Debarim Rabba/Parasche 7

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Inhalt Parasche 7

Abschnitt: 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12

Auslegung von 28,3a - 28,6a - 28,6b - 28,12a - 29,1 - 29,2b - 29,3

Dazwischen Halachot: Halacha 20 - Halacha 21

[83]
.סדר והיה כי תבא

Parascha VII.

[1] Halacha. Darf der Vorbeter nach Beendigung des Priestersegens Amen! sagen? Die Weisen haben so gelehrt: Der Vorbeter darf nach dem Priestersegen nicht Amen! sagen wegen Verwirrung[84] (des Gedankens).[1] Unsere Rabbinen haben uns gelehrt: Wenn er aber Amen! sagen kann, ohne dass sein Gedanke verwirrt wird, so darf er mit der Versammlung in das Amen! einstimmen. Warum? Weil es nichts grösseres vor Gott giebt, als wenn die Israeliten einstimmig Amen! sagen. Das Wörtchen Amen (אמן), sagte R. Jehuda bar Sima, enthält drei Arten von Versicherungen[2], nämlich einen Schwur, eine Uebernahme und eine Bekräftigung; 1) einen Schwur (wenn nämlich einer den andern beschwört und dieser Amen! sagt), wie es heisst Num. 5, 21: „Der Priester beschwöre das Weib mit dem Schwure“ und diese antworte darauf Amen, Amen! (d. i. sie bekennt, als hätte sie den Schwur geleistet); 2) eine Uebernahme von etwas (wenn man zu jemandem sagt: So und so soll dir geschehen, wenn du das oder jenes gethan hast und er Amen! entgegnet), wie es heisst Deut. 27, 26: „Und alles Volk soll sprechen: Amen! und 3) eine Bekräftigung (wenn einer zu einem anderen sagt: Amen! so soll das heissen: Deine Worte sollen in Erfüllung gehen), wie es heisst 1 Reg. 1, 36: „Benaja, der Sohn Jojadas, antwortete dem Könige und sprach: Amen! Also spreche der Ewige.“

Oder R. Judan sagt: Wer mit Amen! in dieser Welt einstimmt, wird mit Amen! einst auch in jener Welt einstimmen.[3]

Oder R. Josua ben Levi sagt: Wer die Versammlungs- und Lehrhäuser in dieser Welt besucht, ist würdig, dieselben auch einst zu besuchen, wie es heisst Ps. 84, 5: „Heil denen, die in deinem Hause wohnen, immerfort preisen sie dich, Sela.“

