BLKÖ:Wilder, Georg Christoph

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 56 (1888), ab Seite: 152. (Quelle)
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Wilder, Georg Christoph (Zeichner, Maler und Radirer , geb. in Nürnberg am 9. März 1794, Todesjahr unbekannt). Nagler und Andresen nennen ihn Georg Christian . Hormayr Georg Christoph . In seiner Vaterstadt war er mehrere Jahre lang Chorschüler bei St. Lorenz und bildete sich unter ausgezeichneten Lehrern mit besonderem Fleiße in den Humanitätswissenschaften. Zugleich zeigte er Liebe zur Kunst und nahm bei dem Director Zwinger den ersten Unterricht im Zeichnen, [153] später setzte er seine künstlerische Ausbildung unter A. Gabler fort, und auch der berühmte Kupferstecher Reindl blieb nicht ohne Einfluß auf Wilder’s Entwicklung in dieser Richtung. Als Johann Adam Klein [Bd. XII, S. 58, Nr. 8], der nachmals berühmte Thier- und Landschaftszeichner und Kupferstecher, im Jahre 1811 nach Wien ging, um sich daselbst an der Akademie auszubilden, ward unser Künstler durch allerlei Unfälle zurückgehalten, ihn zu begleiten, und blieb in Nürnberg. Dahin aber waren inzwischen Reindl, Geißler und Gutenberg aus Paris zurückgekehrt und hatten in die altbewährte dortige Kunstakademie ein neues Leben und infolge ihrer Ausbildung in der Seinestadt künstlerischen Aufschwung gebracht. Wilder lieferte nun malerische perspectivische Handzeichnungen mehrerer Kirchen und Kloster Nürnbergs, die, mittlerweile zerstört, nur noch in seinen Blättern erhalten sind; eine Ansicht des Regensburger Domes für das Taschenbuch von Nürnberg u. d. m. Auch arbeitete er Mehreres für Wiebeking und andere kundige Sammler. An den Baudenkmälern in Erfurt, Hannover, Naumburg und anderen Städten, welche er auf einer Reise besuchte, nährte er seinen künstlerischen Geist und Geschmack für altdeutsche Baukunst, in deren Zeichnungen und Stichen er sich bald als einer ihrer kundigsten Nachbildner erwies. Endlich im Mai 1819 sollte sich sein längst gehegter Wunsch erfüllen, Wien zu besuchen, wo sich damals eben die Kleinkunst des Kupferstiches besonderer Sorgfalt erfreute. Er trat sofort in die k. k. Akademie der bildenden Künste und blieb in Wien nahezu 14 Jahre, bis 1832. Aus dieser Zeit stammt eine große Anzahl Blätter von seiner Hand mit Ansichten denkwürdiger Bauten der Kaiserstadt, so für Hormayr’s „Geschichte der Stadt Wien“, in welcher von ihm sind: „Die Ansicht der vorderen Seite der Stephanskirche mit den beiden Heidenthürmen“; – „Die Ansicht des ausgebauten Thurmes von St. Stephan von der südlichen Seite“; – „Dir Ansicht des Innern der Eingangshalle neben der Eugenischen Capelle“; – „Die innere Ansicht der Kirche Maria Stiegen“ und „Die äussere Ansicht dieser Kirche“; – für das Werk Franz Tschischka’s „Der St. Stephansdom in Wien und seine alten Kunstdenkmale“ (1832, Fol.): 44 gezeichnete und radirte Kupfertafeln und eine große „Ansicht des Innern des Domes gegen den Musikchor hin“, welche Hyrtl gestochen hat; ferner 15 Blätter verschiedene Ueberreste gothischer Baukunst in und um Neustadt und in Obersteyer für J. Schottky; Zeichnungen vom Laxenburger Ritterschlosse, zu einer Monographie desselben; dann viele Zeichnungen bedeutender Plätze und Bauten in Wien, welche in Radirungen von Passini bei Mollo in Wien erschienen sind; die Wiener Stadtbibliothek besitzt von Wiener Ansichten nach Zeichnungen von Wilder: „Der Schweizerhof in der k. k. Barg“ (1826); – „Die Ingenieurakademie“ (1826); – „Die Stephanskirche“, 2 Bl. (1826); außerdem sind von seinem Grabstichel bekannt: „Das Grabmal des Conrad Celtes im Stephansdome“ (4°.); – *„Alte Denksäule bei Wiener-Neustadt an der Strasse nach Wien“ (1825, Fol.); – „Das Landhaus in Wien“ (Qu. Fol.); – *„Das Schweizerhofthor in der Kaiserburg“ (gr. Fol., auch Drucke vor der Schrift); –- „Das Stadthaus in Wien“ (1826), als Gegenstück zum Landhaus; – „Maria Stiegen“, nach einem Aquarellbilde radirt (kl. Fol.); – *„Maria am Gestade im Passauerhofe“ (1820, kl. Fol.). Auch sind von seiner Hand [154] noch viele Blätter und Zeichnungen verschiedener Ansichten der österreichischen Monarchie, welche er nach verschiedenen Richtungen durchwanderte, vollendet worden; dieselben besitzen bei der Genauigkeit, die alle seine Arbeiten auszeichnet, und bei der Schönheit in der Durchführung historischen und künstlerischen Werth. Nach seiner