Beschreibung des Oberamts Backnang/Kapitel B 20

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Oppenweiler,

Gemeinde III. Kl. mit 593 Einw., wor. 97 Kath. a. Oppenweiler, Pfarrdorf, 573 Einw. b. Rüflensmühle, Haus, 7 Einw., c. Unter-Staigacker, Haus, 13 Einw. – Paritätische Pfarrei. 5/4 Stunden nordöstlich von der Oberamtsstadt gelegen.

Der wohlansehnliche, städtisch erscheinende Ort liegt lang hingedehnt in dem reizenden von wohlgerundeten, waldbekrönten Bergen umsäumten, fruchtbaren Murrthale, durch dessen frische Wiesengründe sich dass muntere, von Laub-Bäumen reich umkränzte Flüsschen in schönen Krümmungen hinabschlängelt. Besonders überraschend ist ein Blick, wenn man von Backnang über die Höhe herkommt: vor sich das liebliche von Obstbäumen beschattete Dorf mit seinen reinlichen Häusern, den beiden Kirchen und dem großen Schloßparke voll hoher Bäume, aus deren dunklen Kronen das prächtige Schloß hervorragt; dann der Blick nach aufwärts in das weite milde grüne Thal, an dessen nördlichen Abhängen gleich hinter dem Dorfe der | rebenumrankte Reichenberg frei und großartig hervortritt, auf seinem Scheitel das altersgraue Schloß mit dem hochaufsteigenden Rundthurme tragend.

Sehr sehenswerth ist die protestantische Kirche, früher die Grablege der Freiherrn von Sturmfeder, mitten im Dorfe frei gelegen, ein großes, ganz im spätgothischen Stil gehaltenes Bauwerk mit südlich am Chore stehenden Thurme. Der halb achteckig geschlossene, noch aus guter Zeit stammende Chor hat Strebepfeiler und in seinen Spitzbogenfenstern hübsche Maßwerke, während die der Fenster des Schiffs herausgenommen wurden; die Westseite, in schlanken Giebel ausgehend, zeigt eine wohlthuende Fenstervertheilung. Über dem spitzbogigen mit sich kreuzenden Stäben besetzten Eingang der Südseite sieht man das Steinbild Jakobus d. Ä. auf einem Fratzenkopfe, sowie die Wappen der von Sturmfeder und der von Bubenhofen, und die Jahreszahl 1511, das Jahr der Erbauung des Schiffes der Kirche.

Im Innern wird das breite, flachgedeckte Schiff von einer starken Holzsäule mit der Jahreszahl 1666 gestützt, der Chor von schönem Rippenkreuzgewölbe überspannt, durch die Tünche schimmert noch alte Bemalung, und den Schlußstein zieren die Wappen der von Sturmfeder und der von Hornstein. Das erste Geschoß des Thurmes bildet eine besondere Kapelle mit Altartisch und zeigt ebenfalls ein Rippenkreuzgewölbe mit dem sturmfederischen Wappen im Schlußstein. Der schlichte altgothische Taufstein ist von interessanter Achtecksform, das merkwürdigste aber ist die Reihe der sandsteinernen Grabdenkmäler, die zum Theil leider beschädigt an der Nord- und Ostwand des Schiffes stehen. Nehmen wir diese Richtung, so erscheint:

1) Ein prachtvolles Renaissancegrabmal mit den Bildsäulen des Burckardt Sturmfeder, in der reichen Rüstung damaliger Zeit, † 27. Januar 1599, und seiner Frau Anna, geb. von Helmstatt, in Nonnentracht, † 1606, vorne sitzen drei halblebensgroße Figuren, Justitia, Spes und Caritas; das Ganze wird von großartigem Aufsatze gekrönt.

2) In ähnlich prachtvollem Stil ein Ritter, die Inschrifttafel fehlt, nach dem Todtenschilde ist es Friderich von Sturmfeder, † 6. Mai 1597.

3) Ein Ritter, noch gothisch gehalten, mit sehr charaktervollem Haupte, eine Hellebarde in der Hand, über ihm eine große Inschrifttafel: Anno dmi 1525 uff. den heilgen ostertag. had. der Edel und ernfest ebberhart. sturmfeder. sampt. andren vom Adel zu weinsperg. schaden. zum. dott. Entpfangen. dem gott gnad.

4) Das folgende Denkmal stellt den Burkhart von Sturmfeder vor, † am S. Urbanstag 1534; es ist noch halb gothisch gehalten.

5) Das erste ganz alterthümliche Denkmal an der Ostwand, der zum Theil noch bemalte Ritter steht in altem langem Panzerhemde, | am Rande liest man in gothischen Majuskeln: Anno domini 1365 obiit Burkard Sturmfeder miles in die Sancti Benedicti.

6) Daneben wieder in prächtiger Renaissance ein Doppelgrabmal mit der Inschrift: Anno domini 1555 auf den 22 martii ist verschieden der edel und ernvest Friderich Sturmfeder. Und: Anno 1558 am 8. Novemb. starb die edel und tugentsam fraw Margareta Sturmfederin geborene von Hirnheim. seine elige Hausfraw. Er ist in reicher Rüstung, sie in Nonnentracht, und zwar beide trefflich, dargestellt.

Oben an der Wand hängen die hübsch gemalten Todtenschilde der 5 jüngeren genannten Herrn von Sturmfeder. Dann liegen noch mehrere nicht mehr zu entziffernde Grabsteine der Familie auf dem Boden.