Oder R. Judan sagt: Wer auf die Stimme der Thora in dieser Welt hört, verdient einst auch jene Stimme zu hören, von der es heisst Jerem. 16, 9: „Stimme der Freude und Stimme der Fröhlichkeit, Stimme des Bräutigams und Stimme der Braut“ u. s. w. Mose sprach zu ihnen (den Israeliten): Da jeder, der auf die Worte der Thora hört, in zwei Welten erhoben wird, so seid bedacht, die Worte der Thora zu hören. Woher lässt sich das beweisen? Aus dem Cap. XXVIII. V. 1, wo geschrieben steht: Und es geschieht, wenn du hörst auf die Stimme des Ewigen, deines Gottes. [2] Das steht auch Prov. 8, 34; „Heil dem Menschen, der auf mich hört.“ Was heisst das: „Heil dem Menschen, der auf mich hört?“ Gott sprach: Heil dem Menschen, der mir aus lauterer Absicht ein geneigtes Ohr schenkt. Was heisst: „zu eilen an meine Thüren“ (s. das.)? Gott sprach: Wenn du in das Versammlungshaus gegangen bist um zu beten, bleibe nicht bei der äusseren Thür stehen und bete daselbst, sondern schicke dich an, bis in die innere Thür einzutreten. Es heisst nicht: Zu eilen an meine Thüre (דלתי), [85] sondern: an meine Thüren (דלתותי), womit zwei Thüren gemeint sind. Warum so? Weil Gott deine Schritte zählt und dich dafür belohnt. Was heisst: „Zu beachten die Pfosten (מזוזות) meiner Thür“ (s. das.)? R. Jehuda bar Sima fragte: Giebt es denn eine Mesusa in den Versammlungshäusern? Allein sowie die Mesusa nicht von der Thür weicht (זזה), so weiche auch du nicht von den Versammlungs- und Lehrhäusern. Gott sprach: Wenn du so thun wirst, wisse, dass du das Antlitz der Schechina empfängst. Und was steht da weiter? „Wer mich findet, findet Leben“ (s. das. V. 35). Gott sprach: Wer ist jemals in ein Versammlungshaus gekommen, und hätte meine Ehre daselbst nicht gefunden! Und nicht nur das, bemerkte R. Ibo, sondern wo du in einem Versammlungshause stehst, da steht Gott bei dir. Woher lässt sich das beweisen? Es heisst Ps. 82, 1: „Gott steht in der Gemeinde Gottes.“ Gott sprach: Nicht genug, dass du das Antlitz der Schechina im Versammlungshause empfängst, du gehst auch von dort fort mit Segnungen beladen. Woher lässt sich das beweisen? Es heisst Prov. 8, 35: „Denn wer mich findet, findet Leben und erhält Wohlgefallen vom Ewigen.“ Das soll nun auch hier mit den Worten gesagt sein; „Und es geschieht, wenn du hörst“ u. s. w. [3] Das sagt auch die Schrift Cant. 1, 3: „Beim Duft deiner guten Oele.“ Die Rabbinen sagen: Mit fünf Dingen wird die Thora verglichen, mit Wasser, Wein, Honig, Milch und Oel; mit Wasser s. Jes. 55, 1: „Auf! alle Durstigen, kommt zum Wasser;“ mit Wein s. Prov. 9, 5: „Trinket den Wein (spricht die Weisheit), den ich gemischt habe;“ mit Honig und Milch s. Cant. 4, 11: „Honig und Milch ist unter deiner Zunge;“ mit Oel s. das, 1, 3: „Ausgegossenes Oel ist dein Name.“ Sowie das Oel anfangs bitter, zuletzt aber süss schmeckt, so ist es auch mit den Worten der Thora, sie verursacht erst den Menschen Mühe, zuletzt aber erweist sie ihnen Gutes, wie es heisst Hi. 8, 7: „Wenn auch dein Anfang Mühe ist“ u. s. w. Oder sowie das Oel der Welt Leben bringt, so bringen auch die Worte der Thora der Welt Leben und sowie das Oel der Welt Licht gewährt, so gewähren auch die Worte der Thora der Welt Licht. Oder sowie Oel sich nicht mit andern Getränken vermischen kann, so können sich auch die Israeliten nicht mit den Völkern der Welt vermischen. Woher lässt sich das beweisen? Es heisst Lev. 20, 26: „Ich schied euch aus den Völkern, um mein zu sein.“ Sowie das Oel, wenn du es auch in noch so viele Getränke giebst, immer das oberste von allen wird, so werden auch die Israeliten die obersten über alle Völker der Welt sein, wie es heisst Deut. 28, 1: „Der Ewige, dein Gott, wird dich machen zum Obersten über alle Völker der Erde.“

Oder: „Und es geschieht, wenn du hörst.“ R. Josua von Sichnin im Namen des R. Levi sagte: Gott sprach: Wenn du auf meine Gebote hörst, so höre ich auch auf dein Gebet. R. Josua und R. Nachman sagten: Wer in das Versammlungshaus kommt und die Worte der Thora hört, ist würdig, einst unter den Weisen[86] zu sitzen, wie es heisst Prov. 15, 31: „Das Ohr, was auf Zurechtweisung des Lebens hört, herbergt unter den Weisen.“

