BLKÖ:Vavák, Franz Johann

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 50 (1884), ab Seite: 7. (Quelle)
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Vavák, Franz Johann (čechischer Poet, Autodidakt, geb. zu Milčić in Böhmen 1741, gest. am 15. November 1816). Seine Eltern, schlichte Landleute in dem zur Herrschaft Podiebrad gehörigen Dorfe Milčić, rühmten sich, von der adeligen Familie Vavák von Adlar abzustammen. Franz Johann, von Jugend an sehr wiß- und lernbegierig, bildete sich selbst im Lesen und Schreiben, dann im Zeichnen, später in der Feldmeßkunst und in anderen höheren Wissenszweigen aus. Frühzeitig las er mit großer Vorliebe der Belehrung und der Andacht gewidmete Bücher, in der Folge besonders geographische und Geschichtswerke. Schon in jungen Jahren machte er neben Andachtsliedern auch weltliche Gedichte; herangereift, schrieb er die Zeitereignisse auf, sammelte alte Denkmäler, Handschriften und dergleichen, zeichnete Karten, vermaß Felder und Aecker, curirte auch das kranke Vieh, dessen Natur und Eigenschaften er sorgfältig beobachtete, kurz, war in Allem und Jedem unterrichtet, half sich und den Anderen, wann und wo es von nöthen war, und erwarb sich dadurch die Achtung und Liebe Aller, die mit ihm verkehrten, und gewann zuletzt das Vertrauen seiner eigenen Gemeinde in so hohem Grade, daß ihn dieselbe zum Dorfrichter erwählte. Bezüglich der Vielseitigkeit dieses merkwürdigen Autodidakten verweisen wir auf die in den Quellen citirte ausführliche Beschreibung seines Lebens von Němeček, die ein wahres Musterbuch und der ländlichen Bevölkerung nicht genug zu empfehlen ist. Aber nicht nur auf seine Ausbildung war Vavák bedacht, er sorgte auch, indem er in Verbreitung des Wissens und nützlicher Kenntnisse ein Vorbeugungsmittel für manches Ungemach, welches durch Unkenntniß und geistige Trägheit entsteht, erkannte, für Verbreitung guter Bücher und Schriften unter dem Landvolke; setzte sich mit den beliebtesten nationalen Autoren seiner Zeit in briefliche Verbindung, kurz, entwickelte eine Rührigkeit und Umsicht, die selbst höheren Ortes die Aufmerksamkeit auf den schlichten Landmann lenkte, der überall den Samen des Guten ausstreute und nicht unwesentlichen Einfluß auf die Veredelung der Landleute nahm, die auch thatsächlich heute in Böhmen jene in den übrigen Provinzen des Kaiserstaates weit überragen. Die Kaiserin Maria Theresia, dann Joseph II. und Kaiser Franz I. fanden sich öfter veranlaßt, [8] ihm ihr allerhöchstes Wohlgefallen bekannt zu geben, die Ersteren zwei schmückten ihn auch mit einer goldenen Ehrenmedaille, und die Stadt Pilsen verlieh dem verdienstvollen Landmanne zu einer Zeit das Ehrenbürgerthum, als dieses noch nicht durch Verleihung für politische Parteiumtriebe entweiht wurde. Vavák erhielt diese Auszeichnung am 30. Mai 1794 für ein Gedicht, in welchem er den Kampf und Sieg der rechtgläubigen Stadt Pilsen gegen die Hussiten poetisch schilderte, und nicht genug damit, der Pilsener Rath schickte das Diplom an die Obrigkeit in Podiebrad, welche nun ihrerseits die Anordnung traf, daß dasselbe in Anwesenheit sämmtlicher Gemeindevorsteher des Podiebrader Bezirkes bekannt gemacht wurde. Die Folge davon war, daß diese Auszeichnung in allen damaligen Zeitungen und Kalendern des In- und Auslandes veröffentlicht, Vavák als das Vorbild eines Bauern und Landwirths bezeichnet und allen Gemeinden zur Nachahmung empfohlen ward. Alle diese genannten Gnaden und Auszeichnungen blieben aber auf das schlichte Wesen Vavák’s ohne weiteren Einfluß, er erwies sich nach wie vor einfach, bescheiden, streng in Erfüllung seiner Pflichten, eifrig, ehrerbietig gegen Obrigkeit und Kirche, kurz, er war das verwirklichte Ideal eines echten und rechten Bauern. Eines seiner schätzbarsten Gedichte, schätzbar weniger wegen seines poetischen Schwunges, als wegen seiner historischen Treue, ist jenes auf die berühmte Schlacht bei Kolin 18. Juni 1757: „Poràžka Prusanů u Kolina“, welches, wie einer seiner Biographen bemerkt, mit seinen 48 achtzeiligen Strophen durch die ausführliche und lebhafte Schilderung der Schlachtscenen den Leser in hohem Grade fesselt. Gottfried Uhlig von Uhlenau theilt in seiner Schrift: „Erinnerung an die Schlacht von Kolin“ das ganze Lied im Original und in prosaischer Uebersetzung mit und begleitet es mit folgenden Bemerkungen: „Als ein Andenken an jene vielbewegte kriegerische Zeit hat sich in mehreren Bürgerfamilien daselbst (Kolin) ein böhmisches Lied erhalten, das einen Zeitgenossen und Augenzeugen der damaligen Begebenheiten zum Verfasser hat und deshalb äußerst interessant bleibt. Es ist der bekannte Bauer aus Milčić, Franz Johann Vavák, Ehrenbürger der königlichen Stadt Pilsen, der sich durch seine Volksdichtungen einen Namen gemacht hat.