BLKÖ:Ziemiałkowski, Florian Freiherr von

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
<<<Vorheriger
Ziemba, Theophil
Band: 60 (1891), ab Seite: 70. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
Florian Ziemiałkowski in der Wikipedia
Florian von Ziemiałkowski in Wikidata
GND-Eintrag: {{{GND}}}, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Ziemiałkowski, Florian Freiherr von|60|70|}}

Ziemiałkowski, Florian Freiherr von (Minister ohne Portefeuille a. D., geb. zu Brzezowice im Tarnopoler Kreise Galiziens 27. December 1817). Nachdem er das Gymnasium und die philosophischen Jahrgänge in Tarnopol beendet hatte, bezog er, um sich der Rechtswissenschaft zu widmen, die Lemberger Hochschule, an welcher er im Jahre 1840 die juridische Doctorwürde erlangte. Im folgenden Jahre wurde er zum Adjuncten der juridisch-politischen Studien an derselben ernannt, aber noch im nämlichen Jahre politischer Umtriebe wegen verhaftet und nach vierthalbjähriger Untersuchungshaft zum Tode verurtheilt, jedoch vom Kaiser begnadigt. Im Jahre 1848 wählte ihn die Stadt Lemberg in den österreichischen Reichstag, in welchem er als Mitglied des Constitutionsausschusses zu den Verfassern des Kremsierer Constitutionsentwurfes gehörte. Dieser merkwürdige und für die Entwickelung und das Scheitern der ganzen Verfassung so bedeutsame Ausschuß hatte zum Vorstande Feifalik und als dessen Stellvertreter Kautschitsch und Palacky, zum Schriftführer Lasser und zu Referenten über die Grundrechte: Ambrosch, Cavalcabó, Filippi, Fischhof, Gobbi, Goldmark, Goriup, Halter (an Alois Fischer’s Stelle), Hein, Jachimoviz, Krainz, Madonizza, Caj. Mayer, Miklositsch, Petranovich, Pfretzschner, Pinkas, Plenkovich, Ratz, Rieger, Scholl, Smolka, Turco, Violand, Ziemiałkowski. Nach Auflösung des Kremsierer Reichstages wurde Letzterer nach Tirol verbannt, wo er zehn Monate verblieb. 1850 erlangte er die Befähigung zum Advocaten, doch ward es ihm verwehrt, die Advocatur in Wirklichkeit auszuüben. 1860 erfolgte seine Ernennung zum Rechtsconsulenten der Lemberger Filiale der Creditanstalt, im folgenden Jahre wählte ihn die Stadt Lemberg in den galizischen Landtag und in diesem die städtische Curie in den Landesausschuß. 1863 neuerdings wegen Theilnahme an dem polnischen Aufstande verhaftet und in einen Hochverrathsproceß verwickelt, wurde er vor ein Kriegsgericht gestellt und zu drei Jahren Festungshaft verurtheilt. Nachdem er seine Strafe zur Hälfte abgebüßt hatte, erlangte er infolge einer Amnestie wieder die Freiheit. Als er den Kerker verließ [71] und die Nachsicht der Rechtsfolgen des strafgerichtlichen Urtheils erhielt, nahm er mit dem Anbruche des Verfassungslebens in Oesterreich seine politische Thätigkeit wieder auf und wurde 1866 von der Stadt Stanislawów zum Landtagsabgeordneten gewählt. Bei den Neuwahlen im Februar 1867 gelangte er als Vertreter der Stadt Lemberg neuerdings in den Landtag, welcher ihn am 2. März in den Reichsrath wählte, während die Curie der Landgemeinden ihn in den Landesausschuß delegirte. Im Mai 1867 erfolgte seine Ernennung zum zweiten Vicepräsidenten des Abgeordnetenhauses. Am 24. April 1873 trat er als Minister ohne Portefeuille in das Cabinet Auersperg, in welchem er bis zum October 1878 verblieb, worauf ihm wieder ein Pole, Wenzel Ritter von Zaleski [Bd. LIX, S. 106] folgte. Als im October 1873 die directen Reichsrathswahlen stattfanden, wurde er sowohl von der Stadt Lemberg als von dem Landgemeindenbezirke Biała-Saybusch gewählt, entschied sich aber für das Mandat des letzteren. Ziemiałkowski erhielt die geheime Rathswürde, den Orden der eisernen Krone erster Classe und den Statuten desselben gemäß den Freiherrnstand. Er ist unter harten Prüfungen und mitunter bei glänzenden Aussichten und auch solchen Erfolgen dem Freiheitsgedanken jederzeit treu geblieben. Im Abgeordnetenhause des Reichsrathes hält er selbstverständlich zur polnischen Partei, welche in ihren Plänen und Tendenzen in der Münchener „Allgemeinen Zeitung“ Morgenblatt vom 8. Juli 1890, Nr. 187 im ersten Leitartikel „Die Polen in Oesterreich“ zutreffend geschildert wird.

