RE:Britomartis

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band III,1 (1897), Sp. 880–881
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Britomartis (Βριτόμαρτις; Βριτάμαρτις Bull. hell. VI 1882, 23; Βρυτόμαρτις Rangabé Ant. hell. 691, vgl. Art. Bryte), eine später in Artemis aufgegangene Göttin hauptsächlich des östlichen Kreta, die seit Kallimachos in unseren Quellen eine schwer lösliche Verbindung mit der wesensähnlichen westkretischen (Artemis) Diktynna als deren Nymphe eingegangen ist, ursprünglich aber mit ihr gemeinsame Heimat im Westen gehabt zu haben scheint. 1. Kreta: a. Knosos nennt im Schwur von Staatswegen die B. unabhängig von Artemis und von ihr durch mehrere Götternamen getrennt, Rangabé Ant. hell. 1029. Cauer Delect.² 121; ebenso b. Dreros (ebd.), c. Lato und d. Olus: Chishull Ant. Asiat. 136; in Olus hatte sie ein daidalisches Xoanon: Paus. IX 40, 3; e. in Cherronesos: Βριτομάρτεως (statt des gewöhnlichen -ιδος) ἱερόν. Strab. X 479; f. nach Gortyn versetzt Altäre der Γορτυνὶς νύμφη B. Kallimachos Hymn. III 189ff. Diese Kultorte liegen im Kreise um das ostkretische Δίκτη-Gebirge (Δικταῖον), das, mitten im Land gelegen, bei Kallimachos der schliessliche Schauplatz des angeblichen Meeressprungs der B. ist (!). Hinter ihm müsste als echter ursprünglicher Schauplatz das ins Meer hineinreichende westkretische Δικτύνναιον-Vorgebirge mit seinem Diktynna- (nicht B.-) Tempel vermutet werden (anders Rapp Roschers Myth. Lex. I 822f.), auch wenn nicht schon im Altertum sich Widerspruch gegen dieses kallimachische Eindringsel aus dem Diktynnamythos erhoben hätte. Der grosse Apollodoros (bei Strab. a. O. Diodor. V 76 und dem Schol. Arist. Ran. 1356) rügt an dem von ihm so oft bemängelten Kallimachos (Niese Rhein. Mus. XXXI 1876, 275. 302. 297), hier wohl mit Recht, die Einmischung des Minos und seiner neunmonatlichen Liebesverfolgung, der Fischer und ihrer Netze, wie des Diktebergs in den Mythos von B., also den Namen Δίκτυννα und dessen αἴτιον, den Sprung ins Meer. Sie sind auszuscheiden aus dem B.-Mythos bei Kallimachos und dem von ihm abhängigen Diogenianos im Schol. zu v. 190 (gekürzt bei Hesych.), ebenso das Δίκτη-Gebirge, für das die δίκτυα als etymologisches αἴτιον nicht passen; es empfahl sich nur dem Kallimachos wegen der Namensähnlichkeit und seiner Lage inmitten der B.-Kultstätten als Anknüpfungspunkt für die Einflechtung von Diktynnamotiven. So bleiben für die B. als echtes Eigentum der Name ωύμφη ἐλλόφονος, ἐύσκοπος, das Hinstreifen durch Wiesen- und Waldgebirge, die Liebe der Artemis, im Kult eine der beiden heiligen Pflanzen (als στέφος) Fichte [881] oder σχῖνος (Mastix), wovon die andere der Diktynna gutzuschreiben ist (vielleicht mit dem μυρτόν; s. Art Diktynna); ferner die Jagdnetze, die gegen die Fischernetze der kallimachischen Contamination von den Verteidigern des unvermischten B.-Mythos ausgespielt werden, die sie entweder erfand (Diodor. a. O.), oder in die sie zufällig geraten sein sollte (Schol. Aristoph. Ran. 1356); endlich darf man ihr als einer Landnymphe auch aus der späteren von Kallimachos beeinflussten Litteratur unbedenklich noch die Liebe zu δρόμοι und θῆραι zuweisen (Paus. II 30, 3; vgl. Verg. Cir. 297), zu Pfeil und Bogen (Verg. a. O. 299), und Hunden (v. 308), die ihr auch in einem kretischen Tempel gehalten wurden (Philostr. v. Apollon. VIII 30; vgl. u. das Zeugnis des Neanthes) und das wallende Haar (Claudian. laud. Stilich. 302f., vgl. 251). Unbeschadet der oben versuchten Trennung von B. und Diktynna wird man aber doch anerkennen müssen, dass die Genealogie nach dem westlichen Centrum des Diktynnakults zu weisen scheint. Diodor (V 76, gegen Kallimachos) lässt sie zu Κανώ geboren werden; wenn darin sich die antike Form des heutigen Namens für Kydonia, Kanea, bergen sollte, so würde dazu die Herleitung stimmen von dem aus Tarrha (unweit Kydonia) stammenden Karmanor, Vater des Eubulos, Vaters der Karme, die dem Zeus die B. gebar: nach epichorischer Sage bei Paus. II 30, 3 = z. T. Diod. V 76. Nach Anton. Lib. 40 = Verg. Cir. 220 stammt aber Karme vielmehr vom Agenorsohn Phoinix und der Arabiostochter Kassiepeia ab. Nach Neanthes v. Kyzikos π. τελετῶν frg. 23 aus Phavorin. s. