Debarim Rabba/Parasche 8

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Inhalt Parasche 8

Abschnitt 1 2 3 4 5 6 7

Auslegung von Dtn 30,11 - 30,12 - 30,14

Dazwischen Halachot: Halacha 22 - Halacha 23

[92]
.סדר אתם נצבים

Parascha VIII.

[1] Halacha. Wer das Morgen- oder das Mussaph- (Zusatz-) oder das Minchagebet vielemale nicht verrichtet hat, entweder weil er nicht Musse hatte zu beten (aus Mangel an Zeit), oder weil er seine Bedürfnisse befriedigt hat, oder weil er sich auf der Reise befand und vergessen hatte es zu beten, damit er aus seiner Schuldigkeit herauskomme, was hat er zu thun (d. i. wenn darf er das Gebet nachholen)? Die Weisen haben so gelehrt: Das Morgengebet kann bis Mittag, das Minchagebet bis Abend verschoben werden und für das Abendgebet giebt es keine bestimmte Zeit, das Mussaphgebet jedoch kann den ganzen Tag nachgeholt werden. R. Eleasar sagte: Hat der Mensch es vergessen und das Mussaphgebet nicht gebetet, und er kommt, um das Minchagebet zu beten, so verrichte er zuvor dieses und hernach erst das Mussaphgebet. Warum? Weil alles womöglich zu seiner Zeit geschehe. Für das Abendgebet giebt es keine bestimmte Zeit, es kann bis zum Morgenanbruch verrichtet werden. Warum? Denn so heisst es Prov. 8, 17: „Ich liebe, die mich lieben, und die mich suchen, finden mich.“ Und jeder, welcher betet und sein Herz ist darauf gerichtet, für den ist es ein gutes Vorzeichen, dass sein Gebet Annahme gefunden hat, wie es heisst Ps. 10, 17: „Den Wunsch der Demüthigen hörst du, Ewiger“ u. s. w. Gross ist das Gebet vor Gott. R. Eleasar sagte: Willst du die Kraft des Gebets kennen lernen, wenn sie auch nicht alles ausrichtet, so richtet sie doch die Hälfte aus. Kain stand gegen seinen Bruder Abel auf und erschlug ihn, in Folge dessen wurde über ihn verhängt Gen. 4, 12: „Unstät und flüchtig sollst du sein auf der Erde.“ Sofort erhob er sich und[93] legte vor Gott das Bekenntniss ab mit den Worten das. V. 13: „Zu gross ist meine Schuld, als dass ich sie tragen könnte.“ Herr der Welt! sprach er vor Gott, du trägst die ganze Welt und meine Schuld kannst du nicht tragen? Du hast geschrieben Micha 7, 18: „Er trägt Sünde und geht über Missethat hinweg,“ vergieb meine Schuld, welche gross ist. Sofort fand er Gnade vor Gott und es wurde ihm נע das unstät sein, die eine Hälfte des Verhängnisses, abgenommen, denn so heisst es Gen. 4, 16: „Er liess sich nieder im Lande נוד (Flucht).“ Daraus kannst du lernen, dass das Gebet gross vor Gott ist. So auch Chiskia. Als ihm der Prophet sagte s. Jes. 38, 1: „Bestelle dein Haus, denn du wirst sterben,“ wandte Chiskia sofort sein Gesicht zur Wand und Gott sprach zu ihm 2 Reg. 20, 5. 6: „Ich habe dein Gebet gehört ... und ich füge zu deinem Leben noch 15 Jahre hinzu.“ So steht auch Ps. 145, 19: „Den Willen seiner Verehrer thut er, er hört ihr Geschrei und hilft ihnen.“

[2] Cap. XXX. V. 11. Denn dieses Gebot.

