BLKÖ:Zahlhas, Johann Baptist Ritter von (Neufeld)

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Zahlbruckner, Johann
Band: 59 (1890), ab Seite: 88. (Quelle)
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Zahlhas, Johann Baptist Ritter von, genannt Neufeld (Dichter und Schauspieler, geb. zu Wien 1787, gest. um 1870). Sein Vater, zu Ingolstadt geboren, kam nach beendeten Studien als Privatsecretär des Ministers Anton Grafen Pergen nach Wien, wurde 1787 vom Kaiser Joseph II. in den Ritterstand erhoben und vermälte sich als k. k. Regierungsrath mit dem Fräulein von St. Martin aus Langres in der Lorrain. Johann Baptist war eines von 13 Kindern, die aus dieser Ehe hervorgingen, und ein Bruder Karls, der unter dem Namen Neubruck als Komiker sich berühmt machte, und dessen Lebensskizze folgt. Frühzeitig betrat er die theatralische Laufbahn, die er am Wiener Hoftheater begann. 1817 spielte er an der Leipziger Bühne unter dem Namen Neufeld Intriganten-, Charakter- und Väterrollen. Nachdem er 1821 Mitglied des Mannheimer Theaters gewesen, übernahm er im folgenden Jahre die Mitdirection an jenem in Bremen, wurde 1825 Mitglied der Hofbühne zu Dresden und 1827 solches an jener zu Darmstadt. Nach einem 1832 mit Beifall ausgeführten Gastspiele am Wiener Burgtheater zog er sich als Darsteller von der Bühne zurück, hielt sich 1834–1836 in Leipzig, dann in Berlin auf und übernahm 1842 die Direction des Hoftheaters in Sondershausen. Später zog er sich von aller Bühnenleitung zurück und lebte zurückgezogen in Lucka bei Altenburg. Zuletzt begab er sich in seinen Geburtsort Wien, wo er auch starb. Das Schwergewicht Zahlhas’ fällt weniger in seine schauspielerischen Leistungen und seine directoriale Thätigkeit, als in sein dramatisches Wirken. Während Gottschall dasselbe nur mit Nennung des Namens unseres Dichters abfertigt, Laube nicht einmal dazu sich herbeiläßt, ist es in neuester Zeit in einem ganz kurzen, aber geistvollen Essai von Victor Haimer gewürdigt worden. Neufeld’s Schauspiele „Heinrich von Anjou“ (1819), „Thassilo II.“ (1820), „Der Bruder“, „Marie [89] Louise von Orleans“ (1824), „Jacobäa von Baden“ (1833), „Ludwig XIV. und sein Hof“, „Karl von Bourbon“, „Das Leben ein Traum“, nach Calderon (1818), „Die Verlobung“ (1833), „Das Gespenst auf Brautschau“ (1840) müssen vom Standpunkt praktischer Bühnenwirksamkeit als trefflich bezeichnet werden und wären noch heute willkommene Erscheinungen auf der deutschen Bühne, auf welcher sie durch scharfe Charakterzeichnung, lebhafte Handlung und genaue Kenntniß der Bühne zu effectvollen Stücken sich gestalten würden. Die berühmte Charakterdarstellerin am Hoftheater zu Oldenburg, Johanna von Zahlhas, war seine Tochter. Ob der in den Quellen S. 91 erwähnte Maler Nepomuk sein Sohn ist, wissen wir nicht.

Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1832, 8°.) Bd. VI, S. 215. – (Wigand’s) Conversations-Lexikon, Bd. XV, S. 390. – Die Heimat (Wiener illustr. Blatt, 4°.) VII. Jahrg. (1882) Nr. 6, S. 97: „Johann Bapt. Ritter von Zahlhas. Eine literar-historische Erinnerung“. Von Victor Haimer.