BLKÖ:Werthes, Friedrich Clemens August

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 55 (1887), ab Seite: 132. (Quelle)
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Werthes, Friedrich Clemens August (Schriftsteller, geb. zu Buttenhausen in Württemberg am 12. October 1748, gest. zu Stuttgart am 5. December 1817). Ein nahezu vergessener Schriftsteller der Aufklärungsperiode des vorigen Jahrhunderts. Ein Zeitgenoß Goethe’s und Schiller’s, wirkte er über ein Jahrzehnt auch im Kaiserstaate und dichtete unter Anderem ein paar dramatische Werke aus Oesterreich-Ungarns Geschichte nicht ohne Geschick. Nachdem er seine wissenschaftliche Ausbildung in Mannheim, Düsseldorf, Venedig, Lausanne und Münster erhalten hatte, lebte er einige Zeit als Privatgelehrter, ward dann Erzieher zweier junger Grafen Lippe-Alverdissen, [133] die er auf die Hochschule zu Göttingen begleitete, und trat in dieser Stadt mit den Dichtern des Hainbundes, welcher sich 1772 daselbst bildete und an Klopstock sich anschloß, in nähere Verbindung. 1781 zum Professor der italienischen Literatur in Stuttgart ernannt, folgte er 1784 einem Rufe als Professor der schönen Wissenschaften an der Pesther Universität, an welcher er bis 1794, nach Anderen bis 1797 lehrte, worauf er in sein Vaterland heimkehrte, in Stuttgart und in Ludwigsburg einige Zeit als Privatmann lebte, dann aber die Redaction des Regierungsblattes übernahm, den Titel eines k. württembergischen Hofrathes erhielt und als solcher 69 Jahre alt starb. Werthes entwickelte eine fruchtbare schriftstellerische Thätigkeit auf verschiedenen Gebieten der Literatur; nicht nur daß er an Zeitschriften und Almanachen, wie an Wieland’s „Deutschem Merkur“, am Morgenblatt, an Haug’s Almanach und anderen ein fleißiger Mitarbeiter war, er gab auch Gedichte, Dramen, Singspiele heraus, vornehmlich aber Uebersetzungen aus dem Englischen und Italienischen, durch die er die deutsche Literatur mit manchem guten Werke bereicherte. Wir führen seine Schriften, Originale und Uebertragungen, in chronologischer Folge hier an: „Beobachtungen über den Orient: aus Reisebeschreibungen, zur Aufklärung der heil. Schrift. Aus dem Englischen (des Hormons) von J. E. Faber, F. A. K. Werthes und D. C. Seyhold“ 3 Theile (Hamburg 1772–1779, Campe, gr. 8°.); – „Abhandlung über den Atys des Catull“ (Münster 1774, Perennon [Coppenrath] 8°.); – „Lieder eines Mädchens. Mit Musik“ (Munster 1774, qu. Fol.); – „Glaubensbekenntniss der Grafen Karl und Georg Schaumburg-Lippe. Herausgegeben von W....“ (Münster 1774, Perennon, 8°.); – „Sitten der Morloken. Aus dem Italienischen“, mit K. (Bern 1770, Typ. Societät, gr. 8°.); – „Rudolf von Habsburg. Ein Schauspiel in 5 Aufz.“ (Wien 1775, 8°.); – „Orpheus. Singspiel“ (Bern 1775, Typ. Soc., 8°.); – „Deukalion. Ein Singspiel“ (Bern 1777, 8°.); – „Carlo Gozzi’s theatralische Werke, aus dem Italienischen übersetzt“. 5 Bände (Bern 1777–1779, Typ. Soc., 8°.) 1. Bd.: Die Liebe zu den drei Pomeranzen – Der Rabe – Turandot – König Hirsch; 2. Bd.: Die Frau eine Schlange – Zobris – Das blaue Ungeheuer – Die glücklichen Bettler; 3. Bd.: Das grüne Vögelchen – Der König der Geniusse – Doris – Die entwaffnete Rachgierde; 4. Bd.: Der Fall von Donna Elvira – Die Strafe im Abgrund – Das öffentliche Geheimniß; 5. Bd. Der Triumph der Freundschaft – Die zwei schlaflosen Nächte oder der Betrug der Einbildung – Die philosophische Prinzessin oder das Gegengift; – „Ariosto’s rasender Roland, übersetzt von –, enthaltend die ersten acht Gesänge“, mit KK. (Bern 1778, Typogr. Soc., gr. 8°.); – „Bettinelli über den Enthusiasmus der schönen Künste. Aus dem Italienischen“ (Bern 1778, 8°., mit neuem Titel Leipzig 1794, 8°.); – „Ueber die vorzüglichsten italienischen Dichter im 17. Jahrhundert“ (Bern 1781 [Pfähler in Heidelberg] 8°.); – „Der rechtschaffene Unterthan. Ein russisches Schauspiel, nach dem Englischen von Beaumont und Fletcher“ (Stuttgart 1782, 8°.); – „Begebenheiten Eduard Bowston’s in Italien; ein Roman in Briefen“ (Leipzig [Altenburg] 1782, Richter, 8°.), nachgedruckt in Karlsruhe 1783; – „Romantische Erzählungen der Königin Margaretha, übersetzt...“ mit KK. (Bern, Typogr. Soc. 1782, gr. 8°.); – „Graf von der Borch’s Briefe über Sicilien und Malta, geschrieben im Jahre [134] 1777. Ins Deutsche übersetzt“, mit KK. und Karten, 2 Bände (Berlin 1785, Typogr. Soc., 8°.); – „Rede bei dem Antritte des öffentlichen Lehramtes der schönen Wissenschaften, auf der Universität zu Pesth gehalten“ (Pesth 1785, 8°.); – „Doctor Barthel. Lustspiel in 5 Aufz. Aus dem Englischen von Beaumont und Fletcher“ (Augsburg 1786, Jenisch, 8°.); – „Niclas Zrini oder die Belagerung von Szigeth. Trauerspiel“ Wien 1790, Krauß, 8°.), eine ungarische Uebersetzung von G. Csepán erschien 1790 in Komorn; – „Ueber die Schönheiten der italienischen Dichter, nebst dem Orlando Furioso, übersetzt in der Versart des Originals“, mit Vign. (Bern 1791, 8°.); – „Kirchengesänge auf das am 1. Mai 1791 von den Protestanten in Ungarn zu feiernde Religionsfest für das evangelische Bethaus zu Pesth verfertigt“ (o. O. 1791, Fol.); – „Conradin von Schwaben. Trauerspiel in 5 Aufz.“ (Tübingen 1800, Cotta, 8°.); – „Das Pfauenfest. Singspiel in 2 Acten“ (Stuttgart 1800, 8°.); – „Die Klause. ein Gedicht“ (Stuttgart 1801, Metzler, 8°.); – „Hermiane. Schauspiel mit Gesang“ (Stuttgart 1801, Metzler, 8°.); – „Sieben Heroen in sieben Gesängen“ (Augsburg 1816, Wolf, gr. 8°.). Im Vorstehenden bringen wir das erste vollständige Verzeichniß von Werthes’ selbständig erschienenen Schriften. Wenn derselbe auch keine eminente Bedeutung in der deutschen Literatur besitzt, so hat er doch Vorzüge, die ihn vor Vergessenheit schützen sollten. Als dramatischer Dichter schrieb er nicht nur ein paar gelungene Originalstücke, wie: „Conradin“, „Rudolf von Habsburg“ und „Zriny“, ferner einige Singspiele, die sich zu seiner Zeit einer sehr freundlichen Aufnahme erfreuten; auch als Uebersetzer einer guten Auswahl von Lustspielen Carlo Gozzi’s und als Bearbeiter einiger Lustspiele von Beaumont und Fletcher hat er – trotz der noch harten Uebertragung – seine Verdienste; er machte Deutschland auf Gozzi, einen vor ihm gar nicht gekannten Autor, aufmerksam, welchem Umstande eben wir die meisterhafte Bearbeitung der „Turandot“ von Schiller verdanken. Als Uebersetzer des Orlando furioso von Ariosto ist er der Erste, der diesen Versuch in ottave rime machte und wenn auch nicht alle Schwierigkeiten überwand, so doch die Bahn zum Besseren brach. Seine Vorgänger Dietrich von dem Werder und J. F. Koppe hatten noch das alexandrinische Versmaß beibehalten.

Fejér (Georgius), Historia Academiae scientiarum Pazmaniae[WS 1] Archiepiscopalis ac M. Theresianae regiae literaria (Budae 1835, 4°.) p. 128, 132, 170. – Goedeke (Karl). Grundriß zur Geschichte der deutschen Dichtung. Aus den Quellen (Hannover 1859, Ehlermann, 8°.) Bd. II, S. 649, Nr. 446.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Pazmanianae.