Die Baumwollenspinnerei und Maschinenbau-Anstalt von Gebrüder Lauckner in Aue

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Textdaten
<<< >>>
Autor: Diverse
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Die Baumwollenspinnerei und Maschinenbau-Anstalt von Gebrüder Lauckner in Aue
Untertitel:
aus: Album der Sächsischen Industrie Band 1, in: Album der Sächsischen Industrie. Band 1, Seite 123–125
Herausgeber: Louis Oeser
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1856
Verlag: Louis Oeser
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Neusalza
Übersetzer: {{{ÜBERSETZER}}}
Originaltitel: {{{ORIGINALTITEL}}}
Originalsubtitel: {{{ORIGINALSUBTITEL}}}
Originalherkunft: {{{ORIGINALHERKUNFT}}}
Quelle: Commons und SLUB Dresden
Kurzbeschreibung:
{{{SONSTIGES}}}
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite


[Ξ]
Album der Sächsischen Industrie Band 1 0249.jpg

Baumwollenspinnerei u. Maschinenbau v. Gebrüder Lauckner in Aue.

[123]
Die Baumwollenspinnerei und Maschinenbau-Anstalt von Gebrüder Lauckner in Aue.
(Mit Abbildung.)


Das Städtchen Aue, welches mit zu den kleinsten unsers Vaterlandes gehört, – es zählt 152 bewohnte Gebäude mit 1529 Einwohnern – konnte sich von jeher keines großen Verkehrs rühmen, und allein durch den einst hier blühenden Bergbau, welcher so ansehnlich war, daß er im sechzehnten Jahrhundert die Erhebung des bescheidenen Dörfchen Ova zur Stadt bewirkte, empfing es einiges Leben. Es wurde hier auf Silber gebaut, doch war die Ausbeute in diesem Metall nur gering, desto bedeutender aber in Zinn, und es wurde 1661 hierselbst eine landesherrliche Zinnhütte angelegt, die anfangs einen sehr hohen Ertrag lieferte, aber nach und nach wieder einging und von den Gebäuden gegenwärtig nur noch einige Trümmer vorhanden sind, während der Bergbau selbst zur größten Unbedeutendheit herabsank und seit 1823, wo die Gemeinde noch einige Gruben bearbeitete, fast gänzlich aufgehört hat, so daß gegenwärtig nur noch der weiße Andreas, die Erdenzeche der meißner Porzellanfabrik, in vollem Betrieb ist.

Durch dieses gänzliche Sinken des Bergbaues und bei dem Mangel eines genügenden Ersatzes durch andere gewerbliche Unternehmungen verlor das einst blühende Städtchen immer mehr und die Mehrzahl seiner [124] Bewohner wendeten sich dem Feldbau zu, so daß man scherzend sagte: „wenn der Bauer auf dem Felde zu thun hat, ist kein Auer zu Hause.“ Dieser Feldbau konnte freilich nicht alle Hände beschäftigen, weshalb den Uebrigen, welche sich nicht mit den wenigen städtischen Gewerben beschäftigen konnten, als Waldarbeiter oder als Bergleute in entfernteren Revieren sich ihren Unterhalt zu verdienen suchen mußten; der weibliche Theil suchte sich durch Klöppeln, Ausnähen und Sticken einen Verdienst zu erschwingen. Zu dem Klöppelsack griffen im Winter auch der Männer Hände, wenn die andere Arbeit ruhte.

So verging für das Städtchen eine Reihe trauriger, oft auch recht drückender Jahre, bis endlich ein unternehmender Mann, Herr Holberg, hier an dem Ufer der Mulde eine großartige Bleich- und Appreturanstalt anlegte, die gegenwärtig im Besitz des Herrn Ernst Geßner ist und auf welche wir später speciell zurückkommen werden. Durch dieses Etablissement entstand schon ein regeres Leben in dem Städtchen, welches gleichsam neu aufzuathmen begann; nicht minderen wohlthätigen Einfluß hatte die neu etablirte Baumwollenspinnerei der Gebrüder Lauckner, so wie die gewerblichen Etablissements in dem nahen Auerhammer und endlich auch die in neuerer Zeit stattgefundene Vereinigung sämmtlicher Privat-Blaufarbenwerke mit dem in Pfannenstiel. Dadurch wurde den Bewohnern Aues lohnende und dauernde Beschäftigung geboten, der Verkehr belebte sich, so daß jetzt das Städtchen gegen früher einen erfreulicheren Anblick gewährt, nicht nur in seinem Verkehr, sondern auch in seiner äußeren Erscheinung gehoben sich zeigend. Die neu angelegte Eisenbahn von Zwickau nach Schwarzenberg, welche hier einen Bahnhof hat, wird ebenfalls das Ihrige zur Hebung des Städtchens beitragen.

