Lose Blätter zu der Sammlung von Minnesingern gehörig (III)

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Wechseln zu: Navigation, Suche
Textdaten
<<< >>>
Autor: Georg Friedrich Benecke
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Lose Blätter zu der Sammlung von Minnesingern gehörig (II)
Untertitel:
aus: Wünschelruthe - Ein Zeitblatt. Nr. 47, S. 185–186
Herausgeber: Heinrich Straube und Johann Peter von Hornthal
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1818
Verlag: Vandenhoeck und Ruprecht
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Göttingen
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans auf Commons
Kurzbeschreibung:
Siehe auch
Wikipedia-logo.png Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite


[185]
III.

Unter den Gedichten Walther’s von der Vogelweide, die sich in der Sammlung von Minnesingern erhalten haben, stehen S. 127 drey Sprüche (so hieß bey den Alten was wir jetzt Sonett nennen, nur das die Form oft noch künstlicher, sowie auch mannichfaltiger war, und von jedem Dichter nach eigenem Gutdünken erfunden wurde) auf den König Philipp, die also in dem Jahrzehende vor 1208 geschrieben seyn müssen. Sie haben alle drey dasselbe Versmaß, sind aber keineswegs als drey Strophen Eines Liedes, sondern als drey verschiedene, und in verschiedenen Zeiten verfaßte Gedichte anzusehen. Das erste hat den Zweck die Wahl des K. Philipp zu rechtfertigen, und die Gegner dieser Wahl zu ermahnen, sich für ihn zu erklären. Das zweyte beschreibt, wahrscheinlich in derselben Absicht, einen feyerlichen Zug den K. Philipp zu Magdeburg hielt. Das dritte hält dem Könige auf eine sehr freymüthige Art den Fehler vor, daß er öfter versäume da freygebig zu seyn, wo doch die Klugheit es von ihm fordere. (Eine ähnliche Ermahnung wird ihm in dem Spruche Philippe kunech here S. 113 gegeben).

Bey jedem dieser Gedichte sind historische Erläuterungen nicht überflüssig; da diese aber für das erste und dritte aus gedruckten Ouellen genommen werden können, so mag dieß den Lesern unseres Dichters überlassen bleiben, die wir, was ‚den weisen‘ betrifft, der in mehreren Liedern vorkommt, [186] auf den Herzog Ernst (Z. 3617 vgl. Z. 5543) und eine Abhandlung im Altdeutschen Museum (B. 2. S. 245) verweisen.

Für das zweyte Gedicht habe ich in einer handschriftlichen Chronik von Magdeburg eine Aufklärung gefunden, mit welcher verbunden, dieser Spruch als ein kleiner Beytrag zur Geschichte des K. Philipp gelten kann. Da die Sammlung von Minnesingern in weit weniger Händen ist als man wohl wünschen möchte, so lasse ich den Spruch, mit einigen erläuternden Anmerkungen vorausgehen.

König Phillipp zu Magdeburg.




Ez gienc, eins tags als unser herre wart geborn
     Von einer magt die er im ze muoter hat erkorn,
     Ze Magdeburch der kunech Philippes schone.
Da gienc eins keisers Bruder und eins keisers kint

5
     In einer wat, swie doch die namen drige sint.

     Er truoc des riches zepter und die krone.
Er trat vil lise; im was niht gach.
     Im sleich ein hoch geborniu kuneginne nach,
     Rose ane dorn, ein tube sunder gallen.

10
     Diu zuht was niene anderswa.

     Die Duringe und die Sahsen dienten also da
     Daz es den wisen muose wol gevallen.

Z. 1. eines tages als unser herre wart geborn von einer maget am Weihnachtsfeste.

- 4. Die drey von einer wat Einem Gewande umschlossenen namen Personen sind: der König Philipp, Bruder des Kaiser Heinrich’s VI. und Sohn des Kaiser Friedrich’s I. - eine Dreyeinigkeit, in der sich das offenbarste Recht zur Kaiserkrone ausspricht.

- 7. Er ging ruhig und langsam, im Gefühle seines Rechtes; nicht mit der hastigen Eile eines Mannes der schnell an sich reißen will was ihm nicht gehört.

- 8. In eben so stillem, ruhigem Schritte folgte ihm die Königinn Irene, eine Rose ohne Dorn, eine Taube sonder Galle. sleich ist in der alten Sprache ein edles Wort, das nicht durch schlich übersetzt werden darf. hoch geborn heißt Irene als Tochter des Griechischen Kaisers.

- 10. Ordnung, Anstand, Zucht und Sitte, wie sie sonst nirgends zu finden sind, zeichneten diesen feyerlichen Zug aus.

In der Chronik ist diese Anecdote folgender Maßen erzählt:

‚In dem 1198. Jare quemen die Forsten van Sassenn, van Beyern, van Schwauen vnnd Frankenn bp Erforde vp ein feldt thosamende vnnd korenn Philippum keiser Henrichs Broder. Bischop Ludolff van Meydeborch was die erste an dem kore, vnnd konig Philippus gaff loss Bischop Ludolfo das Ingelt vnnd Tinse, den die Bischop von Meideborch lange tidt dem Riche gegeuen hedde.

Dar nach tho Wynachtenn quam Konig Philippus mit drenn konigl. (sic) her tho Meideborch vnnd hadden groten hoff vnnd ging hier gekronet, vnnd mit der Konninginne ging die Ebdisse von Quedlenborch vnd die Hertoch van Sassen; vnnd die Bischop van Hildensem was des Konigs Cantzeler vnnd vorfundt den hoss.‘

Läßt sich eine bessere Erläuterung des Geschichtlichen, das Walther als bekannt voraussetzt, wünschen?

In einem Aufsatze im ersten Hefts des vierten Bandes der wöchentlichen Nachrichten für Freunde der Geschichte, Kunst und Gelahrtheit des Mittelalters setzt Herr Fr. Karl Köpke diesen Spruch in das Jahr 1204, der nach der Magdeburger Chronik in das Jahr 1198 zu gehören scheint. Da jener Aufsatz als Probe einer Ausgabe der sämmtlichen Werke Walthers von der Vogelweide mitgetheilt wird, so muß die weitere Prüfung Hn. Köpke überlassen bleiben, und wir begnügen uns, bey dieser Gelegenheit auf ein Unternehmen aufmerksam zu machen, das lange schon der Wunsch aller Freunde der Altdeutschen Poesie war, und zu dessen Ausführung schon von mehreren Jahren Hr. Biblioth. Docen Hoffnung machte. Eine sorgfältige Bearbeitung der Gedichte Walthers wird zeigen, daß so wie die Geschichte zur Erläuterung des Dichters so auch der Dichter zur Ergänzung der Geschichte dienen kann.