Ganz hinten im Chore befindet sich ein sehr tüchtiger Flügelaltar, aus der Mitte des 15. Jahrhunderts stammend; seine Predella zeigt die zwölf Apostel, im Altarschrein stehen die Holzbilder Christi, der Maria, des Johannes, Joseph und Jakobus, auf dem linken Flügel ist innen gemalt Christophorus, S. Wendelin und der Stifter, ein von Sturmfeder, auf dem rechten Flügel S. Katharina und S. Ottilia und die Stifterin, eine von Hornstein, außen sind der englische Gruß und die zwei Frauen im Garten dargestellt. Auf dem ziemlich zerstörten Baldachine sieht man den Auferstandenen. Links an der Wand befindet sich noch eine steinerne gothische Sakramenthäuschensnische mit denselben Wappen. Von den drei Glocken sind die beiden größeren mit dem Sturmfeder’schen Wappen geschmückt, und im Jahre 1726 von den Gebrüdern Nikolaus und Alexander Arnold umgegossen, auf der größten steht ferner, daß sie gestiftet wurde im Jahre 1577 von Burkardus Sturmfeder: auf der andern: Anno 1440 bin ich das erste Mal aus dem Feuer geflossen, 1726 hat man mich wiedergegossen; auf der dritten:

bernhart lachaman gos mich 1510. hilf got unt maria.

Das evangelische Pfarrhaus ist 1640 erbaut worden.

Die Unterhaltung der Kirche und des Pfarrhauses hatte bis 1867 die Gutsherrschaft, durch Vergleich vom 12. Juli 1867 hat nun aber die Staatsfinanzverwaltung gegen ein Abfindungskapital von 7349 fl. 9 kr. die Baulast des evangelischen Pfarrhauses, sowie durch Vergleich vom 5/12. Nov. 1867 die evangelische Kirchen- und Schulgemeinde gegen ein Abfindungskapital von 12.000 fl. diejenige der Kirche mit Zugehörungen und des Kirchhofes, und gegen ein weiteres von 845 fl. 6 kr. die des evangelischen Schulhauses übernommen.

Neben, nordwestlich steht die in ansprechendem modern-romanischem Stil erbaute, dem h. Stephanus geweihte katholische Kirche mit schönem Thurme an der Schau- (Süd-) seite; sein erstes Geschoß | bildet eine Vorhalle, sein drittes ist achteckig mit gedoppelten Rundbogenfenstern und wird von schlankem Zeltdache bekrönt. Auch das einfach bemalte Innere, flachgedeckt, mit schmälerem Chor und halbrundem Triumphbogen, macht einen ganz wohlthuenden Eindruck. An die Kirche ist nördlich in demselben Stile das neue katholische Pfarrhaus angebaut. Beide ließ 1846 der kath. Kirchenrath aufführen und schenkte sie der hiesigen kath. Kirchengemeinde, der nun die Unterhaltungspflicht obliegt. Der Gottesacker liegt außerhalb.

Das evangelische Schulhaus enthält 2 Lehrzimmer und die Wohnung der 2 evangelischen Lehrer. Das kath. Schulhaus, ein Vermächtniß des verstorbenen Pfarrers Schmid, enthält neben der Schule die Wohnung des kath. Schulmeisters. Das Rathszimmer befindet sich in einem Privathause.

Eine besondere Zierde des Ortes ist das in dem herrlichen trefflich gehaltenen Parke gelegene schöne im Achteck erbaute Schloß des Freiherrn von Sturmfeder. Es ist rings von einem See umflossen, so daß man auf einer Brücke hinübergelangt, und wurde 1770/78 an der Stelle des früheren 1575 errichteten erbaut. Im Erdgeschoß enthält es Speisesaal, Küche, sechs Zimmer und die Schloßkapelle, welche einige schöne alte Denkmäler und einen Altar aus dem Anfang des 16. Jahrhunderts besitzt; der zweite Stock enthält einen Saal und 10, der dritte 12 Zimmer. An einer stillen Stelle des Schloßgartens steht unter ehrwürdigen Bäumen das große steinerne Grabdenkmal der Maria Charlotte, Gemahlin des Freiherrn Carl Theodor von Sturmfeder, geborenen von Greiffenclau, geb. 3. Mai 1760 † 21. Juli 1800.

Gutes Trinkwasser liefern stets hinreichend 8 Pumpbrunnen. Das Gasthaus zum Hirsch soll früher ein Bad gewesen sein, noch heißen die anstoßenden Wiesen Badwiesen. Außer der Rohrbachquelle sind keine bedeutenden Quellen auf der Markung; es fließen darüber die Murr, der Rohrbach und der in heißen Sommern versiegende Froschbach. Der im Schloßgarten liegende See ist 14/8 Morgen groß, wird vom Rohrbach gespeist und kann abgelassen werden. Früher waren 2 Seen südlich am Ort, deren Boden jetzt zu Wiesengrund und zu einer Baumschule verwendet wird; der eine war 46/8, der andere 4 Morgen groß.

Die Staatsstraße von Ludwigsburg nach Hall führt durch den Ort, dann gehen von hier Vicinalstraßen nach Reichenberg und nach Aichelbach. Eine hölzerne Brücke führt über die Murr, eine steinerne über den Rohrbach und eine über den Rohrschbach; die Unterhaltung der Brücken hat die Gemeinde, nur die der Murrbrücke steht zur Hälfte der Gutsherrschaft zu.