Die vorhin erwähnte Baumwollenspinnerei und Maschinenbauanstalt der Gebrüder Lauckner liegt in geringer Entfernung von dem Städtchen an dem Ufer der Mulde in romantischem Thal dicht am Fuß hoher Berge und gewährt mit den sie umgebenden Gartenanlagen einen recht freundlichen Anblick.

Der Gebäudecomplex dieses Etablissements besteht aus

einem Hauptgebäude, in dem sich das Comptoir befindet und wo die Baumwollenspinnerei und der Maschinenbau betrieben wird;
dem Dampfkessel- und Dampfmaschinenhaus;
dem Wohnhaus des Besitzers;
der Hausmannswohnung und
Scheuer, so wie Stallungen für Pferde und Kühe.

In den sich an die Fabrikgebäude anschließenden Gartenanlagen, befindet sich ein geschmackvoller Gartensalon nebst Kegelbahn. Noch gehören einige Feldgrundstücke dazu.

Als Branchen umfaßt das Etablissement die Baumwollenspinnerei und den Maschinenbau. Erstere erzeugt vorzüglich Princeps in den Nummern 30 bis 40 für mechanische Webereien, die Maschinenbauanstalt aber liefert Spinnmaschinen und Theile derselben, doch meistentheils für eignen Bedarf des Etablissements.

Den Absatz finden die Gespinnste theils im Orte selbst, theils geht er in die Chemnitzer Gegend und auch in die preußischen Staaten.

Die Vorzüglichkeit der hier erzeugten Gespinnste wurde auf der Ausstellung in Leipzig 1850 durch die Verleihung der großen silbernen Medaille anerkannt.

Die Spinnerei hat gegenwärtig 6000 Spindeln, Selfactors, im Gange, welche durch Wasserkraft betrieben werden; für den Fall eintretenden Wassermangels ist als Reserve eine Dampfmaschine von 25 bis 30 Pferdekraft aufgestellt.

Der Selfactor ist von den vielfachen Verbesserungen der Spinnmaschinen unstreitig die hervorragendste, [125] die man dem Engländer Roberts verdankte, welcher diese Maschine 1825 zuerst herstellte. Bei den gewöhnlichen Mulemaschinen muß das Einfahren des sogenannten Wagens und die Aufwickelung des Gespinnstes durch Korbeldrehung mit der Hand verrichtet werden, bei der selbstthätigen Mulemaschine oder Selfaktor (Selbstfaktor, Selbstmacher) geschieht dieses aber durch einen besonderen Mechanismus.

Der durch den Selfactorbetrieb zu erzielenden Vortheile sind nicht wenige: Ersparniß an Arbeitslohn, erhöhte Leistung selbst gegen den besten Spinner, gleichmäßigere, von dem Handbetrieb unabhängige Drehung, Erzielung von festeren, gleichmäßiger geformten Kötzern oder Bobinen, die bei dem Verpacken weniger Raum erfordern, und bei dem Abhaspeln oder bei der Verwendung als Schußspulen weniger Fadenbrüche und Abfälle geben. Diese wesentlichen Vortheile haben dieser sinnreichen Maschine bereits allgemeinen Eingang verschafft und verschiedene Verbesserungen an derselben hervorgerufen.

Zu den vorzüglichsten Verbesserungen dieser Vorrichtung gehört ohne Zweifel die von den Gebrüdern Lauckner erfundene und von der Staatsregierung patentirte. Der erste hier aufgestellte Selfactor war nach Angabe der Herren Erfinder in der Maschinenbauanstalt zu Schlema gebaut.

Beschäftigung finden hier fortwährend 70 Personen, unter diesen 8 Maschinenbauer.

Besitzer des Etablissements sind die Herren R. und C. Lauckner, welche es im Jahre 1836 gründeten und es erst für Kammgarnspinnerei bestimmten, welche aber später in Baumwollenspinnerei umgewandelt wurde. Die erste Zeit waren 3024 Spindeln im Gange, welche Zahl sich aber nach und nach auf das Doppelte steigerte.