[4] Zu beobachten und zu thun alle meine Gebote. R. Simeon ben Chalaphtha sagte: Wer die Worte der Thora erlernt hat, und sie nicht hält (darnach lebt), hat eine schwerere Strafe zu gewärtigen, als derjenige, der gar nichts gelernt hat. Womit ist das zu vergleichen? Mit einem Könige, der einen Lustgarten hatte und zwei Winzer dahin setzte, der eine pflanzte Bäume und schnitt sie wieder ab, der andere pflanzte gar nichts und schnitt auch nichts ab. Ueber welchen wird wohl der König zürnen? Doch wohl über den, welcher pflanzte und wieder abschnitt. So wird auch der, welcher die Worte der Thora gelernt hat und sie nicht hält, eine schwerere Strafe erleiden, als derjenige, welcher sie gar nicht gelernt hat. Woher lässt sich das beweisen? Es heisst Jes. 26, 10: „Wird der Frevler begnadigt, so lernt er nicht Gerechtigkeit.“ Wer aber gelernt hat und nicht hält, der ist nicht begnadigt. Das wollen die Worte sagen: „Zu beobachten und zu thun alle meine Gebote,“ [5] V. 3. gesegnet bist du in der Stadt. R. Jizchak fragte: Was heisst das: „in der Stadt?“ Mit dem Lohne der pflichtmässigen Handlungen, die du in der Stadt übst, wie z. B. Challa, Zizith, Laubhütte, Sabbathlicht.Und gesegnet auf dem Felde“ d. i. mit dem Lohne der Handlungen, die du auf dem Felde übst betreffs der Nachlese (לקט), der vergessenen Garbe (שכחה) und der Eckstücke.[4] Die Rabbinen erklären, du wirst in der Stadt durch das gesegnet sein, worin du vom Felde gesegnet bist, weil der Boden seine Früchte (seinen Ertrag) geben wird. V. 6. Du bist gesegnet bei deinem Kommen. Dieser Vers, sagte R. Jehuda bar Simon, spricht von Mose. „In deinem Kommen“ d. i. Mose, welcher bei seinem Eintritt in die Welt gleich Entfernte näherte, nämlich Bathia, die Tochter Pharaos, und gesegnet bei deinem Ausgange, wie es auch bei Mose der Fall war, welcher bei seinem Scheiden von der Welt die Entfernten näherte, nämlich Ruben, wie es heisst Deut. 33, 6: „Es lebe Ruben und sterbe nicht.“ Oder: „Gesegnet bist du bei deinem Kommen“ d. i. bei deinem Handel, „und bei deinem Ausgehen“ d. i. bei deinem Handel, wie auch David erklärt hat Ps. 121, 8: „Der Ewige behütet deinen Aus- und Eingang.“

Oder: „Gesegnet bist du bei deinem Kommen“ d. i. bei deinem Eintritt in die Welt, „und bei deinem Ausgange“ d. i. bei deinem Scheiden von der Welt. R. Berachja sagte: Es heisst Koh. 3, 2: „Geboren werden hat seine Zeit und Sterben hat seine Zeit.“ Wissen wir denn das nicht, dass es eine Zeit giebt, wo der Mensch geboren wird und eine Zeit, wo er stirbt? Allein der Sinn ist: Heil dem Menschen, dessen Sterbezeit gleich der Zeit seiner Geburt ist. Sowie er in der Stunde, wo er geboren wird, rein ist, so sei er auch in[87] der Stunde, wo er stirbt, rein. Das wollen die Worte sagen: „Gesegnet bist du in deinem Eingang und gesegnet bist du in deinem Ausgang.“