Die Einwohner sind im allgemeinen fleißig, ordnungsliebend und von guter körperlicher Beschaffenheit; gegenwärtig befinden sich | zwei über 80 Jahre alte Personen im Ort. Besonders rühmenswerth ist die Verträglichkeit unter den beiden Konfessionen. Die Haupterwerbsquellen bestehen in Gewerbe und Baumzucht. Unter den Handwerkern sind am meisten vertreten Bäcker, Bürstenbinder und Korbmacher, die auch viel nach außen verkaufen. Dann bestehen eine Ziegelei, eine Grabmäler-Fabrik von Haid, und 1/4 Stunde nordöstlich vom Ort die Rüflensmühle mit einem Gerbgang, 3 Mahlgängen und einer Hanfreibe, ferner 3 Schildwirthschaften, worunter 2 mit Bierbrauereien, und 2 Kaufläden.

Mit Ausnahme einiger Familien besteht die Bürgerschaft aus wenig bemittelten Handwerkern und Taglöhnern; es gibt keine eigentlichen Bauern hier, weil mehr als die Hälfte der Markung (251 Morg. Äcker und Gärten, 68 Morg. Wiesen und 90 Morg. Wald) im Besitze der Gutsherrschaft ist. Überdieß besitzt der Freiherr von Sturmfeder den auf der Gemeinde-Markung gelegenen Charlottenhof, mit 110 Morgen, worunter 94 Morgen Wald.

Einzelne Bürger haben Güter auf Reichenberger und Strümpfelbacher Markung. Armenunterstützung erhalten 15 Personen.

Die kleine, mit Ausnahme der Murr-Thalebene, flachwellige Markung hat im allgemeinen einen fruchtbaren, meist aus Diluviallehm bestehenden Boden, der gegen die steilen Keupergehänge hin allmählig schwerer und thoniger wird. In der Murrthalebene haben sich den Wiesenbau begünstigende Alluvionen abgelagert.

Der Ort ist gegen rauhe Winde geschützt und das Klima im allgemeinen mild; im Murrthal kommen wegen der kalten Nebel zuweilen Frühlingsfröste vor, dagegen gehört Hagelschlag zu den Seltenheiten. Ein Keuperwerksteinbruch ist vorhanden. Die Landwirthschaft wird fleißig und umsichtig getrieben, namentlich äußert die rationelle Bewirthschaftung des gutsherrlichen Guts einen günstigen Einfluß auf dieselbe. Von verbesserten Ackergeräthen ist der Brabanter-Pflug vorherrschend, überdieß sind eiserne Eggen, Walzen, ferner bei der Gutsherrschaft eine Repssämaschine, Dreschmaschine, Futterschneidmaschine und Rechenmaschine vorhanden.

Von Getreidefrüchten baut man Dinkel, Roggen, Haber, Gerste und Einkorn; von Brach- und Handelsgewächsen Kartoffeln, dreiblättrigen Klee, Luzerne, Rüben, Welschkorn, Mohn und Hopfen; die beiden letzteren kommen zum Verkauf nach außen. Der Repsbau ist in neuester Zeit aufgegeben worden.

Der herrschaftliche Gutspächter kann jährlich 150 Scheffel Dinkel, 10 Scheffel Gerste und 50 Scheffel Haber auf der Fruchtschranne in Backnang verkaufen; sonst werden Früchte und Mehl eingeführt.

Der Wiesenbau ist ausgedehnt und die zwei- bis dreimähdigen Wiesen liefern ein sehr gutes Futter, das in namhafter Menge nach | außen, namentlich an die Militärverwaltung in Ludwigsburg, verkauft wird.

Besondere Erwähnung verdient der sehr schön und geschmackvoll angelegte Schloßgarten des Freiherrn von Sturmfeder; die übrigen Gärten dienen hauptsächlich dem Anbau von Gemüsen für das örtliche Bedürfniß.

Der Weinbau ist ganz abgegangen und in den ausgereuteten Weinbergen wird jetzt Luzerne mit viel größerem Vortheil gebaut.

Die Obstzucht wird stark betrieben und ist noch immer im Zunehmen. Luiken und Paradiesäpfel, Brat- und Rommelsbirnen gerathen am besten und werden am häufigsten gepflanzt; auch pflegt man viele feinere Sorten (Tafelobst). Steinobst geräth nur selten. Der Obstertrag wird mit Ausnahme des Tafelobstes theils für den eigenen Bedarf gemostet, theils in großen Quantitäten nach außen abgesetzt.

Eigentliche Weide besteht nicht und auf der Stoppelweide hat die Gutsherrschaft das Weiderecht, die den Weidgang an einen Schäfer verpachtet.

Die wenigen vorhandenen Allmanden werden an Bürger zum Einbau verpachtet. Überdieß besitzt die Gemeinde noch Güterstücke, die meistens mit Obstbäumen bepflanzt sind, und deren Boden zu 75 fl. verpachtet wird. In günstigen Jahren wurden schon 300 fl. aus dem Obstertrag gelöst, was beinahe die einzigen Einkünfte für die Gemeindekasse sind, weßhalb auch die Baumzucht mit besonderem Eifer und Fleiß betrieben wird. Die Gemeinde besitzt 470 tragbare Bäume, und in den letzten 10 Jahren wurden noch 240 junge Bäume nachgesetzt.

