Geschichte von Kloster Heilsbronn/Weiterndorf

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2. Weiterndorf,

Witramdorf, ein Weiler bei Heilsbronn, einer der sieben Orte, bei und in welchen das Kloster seine ersten Besitzungen erhalten hat. Der Ort bestand schon zur Zeit der Klosterstiftung aus mehreren Höfen; einen derselben scheint der Bischof Otto dem Kloster zu dessen Dotirung geschenkt zu haben. Das Kloster vergrößerte dieses Gut (grangia), indem es 1252 einige daran grenzende Grundstücke von einem Ramungus de Boumen, welcher auch in Seitendorf begütert war, kaufte. Lehensherr dieser erkauften Grundstücke war Ulrich von Riselpurc, welcher mit Zustimmung seiner Söhne Eberhard und Konrad seinen Lehensansprüchen [122] an diese Grundstücke zu Gunsten des Klosters entsagte. Wer damals sonst noch Dorfherr in Weiterndorf war, ist nicht bekannt. Späterhin erscheint das Kloster im Besitze von den Grundgefällen aller dortigen Anwesen. Seinen dortigen Hof, Schafhof genannt, bewirthschaftete es in eigener Regie. Es waren daselbst jederzeit mehr Hämmel als Mutterschafe, im Schafhofe zu Ketteldorf dagegen mehr Mutterschafe als Hämmel. Welche Gefälle von den andern Höfen des Ortes an das Kloster entrichtet werden mußten, ersieht man aus einem vom 21. Abt Waibler i. J. 1421 ausgestellten Kaufbriefe, worin es heißt: „Wir Bruder Arnold (Waibler) und der Convent vererben unser eigen Gut zu Weiterndorf dem Wolf Kolb und seiner Wirthin Elsbet etc. Sie haben unserem Kloster jährlich zu geben an Zins und Gült 8 Sra. Korn, 6 Sra. Haber, 1 Sra. Gerste, 3 Mtz. Erbsen, 4 Pfund Werung je 30 Pfennige für 1 Pfund, 12 Käse zu Pfingsten und 10 zu Weihnachten, 3 Herbsthühner und 2 Fastnachtshühner. Sollen das Gut in gutem Bau halten zu Dorf und Feld. Wie oft man das Gut verleihet, ist das Handlohn zu geben mit 8 Pfund Werung. Verkauf nur an Leute, die unserem Kloster fugsam sind.“ 89 Jahre später (1510) besaß diesen Hof Ulrich Kolb, welcher, außer Stand, seine Gültreste zu berichtigen, zur Tilgung seiner Schuld den Hof dem Kloster überließ. Außer den gedachten Bauernhöfen waren vor Alters noch drei Anwesen in Weiterndorf: die Schmiede, das Hirtenhaus und die Mühle. Letztere war dem Kloster nicht bloß zinsbar, sondern volles Eigenthum desselben und wurde i. J. 1552, schon vor der Auflösung des Klosters als Erblehen an Hans Mayr verkauft.