[6] V. 12. Der Ewige wird dir seine Schatzkammer öffnen. Was heisst das: „Er wird öffnen?“ R. Jonathan sagte: Drei Schlüssel befinden sich in Gottes Hand, über welche kein Geschöpf verfügen kann, weder ein Engel, noch ein Seraph, es sind der Schlüssel zur Todtenbelebung, der Schlüssel für die Unfruchtbaren und der Schlüssel zum Regen: der Schlüssel zur Todtenbelebung, wie es heisst Ezech. 37, 13: „Und ihr werdet erkennen, dass ich der Ewige bin, wenn ich eure Gräber öffne;“ der Schlüssel für die Unfruchtbaren, wie es heisst Gen. 29, 31: „Und er that ihren Mutterleib auf,“ und der Schlüssel zum Regen, wie es hier heisst: „Der Ewige wird dir eröffnen seine gute Schatzkammer.“

Oder: „Der Ewige wird dir eröffnen“ u. s. w. Die Rabbinen sagen: Der Regen ist so gross (wichtig), wie die Todtenbelebung. Woher lässt sich das beweisen? Es heisst Hos. 7, 3; „Er wird uns kommen wie der Regen, wie Spätregen, der das Land benetzt.“ Und was steht nachher? „Er belebt uns nach zwei Tagen.“ Darum haben die Alten auch den Regen im achtzehngliederigen Gebet (Schemone esre) gleich neben die Todtenbelebung gesetzt[5], weil er ebenso wichtig wie diese ist.

Oder: „Er wird dir öffnen.“ R. Elieser ben Jacob sagt: Wenn es regnet, wird auch Handel und Wandel (Nehmen und Geben) gesegnet, wie es heisst Deut. 28, 12: „zu geben Regen deinem Lande, und das ganze Werk deiner Hände zu segnen. Die Rabbinen sagen: Auch die Fische werden gesegnet sein. Unsere Rabbinen erzählen: Bei Akko wurde ein Fisch gefangen, bevor es ein Viertel geregnet hatte und man schätzte ihn auf 300 Litra, was aber nicht zutraf, denn er wog nur 200 Litra. Da sprach ein Alter: Wenn es ein Viertel geregnet hätte, so würde der Fisch schwerer sein. Nachdem es ein Viertel geregnet hatte, fing man wieder einen Fisch und man schätzte ihn auf 200 Litra, er wog aber 300 Litra. Da siehst du, dass auch die Fische gesegnet sind.

Oder: „Der Ewige wird dir öffnen.“ Siehe, wie gross der Regen ist! Rab Jehuda bar Ezechiel pflegte, wenn er es regnen sah, zu danken: Verherrlicht, gross und gepriesen ist der Name dessen, der da sprach und die Welt ward, welcher viele Tausend und Zehntausende (eig. der Tausend der Tausende und Myriaden der Myriaden) von Engeln über jeden Tropfen setzt, welcher herabfällt. Warum? Von hier (der Erde) bis zur Veste ist ein Weg von 500 Jahren und der Regen kommt herab, ohne dass sich ein Tropfen mit einem andern (seinen Genossen) vermischt, (als[88] wenn über jeden Tropfen ein Engel gesetzt wäre). Der Regen ist so wichtig wie die Todtenbelebung. Wie so? Bei ihm steht der Ausdruck פתיחה aufthun und bei diesem auch; bei ihm steht der Ausdruck יד Hand und bei diesem auch; bei ihm steht der Ausdruck שׁירה Lied, Gesang und bei diesem auch. Bei der Todtenbelebung heisst es Ezech. 37, 13: „Wenn ich euch eure Gräber öffne (בפתחי)“ und beim Regen heisst es: „Der Ewige wird dir öffnen;“ bei der Todtenbelebung heisst es das. 37, 1: „Und es war auf mir die Hand (יד) des Ewigen“ und beim Regen heisst es Ps. 145, 16: „Du thust deine Hand auf;“ bei der Todtenbelebung heisst es Jes. 42, 11; „Es jubeln die Felsenbewohner“ und beim Regen heisst es Ps. 65, 14: „Alles jubelt und singt.“

