition nach Aden“ [Bd. 72 und 77]. – „Beiträge zur Kenntnis der Sternschnuppen“ [Bd. 72 und 76]. – „Ueber R. Falb’s vermeintliche Meteoriten des Kometen Hallay“ [Bd. 73]. – „Anzeige von Sternen mit größerer Eigenbewegung“ [100] [Bds. 75]. – „Discussion der Beobachtungen während der totalen Sonnenfinsterniß vom 18/8. 1868“ [Bd. 78]. – „Notiz zu E. v. Asten’s Bahnbestimmung des Kometen II 1812“ [Bd. 82]. – „Elemente der Kometen III und V 1873“ [Bd. 82 und 83]. – „Untersuchungen über die Identität der Asteroiden VII 1873 und I 1818“, (3 Aufsätze) [Bd. 83 und 87]. – „Ueber Größenbestimmungen der Asteroiden“ [Bd. 88]. – „Ueber J. F. Schmidt’s Nova vom 14./11. 1876“ [Bd. 89] – „Untersuchungen über den großen südlichen Kometen von 1880“ [Bd. 97]. – „Ueber die telegraphische Mttheilung von Entdeckungen und Beobachtungen“ [Bd. 100]. – „Bemerkungen über den großen Septemberkometen von 1882“ [Bd. 193]. – „Elemente und Ephemeriden von Komet II 1884“ [Bd. 109]. – „Ueber die Nebel in den Plejaden“ [Bd. 114]. – In der Astronomischen Vierteljahrschrift: „Ueber K. v. Littrow’s Andeutungen für Seeleute über den Gebrauch der Methode, Länge u. s. w. durch Circummeridianhöhen zu bestimmen“ [Bd. 3]. – „Besprechung von Schiaparelli. Entwurf einer astronomischen Theorie der Sternschnuppen“ [Bd. 7]. – „Ueber den Zustand der praktischen Astronomie in Amerika“ [Bd. 8] – „Nekrolog auf K. v. Littrow“ [Bd. 13]. – „Bericht über Kometen“ [Bd. 20]. – In den Monthly Notices of the roy. Astronomical Society: „Remarks on the total Solar eclipse of August 18, 1868“ [Bd. 27]. – In den Annalen der k. k. Sternwarte: In verschiedenen Bänden von 1858 an „Refractor- und Meridiankreisbeobachtungen, besonders aber in den Bänden 20, 23 und 27 (3. Folge) eine Sammlung von etwa 10.000 Meteorbahnen, die auf Veranlassung von E. Weiß von 1867 bis 1877 in Wien und an mehreren anderen Orten angestellt wurden“. – In der Deutschen photographischen Monatschrift: „Ueber Anwendung der Photographie in der Astronomie“ [Bd. 6]. – In Dr. G. Neumayer’s Anleitung zu wissenschaftlichen Beobachtungen auf Reisen: 4. Abhandlung „Anweisung zur Beobachtung allgemeiner Phänomene am Himmel etc.“. – In den Schriften des Vereines zur Verbreitung naturwissenschaftlicher Kenntnisse: „Ueber Meteoriten“. – „Ueber Sternschnuppen“. – „Ueber den Zustand der Astronomie beim Beginne der historischen Zeit“. – „Ueber die physische Beschaffenheit der Körper unseres Sonnensystems“. – „Ueber Geschichte der Gradmessungen, mit besonderer Beziehung auf den Zweck der mitteleuropäischen Gradmessung“. – „Ueber Fixsternsysteme“. – „Ueber die Mondoberfläche“. – „Ueber Kometen und deren Zusammenhang mit Sternschnuppen“. – „Ueber Veränderungen am Sternenhimmel“. – „Ueber Nebelflecke“. – In der Oesterreichischen Gymnasial-Zeitschrift: Ausführlichere Besprechungen verschiedener mathematischer und astronomischer Werke, wie: Stern, Lehrbuch der algebraischen Analysis; Wittstein, das Prismatoid; Zanon: Monografia dell’Eliostato etc. etc. – Im Auskunftskalender für 1877: „Ueber die Entwickelung der wichtigsten Kalenderformen“. – In dem von der k, k. Sternwarte herausgegebenen Astronomischen Kalender: „Die Satelliten des Mars“ [1883]. – „Die großen Kometen der Jahre 1843, 1880 und 1882“ [1884]. – „Das Fernrohr“ (wurde auch ins Ungarische übersetzt) [1885]. – „Zur Frage der Weltzeit“ [1886] (erschien auch als Separatbrochure).
Poggendorff (J. C.), Biographisch-literarisches Handwörterbuch zur Geschichte der exacten Wissenschaften (Leipzig 1863, J. A. Barth, gr. 8°.) Bd. II, Sp. 1290. – Fremden-Blatt. Von Gustav Heine (Wien, 4°.) 1868, Nr. 198, in den „Tagesneuigkeiten“. – Neue Freie Presse (Wiener polit. Blatt) 1871, Nr. 2559 unter den Personalnachrichten in der kleinen Rubrik“. – Neue Illustrirte Zeitung (Wien, Zamarski, kl. Fol.) III. Jahrg. (1873) Nr. 15: „Die österreichische Expedition zur Beobachtung des Venusdurchganges“.