Allgemeine Zeitung (Augsburg, später München, Cotta, 4°.) 4. October 1879, Nr. 308, S. 4325; 1. November 1883 Nr. 304. – Constitutionelle Vorstadt-Zeitung (Wien, Fol.) 1867, Nr. 135: „Die Präsidenten des Reichsrathes“. – Dunder (W. G.). Denkschrift über die Wiener October-Revolution. Ausführliche Darstellung aller Ereignisse aus amtlichen Quellen geschöpft... (Wien 1849, gr. 8°.) S. 501. – Helfert (Jos. Alex. Freih. v.). Die Thronbesteigung des Kaisers Franz Joseph I. (Prag 1872, Tempský) (oder die Geschichte Oesterreichs vom Ausgange des Wiener Octoberaufstandes 1848, III. Theil) S. 312, 418. – Neue Freie Presse, 1866, Nr. 764; 1868, Nr. 1462; 1873, Nr. 3121. – Neue illustrirte Zeitung (Wien, Zamarski, kl. Fol.) I. Bd., 4. Mai 1873, Nr. 18: „Dr. Florian Ziemiałkowski“. – Der Osten (Wiener polit. Blatt, 4°.) 27. April 1873. – Springer (Anton Heinrich). Geschichte Oesterreichs seit dem Wiener Frieden 1809 (Leipzig 1865, Hirzel, gr. 8°.) Bd. II, S. 620 – Sárkady (István). Hajnal, d. i. Morgenröthe (Wien 1867, Sommer, 4°.).
Porträts und Chargen. Porträts: Unterschrift: „Dr. Florian Ziemiałkowski“. Rusz xyl. in der „Neuen illustr. Zeitung“ (Wien, Zamarski) I (1873), Nr. 4. – 2) Lithographie im Spottblatt „Kaktus“ (Wien 1874) Nr. 32. – 3) Unterschrift: „Dr. Florian Ziemiałkowski, | Vicepräsident des Abgeordnetenhauses“. J. Marastoni (lith.) 1867 in Stephan Sarkady’s Buch „Hajnal“, d. i. Morgenröthe (4°.). – 4) Ueberschrift: „Dr. Florian Ziemiałkowski“. Poncelet sc. in den illustrirten Blättern des „Floh“ (Wien, Fol.), 24. April 1873, Nr. 20. – Chargen: 1) „Die polnische Karte“ [Pik-As. Oben Smolka, das Blatt mit der December-Verfassung mit der Linken emporhaltend; unten Ziemiałkowski mit derselben ein Blatt: Resolution vorweisend]. Jäger 1873 (del.) im „Neuen Freien Kikeriki“ (Wien) 3. Mai 1873, Nr. 18. – 2) In den „Humoristické listy“, d. i. Humoristische Blätter (Prag 1873) S. 141. [Ziemiałkowski in der Geheimrathsuniform hält in der Rechten eine Lanze, auf der ein Fähnlein mit der Aufschrift: Centralisace flattert, mit der Linken schüttet er aus einer Dziennik bezeichneten Kanne Wasser in die aus einem burgähnlichen Gebäude auflodernden das Wort Oposice zeigenden Flammen.