[7] Oder: „Der Ewige wird dir öffnen.“ Die Rabbinen sagen: Gott sprach zu den Israeliten: Meine Kinder, alles Gute, was in die Welt kommt, kommt in eurem Verdienste (euretwegen). Wie so? Der Thau fällt nur in eurem Verdienste (euretwegen), wie es heisst Gen. 27, 28: „Gott gebe dir vom Thau des Himmels,“ ebenso fällt der Regen nur in eurem Verdienste (euretwegen), wie es hier heisst: „Der Ewige wird dir öffnen seinen guten Schatz,“ und der Friede kommt der Welt nur in eurem Verdienste (euretwegen), wie es heisst Num. 6, 26: „Er gebe dir Frieden“ d. i. in deinem Verdienste (deinetwegen). Ein Heide fragte Rabban Jochanan ben Saccai: Wir haben Festtage, ihr habt auch Festtage, wir haben Calenden, Saturnalien und Siegesfeste und ihr habt Pesach, Azereth und Succoth, welcher Tag aber ist es, an dem wir uns alle freuen? Es ist der Tag, antwortete Rabban Jochanan ben Saccai, an welchem es regnet. Woher lässt sich das beweisen? Weil es heisst Ps. 65, 14: „Es kleiden sich die Triften mit Schafen und die Auen sind gehüllt in Korn; alles jubelt, alles singt.“ Was folgt nachher? Ps. 66, 1: „Gesang. Jauchzet zu Gott, die ganze Erde.“

[8] Cap. XXIX. V. 1. Und Mose rief ganz Israel.

Halacha. Darf wohl ein Israelit, der im Begriff ist in der Thora zu lesen, weniger als drei Verse lesen? Die Weisen haben so gelehrt: Wer in der Thora liest, darf nicht weniger als drei Verse lesen. Unsere Rabbinen haben gelehrt: Warum hat man angeordnet, dass es nicht weniger als drei Verse sein müssen? Gegenüber Abraham, Jizchak und Jacob, oder gegenüber Mose, Aaron und Mirjam, durch welche das Gesetz gegeben worden ist. R. Hosaja sagte: Der Geringste zu Mose Zeiten hat mehr gesehen, als Ezechiel, der grösste unter den Propheten, sie waren Menschen, mit welchen die Schechina von Angesicht zu Angesicht geredet hat, wie es heisst Deut. 5, 4: „Von Angesicht zu Angesicht hat der Ewige mit euch geredet.“ R. Simeon ben Jochai sagte: Woher kannst du beweisen, dass, wenn unter den Israeliten nur ein einziger Mensch gefehlt hätte, die Schechina sich ihnen nicht offenbart hätte? Weil es heisst Ex. 19, 11: „Denn am dritten Tage wird der Ewige sich[89] vor den Augen des ganzen Volkes auf den Berg Sinai herablassen.“ Wenn Rabbi einen Vortrag in dem grossen Lehrhause halten wollte, pflegte er zu sagen: Seht einmal nach, ob die ganze Versammlung sich versammelt hat (beisammen ist). Woher hast du das gelernt? Von der Gesetzgebung. Woher lässt sich das beweisen? Weil es heisst Deut. 4, 10: „Als der Ewige zu mir sprach: Versammle mir das Volk, damit ich sie meine Worte hören lasse.“

