BLKÖ:Wilt, Joseph

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Wilt, Marie
Band: 56 (1888), ab Seite: 202. (Quelle)
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Wilt, Joseph (Bischof von Raab, geb. zu Gran am 2. Juli 1738, gest. zu Rákos 1813). In ungarischen Werken finden wir ihn auch Vilt geschrieben. Sein Vater war Secretär des Graner Festungscommandanten Adam v. Erős und ließ sich die Ausbildung des Sohnes sehr angelegen sein. Dieser erhielt aber eine solche zuerst in seiner Geburtsstadt Gran, dann in Tyrnau und als er sich dem geistlichen Stande zugewendet hatte, an dem berühmten Pázmán’schen Collegium in Wien. Daselbst zog der talentvolle junge Priester die Aufmerksamkeit des damaligen Graner Erzbischofs Franz Grafen Barkóczy [Bd. I, S. 159] auf sich, welcher ihn schon am 29. März 1761 zum Caplan der aus etwa 18.000 Seelen bestehenden katholischen Gemeinde von Pesth ernannte, deren bisher den Vätern der frommen Schulen anvertraute Seelsorge eben einem Pfarrer übertragen wurde. Wilt sollte demselben in Ausübung des geistlichen Amtes zur [203] Seite stehen. Aber da er bei seiner schwächlichen Körperbeschaffenheit auf die Dauer diesem anstrengenden Dienste nicht gewachsen war, so wurde ihm denn zunächst gestattet, sich für einige Zeit zur Erholung nach Tyrnau zu begeben. Als er dann für den Wiedereintritt in die Seelsorge noch immer nicht genug gestärkt schien, übernahm er in der Familie der Grafen von Forgách und von Hallerdie weniger anstrengende Erzieherstelle, welche er mit bestem Erfolge mehrere Jahre hindurch versah. 1768 erhielt er dann die Pfarre zu Vadkert, einem großen ungarischen Marktflecken im Neograder Comitate, welchem ansehnlichen Posten er durch zehn Jahre so trefflich vorstand, daß er noch in der Zwischenzeit, 1773, in Würdigung seines verdienstlichen Wirkens zum Unterdechanten des Szécsényer Bezirkes ernannt wurde. 1778 ward er Domherr des Preßburger Collegiatstiftes, und nun folgte Würde auf Würde. Noch im nämlichen Jahre übernahm er die Aufsicht über die adelige Schuljugend in dem königlich erzbischöflichen Erziehungshause zu Tyrnau, im folgenden, am 19. August, kam er als Domherr an die Graner Metropolitankirche, in welcher Eigenschaft ihm dann 1786 die Stellvertretung einer erzbischöflichen Amtsverwaltung übertragen wurde. 1787 erfolgte seine Ernennung zum Oberdechanten des Honter Bezirkes, 1788 aber die Berufung nach Tyrnau wieder als Stellvertreter einer erzbischöflichen Amtsverwaltung. 1790 ward er zum Propst des h. Georgius von dem grünen Graner Felde ernannt und 1799 nach dem Tode des Graner Erzbischofs Joseph Grafen Batthyány gesetzmäßig zur einstweiligen Stellvertretung der oberhirtlichen Amtsverwaltung eingesetzt. Am 15. Februar 1801 als neu erwählter Bischof von Belgrad zum Weihbischof des Graner Erzsprengels feierlich zu Neutra eingeweiht, sah er sich am 6. Juni 1806 von Kaiser Franz I. zum Bischof von Raab ernannt. Am 14. Juli 1811 beging der damals 73jährige Kirchenfürst den Jubeltag seines fünfzigjährigen Priesterthums, bei welcher Gelegenheit mehrere Festschriften in deutscher, ungarischer und lateinischer Sprache erschienen, Wilt selbst aber des Engländers Humfred Ditton Schrift „Die Wahrheit der christlichen Religion aus der Auferstehung Jesu Christi“, welche vor hundert Jahren zum ersten Male erschien, von einem gediegenen Kenner der classischen Sprachen ins Lateinische übersetzen, auf seine Kosten drucken und kurz vor seiner Jubelfeier unter den Clerus seines bischöflichen Sprengels, wie auch unter die übrigen Diöcesen vertheilen ließ. Der Titel dieses umfangreichen Werkes lautet: Humfredi Ditton Veritas ‘Religionis christianae ex Resurrectione Jesu Christi demonstrativa methodo comprobata. Cum appendice de immaterialitate animaram et nonnullis aliis momentosis Religionis naturalis placitis. Opus eximium ex Gabr. Vilh. Goetteni versione germanica in latinum sermonem translatum per Georgium Frank, Canonicum Jaurinensem, cura et impensis. .. Josephi Vilt...