Halacha. Wer im Begriff steht in der Thora vorzulesen, was für eine Benediction (Beracha) hat er zu sprechen? So haben die Weisen gelehrt: Derjenige, mit welchem die Thoravorlesung anfängt und schliesst, spreche vor- und nachher eine Beracha. Woher lässt sich beweisen, dass eine Beracha vorher und nachher erforderlich ist? Aus Ps. 119, 12: „Gepriesen seist du, Ewiger,“ und weiter heisst es: „Lehre mich deine Satzungen.“ Das ist die Beracha, welche er vorher zu sprechen hat. Woher lässt sich beweisen, dass auch nachher eine Beracha erforderlich ist. R. Samuel bar Nachman im Namen des R. Jonathan sagt: Weil es nach dem Liede (das mit האזינו anfängt) der Segen (וזאת הברכה) folgt. So hat auch Mose, nachdem er das Gesetz gelehrt, den Segen gesprochen. Siehe, das ist die Beracha nachher.

Oder Gott sprach: Wenn du dich mit dem Segen über die Thora befassest, so segne auch ich dich, wie es heisst Ex. 20, 24: „Ueberall, wo ich werde meinen Namen erwähnen lassen“ u. s. w.

Oder die Rabbinen sagen: Gott sprach: Wer über die Thora den Segen spricht, der spricht auch über sich selbst den Segen, wie es heisst Prov. 9, 11: „Ja, durch mich (sagt die Weisheit) vermehren sich deine Tage und es nehmen dir zu die Jahre des Lebens.“ Und wenn ihr meint, ich hätte sie (die Jahre oder Tage) euch zu eurem Unglück gegeben, (so bedenke) dass ich euch auch die Thora nur zu eurem Besten gegeben habe, nach welcher selbst die Dienstengel Verlangen zeigten, sie wurde ihnen aber verborgen, wie es heisst Hi. 28, 21: „Sie ist vor den Augen aller Lebenden verborgen“ d. i. den Thieren, „und vor den Vögeln des Himmels verhüllt“ d. i. den Engeln. Woher lässt sich beweisen (dass die Engel Vögel sind)? Weil es Jes. 6, 6 heisst: „Und es flog (ויעף) einer von den Seraphim zu mir.“ Die Dienstengel sprachen zu ihnen:[94] Es ist erhaben, aber für euch ist es nicht erhaben. Woher lässt sich das beweisen? Aus dem Verse hier: „Denn das Gebot, was ich dir heute gebiete, ist nicht zu erhaben für dich.“ [3] Das steht auch geschrieben Prov. 24, 7: „Zu hoch ist dem Thoren die Weisheit, im Thore thut er seinen Mund nicht auf.“ Was heisst das: „Zu hoch ist dem Thoren die Weisheit?“ Dieser Thor, sagte R. Tanchuma, tritt in das Versammlungshaus und siebt da wissenschaftliche Verhandlungen pflegen und er weiss nicht, wovon die Rede ist und schämt sich, wie es heisst: „Im Thore thut er seinen Mund nicht auf.“ Unter שער Thor ist nichts anderes als das Synedrium zu verstehen vergl. Deut. 25, 7: „So soll seine Schwägerin in’s Thor gehen zu den Aeltesten.“ Oder die Rabbinen sagen: Dieser Thor tritt in das Versammlungshaus und sieht da die Leute mit der Thora beschäftigt und er fragt sie: wie erlernt der Mensch die Thora? und er erhält die Antwort: Er liest zuerst die Megilla (מגילה d. i. das Alphabet, was auf eine Megillarolle geschrieben wurde), dann kommt das Buch (ספר, die Thora) daran, darauf folgen die Propheten und hernach die Haggiographen; wenn er die Schrift nun inne hat, so lernt er den Talmud, dann die Halachot und dann die Haggadot. Als er das hörte, dachte er bei sich: Wann könnte ich wohl das alles erlernen (es ist gar nicht möglich), und er geht vom Thor wieder zurück. Das wollen die Worte sagen: „Im Thore thut er seinen Mund nicht auf.“ R. Janai sagte: Womit ist das zu vergleichen? Mit einem Laib Brot, der in der Luft hängt. Der Thor spricht, wer kann wohl das Brot herunterbringen, der Kluge aber denkt, hat es nicht einer hinaufgehängt? Er schafft eine Leiter herbei oder ein Rohr und bringt es damit herunter. So spricht auch jeder Thor: Wann kann ich die ganze Thora lesen? Der Kluge aber, was macht er? Er lernt an jedem Tage einen Abschnitt, bis er die ganze Thora gelesen hat. Gott sprach: Sie ist nicht zu erhaben, und wenn sie für dich erhaben ist, so kommt das daher, weil du dich nicht mit ihr beschäftigst. Das wollen die Worte sagen: „Dieses Gebot“ u. s. w. [4] Oder in Verbindung mit Prov. 4, 22; „Denn sie sind Leben denen, die sie finden“ u. s. w. R. Chija sagte: Sie sind eine (heilsame) Salbe (κολλύριον) für das Auge, ein Pflaster (μάλαγμα) für die Wunde, ein Wurzelkelch[1] für den Unterleib; eine Salbe für das Auge, wie es heisst Ps. 19, 9: „Des Ewigen Gebot ist lauter, erleuchtend die Augen;“ ein Pflaster für die Wunde, wie es heisst Prov. 3, 8: „Heilung wird es sein deinem Leibe;“ ein Wurzelkelch für den Unterleib, wie es heisst das.: „Erquickung deinen Gebeinen.“ Oder: „Denn sie sind Leben denen, die sie finden“ d. i. dem, der sie mit seinem Munde ausspricht (שמוציאן). Ein Schüler des R. Elieser ben Jacob erlernte seine ganze Aufgabe in einer Stunde, einmal wurde er krank und[95] er hatte all sein Erlerntes vergessen. Wer war Schuld daran? Weil er das Erlernte nicht mit seinem Munde ausgesprochen hatte. R. Elieser ben Jacob betete für ihn und all sein Gelerntes kehrte wieder zurück (d. i. er erinnerte sich wieder des Gelernten). Oder: „Sie ist Leben denen, die sie finden“ d. i. dem, der sie andere finden (anderen mittheilt, an andere gelangen) lässt.

