BLKÖ:Williams, James Ernst Freiherr

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
<<<Vorheriger
Willforth, August
Band: 56 (1888), ab Seite: 188. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
in der Wikipedia
GND-Eintrag: [1], SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Williams, James Ernst Freiherr|56|188|}}

Williams, James Ernst Freiherr (k. k. Oberst und Ritter des Maria Theresien-Ordens, geb. in England 1761, gest. in Wien 27. August 1804). Engländer von Geburt, war er beim [189] Schiffswesen angestellt. Kaiser Joseph lernte ihn zu Ostende kennen und nahm ihn in seine Dienste. Bei Ausbruch des Krieges gegen die Pforte 1788 wurde Williams Capitän eines vor Semlin befindlichen Kriegsschiffes, 1789 Major. Im Februar letzteren Jahres begab er sich mit Oberstlieutenant Muner nach Triest, um dort für die Donauflotille Matrosen zu werben. Nach seiner Rückkehr zur Armee erhielt er das Commando der mit 24 achtpfündigen Kanonen armirten Fregatte „Maria Theresia“, mit welcher er auf der Donau während des Feldzuges gute Dienste leistete. Mit 1795 aber beginnt in hervorragender Weise seine kriegerische Thätigkeit zu Wasser, welche von den schönsten Erfolgen begleitet war. In diesem Jahre rüstete er am Rhein Kanonierschaluppen aus, mit denen er der operirenden Armee bei vielen Gelegenheiten auf das ersprießlichste zur Hand ging und durch seine Bravour dem Feinde empfindlichen Abbruch that. Schon hatten die Franzosen die Festung Mainz auf dem rechten Mainufer cernirt, da gelang es ihm, das große Naturalmagazin zu Rüsselsheim am 24. September zu einer Zeit zu retten, wo die Verpflegung dieses Platzes nicht nur sehr wichtig, sondern auch von den größten Folgen war. Am 3. October unterstützte er den Landangriff auf Kostheim mit sechs Tschaiken, mit denen er den Main aufwärts gefahren. Als unsere Truppen geworfen wurden, rückte er ungeachtet des heftigen feindlichen Feuers so weit vor, daß der eindringende Feind in die Flanke genommen ward und Williams, obgleich am Fuße verwundet, durch volle fünf Stunden seine Stellung behaupten konnte. Einige Tage später verjagte er mit zwei Kanonierschaluppen die Franzosen aus Weissenau, und als sie am 13. October die Bloquade von Cassel aufhoben, verfolgte er sie mit vier Schiffen und verhinderte die Uebersetzung von Truppen auf das linke Ufer. In der Nacht vom 18. auf den 19. October allarmirte er die Besatzung in den Linien vor Mainz und wirkte in ausgezeichneter Weise bei deren Erstürmung mit. Er hatte den Befehl, mit seinen Kanonierschaluppen und 800 Mann eine Diversion in die Flanke des Feindes zu unternehmen. Zu diesem Zwecke fuhr er den Rhein stromaufwärts gegen Nakenheim, verstärkte sich mit einer in der Nonenau befindlichen Compagnie von Schröder-Infanterie, landete mit seiner Truppe, bemächtigte sich der Dörfer Bodenheim und Nakenheim, machte mehrere Gefangene, erbeutete Munitionsvorräthe, und erschien dann mit einem Male im Rücken und in der Flanke des Feindes, der infolge dieses plötzlichen Ueberfalles seine Linien schleunigst zu verlassen genöthigt war. Für diese, den Fortgang unserer Unternehmungen wesentlich fördernde Waffenthat wurde ihm auch in der 42. Promotion im Capitel vom 11. Mai 1796 das Ritterkreuz des Maria Theresien-Ordens zuerkannt. Einige Wochen später bot er sich aus freien Stücken an, die Rheinbrücke vor Mannheim zu zerstören. Am 10. November ging er ans Werk, nahte sich mit drei Pontons und einigen Freiwilligen der Brücke, riß fünfzehn feindliche Pontons aus ihr heraus und brachte dieselben nach Worms. Im December genannten Jahres aber unternahm er noch mit sechzehn Schiffen eine Fahrt von Mainz bis Ehrenbreitstein und erbeutete zwei feindliche mit Hafer befrachtete Schiffe. 1796 ward er zum Oberstlieutenant im Generalstabe befördert, behielt jedoch das Commando der Kriegsflotille, mit welcher er bis zum Abschluß [190] des Luneviller Friedens noch manche Waffenthat auszuführen Gelegenheit hatte. Von einem im Jänner 1797 nach London erhaltenen Urlaube vor Ausbruch der Feindseligkeiten zurückgekehrt, befehligte er im November die Fregatte „Austria“ bei Triest und recognoscirte mit ihr die Küsten von Istrien und Dalmatien. Nun kam er zur Armee in Italien mit dem Auftrage, das Schiffswesen zu leiten. Mit aller Energie griff er die Sache an und befuhr im März 1799 den Bodensee mit Kriegsschiffen. Am 13. April unterstützte er den Angriff des Generalmajors Piacsek [Band XXII, S. 216] auf Constanz, im Mai rückte er nach St. Gallen vor, erbeutete drei Kanonen und zwei Geschützkarren, streifte längs der Ufer des Bodensees und machte ansehnliche Beute, darunter 37 Kanonen und anderes Kriegsgeräth. Von da beordert, auf dem Züricher See eine Flotille auszurüsten, vollzog er diesen Auftrag, so daß dieselbe bereits im August in Action trat und namentlich mitwirkte bei dem Angriff auf Lachen, eine in einer Bucht des Züricher Sees gelegene Ortschaft, aus der er die Franzosen, welche sie besetzt hielten, mit Haubitzgranaten vertrieb. 1803 trat er als Oberst aus dem activen Dienste, genoß aber nicht lange die Ruhe, da er schon 1804, erst 43 Jahre alt, starb.

Thürheim (Andreas Graf). Gedenkblätter aus der Kriegsgeschichte der k. k. österreichischen Armee (Wien und Teschen 1880, Prochaska, gr. 8°.) Bd. II, S. 413, Jahr 1795 und S. 415. – Hirtenfeld (J.). Der Militär-Maria Theresien-Orden und seine Mitglieder (Wien 1857, Staatsdruckerei, kl. 4°.) Bd. I, S. 494 und 1749.