Die eifrig betriebene Viehzucht steht auf einer hohen Stufe; man hält den Land- und Neckarschlag und hat 3 Farren, zugleich auch für Zell und Aichelbach, aufgestellt. Seit 4 Jahren besteht hier eine Viehunterstützungskasse, welche auf Gegenseitigkeit beruht und als sehr zweckmäßig anerkannt wird. Das Mastvieh kommt auf die Märkte nach Backnang, Marbach, Ludwigsburg und Winnenden. Einiger Milchverkauf findet statt. Bei dem herrschaftlichen Gutsbesitzer ist die Viehzucht als ein besonderer Erwerbszweig zu betrachten.

Die Schafzucht wird vom herrschaftlichen Schäfereipächter getrieben, der nur 70 Stück Hammelvieh auf der Weide laufen läßt; die Wolle geht nach Backnang, der Abstoß der Schafe auf die benachbarten Märkte.

Zu der unbedeutenden Fischerei ist theils der Staat, theils die Gutsherrschaft berechtigt; in der Murr kommen vorherrschend Weißfische, weniger Aale und Barben, in den Seitenbächen Forellen vor. Edelkrebse führt die Murr, Steinkrebse der Rohrbach.

Stiftungen sind keine vorhanden.

Die römische Heerstraße, welche einst die römische Niederlassung | bei Marbach mit der bei Murrhardt verband, lief über das westlich vom Ort gelegene „Heerfeld“, von da durch den Ort, wo sie die Murr übersetzte und weiter auf der linken Seite der Murr nach Murrhardt (s. hier den allgemeinen Theil, Absch. „Römische Alterthümer“). Westlich vom Ort auf dem sog. Kirchhofacker wurden schon menschliche Skelette ausgegraben.

Im Beginne des 12. Jahrhunderts hatten hier (Oppiwiler) Probst und Capitel zu Speier Besitzungen; gegen den Zins aus den Judenquartieren der Stadt Speier vertauschten sie dieselben an den dortigen Bischof, was K. Heinrich V. den 29. Aug. 1114 bestätigte (Wirt. Urkb. 1, 340).

Das Dorf ist schon seit alten Zeiten im Besitze der Familie von Sturmfeder, welcher weiter unten noch ausführlicher gedacht werden wird, als ein reichsunmittelbarer, der Reichsritterschaft in Schwaben Orts am Kocher inkorporirter, dabei aber mit dem württ. Hause kraft des Lehensverbandes zusammenhängender Ort, in welchem Württemberg die Reservatrechte durch das Amt Backnang ausüben ließ. In Folge der Mediatisirung der Reichsritterschaft durch den Schönbrunner Tagesbefehl Napoleons I. vom 19. Dec. 1805 und die Rheinbundsakte vom 12. Juli 1806 wurde er Württemberg einverleibt und den 18. Nov. 1806 mittelst einer feierlichen Huldigung von demselben in Besitz genommen. – Aus seiner nicht sehr bedeutenden Geschichte ist noch weiter hervorzuheben der Vergleich zwischen Württemberg und der Fried. Ernst. Doroth. von Sturmfeder als Vormünderin ihres Sohnes Franz Georg, auf der Ludwigsburger Tagsatzung vom 20. April. 1747 angenommen, wodurch manigfache Streitigkeiten über die beiderseitigen Rechte am Orte beigelegt wurden. Diesem Vergleiche zufolge verblieb Württemberg die hohe malefizische und die geleitliche Obrigkeit, die erste mit gewissen Modifikationen, sowie die forstliche Obrigkeit, dagegen der Familie Sturmfeder die niedere Gerichtsbarkeit, und sollte auch der hergebrachten sturmfederschen Rügung und Abstrafung der in eigenen und den Communwaldungen sich zutragenden in die niedere Gerichtsbarkeit einschlagenden Feld- und Waldfrevel kein Eintrag geschehen; die kleine Jagd in einem genau bestimmten Bezirk erhielt Sturmfeder, auch die hohe Jagd wurde dem jetzigen Lehensinhaber und auf jedesmaliges bittliches Ansuchen seinen Nachfolgern zugesagt; mit dem Abzug und der Nachsteuer sollte es wie bisher gehalten und dem Kanton Kocher sein Kollektationsrecht aufrecht erhalten werden (vrgl. auch Groß-Aspach). Die betreffende Steuer betrug i. J. 1759 aus Oppenweiler allein 36 fl. 52 kr. 3 Hllr., aus dem Orte mit seinen Zugehörden: der Rüflensmühle und den Höfen zu Käsbach und Strümpfelbach 50 fl. 33 kr. 3 Hllr.

Nachdem noch im Jahre 1840 der lehenbare Charakter der | sturmfederschen Besitzungen zu Oppenweiler anerkannt worden war (s. Groß-Aspach), wurde durch kgl. Entschließung vom 29. Nov. 1856 das Kronlehen Oppenweiler zugleich mit dem von Groß-Ingersheim gegen Entrichtung einer Summe von 6051 fl. 58 kr. allodificirt, woran sich im J. 1857 (kgl. Entschl. v. 10. Okt.) die Allodification einiger auf der Klein-Ingersheimer Markung gelegenen lehenbaren Grundstücke gegen die Entrichtung einer Aversalsumme von 100 fl. anreihte.