Oder: „Sie ist Leben denen, die sie finden“ d. i. dem, welcher sie bis zu Ende (bis auf den Grund) bringt. Woher lässt sich das beweisen? Weil es heisst: „jedes Gebot.“ Was heisst: כל המצוה jedes Gebot? Bis du alle Gebote bis auf den Grund erfasst hast. „Und seinem ganzen Leibe Heilung“ d. i. den 248 Gliedern, die in ihm sind (woraus der Leib besteht). Das wollen die Worte sagen: „Denn dieses Gebot.“ Oder: „Denn dieses Gebot.“ R. Chija bar Abba sagte: Wer ein gutes Werk anfängt und es nicht vollendet, der bewirkt, dass er sein Weib und seine Kinder begräbt. Von wem kannst du das lernen? Von Jehuda, welcher ein gutes Werk angefangen und nicht vollendet hatte. Wie so? Als nämlich Joseph zu seinen Brüdern kam, wollten sie ihn umbringen, wie es heisst Gen. 37, 20: „Kommt und lasst uns ihn erwürgen.“ Da erhob sich Jehuda und liess es ihnen nicht zu. Woher lässt sich das beweisen? Es heisst das. V. 26: „Was für einen Vortheil bringt es, wenn wir unseren Bruder erwürgen?“ Sie gaben ihm Gehör, weil er König über sie war. Wenn er aber zu ihnen gesagt hätte: Wir wollen ihn zu unserem Vater zurückführen, so würden sie ihm auch gehorcht haben. Weil er nun das gute Werk begonnen, es aber nicht vollendet hatte, begrub er sein Weib und seine beiden Söhne, wie es heisst das. 38, 12: „Es starb die Tochter Schua’s, das Weib Jehuda’s“ und das. 46, 12 heisst es: „Und Er und Onan (die Söhne Jehuda’s) starben im Lande Kanaan.“

