Der zufriedene Musikant

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Autor: Joseph von Eichendorff
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Titel: Der zufriedene Musikant
Untertitel:
aus: Aus dem Leben eines Taugenichts und das Marmorbild. Zwei Novellen nebst einem Anhange von Liedern und Romanzen. S. 203–207
Herausgeber:
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1826
Verlag: Vereinsbuchhandlung
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Erscheinungsort: Berlin
Übersetzer:
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Quelle: Universitätsbibliothek Greifswald, Signatur: 520 Bn 420; Commons
Kurzbeschreibung:
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[203]

Der zufriedene Musikant.

 I.

Wandern lieb’ ich für mein Leben,
Lebe eben wie ich kann,
Wollt’ ich mir auch Mühe geben,
Paßt’ es mir doch gar nicht an.

5
Schöne alte Lieder weiß ich,

In der Kälte, ohne Schuh’
Draußen in die Saiten reiß’ ich,
Weiß nicht, wo ich Abend’s ruh’.

[204]

Manche Schöne macht wohl Augen,

10
Meinet, ich gefiel’ ihr sehr,

Wenn ich nur was wollte taugen,
So ein armer Lump nicht wär’. –

Mag Dir Gott ein’n Mann bescheeren,
Wohl mit Haus und Hof versehn!

15
Wenn wir zwei zusammen wären,

Möcht’ mein Singen mir vergehn.

 II.

Nenn die Sonne lieblich schiene
Wie in Wälschland, lau und blau,
Ging’ ich mit der Mandoline

20
Durch die überglänzte Au.


In der Nacht dann Liebchen lauschte
An dem Fenster süß verwacht,
Wünschte mir und ihr – uns Beiden
Heimlich eine schöne Nacht.

25
Wenn die Sonne lieblich schiene

Wie in Wälschland, lau und blau,
Ging ich mit der Mandoline
Durch die überglänzte Au.

[205]

 III.

Ist auch schmuck nicht mein Rößlein,

30
So ist’s doch recht klug,

Trägt im Finstern zu ’nem Schlößlein
Mich rasch noch genug.

Ist das Schloß auch nicht prächtig:
Zum Garten aus der Thür

35
Tritt ein Mädchen doch allnächtig

Dort freundlich herfür.

Und ist auch die Kleine
Nicht die Schönst’ auf der Welt,
So giebt’s doch just Keine

40
Die mir besser gefällt.


Und spricht sie vom Freien:
So schwing’ ich mich auf mein Roß –
Ich bleibe im Freien
Und sie auf dem Schloß.

 IV.

45
Mürrisch sitzen sie und maulen

Auf den Bänken stumm und breit,
Gähnend strecken sich die Faulen,
Und die Kecken suchen Streit.

[206]

Da komm’ ich durch’s Dorf geschritten,

50
Fernher durch den Abend kühl,

Stell’ mich in des Kreises Mitten,
Grüß’ und zieh’ mein Geigenspiel.

Und wie ich den Bogen schwenke,
Ziehn die Klänge in der Rund’

55
Allen recht durch die Gelenke

Bis zum tiefsten Herzensgrund.

Und nun geht’s ans Gläserklingen,
An ein Walzen um und um,
Je mehr ich streich’, jemehr sie springen

60
Keiner frägt erst lang: warum? –


Jeder will dem Geiger reichen
Nun sein Scherflein auf die Hand –
Da vergeht ihm gleich sein Streichen,
Und fort ist der Musikant.

65
Und sie seh’n ihn fröhlich steigen

Nach den Waldeshöh’n hinaus,
Hören ihn von fern noch geigen,
Und gehn All’ vergnügt nach Haus.

Doch in Waldes grünen Hallen

70
Rast’ ich dann noch manche Stund’,

Nur die fernen Nachtigallen
Schlagen tief aus nächt’gem Grund.

[207]

Und es rauscht die Nacht so leise
Durch die Waldeseinsamkeit,

75
Und ich sinn’ auf neue Weise,

Die der Menschen Herz erfreut.