Im 30jährigen Kriege litt Weiterndorf viel, zwar nicht durch Feuer, da kein Gebäude dort abbrannte, aber 1631 durch den Tilly’schen Einfall, ein Jahr später durch Wallensteins und Gustav Adolfs Lager vor Nürnberg, und in den folgenden Jahren durch fortwährende Überfälle und Plünderungen. Die meisten Bewohner verließen den Ort und starben auswärts, sechs von den Besitzern der 8 Bauernhöfe starben in einem und demselben Jahre 1636. Beim Anfang des Krieges waren dort 14 besteuerte Anwesen, [123] nämlich 8 Bauernhöfe, die Mühle, die Schmiede, das Hirtenhaus und drei Söldengüter. Von 1631 an standen diese 14 Anwesen meist unbewohnt. Nur 4 derselben blieben während des Krieges bewohnt, darunter die Mühle. Die Häuser der Weggezogenen, obgleich nicht abgebrannt, verfielen gleichwohl, da sie Jahrzehnte lang nicht bewohnt wurden. Die dazu gehörigen Felder lagen unbebaut. Die auswärts noch lebenden Eigenthümer und die Relikten der Verstorbenen waren nicht geneigt, auf ihr verfallenes und verwildertes Eigenthum zurückzukehren, da man ihnen zumuthete, sofort auch wieder Gülten, Zehnten, Steuern etc. zu entrichten. Ihre sämmtlichen herrenlos gewordenen, nicht mehr rentirenden Liegenschaften fielen dem Klosteramte heim. Nach Beendigung des Krieges ließen sich durch den Klosterverwalter Krebs drei Individuen bewegen, ein Bauern-, ein Köblersgut und die Mühle nach mehrjähriger Verödung zu übernehmen. Der vierte Ansiedler war (1649) der genannte Klosterverwalter Krebs. Er pachtete den eben besprochenen, vom Kloster in eigener Regie bewirthschafteten, nun aber seit 18 Jahren verödeten und verfallenen Hof, für den sich durchaus kein Abnehmer fand. Er hatte an das Klosteramt jährlich 50 fl. Pacht zu zahlen und erhielt dafür den Hof mit allen Zubehörungen, alles benöthigte Holz, insonderheit die herkömmlichen 20 Klftr. Brennholz, das Heu von 18 Tgw. Wiesen in der Zell (bei Münchzell); dazu wurden ihm das Wohnhaus, Öfen, Fenster, Thore etc. und die Schafscheune auf Amtskosten hergestellt. Durch die Wiederaufrichtung des Schafhofes hoffte man zugleich neue Ansiedler für die übrigen, noch verödeten Höfe zu gewinnen, und zwar durch die Aussicht auf Verbesserung der Felder mittelst des Pferches, welcher jedem Übernehmer eines Hofes zugesichert wurde. Allein diese Lockung hatte den gehofften Erfolg nicht. Nur die Schmiede wurde 1651 für 25 fl. an den Mann gebracht, dann noch ein anderes Anwesen; die übrigen 6 Bauernhöfe blieben unbewohnt und öde; die unbebauten Felder flogen mit Wald an. Für einen derselben fand sich erst 1664 ein Übernehmer. Die markgräflichen Räthe berichteten darüber: „Jak. Hofmann zu Weiterndorf hat seinen lange Jahre öd gestandenen [124] väterlichen Hof unter gewissen Conditionen, wozu man ihn mit Mühe und Noth gebracht, übernommen. Sechs Höfe des Orts liegen noch in Ruin und hat sich zur Zeit noch Niemand zu deren Annahme finden wollen.“ Eben so trostlos berichteten die Räthe noch i. J. 1681: „Noch immer sind 6 öde Höfe vorhanden.“ Diese lagen 56 Jahre lang, von 1632 bis 1688, völlig verödet und unbewohnt. An dreien derselben soll gezeigt werden, welchen Verlust das Klosteramt durch den Entgang aller Renten erlitt. Den einen dieser Höfe kaufte 1629, drei Jahre vor dem Eintritt der Verödung, Cunz Röll von Joß Hofmockel für 1500 fl. Er hatte an das Amt 80 fl. Handlohn, dazu jährlich 15 Sra. Getreidegült und vierteljährlich 3 fl. Steuer zu entrichten. Zum Hofe gehörten 102 Morgen Äcker und gegen 8 Tgw. Wiesen. Im vierten Jahre nach dem Eintritt der Verödung war Niemand von den Relikten des inzwischen verstorbenen Röll und überhaupt Niemand zu bewegen, den Hof zu übernehmen. Den zweiten dieser 6 Höfe kaufte 1619, zwölf Jahre vor dem Eintritt der Verödung, Alban Hertlein von Stph. Spörlein für 785 fl. Er mußte an das Amt 52 fl. Handlohn, dazu jährlich 14 Sra. Getreide und vierteljährlich gegen 3 fl. Steuer entrichten. Zum Hofe gehörten 87 Mgn. Äcker und 7 Tgw. Wiesen. Im vierten Jahre nach dem Eintritt der Verödung fand der Hof Hertleins (dieser starb, wie Röll, 1636) keinen Übernehmer und blieb verödet; die Relikten zogen weg. Den dritten dieser 6 Höfe kaufte 1629, drei Jahre vor der Verödung, H. Eckhardt von seiner Schwiegermutter für 1100 fl. Er mußte an das Amt 52 fl. Handlohn und jährlich 14 Sra. Getreide, vierteljährlich gegen 3 fl. Steuer entrichten. Zum Hofe gehörten 87 Mgn. Äcker und 7 Tgw. Wiesen. Der Hof fand 1636 (auch Eckhard starb, wie Röll und Hertlein, in diesem Jahr) keinen Übernehmer und blieb öde und unbewohnt, da die Relikten wegzogen. So waren diese vormals so werthvollen Höfe durch den Krieg völlig werthlos geworden. Nachdem sich das Klosteramt 56 Jahre lang vergeblich abgemüht hatte, für diese 6 Höfe Pächter oder Käufer zu finden, so zerschlug man die Höfe in kleine Parzellen, die [125] man an neu angesiedelte Handwerker in Heilsbronn, an den Wirth daselbst, an Leute in Weißenbronn, Bürglein und Berghof, an den Schafmeister in Weiterndorf und an den Müller daselbst verkaufte, den Morgen zu 2 bis 3 fl. Von jedem Morgen mußten jährlich vier Kreuzer Baudung, 1 Mtz. Korn und 1 Mtz. Haber entrichtet werden. 1688 war das Zertrümmerungswerk beendigt und Weiterndorf nicht mehr verödet. Nach der fast gänzlichen Verödung des Ortes siedelte der Gemeindeschmied Reuter nach Weißenbronn über, wo früherhin weder vom Kloster noch vom Klosteramt eine Schmiede geduldet wurde, nun aber nach der Verödung Weiterndorfs ein dringendes Bedürfniß geworden war. Eines der nicht völlig verödeten Anwesen war die Mühle, deren Verkauf und Wiederverkauf gleichfalls entnehmen läßt, wie verderblich der Krieg eingewirkt hat. Sieben Jahre vor dem Kriege kaufte H. Volland die Mühle von P. Hassold für 2100 fl. und zahlte an das Amt 113 fl. Handlohn. Anders stellte sich der Kaufpreis nach der Verödung. H. Kettner kaufte 1645 die Mühle mit zwei Gängen, 11 Mgn. Feld, zwei Wiesen und Garten für 192 fl. Er brachte die Mühle bald wieder in guten Stand: „ein fein Mahlwerk, fehlt aber an Wasser, daß man fast das ganze Jahr nur auf einem Gang mahlen kann.“ Der Schafhof, i. J. 1132 eines der primitiven Klosterstiftungsgüter, wurde vom markgräflichen Klosteramt i. J. 1705 verkauft. Weiterndorf war während der ganzen Klosterzeit und auch später nach Bürglein gepfarrt und kam erst im 19. Jahrhundert zur Pfarrei Heilsbronn.

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