Der große Zehente stund theilweise der Pfarrei privative, theilweise, an besonders versteinten Orten, gemeinschaftlich mit der Kellerei Backnang zu, der kleine der Pfarrei gemeinsam mit der Schultheißerei zu Reichenberg, (deren Antheil jedoch im J. 1820 dem Staat zurückfiel), der Weinzehente der Pfarrei, der Novalzehente der Ortsherrschaft; Blut- und Obstzehenten gab es nicht (Lagerb. v. 1759).

Schon das Speirer Diöcesanregister aus der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts (s. oben VII, 2) nennt eine Plebanie und 4 Frühmessereien in Oppenweiler. Der erste bekannte evangelische Pfarrer, Wieland, gehört dem Wendepunkte des 16. und 17. Jahrhunderts an (Binder, Kirchen- und Lehrämter 1, 131); nach dem Vergleiche von 1747 sollte die hiesige evangelische Kirche jährlich durch einen württ. Specialsuperintendenten, welchen Sturmfeder jedesmal darum requiriren würde, visitirt und von demselben der Erfund dieser Herrschaft zur Verfügung des weiteren zugeschickt werden. Durch Konsistorialdekret von 7. Okt. 1806 wurde die Pfarrei dem Dekanat Backnang einverleibt, Patronat und Nominationsrecht verblieb Sturmfeder. Heutzutage umfaßt die Pfarrei als Filialien die Parzellen Rüflensmühle und Unter-Staigacker, die zur Stadt Backnang gehörige Parzelle Staigacker, Reichenberg (eigentlich eine mit Oppenweiler unirte Pfarrei) samt allen Parzellen (ausgenommen Bernhalden und einen Theil von Zell) und Strümpfelbach mit Katharinenhof.

Die neuere katholische Pfarrstelle dahier verdankt ihren Ursprung dem Privatgottesdienste der katholischen Ortsherrschaft; der Schloßkaplan der letzteren war häufig der katholische Geistliche des benachharten Ebersberges. Nach dem Vergleiche von 1747 waren die Sturmfeder nur berechtigt, innerhalb ihres Schlosses für sich und ihre Angehörigen durch ihren Kaplan den katholischen Gottesdienst abhalten zu lassen. I. J. 1806 ging dieser Privatgottesdienst in einen öffentlichen und die Schloßkaplanei in eine Pfarrkaplanei über, der Pfarrkaplan erhielt die Seelsorge sowie die Verrichtung aller pfarramtlichen Funktionen für die Katholiken der Umgegend, allein zunächst noch ohne Kirche und Wohnung. Erst im J. 1845 wurde die Kaplanei zu einer eigenen Pfarrei (mit bischöflicher Kollatur) erhoben, und daran reihte sich 1846 der Bau der Kirche und des Pfarrhauses. Nach der kirchlichen Eintheilung des Königreiches vom 3. Nov. 1810 | (Reg. Bl. v. 1810 Beil. S. 75) gehörte die Pfarrei zum Landkapitel Gmünd, Bisthums Augsburg, heutzutage steht sie unter dem Dekanat Gmünd, Bisth. Rottenburg. Sie umfaßt die katholischen Einwohner von Oppenweiler und der Umgegend, so: Backnang, Groß-Erlach, Heiningen, Jux, Murrhardt, Reichenberg, Spiegelberg, Sulzbach, sowie im Oberamt Marbach: Erbstetten, Gronau, Klein-Aspach, Oberstenfeld, Rielingshausen.

Oppenweiler ist der Stammsitz der freiherrlichen Familie von Sturmfeder,[1] denn die Behauptung Burgermeisters (Thes. equestr. 1, 348), die Familie habe ihren Ursprung am Rheine, wo 1197 ein Philipp St. mit Guta von Westerstetten vermählt erscheine, läßt sich nicht begründen, und es ist insbesondere nach den im Folgenden zu nennenden Urkunden weit wahrscheinlicher, daß sich die hierher stammende Familie zuerst nach dem Orte genannt und daß die Benennung Sturmfeder ursprünglich nur Beiname eines einzelnen Gliedes derselben gewesen, aber, wie es auch anderwärts (z. B. bei der Familie Spät) geschah, den Stammnamen verdrängt hat.

