Ein Festtag in Afrika

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Titel: Ein Festtag in Afrika
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aus: Die Gartenlaube, Heft 16, S. 272
Herausgeber: Adolf Kröner
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Erscheinungsdatum: 1887
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung: Fronleichnamsprozession in Dondo (Angola)
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[272] Ein Festtag in Afrika. Wie bunt das Leben auf den Kolonialgebieten Afrikas sich bisweilen gestaltet, davon giebt Hermann Soyaux ein Beispiel in seinen Erlebnissen und Beobachtungen: „Aus Westafrika“. Der Reisende befand sich in dem portugiesischen Angola, in der Stadt Dondo, die längere Zeit durch eine gewaltige Ueberschwemmung des Kuansaflusses bedrängt worden war. Doch die Wassernoth war wieder gewichen, als die Stadt das große Fest der katholischen Christenheit, den Frohnleichnamstag, beging. Da entwickelte sich nun ein buntes, ergötzliches Treiben: Jeder hat seinen besten Staat angelegt; man sieht, die europäischen Trödelmärkte beglücken mit dort nicht mehr verkäuflichen alten Kleidern die putzsüchtige Negerbevölkerung Afrikas. In den lächerlichsten Zusammenstellungen erblickt man defekte Uniformstücke aus aller Herren Ländern, betreßte Livréeröcke, fadenscheinige schwarze Fracks, Damenhüte von riesigen Dimensionen, Dreimaster, Kalabreser und zerknitterte hohe Cylinder. Dazwischen bewegt sich das zum Fest hereingekommene Landvolk in fast adamitischem Urkostüm. Eine Gruppe fetttriefender Libòlòs, in eifrigem Handel begriffen, überzählt die Preise in angolanischen Kupfermünzen. Dort scharen sich die Männer und Mädchen zum Betuk, dem Kankan der Neger, und unter Begleitung von Gesang und Händeklatschen beginnt der Tanz; aber er wird durch die Klänge der Militärmusik unterbrochen. Die in Dondo zurückgebliebene Mannschaft der Caçaderes V. marschirt von der Kirche zur Residencia hinauf; an der Spitze mit gesenktem Degen der Teniente in der Uniform der portugiesischen Jäger, hinter ihm das Musikkorps, die Melodie: „Einst spielt’ ich mit Scepter und Kronen“ im Marschtempo blasend, dann die Reihen der Soldaten, ihre „Sergantos“ und „Cabos“ zur Seite. Die Parade-Uniform sieht etwas weniger unsauber aus als die gewöhnliche Ausrüstung der portugiesisch-augolanesischen Armee. Nur die Fußbekleidung befindet sich in demselben fragmentarischen Zustande, wenn sie nicht gar dem Lichtenberg’schen Messer ohne Klinge gleicht, und eben so ist die Kopfbedeckung von bedenklicher Fragwürdigkeit.

Die kirchliche Feier selbst, die gegen Abend stattfand, bot einen eben so merkwürdigen Anblick. Vor der Thür der Kirche balgten sich zwei schwarze Chorknaben, der Würde ihrer Tracht und ihres Amtes vergessend; durch den Palmenhain am Ufer blitzten eine Menge bengalischer Lichter auf, die Frohnleichnamsprocession nahte. Unter einem von vier Schwarzen getragenen Baldachin, dem ein Chorknabe das Krucifix vorantrug, schritt der Priester im reichen Ornat, ihm nach die Schar der Gläubigen: Schwarze, Weiße, Mulatten, Männer, Weiber und Kinder, einzeln oder paarweise, mit Lampions, Fackeln und Laternen. Von Andacht war bei der schwarzen Christengemeinde nichts zu spüren; Alles scherzte und lachte in ausgelassener Fröhlichkeit.

Diesen Toiletten-, man könnte sagen Operettentrödel hat unser Reisender mehrfach in Afrika gefunden, so in Akkra an der Goldküste, wo er in einen aufgeregten Volkshaufen gerieth, der ein Siegesfest feierte. Eine dichte Menge älterer und jüngerer Schönheiten zog in Procession durch die Straßen mit ohrenzerreißendem Geplärr und Geschrei. „Wirr schollen Stimmen, Lieder und Gebete zum Christen- und zum Negergotte durch einander; Fahnen unbekannter und bekannter Nationalitäten, unter den letzteren auch die deutschen Farben in verkehrter Reihenfolge, flatterten über dem Volksgewühl und die weiten Frauengewänder wehten phantastisch im Winde. Und was für Gewänder! Es war mir schwer, nicht in helllautes Lachen auszubrechen, als ich die Sterne eines Vereinigten Staaten-Banners und bei einer andern Frau d[a]s Portrait Moltke’s auf einem, wie mir schien, gelben Taschentuche eine gewisse Körperstelle decken sah.“