Oder die Rabbinen sagen: Du findest, als der Ewige dem Mose das Gesetz gab, wurde es ihm mit Rufen gegeben. Woher lässt sich das beweisen? Weil es heisst Ex. 19, 20: „Der Ewige rief den Mose auf die Spitze des Berges und Mose stieg hinauf.“ Und so auch als unser Lehrer Mose den Israeliten das Gesetz wiederholen wollte, sprach er zu ihnen: Sowie ich das Gesetz durch Rufen empfangen habe, so will ich es auch seinen Kindern durch Rufen überliefern. Woher lässt sich das beweisen? Aus dem, was Deut. 29, 1 geschrieben steht: „Und Mose rief alle Israeliten und sprach zu ihnen.“ [9] Das ist es auch, was Prov. 2, 1 geschrieben steht: „Mein Sohn, wenn du meine Rede annähmest und bewahrtest bei dir mein Gebot!“ Was heisst das: „Wenn du meine Rede annähmest?“ R. Huna sagte im Namen des R. Acha: Gott sprach zu den Israeliten: Meine Kinder! mein Gesetz sei euch nicht wie ein Mensch, der eine heirathsfähige Tochter hat und er wünscht sie bei dem einzuführen, den er findet (d. i. er möchte sie gern verheirathen). Was heisst das: „Wenn du meine Rede annähmest?“ Wenn es euch Verdienst ist (wenn ihr Empfänglichkeit dafür habt), so sollt ihr mein Gesetz empfangen, welches die Dienstengel sich wünschten, ich es ihnen aber nicht gegeben habe, wie es heisst Ps. 68, 13: „Die Engel Zebaoths flohen, sie flohen!“ Was sagte er? „Und die Bewohnerin des Hauses vertheilet Beute.“ Die Dienstengel sprachen nämlich vor Gott: Herr der Welt! die Zierrath, die du bei den Oberen hast, willst du an die Unteren vertheilen? Das ist der Sinn der Worte: „Wenn du meine Rede annähmest“ d. i. wenn dir ein Verdienst ist (wenn du Empfänglichkeit dafür hast). Was heisst das: „und meine Gebote bei dir bewahrtest?“ R. Abba bar Kahana sagte: Gott sprach: Wenn ihr mir das Gesetz und die Gebote in dieser Welt bewahrt, so bewahre ich euch einen guten Lohn in jener Welt, wie es heisst Ps. 31, 20: „Wie gross ist deine Güte, die du aufbewahrt hast denen, die dich fürchten!“ Oder: „Wenn du meine Rede annähmest.“ R. Jehuda bar Schallum sagte: Gott sprach zu den Israeliten: Wenn heisst ihr meine Kinder? Wenn ihr meine Worte annehmt. Womit ist das zu vergleichen? Mit einem Könige, zu dem sein Sohn sprach: Zeichne mich im Lande aus, dass ich dein Sohn bin! Wenn du willst, sprach sein Vater zu ihm, dass alle wissen sollen, dass du mein Sohn bist, so ziehe meinen Purpurmantel an und setze meine Krone auf dein Haupt, so werden alle erkennen, dass du mein Sohn bist. So sprach auch Gott zu den Israeliten: Wollt ihr, dass ihr als meine Kinder[90] bezeichnet werdet, so beschäftigt euch mit dem Gesetz und mit den Geboten und alle werden sehen, dass ihr meine Kinder seid. Wenn seid ihr meine Kinder? Wenn ihr meine Worte annehmt. Rabbi sagte: Als die Israeliten in der Wüste waren, da zog die Wolkensäule vor ihnen her, und es war die Wolke des Altars (des Opferholzes) und die Wolke des Räucherwerks, die aufstieg, zwei Feuerfunken gingen aus der Mitte der beiden Stangen der Bundeslade hervor und verbrannten vor ihnen die Schlangen und Scorpione. Die Völker der Welt sahen solches und sprachen: Es sind Götter, sie bedienen sich alle nur immer des Feuers. Da sprach Mose zu ihnen: All das Lob, das euch Gott verschafft hat, ist die Folge, dass ihr sein Gesetz am Sinai angenommen habt. Das wollen die Worte Deut. 5, 1 sagen: „Und Mose rief ganz Israel und sprach zu ihnen.“ Er sprach nämlich zu ihnen: Erkennet! alle Wunder, welche euch Gott gethan, habt ihr mit euren Augen gesehen. In Aegypten hat er sie euch erwiesen, „eure Augen haben solches gesehen.“ Woher lässt sich das beweisen? Aus Deut. 29, 3: „Die grossen Wunder, welche deine Augen gesehen haben.“ Was heisst Versuchungen (המסות)? Die Plagen, womit er die Aegypter heimgesucht hat (ממסות). Was bedeutet: „Und die Zeichen (האותות)?“ Die Rabbinen sagen: Weil auf ihren Leibern Blut, Frösche und Ungeziefer gezeichnet waren? Was bedeutet: „Und die Wunder (והמופתים)?“ Weil die Plagen sie gebrochen haben (מפתות).[6] Wie so? Alle dreissig Tage kam eine Plage und währte sieben Tage und wich dann und es blieben ihnen dreiundzwanzig Tage zwischen der einen und der andern Plage (zur Erholung) und sie gingen nicht in sich (wurden nicht andern Sinnes), weil sie dieselben beredeten (in ihrem Wahne bestärkten מפתות).[7]. [10] Deut. 29, 4: „Aber der Ewige hat euch keinen Sinn gegeben, zu erkennen.“ Was heisst das? R. Jizchak sagte: Als die Israeliten am Berge Sinai standen und sprachen Ex. 24, 6: „ Alles, was der Ewige geredet, wollen wir thun und gehorchen,“ sprach Gott Deut. 5, 29: „O, möchten sie ein solches Herz haben!“ du hast schon meinen Beschluss aufgehoben und ich habe den deinigen (der dich betrifft) bestätigt. Ich habe gesagt: „Ich will sie vertilgen,“ und du hast gebeten: „Verzeihe doch!“ und der deinige ist gehalten worden, jetzt wünsche auch ich meinen Beschluss (das von mir Beschlossene) zu halten und den deinigen aufzuheben. Gott sprach zu ihm: Weisst du nicht, Mose, was da zu thun ist? Du willst den Strick an beiden Spitzen (Enden) fassen. Gott sprach zu ihm: Willst du, dass dein Wunsch: „Lass mich doch hinübergehen“ in Erfüllung gehe, so hebe ich deine Bitte: „Vergieb doch!“ auf, willst du aber deine Bitte: „Vergieb doch!“ aufrecht erhalten wissen, so hebe ich jenen Wunsch: „Lass mich hinübergehen!“ auf.[91] R. Josua ben Levi sagte: Als unser Lehrer Mose das hörte, sprach er vor Gott: Herr der Welt! möge Mose und Hunderte seines Gleichen sterben, nur werde keinem von ihnen (meinem Volke) der Nagel beschädigt. R. Samuel bar Jizchak sagte: Als Mose sich dem Tode nahe sah, und die Israeliten nicht für ihn um Erbarmen flehten, damit er in das Land komme, rief er sie zusammen und ermahnte sie und sprach zu ihnen: Einer hat 600,000 beim (goldenen) Kalbe erlöst und 600,000 vermögen nicht einen Menschen zu erlösen. Das wollen die Worte sagen: „Der Ewige hat euch nicht den Sinn gegeben, zu erkennen,“ Erinnert ihr euch nicht, sprach er zu ihnen, wie ich euch in der Wüste geführt habe, wie es heisst Deut. 29. 5: „Und ich führte euch vierzig Jahre in der Wüste“ u. s. w. [11] Was heisst das: „Eure Kleider veralteten nicht an euch?“ R. Jose bar R. Chanina sagte: Diejenigen, welche auf ihnen waren, veralteten nicht, aber diejenigen, welche sie in den Kästen hatten, veralteten.

