BLKÖ:Wildburg, Adolf Freiherr von (geb. 1809)

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 56 (1888), ab Seite: 142. (Quelle)
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Wildburg, Adolf Freiherr von (k. k. Major und Ritter des Maria Theresien-Ordens, geb. zu Wien im Jahre 1809, gest. zu Illye im Biharer Comitate Ungarns am 14. März 1878). Wahrscheinlich ein Sproß der steirischen Adelsfamilie, welche mit Johann Paul Ritter von Wildburg am 31. März 1770 die steirische Landmannschaft erhielt, und wohl ein Sohn des 1806 in den Freiherrenstand erhobenen Truchsessen und Hauptgewerken einiger Goldgruben in Siebenbürgen Philipp Ritter von Wildburg. Freiherr Adolf trat 1829 als Cadet in das 5. Kürassier-Regiment Kaiser Nicolaus [143] von Rußland, in welchem er in seinem Range bis 1847 zum Rittmeister vorrückte. Das Regiment stand 1849 in Ungarn im Felde gegen die Rebellen, und im Treffen vor Komorn am 26. April desselben Jahres erkämpfte er sich den Maria Theresien-Orden. Seit frühem Morgen hatte Feldmarschall-Lieutenant Simunich dem Feinde den tapfersten Widerstand geleistet. Der Kampf gestaltete sich immer hartnäckiger. Die Rebellen hatten schon die Zahl ihrer Geschütze bis auf 35 vermehrt und immer mehr Boden gewonnen. Es war bereits Mittag, als Feldmarschall-Lieutenant Graf Schlik, dem Kanonendonner folgend, in dem Momente auf dem Schlachtfelde erschien, als die Truppen Simmunich’s, der feindlichen Uebermacht weichend, sich gegen Acs und die Puszta Harkaly zurückzuziehen begannen und die Lage der Unseren, welche noch von einer Umgehung in der Richtung gegen Babolna zu bedroht waren, eine sehr kritische wurde. Graf Schlik ließ sofort 12 Escadronen auf den Gegner einhauen und in zwei Attaquen, ausgeführt mit einer Präcision wie auf dem Exercierplatze, begann der Feind zu wanken. Nun befehligte auch General Simunich seinerseits den Obersten von Kaiser Nicolaus-Kürassieren Freiherrn von Minutillo zur Attaque. Dessen Regimente, das eben erst von einem zehnstündigen Marsche auf dem Schlachtfelde eingetroffen, standen feindlicherseits 6 Divisionen Huszaren, mehrere Honvédbataillons und 40 Geschütze gegenüber. Der Escadronscommandant Freiherr von Wildburg hatte den Befehl, zurückzubleiben und mit seiner Escadron die drei Estandarten des Regimentes zu bewachen. Eine zweite Escadron wurde zur Bedeckung unseres Geschützes commandirt. Der Rest des Regimentes rückte nun unter heftigem Geschützfeuer mit aller Bravour vor. Da gewahrte Rittmeister Wildburg eine feindliche Batterie, welche das vorrückende Regiment in der rechten Flanke mit großem Erfolge beschoß. Sofort faßte er den Entschluß, diese Batterie anzugreifen, worüber seine Leute, als sie seine Absicht erfuhren, laut aufjubelten. Er übergab nun die drei Estandarten seines Regimentes einer in der Nähe befindlichen Infanterieabtheilung und rückte mit seiner Escadron im Trabe gegen die feindliche Batterie vor. Diese richtete ihr Feuer gegen die Anrückenden, welche sich aber dadurch nicht beirren ließen, sondern vorwärts drangen, bis sie der Batterie auf etwa 400 Schritte nahe gekommen, worauf diese aufprotzte und im Carrière davonfuhr. Wildburg verfolgte sie nun auf eine beträchtliche Entfernung, bis er erkannte, daß er mit seinen vom langen früheren Marsche ermüdeten Pferden die trefflich bespannte feindliche Batterie nicht einzuholen im Stande war. Er gab also die weitere Verfolgung auf, griff aber eine Division feindlicher Huszaren an, welche eben das Regiment überflügeln wollte, und jagte diese in die Flucht. Nun ließ er seine Escadron halten, um sich auf dem Schlachtfelde zu orientiren. Da sah er die beiden Divisionen seines Regimentes mit sechs Divisionen Huszaren im Handgemenge, und daß die zweite Oberstlieutenants-Escadron bedroht war, überflügelt zu werden. Rasch sprengte er mit seinen Leuten den Huszaren in die Flanke, überritt dabei einige Abtheilungen Honvéds, griff in den Kampf ein und half dadurch seinem Regimente die Aufgabe lösen und den Sieg erringen, denn der Feind sah sich nun gezwungen, hinter die Schanzen von Komorn sich [144] zurückzuziehen. In der 157. Promotion (am 26. März 1850), in welcher Windischgrätz und Haynau die Großkreuze erhielten, wurde unserem tapferen Rittmeister für seine ohne erhaltenen Befehl ausgeführte und so günstig verlaufene Waffenthat das Ritterkreuz des Maria Theresien-Ordens zuerkannt. Als im Mai 1851 bei Olmütz, wo sich eben die Kaiser von Oesterreich und Rußland befanden, das zweite Armeecorps (General der Cavallerie Graf Schlik) zusammengezogen wurde, fand am 29. Mai vor dem Czaren die Vorstellung der aus Debreczin berufenen Officiere des 5. Kürassier-Regimentes Kaiser Nicolaus statt. Auf den mit dem Theresienorden geschmückten Rittmeister Baron Wildburg ging nun Kaiser Nicolaus zu und richtete an ihn folgende Worte: „Ihr Kaiser gab Ihnen bereits seinen höchsten Orden, Sie werden mir erlauben, daß ich Ihnen den Bruderorden des Theresienkreuzes, meinen St. Georgs-Orden, verleihe.“ Am folgenden Tage ließ der Kaiser von Rußland den tapferen Rittmeister zu sich bescheiden und überreichte ihm das St. Georgskreuz mit den Worten: „Hätte ich einen schöneren Orden, so würde ich denselben Ihnen übergeben, dieser aber ist fürs Militär mein schönster. Es freut mich umsomehr, da ich nun gewiß weiß, daß Sie ein wirklich Braver sind, und da ich hoffen kann, daß Ihnen die Verleihung meines Georgsordens für Ihre Zukunft von großem Vortheil sein wird.“ Hierauf umarmte der Kaiser den Rittmeister Baron Wildburg und küßte ihn dreimal. Im März 1853 wurde derselbe zum Major befördert und in die kaiserliche Arcieren-Leibgarde eingetheilt. Später trat er in den Ruhestand über und starb in demselben.

Carinthia (Klagenfurter Unterhaltungsblatt, 4°.) 1857, Nr. 5, S. 20 im Aufsatze: „Skizze des Krieges in Ungarn 1848 und 1849“. – Oesterreichischer Soldatenfreund (Wien, 4°.) 1851, Nr. 17: „Ehrenhalle XXV“. – Thürheim (Andreas Graf). Die Reiter-Regimenter der k. k. österreichischen Armee (Wien 1862, Geitler, gr. 8°.) Bd. I: „Die Kürassiere und Dragoner“, S. 139 und 140. – Hirtenfeld (J.). Der Militär-Maria Theresien-Orden und seine Mitglieder (Wien 1857, Staatsdruckerei, kl. 4°.) S 1676, 1754.