Das älteste urkundlich vorkommende Glied der Familie ist Burkhard: „Burkardus de Oppenwiler dictus Sturmveder miles“, „Bur. dictus Sturenveder miles“, „Burchar Stunrvedir“, Zeuge des Markgrafen Rudolf I. von Baden († 1288) in einer Kl. Gottesauer Urkunde s. die (Bader, Markgr. Rudolf v. B. 32), des Markgrafen Hesso von Baden in einer Stift Sindelfinger Urk. v. 19. Jan. 1293, ferner in einer Kl. Lorcher Urk. v. 12. Apr. 1295, sowie Bürge seines Schwiegervaters Frieder. von Gomaringen den 13. März 1295. Nach diesen Urkunden ursprünglich badisches Lehensgeschlecht kam die Familie wohl in Folge der bedeutenden Besitzübertragungen von Seite Badens an Württemberg in diesen Gegenden um den Wendepunkt des 13. und 14. Jahrhunderts (s. oben VII, 1) unter württembergische Lehenshoheit, denn schon den 30. Okt. 1320 überließ Graf Eberhard der Erlauchte von Württemberg dem K. Friederich dem Schönen den Burkhard St. für 300 Pfd. Heller zu einem Dienst auf ein Jahr (Sattler Gr. 1. Forts. 98), wogegen den 9. Sept. 1339 Heinrich der Ältere und seine Söhne Heinrich der Jüngere und Werner wegen Besitzungen zu Besigheim wieder als badische Lehensleute erscheinen (O. A. Beschr. Besigheim 111). Burkhard St. kommt außerdem noch vor im J. 1327 als Zeuge in einer Urkunde des Stifts Wimpfen (Burcardus dictus Sturmveder armiger; Mone 15, 182) und als Untervogt Gr. Ulrichs von Württ. auf einem Landtag zu Wimpfen (O. A. Beschr. Hall | 228). Sonst werden im Verlaufe des 14. Jahrhunderts besonders genannt folgende Namen: Friederich 1322 (St.-A.), 1329 (Schmid Pfalzgr. 356), 1355 (O. A. B. Leonberg 146), 1370 (O. A. B. Gaildorf 163), 1388 (s. Groß-Aspach), 1396 (O. A. B. Besigheim 301). Heinrich 1320 (Crusius 3, 212), genannt von Ingersheim, durch seine Heirath mit Rüdigers von Ingersheim Tochter Agathe im Besitze des Kirchensatzes, Widdumhofes und von Gütern zu Ingersheim 1336 (O. A. B. Besigheim 194). Bertold, vermählt mit Jutta von Hartheim, 1336 und 1341 (Wibel, hohenloh. Kirchenhist. 2, 189 u. 191). Burkhard und seine Gemahlin Engeltrud 1345 (Schannat Vind. litter. 2, 127), mit seinen beiden gleichnamigen Söhnen 1362 (O. A. B. Gaildorf 159), von denen einer an Elisabeth, Engelhards von Hirschhorn Tochter, verheirathet war, 1362, 1376; Burkhard, württ. Rath, in der Schlacht bei Reutlingen im J. 1377 gefallen (Gayler, Denkw. 87). Reichart 1362 (Reg. Boic. 9, 59). Werner gesessen zu Helfenberg und seine Gemahlin Elisabeth von Kirchberg 1370 {A. U.). Schwigger 1396 (Scheffer 36). Im 15. Jahrhundert: Hans 1400 ff., der Ältere genannt, württ. Rath und Hofmeister, Vogt zu Böblingen (Gabelk.), 1443 (Klunzinger Maulbronn 2, 51), 1453 bei der württ. Vormundschaft, 1456 Rath des Gr. Ludwig von Württ. (Steinhofer 2, 957 und 988), württ. Vogt zu Vaihingen 1454, 1462 (Cast 345). Schwigger 1407 (Rittersch. Arch. Urk. 1, 32), 1415 (Sattler 2, 55), 1442 (R. A. U. 1, 94), 1482 (Steinh. 3, 363). Friederich, 1439 Diener Krafts von Hohenlohe (Hanselmann 1, 600), 1452 kurpfälzischer Hofküchenmeister (Widder, Kurpfalz 1, 55), 1462 mit Graf Ulrich von Württemberg in pfälzische Gefangenschaft gerathen (Steinh. 3, 70), gefallen 1471 im Treffen bei Bockenheim (Cast). Albrecht 1430 (Sattler Gr. 2. Forts. 113). Wiprecht 1449 (Steinh. 2, 910), 1467 (O. A. B. Besigh. 135), 1477 (R. A. U. 1, 94), württ. Amtmann in Besigheim 1452–1472 (Gabelk.). Philipp zu Schadhausen 1458, 1488 (Widder 1, 381, Crusius ps. 3, 484). Konrad 1480 (eb.). Eberhard 1442 (R. A. U. 1, 38,) 1480 (Steinh. 3, 327). Burkhard 1440 (Crusius ps. 3, 372), 1480 (R. A. U. 1, 320), Pfandherr zu Gau-Odernheim (Rhein-Hessen), Obervogt zu Besigheim. Im 16. Jahrhundert: Burkhard im J. 1519 mit Heinrich St. bei der Besatzung von Tübingen † 1534 (Cast). Eberhard, Gemahl der Agathe von Kaltenthal, den 16. Apr. 1525 zu Weinsberg vor der Kirche durch die Bauern erschlagen. Friederich, Deutschordenskommenthur zu Blumenthal und Pfleger der Ballei Franken 1516 (Cast). Im 17. Jahrhundert: Andreas 1626 Johanniterordenskommenthur zu Frankfurt (Cast). Wilhelm; alle Häuser und Güter, welche dieser zu Oppenweiler, Groß-Aspach, Schotzach, in der Rheinpfalz und anderswo besaß, mit allen | Rechten und Zugehörden schenkte K. Gustav Adolf von Schweden unter Vorbehalt des schwedischen Superioritätsrechts an den schwedischen Oberst Chanoffsky, und da er vor der Effectuirung der Schenkung starb, bestätigte dieselbe der Kanzler Axel Oxenstierna zu Heilbronn 28. Febr. 1633 (St.-A.), allein dieser fremde Zwischenbesitz scheint nur von kurzer Dauer gewesen zu sein. Philipp Friederich, im J. 1640 vermählt mit Maria Magdalena Lerch von Dirmstein, durch welche Heirath Güter, insbesondere Gefälle zu Dirmstein und an einigen anderen Orten der Rheinpfalz in den Besitz der Familie Sturmfeder kamen, bis dieselben in Folge der ersten französischen Revolution theils verloren gingen, theils verkauft wurden (Mittheilung des Freiherrn v. Sturmfeder). Joh. Frieder. Franz, kurmainz. Oberstallmeister, Ritterrath im Kanton Kocher † 1691. Im 18. Jahrhundert: Marsilius Franz, kurmainz. Kämmerer, Ritterrath bei der oberrheinischen Ritterschaft † 1744, bekannt durch seine Streitigkeiten mit Württemberg und der Reichsritterschaft. Friederich † 1820 als Weihbischof zu Augsburg. Die Nachweise über die meist von Württemberg herrührenden Lehensbesitzungen der