Der kluge Mönch von Camenz

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Textdaten
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Autor: Johann Georg Theodor Grässe
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Titel: Der kluge Mönch von Camenz
Untertitel:
aus: Der Sagenschatz des Königreichs Sachsen, Band 2. S. 284–286
Herausgeber:
Auflage: Zweite verbesserte und vermehrte Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1874
Verlag: Schönfeld
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Erscheinungsort: Dresden
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Quelle: Google-USA* und Commons
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872) Der kluge Mönch von Camenz.
N. Laus. Mag. 1832. S. 446. 1838 S. 131. Köhler, Bilder aus der Oberlausitz S. 128. sq. cf. S. 240. Gräve S. 44. Zeit. f. d. eleg. Welt 1817. S. 358.

Wie sich an vielen Orten Sachsens, z. B. auf dem [285] Sonnenstein, in der Ruine der Mönchskirche zu Budissin auf der Ortenburg daselbst, in dem Schulgebäude zu Pirna, in der St. Johanniskirche zu Zittau etc. hin und wieder ein gespenstiger Mönch zeigen soll, der durch seine Erscheinung stets der Stadt ein Unglück andeute, so soll auch in Camenz zuweilen ein Franciscanermönch zu sehen sein, der sogar einmal die Buchstaben C. M. P. an das Klosterthor angeschrieben habe, die man, da bald darauf 1680 die Pest erfolgte, als Camitia Misere Peribit (d. h. Kamenz wird elendiglich zu Grunde gehen) deutete.

Viele halten ihn für den Erfinder des Schießpulvers Berthold Schwarz, dessen angeblicher Grabstein in der St. Annenkirche zu Camenz eine Kanone ziert, und dessen Standbild an der Hausecke der Budissiner Gasse Nr. 91 angeblich zu sehen gewesen sein soll. Dies ist aber unmöglich, denn jene Grabstätte ist die eines Büchsenmeisters, Max Gottmann, der im Jahr 1508 hier verstarb, und jenes Standbild bezeichnet, daß der Besitzer dieses Hauses einst ein gewisser Hans Wagner († 1503) gewesen sei. Daher muß jener Mönch wohl der unruhige Geist eines der letzten Mönche des aufgehobenen Franciscanerklosters zu Camenz, Matthäus Rudolph sein, der, nachdem er zu Leipzig und Paris besonders Magie und Alchimie studirt, von seiner engen Zelle aus im Kloster St. Anna in Camenz, wo er von weit und breit Besuche von Armen und Reichen empfing, durch Formeln und Wundersprüche, aber auch mit Wurzeln, Steinen, Kräutern und Pflastern heilte. Man suchte ihn jedoch nur in der Noth auf, denn es ging von ihm das Gerücht, er habe sich dem Teufel verschrieben, und dieser leiste ihm bei allen Heilungen getreuen Beistand. Am Sonnabend vor Lätare 1562 kehrte er aus Böhmen von einem Krankenbesuche zurück, da erhob sich auf einmal bei ganz heiterem Himmel ein furchtbares Gewitter, und in diesem kam der Mönch mitten auf der Straße um: angeblich hatte ihn der Teufel geholt. Den Tag nach seinem Tode kamen aus Camenz seine drei noch übrigen Ordensbrüder und holten seine Leiche in aller Stille auf [286] einem Düngerwagen ab. Erst nach seinem Tode wagte man ihm den Prozeß als Zauberer zu machen, seine Magd und ihr Sohn, die auf der Folter bekannt hatten, daß sie ihm beim Zaubern geholfen hätten, wurden 1564 hingerichtet.