Rückkehr in die Heimat bot ihm namentlich die an Kunstbauten und sonstigen Denkmälern so reiche Stadt Nürnberg eine Fülle von Motiven zu Aquarellen, Zeichnungen und Radirungen. Nach seinen Aquarellen und Zeichnungen haben dann auch namhafte Künstler, wie Poppel, F. Geißler u. A. gestochen. Von seinen eigenen geistvoll ausgeführten Radirungen mit Motiven aus Nürnberg sind zu nennen: *„Die Fontaine im Hofe des Rathhauses“ (4°.); – „Die Sacristeithür von St. Lorenz“ (4°.); – „Das Portale im Pfalzgrafenstübchen des von Scheuerl’schen Hauses“ (4°.); – „Das Münzer’sche Epitaphium auf dem Sanct Johnnneskirchhofe“ (8°.); – „Der untere Theil des Kraft’schen Sacramenthäuschens“ (8°.); – „Der Goldpocal und Becher des Pegnesischen Blumenordens“ (4°.); – „Die Veste in Nürnberg“ (4°.); – „Am Fusse des alten Schlosses“ (4°.); – „Ansichten aus der alten Kaiserburg in Nürnberg vor den Veränderungen im Jahre 1833“, 2 Bl. (qu. 4°.); – „Der Hof der alten Kaiserburg zu Nürnberg gegen Morgen“ (kl. qu. Fol.); – „Nürnberg von Sonnenaufgang aus gesehen“ (4°.); – „Des Stadtschlossers Fischer Hans (vormals Wohnhaus von Peter Vischer), vor dessen Veränderung im Jahre 1835“ (gr. 4°.); – „Hans Sachsens Haus, vom Einsturz bedroht im März 1834“ (qu. Fol.); – „Studien am Tucher’schen Hause in Nürnberg 1845“ (qu. Fol.); – *„Die Augustinerkirche in Nürnberg, 1479–1482, von Hans Beer erbaut. 1816 demolirt“ (qu. 4°.); – „Bei den Ruinen der 1816 in Nürnberg demolirten Augustinerkirche“ (qu. 4°.); – „Zwischen dem Laufner- und Vestnerthore in Nürnberg“ (1819, qu. 8°.); – „An der Bastei an dem Wöhrderthore in Nürnberg“ (1818, 4°.); – „Ansicht vom Irrhain bei Nürnberg“ (kl. qu. Fol.); – „Gemälde im Irrhaine bei Kraft’s Hof“ (kl. qu. Fol.); – „Wandgemälde aus Wohlgemuth’s Zeit“, in einem Hause in Nürnberg, radirt und color. (1841, qu. Fol.). Außer diesen Nürnberger Ansichten in Radirungen Wilder’s kennt man noch folgende Blätter seiner Radirnadel: „Ein stehender Mann. Freund W.s.r. (Wiesner)“, G. C. Wilder 1813 (8°.); – „Statue eines Heiligen. Bei St. Sebald“, W. f. 1817 (8°.); – „Junger Mann in einer Landschaft sitzend“, Wilder d. 2. Januar 1814 (8°.); – „Bei dem Drahtzug hinter Aschau in Tirol“, F. W. Doppelmayr del., G. C. Wilder 1813 sc. (qu. 8°.); – „In Radolzburg“, nach F. Kobell, G. C. Wilder 1812, Nr. 1 (qu. 8°.); – „Mühle in Kirchsittenbach“. G. C. Wilder f. 1813 (qu. 8°.); – „Die Zelle des Dr. M. Luther im Augustinerkloster zu Erfurt“ (Fol.); – „Landschaft mit einem alten Stadtthor“, G. C. Wilder 1814 (qu. 8°.); – „Eine gothische Kirchthür. MDCCCXVII“ (8°.), wahrscheinlich ein Nürnberger Motiv; – „Sechs verschiedene Landschaften“ (qu. 4°. und qu. Fol.); – „Studien von Schafen und Ziegenköpfen, nach Dietericy 1812“ (schm. qu. 8°.); – „Ein Pferdekopf nach der Natur, 1812, Nr. 6“ (qu. 12°.). Unter den im Vorstehenden angeführten Radirungen des Künstlers sind die Hauptblätter mit Sternlein (*) bezeichnet. Wie aus obiger Uebersicht erhellt, zeichnete, malte und radirte Wilder; einige Blätter hat er auch in Tusch ausgeführt. In allen seinen Arbeiten aber beobachtete er die höchste Sorgfalt; und seine Aquarellbilder sehen nicht selten aus wie [155] Miniaturen, mit solcher Emsigkeit und Feinheit ist das Detail behandelt. Groß ist die Zahl seiner Blätter, aber leider fehlt ein Verzeichniß derselben. Der Künstler, der übrigens nicht zu verwechseln ist mit seinem älteren Bruder Johann Christoph Jacob Wilder[WS 1], Pfarrer bei St. Peter in Nürnberg, einem ebenso geschickten Zeichner und Radirer, welcher am 16. Jänner 1838 in Nürnberg gestorben ist, war ein ungemein correcter Zeichner, der insbesondere in der Perspective mit geometrischer Sicherheit arbeitete. Ob er noch lebt, was immerhin möglich, wissen wir nicht. In den Künstlerlexicis finden wir nirgend seinen Tod verzeichnet.

(Hormayr’s) Archiv für Geschichte, Statistik, Literatur und Kunst (Wien 4°.) 1823, Nr. 22, S. 116; 1825, Nr. 135, S. 821. – Archiv für die zeichnenden Künste. Von Rob. Naumann und Rudolf Weigel. IX. Jahrgang (1863) 1. Heft. – Nagler (G. K. Dr.). Neues allgemeines Künstler-Lexikon (München 1839, C. A. Fleischmann, 8°.) Bd. XXI, S. 440.
Porträt. Unter dem Brustabschnitt in Form eines Kreissegments: „G. C. Wilder, Maler und Kupferstecher“. Rosée sc. 1839 (kl. 8° ).

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Johann Christoph Jakob Wilder (Wikipedia).