Familie, soweit sie nicht schon im Bisherigen gegeben, sind folgende. Im J. 1364 empfing Burkhard St. nach dem Tode seines gleichnamigen Vaters für sich und seine Brüder das Bürglein Oppenweiler mit Zugehörungen, Leuten und Gütern zu Lehen, den 15. Mai 1396 Friederich St. Burg und Dorf Op., 60 Ohm Weingelds zu Hunweiler bei Reichenweiher (im Ober-Elsaß) auch etliche Capaunen und Hühnergeld daselbst, Antheil an der Burg Hohenstein (O. A. Besigheim), Theile des Zehentens zu Sersheim, einen Pflug Ackers am Schotzacher Holz und Markung, woraus später der Schotzacher Hof gebildet wurde; mit diesen Lehen erscheint vereinigt im J. 1462 der Weiler Lautern, woselbst übrigens die Familie später nur noch eine unbedeutende Gült bezog, und 1747 das von Sturmfeder früher zur Hälfte allodial besessene ganze Dorf Groß-Aspach. Nur vorübergehend waren die Hälfte an der Burg, dem Burgstall und an der Weiherstatt zu Oppenweiler in der Mitte des 15. Jahrhunderts im Lehensbesitze des Erenfried von Schöchingen (s. Reichenberg). Das Lehen Burg und Dorf Geisingen verkaufte 1361 Fritz St. mit Einwilligung des Lehensherrn Grafen Eberhards von Württemberg, für 400 Pfd. Heller an Cunz von Stammheim (Sattler, Topogr. 612). Die Herrschaft Stettenfels, welche aus den beiden Gruppenbach dem Hofe Donnbronn und Wüstenhausen bestand, gehörte im 14. Jahrhundert der Familie als pfälzisches Lehen (ein Grabstein bei der Gruppenbacher Kirche von 1361 ist derjenige der Engeltrud Sturmfederin); den 5. Dec. 1415 trug Schwigger St. wegen genossener Gnade, Hilfe und Förderung Württemberg seinen Antheil am Schloß Thalheim zu Lehen auf; allein | den 16. Aug. 1442 verkaufte Schwigger seine Gerechtigkeit, Leute und Güter und die Losung an Stettenfels mit Zugehörungen, Gülten und Zinsen in Groß- und Klein-Aspach, Oppenweiler, Zehenten in Ilsfeld und das Schloß Thalheim an Graf Ulrich von Württemberg, der am 10. Aug. 1453 mit dem Schloß Thalheim und dem Zehenten zu Ilsfeld den Hans von Frauenberg, des genannten Schwiggers Tochtermann, belehnte, wogegen die Herrschaft Stettenfels noch sturmfederisch blieb, bis sie Friederich St. den 25. Juli 1462 an Rafan von Helmstadt verkaufte (Koenig Select. jur. publ. 6, 234). Im 15. Jahrhundert hatten Mitglieder der Familie Theile am Zehenten zu Auenstein und einem Hofe zu Beilstein im Lehensbesitze, veräußerten sie aber am Ende desselben an die von Liebenstein. Um die gleiche Zeit erscheinen 2 Theile an dem Fronhofe, Dorf, Vogtei und Gericht zu Altingen im Lehensbesitze zweier Mitglieder der Familie. Im Anfange des 16. Jahrhunderts erwarb Burkhard Sturmfeder durch Kauf von Anselm von Yberg die Lehen, den früher schon einmal im Besitze der Familie gewesenen Abts- und den Sichlingshof samt dem Vogteigericht des ersten Hofes zu Groß-Ingersheim, womit noch einige Besitzungen zu Besigheim, Bietigheim und Löchgau verbunden waren; die Lehensherrlichkeit über jene 2 Höfe war nach einigen Streitigkeiten zwischen Württemberg und Baden dem letzteren zuständig geblieben, bis sie durch den Staatsvertrag vom 16. Apr. 1807 an Württemberg überging. Unbedeutendere oder nur vorübergebende Besitzungen der Familie waren z. B.: Zehenten in Hessigheim und ein Hof in der Pfarrei Backnang 1336 (St.-A.); Güter in Ober- und Nieder-Zimmern und in der Pfarrei Marlach 1341 (Wibel 2, 191); Zehenten in Strümpfelbach und Weingärten in Rielingshausen 1361 (Gabelk.); Vogtei über comburgische Güter, das Gericht und sonstige Rechte, namentlich ein Hof und 8 Güter, zu Hausen an der Roth 1362 (O. A. B. Gaildorf 159); Güter zu Ober-Roth und in dessen Pfarrei, so ein Theil von Kornberg, zu Hütten (OA. Gaildorf) und Erlach (O. A. Hall) 1370 (O. A. B. Gaildorf 194 und Hall 210); Antheil an der Herrschaft Helfenberg 1370, 1400 (O. A. B. Marbach 153); Rechte und Einkünfte zu Glattbach, Illingen, Mühlhausen und Roßwaag 1443 (Klunzinger Maulbronn 2, 51); Schadhausen (bei Heidelberg) 1458 und 1535 (Widder 1, 381); Zehentrechte zu Bibelnheim (bei Gau-Odernheim) 1535 (R. A. U. 1, 497); Altwisloch bei Heidelberg 1552 (eb. 509); Wülflingen, der Kirnhardshof und die Röthenbachmühle, Pfitzenberg und der Kert (Gem. Hohenstadt) sowie Güter zu Vorder- und Hinter-Büchelberg und Bühler, zu Bronnen, Ebnat und Kohlwasen (bei Neuler), in der 2. Hälfte des 16. Jahrh. (O. A. B. Aalen 205); Zehenten, Zinsen und Gülten zu Neckarweihingen, Hoheneck, Poppenweiler, Kirchheim am Neckar, Affalterbach, ein Hof zu Ober-Schönthal bis 1747 (s. Groß-Aspach), Höfe zu Strümpfelbach und Käsbach (s. diese). – Während des 14. Jahrhunderts hatten Mitglieder der Familie als Pfandbesitz vom Reiche inne die Orte Neudenau und Katzenthal (an der Schefflenz), die Reichsdörfer Duttenberg, Offenau, Ober- und Unter-Griesheim, Bachenau, Jagstfeld, Reicharthausen, zu Wimpfen am Berg gehörige Eigenleute und die Vogtei über drei Höfe in Flein, allein in den Jahren 1362 und 1364 hörte dieser Pfandbesitz auf, und nur in Flein hatte die Familie bis | zum Jahr 1385 Vogtei, Gericht, und 20 Pfd. Heller Schutzgeld vom Reich zu Lehen (Glafey Anecdot. 237. Reg. Boic. 9, 58. 65. O. A. Beschr. Heilbronn 280). Im J. 1339 war Burkhard St. von dem Pfalzgrafen Rudolf II. bei Rhein die Stadt Mosbach mit den dabeigelegenen Weilern Haschbach und Buttersheim für 100 Mark Silbers und 100 Pfd. Heller auf Wiederlosung verpfändet (Widder 2, 70).