Oder: „Dieses Gebot.“ R. Levi sagte im Namen des R. Chama bar Chanina: Wer ein gutes Werk anfängt und es nicht vollendet, sondern es kommt ein anderer und vollendet es, so wird es nach ihm, der es vollendet, benannt. Wie so? Mose begann ein gutes Werk, er nahm nämlich die Gebeine Josephs mit sich. Woher lässt sich das beweisen? Es heisst Ex. 13, 19: „Und Mose nahm die Gebeine Josephs mit sich,“ dadurch aber, dass er sie nicht in das Land Israel brachte, wurde das Werk nach den Israeliten benannt, die sie (die Gebeine) begruben, wie es heisst Jes. 24, 32: „Und die Gebeine Josephs, welche die Kinder Israels heraufgebracht hatten aus Aegypten, begruben sie zu Sichem.“ Es heisst nicht: welche Mose aus Aegypten her aufgebracht hatte, sondern: welche die Kinder Israel heraufgebracht hatten. Und warum haben sie dieselben in Sichem begraben? Womit ist das zu vergleichen? Mit Dieben, die ein Fass mit Wein gestohlen, der Eigenthümer merkte es und sagte zu ihnen: Der Wein mag euch wohl schmecken, aber bei eurem Leben! wenn ihr ihn getrunken habt, bringt das Fass wieder an seinen Ort. So hatten auch die Stämme den Joseph von Sichem[96] aus verkauft, wie es heisst Gen. 37, 13: „Und Israel sprach zu Joseph: Weiden deine Brüder nicht in Sichem?“ Gott sprach zu ihnen: Von Sichem habt ihr ihn verkauft, bringet nun seine Gebeine wieder nach Sichem zurück. Und als sie das Gebot ausgeführt hatten, wurde es nach ihnen genannt. Das wollen die Worte sagen: „Denn dieses Gebot.“

[5] Oder Gott sprach: Wenn ihr die Thora pflichtmässig leset, so arbeitet ihr an der Erhaltung meiner Welt, denn ohne die Thora wäre sie bereits wieder zur Oede und Leere geworden. Oder: „Denn dieses Gebot.“ Was heisst das? Die Rabbinen sagen: Diese schwere Sache (eig. ist es zu glauben, dass Gott kein anderes Gesetz hätte), womit ist sie zu vergleichen? Mit einem Könige, der einen kostbaren Stein hatte und ihn seinem Freunde zur Aufbewahrung gab mit den Worten: Ich bitte dich, sei darauf bedacht, bewahre ihn gehörig, denn wenn er verloren geht, kannst du mir ihn nicht bezahlen und auch ich selbst kann mir keinen andern seinesgleichen schaffen, du würdest dich folglich gegen mich und gegen dich selbst vergehen, befolge also die Vorschrift gegen uns zwei und bewahre ihn, wie es sich geziemt. So sprach auch Mose zu den Israeliten: Wenn ihr das Gesetz beobachtet, erweiset ihr nicht nur euch, sondern auch mir eine Wohlthat, euch, wie es heisst Deut. 6, 25: „Uns wird es als Wohlthat gelten“ d. i. mir und euch. Wann? Wenn wir dieses ganze Gebot befolgen.

[6] Oder: „Denn dieses Gebot“ u. s. w. V. 12: nicht im Himmel ist es. Mose sprach zu den Israeliten: Damit ihr nicht meint, Mose steht später auf und bringt uns eine andere Thora vom Himmel, so habe ich euch schon zu erkennen gegeben, „sie ist nicht im Himmel“ d. i. es ist nichts davon im Himmel zurückgeblieben. Oder R. Chanina sagte: Sie und alle dazu erforderlichen Werkzeuge sind gegeben worden, wie Bescheidenheit, Wohlthätigkeit, Redlichkeit und Lohn dazu. Oder was heisst das: „Sie ist nicht im Himmel?“ Samuel sagte: Die Thora findet sich nicht bei den Astrologen (Sterndeutern), die mit dem Himmel zu schaffen haben. Darauf antwortete man dem Samuel: Siehe, du bist doch selbst Astrolog und ein Grosser in der Thora? Darauf antwortete er: Ich widmete nur die Stunde der Astrologie (eig. ich schaute nur in der Stunde in der Astrologie), in welcher ich frei von der Thora war. Wenn war das? Wenn ich in’s Bad ging. Oder: „Sie ist nicht im Himmel.“ Sie sprachen: Unser Lehrer Mose! siehe, du hast uns gesagt: sie ist nicht im Himmel und nicht jenseit des Meeres, wo ist sie denn? Er antwortete: Sie ist an einem nahen Orte, „in deinem Munde und in deinem Herzen, dass du sie befolgest,“ sie ist nicht fern von euch, sie ist euch nahe.