Oder: „Eure Kleider veralteten nicht.“ R. Eleasar ben R. Simeon bar Jochai fragte seinen Schwiegervater, den R. Simeon ben Jose: Sind denn kostbare Kleider mit den Israeliten in die Wüste gezogen? Die Kleider, welche auf ihnen waren, antwortete er, waren diejenigen, die ihnen die Dienstengel am Sinai angezogen hatten. Darum wurden sie nicht morsch. Er fragte ferner: Wuchsen denn die Israeliten nicht und wurden ihnen die Kleider nicht zu klein? Er antwortete: Wundere dich nicht darüber, wenn die Purpurschnecke wächst, so wächst auch ihr Kleid mit ihr.[8] Er fragte ferner: Mussten sie nicht gewaschen werden? Er antwortete: Die Wolke rieb sie ab und machte sie weiss. Er fragte ferner: Wurden sie denn nicht von der Wolke verbrannt, da sie doch aus Feuer bestand? Er antwortete: Wundere dich nicht darüber, wie der Asbest nur im Feuer geglättet (gesäubert) wird, so waren auch ihre Kleider ein himmlisches Werk, die Wolke rieb sie ab und es schadete ihnen nichts. Er fragte ferner: Entstand denn kein Ungeziefer? Er antwortete: Wenn Gewürm sie schon bei ihrem Tode nicht berührte, um wieviel weniger bei ihrem Leben! Er fragte ferner: Verbreitete denn der Schweiss keinen üblen Geruch? Er antwortete: Sie ergötzten sich doch auf den grünen Fluren des (am) Brunnen, die ihren Geruch in der ganzen Welt verbreiten. Woher lässt sich das beweisen? Weil es heisst Cant. 4, 11: „Und der Duft deiner Kleider ist wie der Duft des Libanon.“ Und all das Lob, woher kam es? Aus der Quelle der Gärten, dem Brunnen lebendigen Wassers.

