BLKÖ:Wolfsberg, Emilie Victorine Freiin von

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
<<<Vorheriger
Wolfrum, Karl
Band: 58 (1889), ab Seite: 34. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
Emilie Kraus von Wolfsberg in der Wikipedia
GND-Eintrag: [1], SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Wolfsberg, Emilie Victorine Freiin von|58|34|}}

Wolfsberg, Emilie Victorine Freiin von (Maitresse Napoleons I. 1805 bis 1813, die sogenannte Hundsgräfin, geb. zu ldria in Krain 1785, gest. zu Gnigl bei Salzburg im April 1845). Die Tochter eines Bergmannes Kraus in Idria, empfing sie in der Taufe die Namen Eva Cäcilia Victorine Emilie. Nach dem Tode ihres Vaters erhielt sie in Philipp M...., einem k. k. Hofsecretär der Artilleriedirection, späterem Hofrathe bei dem k. k. Hofkriegsrathe in Wien, einen Pflegevater. Eva, oder wie sie sich selbst schrieb, Emilie Victorine, besaß außer einer ganz ungewöhnlichen Schönheit, zu deren kleinsten Reizen nicht eben ihr prächtiges blondes Haar zählte, weder Bildung, noch als Tochter eines mittellosen Bergmannes Vermögen. Ihr Pflegevater, vielleicht seit Jahren sich mit dem Gedanken tragend, mit der Pflegetochter ein Geschäft zu machen, brachte sie im December 1805, bald nachdem Napoleon seinen Wohnsitz in Schönbrunn aufgeschlagen, auf unbekanntem Wege zum Kaiser, der an ihr Gefallen fand, und in dessen Gefolge sie – um den Blicken der Neugierde zu entgehen – in Manneskleidern verblieb auf allen seinen Fahrten und Zügen von 1805 bis zu seiner Abdankung im Jahre 1813. Kurz vor seinem Falle soll er sie zu einer Freiin von Wolfsberg ernannt haben. Sie behauptete, mit dem Kaiser getraut worden zu sein, wobei ein Marquis Montholon als Zeuge gedient habe, und bemerkt unsere Quelle: „unmöglich wäre das eben nicht, da es dem rücksichtslosen Cäsar auf eine Komödie mehr oder weniger nicht ankam, wenn es die rasche Befriedigung seiner Lust galt.“ Materiell war auch nach des Imperators Fall ihre Zukunft sicher gestellt, da in einer englischen Bank ein Capital von circa 480.000 fl. erlag, wovon sie 24.000 fl. jährliche Zinsen bezog – „Apanage“, wie sie es prinzeßlich nannte. Die betreffenden Papiere waren dem mittlerweile zum Hofrath beim Hofkriegsrathe beförderten Philipp M.... zur Verwaltung übergeben und dieser noch überdies mit dem Orden der Ehrenlegion geschmückt worden!! Als das Geschick den Kaiser nach Helena geführt hatte, trat wenige Jahre später Emilie Victorine in den Ehestand. Sie heiratete 1815 den Wiener Advocaten Schönauer, von dem sie sich aber schon 1820 wieder trennte. Als dann Napoleon im letztgenannten Jahre starb, verminderte ihr Pflegevater Hofrath M.... aus „eigenem Antriebe“ „ihre „Apanage“ und zahlte ihr statt 24.000 fl. nur noch 9000 fl. jährlicher Zinsen. Mit dem Tode Napoleons verfolgte diese Frau allerhand Mißgeschick. Die beträchtliche Reduction ihrer Einkünfte wurde eben erwähnt, ebenso der Trennung von ihrem Gatten nach fünfjähriger Ehe gedacht. Nach derselben verließ sie Wien und zog mit Mutter und Schwester, welche sie zu sich genommen hatte, nach Bregenz, wo sie ein kleines Haus mit Garten kaufte. Aber nach ihrer Trennung von ihrem Gatten ließ ihr das Herz doch keine Ruhe, und sie heiratete zum zweiten Male – dieses Mal einen fünfzehn Jahre jüngeren Mann, den „simplen“ Chirurgen Vincenz Brauner. Als dieser 1828 zum Kreiswundarzt in Salzburg ernannt worden, übersiedelte Emilie Victorine mit ihm und einem in Bregenz ersparten Vermögen von 40.000 fl. – ihre Mutter war 1826 in Bregenz gestorben und liegt dort begraben – nach Salzburg. Daselbst miethete sie anfangs eine Wohnung mit Garten am Mirabellplatze um den damals ziemlich hohen Zins von 300 fl., hielt auch eine Loge [36] im Theater; später kaufte sie ein Haus mit einem Fischerhäuschen in Gnigl nächst Salzburg und bald darauf ein Haus in Salzburg selbst. Sie führte da mit ihrem Gatten ein geräuschloses und in Anbetracht ihres Jahreseinkommens von 9000 fl. und der Renten ihres ersparten Capitals behagliches Leben. Da klopfte wieder das Unglück an die Thür der bedauernswerthen Frau: Eines Tages blieb die Apanage aus, aus Wien traf die Hiobspost ein: Hofrath M.... habe durch einen Sturz aus dem Fenster seinem Leben ein jähes Ende gemacht, nachdem er zuvor alle Papiere verbrannt und auch die Prätiosen Emiliens so sorgsam verborgen, daß sie schlechterdings nicht zu finden seien. Wahrscheinlich hatte der „pflichttreue Pflegevater“ das Vermögen seiner Pflegetochter verlottert und war dann tragisch gestorben. So sah sich Emilie Victorine, die damals 47 Jahre zählte, plötzlich in harte Bedrängniß versetzt. Noch hätte sie durch Verkauf ihrer Häuser, Pferde, ihrer Equipagen sich vor dem Bettelstab retten können; aber an ein üppiges glanzvolles Leben gewöhnt, wollte sie dem allen nicht entsagen. Zum Ueberfluß hielt sie eine ganze Menagerie von Affen, Papageien, Vögeln, 32 Hunden, deren Erhaltung große Unkosten verursachte. Mit den Hunden trieb sie es bis zum Ekel arg: während sie ihren Dienstboten nichts zu essen gab, speisten die Hunde von silbernen Tellern; ein jeder hatte seine eigene Bedienung, wurde gepflegt wie ein Schooskind, gefüttert wie eine Spansau, und starb einer aus dieser vierfüßigen Sippe, so ward ihm in dem Hausgarten ein Marmordenkmal gesetzt! Daher entstand der Frau im Volksmunde der zutreffende Name der „Hundsgräfin“. Da kam 1839 der härteste Schlag über sie, ihr Gatte Vincenz Brauner, seit längerer Zeit bereits krank, starb im Krankenhause. Nun stand sie mit ihren Hunden, Vögeln und allem Flitter allein im Leben. Die Noth wuchs mit jedem Tage, allmälig wanderte Alles, was sie noch besaß an Seidenkleidern, Spitzen, Schmucksachen u. d. m., ins Leihhaus. Durch den Verkauf ihres Stadthauses gerieth sie in Schwindlerhände und in Processe. Es kam zur Pfändung, zur Execution. Endlich gerieth auch das Letzte, was sie noch werth hielt neben den nothdürftigsten Möbeln: fünf Papageien, acht Singvögel, zwei Turteltauben, acht Pfaue und zwölf Hunde, unter den Hammer. Wirkliche Noth klopfte an ihre Thür. Sie wendete sich an die höchsten Herrschaften um Unterstützung. Durch das Fürwort derselben erhielt sie einen Gnadengehalt jährlicher 400 fl. Und zwar wurde ihr diese außerordentliche Unterstützung durch Vermittelung der Exkaiserin Marie Luise, an die sie sich wiederholt bittlich wendete und niemals vergebens! Zu dieser Gnadengabe von Seite des ah. Hofes gesellte sich, als ihr erster Gatte Advocat Schönauer starb, eine Jahrespension von 300 fl. aus der juridischen Witwencasse, und mit dem Gesammtbetrage von 700 fl. hätte sie ein bescheidenes und sorgenfreies Leben führen können. Aber besessen vom Proceßteufel, verbrauchte sie auch diese Unterstützung zu Gebühren und Gerichtsspesen. So wuchs ihre Noth mit jedem Tage. Von oben herab hatte man doch nie aufgehört, sich für die Verlassene zu interessiren. Durch Vermittelung des Erzbischofs Fürsten Schwarzenberg sollte die Arme eben in einem Spital barmherziger Schwestern untergebracht werden, als ihr der Tod diese letzte Demüthigung ersparte, denn im [37] April 1845, in ihrem 60. Lebensjahre erlöste sie derselbe von ihren Leiden und ihren Illusionen. Sie wurde in Gnigl bestattet, und zwar gab man ihr, wie unsere Quellen bemerken, die Stelle zwischen dem Grabe der Bäuerin Maria Zellbeck und dem des Tischlermeisters Damia. Als eines Tages in späteren Jahren Hugo Wittmann auf dem Gnigler Friedhof die Stelle suchte, erfuhr er von dem Todtengräber, daß wohl da die „Hundsgräfin“ beerdigt sei, aber das Grab bereits zweimal ausgegraben worden; die Gebeine sind wohl noch drin, meinte er, sonst liegen auch zwei arme Bauern drin. Wittmann blieb noch einige Zeit an dem dürren schmucklosen Grabeshügel. „Dies also“, schreibt er, „das Ende des so fröhlich begonnenen Liedes: Erst Glück und Pracht und Reichthum, dann Kummer und Aerger, Noth und Elend, und zuletzt nicht einmal ein eigenes Grab, zuletzt zusammengeschaufelt mit fremdem Gebein, ein verschollenes Nichts!“

Die Hundsgräfin (Wien, Verlag der grünen Insel 1880, gr. 8°., 16 S. Druck von Karl Fromme) [kam nie in den Buchhandel, ist sehr selten]. Der bekannte Salzburger Historiograph Anton von Schallhammer hat nach Urkunden das Leben der „Hundsgräfin“ zusammengestellt, und ist das Manuscript in den Besitz des Salzburger Museums übergegangen. Nach diesem Manuscript aber hat Hugo Wittmann ein Feuilleton für die „Neue Freie Presse“ geschrieben, das zu Anfang des Jahres 1880 erschienen ist.
Porträts. 1) Eine Kreidezeichnung von Lampi aus dem Jahre 1806 [steht im Besitz des Landschaftsmalers Adolf Obermüllner.] –2) Ein Oelbild, gleichfalls von Lampi, das in den Zwanziger-Jahren im Besitz eines Secretärs der französischen Botschaft in Wien war. Von beiden Bildern hat Fritz Luckhardt Lichtbilder in kleiner Zahl angefertigt, die auch sehr selten sind.