“ (Posonii 1811, Belnay, 8°., 726 S.). Dieses so festlich begangene Jubiläum steht aber im Zusammenhange mit Wilt’s bischöflicher Wirksamkeit, welche durch eine Reihe humanitärer Acte bezeichnet wird, worin die geistlichen Würdenträger Ungarns immer Großes geleistet haben. Freilich verfügen Sie auch über Einkünfte, wie solche in keinem anderen Staate des Continents der hohe Clerus einnimmt. Nicht volle sieben Jahre saß [204] Wilt auf dem Bischofsstuhle von Raab, aber sie sind durch Acte seltener Munificenz bezeichnet. Als die Franzosen 1809 in Ungarn eindrangen, belagerten sie die Stadt Raab und verwandelten bei dieser Gelegenheit die bischöfliche Residenz in einen Schutthaufen, verwüsteten die Umgebung und hausten auf den Gütern des Kirchenfürsten in entmenschter Weise. Der sonst so reiche Bischof von Raab war nun von allen Mitteln entblößt und nichtsdestoweniger verstand er innerhalb der sieben Jahre seines Bischofsamtes die Spuren der Verwüstung zu verwischen: er hatte die abgebrannte bischöfliche Curie zu Raab ganz neu aufgebaut; mehrere Kirchen theils neu erbaut, theils hergestellt; einen Fond von 20.000 fl. gestiftet, womit die jährlichen Honorare jener Landdechanten zu bestreiten waren, welche bis dahin unentgeltlich ihre Obliegenheiten versehen hatten; seiner Kathedrale, die völlig ausgeplündert worden, ein Prachtornat von über 50.000 fl. im Werthe geschenkt; ansehnliche Summen zu milden Stiftungen, zur besseren Dotation des bischöflichen Seminars, zur Unterstützung der armen Nonnen in Oedenburg und Raab gewidmet, viele Tausende zu patriotischen Subsidien, Contributionen u. s. w. beigesteuert, Dr. Hohenegger in seiner Darstellung der Denkmale der Wohlthätigkeit des ungarischen Clerus nennt den „apostelähnlichen Greis Bischof Wilt viel erfahren und viel geprüft, ein Orakel in der ungarischen Kirche, streng gegen sich selbst, haushälterisch im Kleinen, um so wohlthätiger im Großen sein zu können“. Dr. Hohenegger schrieb dies nicht bei Lebzeiten des Kirchenfürsten, wo es als Schmeichelei erscheinen konnte, sondern nachdem derselbe bereits seit mehreren Jahren gestorben.

Lobrede bei Gelegenheit eines fünfzigjährigen priesterlichen Dank- und Jubelopfers u. s. w. Vorgetragen von Jos. Straiter, Propst u. s. w. (Preßburg 1811, 20 S., 4°.). – Dal, mellyet Méltoságos és Fő Tisztelendő Vilt József Urnak etc. etc. (Raab, 4°.). – Carmen Jubilaeis Honoribus... Domini Josephi Vilt, ab exultantibus Archi-Gymnasii Jaurinensis Alumnis (Raab, 4°). – Eucharisticon, quod honoribus Jós. Vilti.... pie cantabat P. H….. (Raab, 4°.). – Carmen festis honoribus illustr. etc. Josephi Vilt.... Oblatum a Clero juniore ordinis Sancti Benedicti de Sancto Monte Pannoniae etc. (Raab, 4°.). – Eine ungarische Predigt des Domherrn Alexius Jordánházy zugleich mit Biographie und Bildniß des Bischofs wurde als im Druck erscheinend in Aussicht gestellt. – Memoria Basilicae Strigoniensis anno 1856 die 31. Augusti consecratae (Pestini 1856, Kozma et Beimel, schm. 4°.) S. 174. – (Hormayr’s) Archiv für Geschichte, Statistik, Literatur und Kunst (Wien, 4°.) XV. Jahrg. (1824) Nr. 13. S. 77.