“ ... „Besonders muß hervorgehoben werden, daß dieses Lied, dessen Verfasser durch den Krieg gewiß viel Ungemach erlitt, da dessen Dorf (Milčić) sogar in Brand gesteckt wurde, weder trivial, noch gereizt, noch übermüthig gehalten ist“. Und an einer anderen Stelle heißt es: „Also endet Vavák seine gemüthliche Dichtung, unverkennbar geht aus selber hervor, daß der Verfasser kein gewöhnlicher Landmann war“. Dieses Gedicht, wie noch mehrere andere Gelegenheitsgedichte erschienen auch gedruckt, ersteres in mehreren Auflagen, und zwar die jüngst gedruckte unter dem Titel: „Bitva u Kolína a Křečhoře, v kteréž byl před sto lety na hlavu poražen král Pruský Bedřich II. od našeho císařského vojska. Připojeny jsou všecky paměti z bitvy té od nejstarších pamětníků z vesnic a měst, ležících na bojišti a vůkol neho; též píseň s notami, kterouž v té bitvě toho času složil rolník“, d. i. Schlacht bei Kolin, in welcher vor 100 Jahren der Preußenkönig Friedrich II. von unserer kaiserlichen Armee aufs Haupt geschlagen worden. Hinzugefügt sind alle [9] Denkwürdigkeiten über diese Schlacht nach den ältesten Erinnerungen aller auf dem Schlachtfelde und um dasselbe liegenden Dorfschaften und Städte; auch ein Lied mit Noten, welches in jenen Tagen ein Bauer componirte (Prag 1857, Pospíšil, 12°., 36 S.). Andere Gelegenheitsgedichte Vavák’s finden sich in Jungmann’s „Geschichte der böhmischen Literatur“ einzeln aufgezählt. Einige seiner Lieder sind auch in Musik gesetzt und zugleich mit den Noten gedruckt, wie sein „Marš každého Čecha ctného“, d. i. Marsch eines jeden ehrbaren Čechen. Außerdem erschien von Vavák: „Tma we dne jako w noci na rozumu lidském w národu franc. učiněná po wšem swěté rozhlášená“, d. i. Die bei Tag und Nacht über den menschlichen Verstand von dem französischen Volke ausgehende, über die ganze Welt sich verbreitende Finsterniß (Prag 1796, 8°., 99 S.); – „Smlauwy aneb chwalitebné řeči swadební pro družbu neb ředitele swadby, jakož i mnohonásobná připíjeni o wěnec pannám družičkám a jejich odpovídání mládencům’“, d. i. Verlobungs- oder Hochzeitsreden für Brautführer und Zurichter von Hochzeiten u. s. w. (Kuttenberg 1802, Fr. Korec, 8°., 103 S.), in der Vorrede berichtet Vavák, daß er ein im Jahre 1612 gedrucktes Büchlein mit Hochzeitsreden zu seiner Arbeit benützt habe; auch besorgte er die Herausgabe mancher anderer älterer Liederdrucke und schrieb die Denkwürdigkeiten seines eigenen Lebens nieder, wovon „Lumír“ im Jahre 1853 einige Auszüge veröffentlichte. Von seinen rein lyrischen Gedichten, welche ihn unstreitig als den populärsten čechischen Naturdichter erscheinen lassen, kam nie eine Sammlung heraus, wohl aber gelangten mehrere davon 1859 zum Abdruck. Bezüglich dieser poetischen Erzeugnisse bemerkt Alfred Waldau, der beste Kenner der čechischen Volkslieder, daß der Ton des Volksliedes recht glücklich getroffen, daß es keine farb- und gestaltlose Lyrik sei, sondern wahre innige Empfindung mit frommem Sinne, schöner Bilderwahl, gefälliger Form und wohlklingendem Verse. Und in der That bestätigen diesen Ausspruch die von Waldau mitgetheilten Proben noch in der Uebersetzung. Vavák’s Lieder, von seiner eigenen Hand geschrieben, werden im böhmischen Nationalmuseum aufbewahrt. Als der Dichter 1816, 75 Jahre alt, starb, hinterließ er mehrere Söhne, deren Nachkommen noch heute auf der ehemaligen Herrschaft Podiebrad leben. Noch zu Vavák’s Lebzeiten, im Jahre 1796, gab Fr. Němeček das Leben dieses merkwürdigen Landmannes in deutscher Sprache heraus. T. Fryčay (Frytschay) besorgte dann die čechische Uebersetzung.

Fryčay (Thomas). Zrcadlo wýborneho sedlského obcowanj przedstawugjcy: Žiwot a przjbihy rozssafneho muže a polniho hospodárze Frantjsska Wаwákа, tehdegssiho Rychtarze disdiny Milczic i. t. a.“, d. i. Spiegel eines ausgezeichneten Umganges mit Landleuten, verstellend das Leben und die Begebenheiten des ehrbaren Mannes und Landwirthes Franz Vavák, jetzigen Dorfrichters von Milczic..., drei Theile (Brünn 1807 u. f., 8°.). – Waldau (Alfred). Böhmische Naturdichter. Literarhistorische Studien (Prag 1860, Gerzabek, 12°.) S. 35 u. f. – Jungmann (Joseph). Historie literatury české, d. i. Geschichte der čechischen Literatur (Prag 1849, F. Řiwnáč, schm. 4°.). Zweite von W. W. Tomek besorgte Aufl., S. 648. – Militär-Zeitung. Herausgegeben von Hirtenfeld (Wien, 4°.) 1857, S. 131: „Ein Volkslied auf die Schlacht bei Kolin“.