BLKÖ:Wolny, Jiří (Georg)

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Wolny, Lukas
Band: 58 (1889), ab Seite: 79. (Quelle)
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4. Jiří (Georg) Wolny. Ein čechischer Naturdichter des 18. Jahrhunderts. Er wurde zu Ende des 17. Jahrhunderts in Böhmen geboren und starb 1745 als Schäfer in dem Dorfe Kratonohy in der Nähe der Stadt, Raudnitz. Dem böhmischen Culturhistoriker Alfred Waldau und dem Malý-Rieger’schen „Slovník naučný“ verdanken wir einige Nachrichten über diesen Poeten, von dessen Gedichten jedoch der größte Theil bei dem Brande, welcher am 24. Februar 1750 das Dorf Milcic einäscherte, zu Grunde ging; denn dort befand sich die vollständige Sammlung seiner Lieder in der Abschrift, welche der Vater und der Oheim Vavák’s, der auch ein čechischer Naturdichter war und dessen unser Werk im 50. Bande. S. 7 u. f. ausführlich gedenkt, angefertigt hatten. Wolny hielt in seinen Gedichten den Dorfgenossen ihre sittlichen Fehler und Thorheiten wie in einem Spiegel vor und suchte auf ihre Besserung und Veredlung hinzuwirken. Die uns erhaltenen Proben, in denen sich lebhafte Darstellung, Scharfsinn, gute kernige Einfälle und Adel der Gesinnung zeigen, stellen sich als treffliche charakteristische Cultursilhouetten seiner Zeit dar. Was sich von jener Abschrift erhalten hat, ist von Wenzeslaus Hanka gesammelt und in Königgrätz unter dem Titel Jiřího Wolného weselé pisne“ (1822, 12°., S. 70) herausgegeben, worden. Einige Bruchstücke aus den erhaltenen Gedichten „Der Tanz“, „Der gute und der schlechte Hauswirth“, „Die Maske des Faschings“ und „Der Tabak“ hat A. Waldau ins Deutsche übersetzt. – Auch gedenkt Letzterer noch zweier anderer Naturdichter gleichen Namens, und zwar des Lukas Wolny, der als Schäfermeister im Dorfe Kratonohy zu Beginn des 18. Jahrhunderts lebte, und den er für den Vater des obigen Jiří Wolny hält, und des Wacslav Wolny, wohl auch eines Verwandten des Vorigen. Von Ersterem verzeichnet Jungmann folgende Druckschrift: Leopold císař pán Řimskytenkrát milé posínil hezky; wšak Josef prwní cisař náš pán již nimi poiwrdil wšeho nám, vivat Josef. Zu Ende: Wytištěno w St. m. Pražském u Anny Kateřiny Arnoltowy 1710, 4°. Der Inhalt dieser Gedichte erzählt das Entstehen der Schäferzunft unter Kaiser Leopold I. (1704) und die Bestätigung ihrer Privilegien durch Kaiser Joseph I. (1709) nebst ihrem blühenden Gedeihen. Auch davon übersetzt Waldau ein Bruchstück in dem nebengenannten Buche. [Waldau (Alfred). Böhmische Naturdichter. Litterar-historische Studie (Prag 1860, Kath. Gerzabek, 12°.) S. 24–35. – Jungmann (Jos.). Historie literatury české. Druhé vydání, d. i. Geschichte der böhmischen Literatur [80] Zweite von W. W. Tomek besorgte Ausgabe. (Prag 1849, Řiwnáč, schm. 4°.). S. 267, Nr. 187 und S. 268, Nr. 217. – Slovník naučný. Redaktoři Dr. Frant. Lad. Rieger a J. Malý, d. i. Conversations-Lexikon. Redigirt von Dr. Franz Lad. Rieger und J. Malý (Prag 1872, I. L. Kober, Lex.-8°.) Bd. IX, S. 1241, Nr. 1 und 2.] –