[12] Oder: „Ich führte euch vierzig Jahre in der Wüste.“ R. Jehuda sagte: Komm und sieh die Herablassung Gottes. Gewöhnlich wenn ein Vater einen Sohn hat, so legt er die Last auf diesen, schmerzt sie ihm aber (ist sie ihm zu schwer), so wirft er sie bald von sich;[92] Gott aber verfährt nicht so, die Israeliten waren in der Wüste vierzig Jahre und erzürnten ihn und er hat sie getragen. Woher lässt sich das beweisen? Weil es heisst Deut. 1, 31: „Und in der Wüste, wie du gesehen“ u. s. w. Oder Resch Lakisch sagte: Was heisst das: „Da der Ewige, dein Gott, dich trug?“ Er trug sie und erzog sie, weil er sie gleichsam zu göttlichen Wesen gemacht hatte, wie es heisst Ps. 82, 6: „Ich sprach: Götter seid ihr.“

Oder R. Simeon ben Jochai sagte: Gewöhnlich wenn ein Vater einen Sohn hat, so giebt er ihn einer Magd, dass sie ihn säuge, hat er keine Magd, so giebt er ihn einer Amme, die ihn zwei oder drei Jahre nährt, Gott verfährt aber nicht so, sondern wie es Jes. 46, 4 heisst: „Bis zum Greisenalter bin ich es, bis zum grauen Haar will ich euch tragen“ u. s. w. Bei eurem Leben! sprach Gott zu ihnen, sowie ich euch in dieser Welt gross gemacht habe, so werde ich euch auch in Zukunft gross machen und ehren, wie es heisst Jerem. 31, 20: „Ein theurer Sohn ist mir Ephraim.“


  1. Weil er in Folge dieser Unterbrechung das Gebet nicht würde fortsetzen können.
  2. S. Schebuot fol. 36a.
  3. Er wird so viele Freuden haben, die er mit Amen! begrüssen wird.
  4. S. Pea IV, 9. 10.
  5. D. h. sie haben beides in Verbindung miteinander gebracht: „Er lässt den Wind wehen“ u. s. w., und darauf heisst es: „Du belebst die Todten.“
  6. Der Midr. leitet המופתים von פתת brechen ab.
  7. המופתים wird von פתה überreden abgeleitet.
  8. Vergl. Midr. Schir hasch. r. s. v. נפת und Pesikta, Beschalach 92a.
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