Kurze Anleitung zu einer richtigen Kenntniß und Behandlung der Forte-Pianos

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Textdaten
Autor: Johann Lorenz Schiedmayer, Carl Dieudonné
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Titel: Kurze Anleitung zu einer richtigen Kenntniß und Behandlung der Forte-Pianos
Untertitel: in Beziehung auf das Spielen, Stimmen und Erhalten derselben, besonders derer, welche in der Werkstätte von Dieudonné und Schiedmayer in Stuttgart verfertigt werden.
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Erscheinungsdatum: 1824
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Erscheinungsort: Stuttgart
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Quelle: Scans einer Faksimileausgabe (Gulde, Tübingen 1994, ISBN 3-924123-22-5) Commons
Kurzbeschreibung: Gebrauchsanweisung für Hammerklaviere
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[1]
Kurze Anleitung
zu einer richtigen Kenntniß und Behandlung
der
Forte-Pianos
in Beziehung auf
das Spielen, Stimmen und Erhalten
derselben,
besonders derer,
welche in der Werkstätte von
Dieudonné und Schiedmayer in Stuttgart
verfertigt werden.



Stuttgart,
gedruckt mit G. Hasselbrink’schen Schriften.
1824.


[Vorrede 1]

[3] Nachstehende Anleitung zur Kenntniß und Behandlung des Forte-Pianos ist theils durch das Bedürfniß, theils durch ein im Jahr 1801 in Wien erschienenes Schriftchen dieser Art, das aber diesen Gegenstand bei weitem nicht erschöpft, veranlaßt worden. Manches Gute, besonders aber die im IV. Abschnitte enthaltene Schilderung zweier verschiedenen Clavierspieler, ist aus jenem Schriftchen entlehnt, weil der Verfasser der gegenwärtigen Anleitung es nicht über sich gewinnen konnte, solche Wahrheiten, wenn sie auch ursprünglich nicht von ihm ausgesprochen worden, hier nicht zu wiederholen.

Nicht eine Anleitung zum Bau, noch zum Spielen, noch zum Stimmen des Forte-Pianos, soll dieses Schriftchen seyn, denn sonst würden die engen Grenzen, die der Verfasser sich dabei gesteckt, bei weitem, nicht zugereicht haben.

[4] Es soll blos den Besitzer eines Forte Pianos mit der Einrichtung seines Instruments, und mit den hieraus fließenden, auf Erhaltung desselben abzweckenden Regeln bekannt machen, und diese sind, wie der Verfasser sich schmeichelt, so gegeben, daß ihre Befolgung den beabsichtigten Nutzen nicht verfehlen wird.

[Vorrede 2]

[5] Das Forte-Piano, oder, kürzer und bezeichnender, das Clavier, hat unter allen Tonwerkzeugen die größte und allgemeinste Anwendbarkeit erlangt. Nachdem die erste Bahn gebrochen war, und man anfieng, Claviere zu bauen, die vermittelst des Anschlags der Saiten durch einen Hammer den Ton von sich gaben, begann die eigentliche Periode der Entwicklung und Vervollkommnung dieses Instruments. Vorher hatte man nur Clavichorde, deren Saiten durch Tangenten – und flügel- oder tafelförmige Claviere, wo die Saiten durch Federchen etc. in Schwingung gebracht wurden. Ein Forte und Piano war auf den ersteren, die ohnehin bei ihrem sonstigen höchst unvollkommenen Zustande, besonders bei ihrem kaum hörbaren Tone bald nicht mehr genügen konnten, kaum auszudrücken; bei letzteren aber, wo die Schwäche oder Stärke des Anschlags durchaus keine verschiedene Wirkung auf die Saiten machen konnte, war an eine Modulation des Tons noch weniger zu denken. Aber auch die Hammer-Claviere waren lange Zeit in einem höchst unvollkommenen Zustande; die Besaitung war schwach, der Ton daher kraftlos und kindisch, die Hämmer hatten weder Länge noch gehörige Schwere und Schwung, und die papierdünne Belederung brachte eine wahrhaft unausstehliche [6] Wirkung hervor, und manches Hackbrett konnte einem solchen Claviere den Vorzug streitig machen. Daher die Geringschätzung, welche so lange auf dem Forte-Piano ruhte, und der Vorzug, der lange noch dem Clavichorde vor dem Hammer-Clavier, selbst von gebildeten ältern Musikern, gegeben wurde.

Doch bald trat das Forte-Piano aus seiner Kindheit heraus; es ward eine bessere Hammer-Mechanik erfunden und dadurch das Mittel einer reinen Ton-Angabe kennen gelernt, und diese Mechanik immer mehr verbessert, so wie nach und nach auch der Ton immer runder, voller, weicher und klangreicher wurde; man erkannte das Ideal, dem man nachstreben mußte. In dem Grade, als das Instrument sich vervollkommte, folgten Clavier-Compositionen, welche die neuen Vorzüge stets benutzten, so wie auf der andern Seite die steigende Kunst der Tonsetzer und Clavierspieler, und die immer gesteigerten Schwierigkeiten, welche die erstern in ihre Werke gelegt, Anforderungen an das Clavier zur Folge hatten, welchen zu genügen einzelne berühmte Claviermacher mit mehr oder weniger Glück zum Gegenstand ihres Nachdenkens und Fleißes machten. Die Verdienste eines Stein, Schiedmayer (in Nürnberg), Streicher, Walter und Anderer, verdienen unter den ältern teutschen Meistern in dieser Hinsicht eine ehrenvolle Anerkennung. Auch jetzt noch wird von neuern Künstlern rastlos an Vervollkommnung und Ausbildung des Claviers fortgearbeitet. Es ist jedoch noch viel zu thun übrig, und man darf [7] nicht zweifeln, daß das Forte-Piano, auf welcher Stufe von Vortrefflichkeit dasselbe auch bereits stehen mag, mit der Zeit noch viel höhere Eigenschaften und Vorzüge entwickeln werde, besonders wenn es einmal gelingt, den Geheimnissen der Acustik noch näher zu kommen, und zu einer deutlicheren und klareren Erkenntniß der Gesetze des Klanges zu gelangen.

Die Anzahl der guten Claviere vermehrt sich immer mehr; immer ausgebreiteter wird die musikalische Bildung und das Bedürfniß guter Instrumente, auf denen der Spieler den Geist und den Buchstaben unserer jetzigen, zum Theil sehr schweren Compositionen auszudrücken vermöge. Je mehr sich aber das Forte-Piano der Vollkommenheit annähert, desto künstlicher wird auch sein Mechanismus, desto mehr erfordert dasselbe auch Beachtung seiner Natur und Einrichtung; es erfordert hinlängliche Kenntniß seines Baues und dessen, was es zu leisten vermag oder nicht, wenn es diese Leistungen machen und dem Eigenthümer erhalten werden soll. Und dieß ist es, was dieses Schriftchen in gedrängter Kürze enthalten wird.

[Inhalt]