Die Familie, deren frühere Mannlehen jetzt allodificirt sind (s. Groß-Aspach und ob. S. 278), besitzt heutzutage noch 1) im Oberamt Backnang, auf den Markungen Oppenweiler 400 Morgen, Aichelbach 73/8 M., Reichenberg 327/8 M., Ellenweiler 17/8 M., Steinbach 139 M., Groß-Aspach 2446/8 M., zusammen 8257/8M.; 2) im Oberamt Besigheim: auf den Markungen Schotzach 250 M., Groß-Ingersheim 286 M. (worunter 66 M. Wald), zusammen 536 M. Die Gefälle in Ingersheim und Schotzach sind abgelöst.

Vermöge eines väterlichen Testamentes und der ihm zu Grund liegenden Familienstatuten ist je der Älteste des Geschlechts im alleinigen Besitz der Güter; zu Gunsten des Mannsstamms besteht ein Fideikommiß mit Primogenitur (Cast).

Das Wappen der Familie bestand ursprünglich, wie z. B. ein Siegel des Burkhard St. von 1344 beweist, aus 2 senkrecht stehenden, mit den Rücken gegen einander gekehrten Streitäxten, heutzutage zeigt es einen von Blau und Gold gevierten Schild, im 1. und 4. Feld die goldenen Streitäxte, im 2. und 3., dem Wappen der Lerch von Dirmstein entnommenen quer getheilten Feld oben neben einander 3 schwarze Eisenhütlein, unten ebenso 3 schwarze Spitzen, die rechts schrägelinks, links aber gerade aufwärts laufen. Die Gleichartigkeit des Stammwappens mit demjenigen der ausgestorbenen Herren von Helfenberg weist auf Stammesverwandtschaft mit denselben hin.


Parzellen.

b. Rüflensmühle. Dieselbe scheint sehr alt zu sein, denn in der Urkunde von 1231, in welcher Markgraf Hermann V. von Baden die Burg Reichenberg vom Stift Backnang abgetreten erhielt, spricht er von einer Mühle unterhalb derselben, die von ihm unrechtmäßiger Weise auf des Stifts Boden gebaut worden, nach seinem Tode aber wieder an das Stift fallen solle, und den 11. April 1245 bestätigt Pabst Innocenz IV. dem Stift seine Güter in Reichenbach mit Zugehörungen vor der Burg Reichenberg und eine Mühle; die nächst gelegene Mühle ist aber die Rüflensmühle. Die Rechtsverhältnisse derselben waren in späterer Zeit die gleichen, wie die Oppenweilers, von dem sie eine Zugehörde bildete, nur daß den Weinzehenten die Kellerei Backnang bezog. Als ritterschaftliche Steuer wurden aus ihr im J. 1759 2 fl. 50 kr. bezahlt.

c. Unter-Staigacker 1/8 Stunde südwestlich vom Mutterort an der Straße nach Backnang gelegen, früher sturmfederisch und nach Oppenweiler zehentbar.



  1. S. über diese Familie besonders: H. Bauer, „Thalheim an der Schotzach und seine Besitzer“, in der Zeitschrift: Wirtembergisch Franken 1866 S. 234–243; vrgl. auch ebenda 1861 S. 345.


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