Der Eichelstein

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Textdaten
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Autor: Heinrich Pröhle
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Titel: Der Eichelstein
Untertitel:
aus: Rheinlands schönste Sagen und Geschichten, S. 32–33
Herausgeber:
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1886
Verlag: Tonger & Greven
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Erscheinungsort: Berlin
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Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans eines Exemplares der Bibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung Berlin, Signatur 19 H 104 auf Commons; E-Text nach Deutsche Märchen und Sagen
Kurzbeschreibung:
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Der Eichelstein.

Der römische Feldherr Drusus war in Deutschland bis zur Elbe vorgedrungen. Hier stand er einst einsam am Ufer. Da erschien ihm ein riesenhaftes Weib in weißem Gewande, eine jener hochberühmten germanischen Seherinnen, welche auch in der Schlacht auftraten, und ihre Söhne, Verlobten und Ehegatten zur Tapferkeit ermahnten. Sie rief ihm zu: „Wohin strebst Du, unersättlicher Drusus? Du möchtest alle unsere Länder sehen, aber das Schicksal will es nicht! Flieh! Flieh! Du stehst am Ziel Deines Lebens!“ Infolge dieser Erscheinung soll Drusus den Rückweg angetreten haben. Dabei stürzte er mit dem Pferde und brach einen Schenkel. Er wurde nach Mainz gebracht, woselbst er starb. Er kann als der Gründer der Stadt Mainz angesehen werden. Bei seinen Legionen war er sehr beliebt. Sie setzten ihm ein Denkmal, dessen Überrest über den neuen Anlagen noch zu sehen ist und der Eichelstein heißt. Er ragt noch 13 Meter aus dem Boden hervor und erscheint als eine schwarzgraue, runde und turmartige Masse. Die äußere Quaderbekleidung und die Verzierungen sind längst verschwunden, Höhe und Form haben viele Veränderungen erlitten, nur der eisenfeste Kern steht noch und zeugt von der höhern Stufe menschlicher Kraft und Kunst, auf welcher die Römer gestanden.

Das Entstehen des Eichelsteines wird aber auch auf folgende Weise erzählt: Zu der Zeit, da sich unter den römischen Soldaten in Mainz schon [33] viele Christen befanden, erbauten sie auf der Höhe des befestigten Lagers eine christliche Kapelle. Oben auf derselben befand sich ein Kreuz. Darüber ergrimmte der Teufel. In einer dunkeln Nacht, da er sich unbemerkt glaubte, zauberte er den festen Eichelstein hervor. Auf ihn wollte er ein heidnisches Götzenbild setzen. Es sollte hoch über das Kreuz hinwegragen und die römischen Soldaten dem Heidentume erhalten. Soeben wollte er das Götzenbild auf den Eichelstein stellen. Da war die dunkele Nacht verschwunden und der Engel der Morgenröte eilte im ersten Frühstrahle bereits einmal am Rheine vorüber. Es war schon hell genug für ihn, um das Vorhaben des Satans zu erkennen; er zeigte es im Himmel an, wohin er vor Sonnenaufgang noch einmal zurückkehrte, und der Herr befahl einer Engelschaar, das greuliche Götzenbild zu zerstören, ehe sich das Tageslicht in seiner vollen Schönheit zeigen werde. Da eilten die himmlischen Heerschaaren nach Mainz an den Rhein, vernichteten das inzwischen von dem Bösen fast vollendete Götzenbild und ließen bloß das Fußgestell desselben, den Eichelstein, stehen.