Oder:„In deinem Munde und in deinem Herzen, dass du sie befolgest.“ Die Rabbinen sagen: Sieben Dinge hat Salomo auf den Trägen gesagt, das aber, was Mose gesagt hat, ist grösser als alles (übertrifft alles). Wie so? Man sagte zu dem Trägen: Dein[97] Lehrer ist in der Stadt, geh und lerne die Thora von ihm und er antwortete und sprach zu ihnen: Ich fürchte mich vor den Löwen unterwegs. Woher lässt sich das beweisen? Aus Prov. 26, 13: „Es spricht der Träge: ein Brüller ist auf dem Wege.“ Man sagte ferner zu ihm: Dein Lehrer ist in der Stadt, mache dich auf und gehe zu ihm. Ich fürchte mich, entgegnet er, es könnte ein Löwe in den Strassen sein, wie es heisst das.: „ein Löwe auf den Strassen.“ Man spricht ferner zu ihm: Siehe, er wohnt bei dir neben deinem Hause. Er antwortete: Der Löwe ist draussen, wie es heisst das.: „Der Löwe ist draussen.“ Man spricht ferner zu ihm: (Du brauchst nicht hinauszugehen, er wohnt) im Hause. Er antwortete: Wenn ich gehe und die Thür verschlossen finde, so kehre ich wieder um. Man spricht ferner zu ihm: (Das ist nicht der Fall,) die Thür ist offen, wie es heisst das. V. 14: „Die Thüre drehet sich in ihrer Angel und der Faule auf seinem Lager.“ Zuletzt weiss er gar nicht mehr, was er dagegen vorbringen (antworten) soll, er spricht nun zu ihnen: Die Thür mag geöffnet sein oder verschlossen, ich will noch ein wenig schlafen, wie es heisst Prov. 6, 9: „Wie lange, Träger, willst du liegen?“ Steht er von seinem Schlafe am Morgen auf und man setzt ihm zu essen (das Frühstück) vor, so ist er zu faul, es in seinen Mund zu bringen, wie es heisst Prov. 19, 24: „Der Träge versteckt seine Hand in die Schüssel, selbst zu seinem Munde vermag er sie nicht zurückzuführen.“ Welches ist das Siebente? S. das. 20, 4: „Wegen des Winters will der Träge nicht pflügen, er sucht dann in der Erntezeit, und es ist nichts da.“ Was heisst das: „Wegen des Winters mag der Träge nicht pflügen?“ R. Simeon ben Jochai sagte: Wer in seiner Jugend die Thora nicht gelernt hat und will sie erst in seinem Alter erlernen, der vermag es nicht, das will sagen: „Er sucht zur Erntezeit und es ist nichts da.“ Das aber, was Mose gesagt hat, ist grösser als alle. Woher lässt sich das beweisen? (Es heisst hier:) „Denn die Sache ist dir sehr nahe, in deinem Munde und in deinem Herzen ist, um es zu thun,“ sprich es aus (d. i. bringe es aus deinem Munde hervor)! [7] Oder: „Es ist dir nahe.“ R. Samuel bar Rab Nachman sagte: Womit ist die Sache zu vergleichen? Mit einer Königstochter, die kein Mensch kannte, der König hatte aber einen Freund, der stündlich zum König kam, und die Tochter des Königs stand vor ihm. Da sagte der König zu seinem Freunde: Sieh, wie (sehr) ich dich liebe, kein Geschöpf kennt meine Tochter und sie steht vor dir (wenn du bei mir bist). So sprach auch Gott zu den Israeliten: Sehet, wie lieb ihr mir seid, kein Geschöpf in meinem Palaste kennt die Thora und euch ist sie gegeben, wie es heisst Hi. 28, 21: „Verborgen ist sie vor den Augen aller Lebendigen; aber was euch betrifft, so ist sie dir nicht zu erhaben, sondern sehr nahe ist dir das Wort.“ Gott sprach zu ihnen: Meine Kinder! wenn die Worte der Thora euch nahe sein werden, so nenne ich euch: Nahe (Verwandte). So heisst es Ps. 148, 14: „Den Kindern Israels, das Volk, das ihm nahe ist. Halleluja!“
  1. נום עיקרים ist ein Becher mit dem Saft der Wurzeln verschiedener Kräuter. Vergl. Schabb. fol. 109b und 110a.
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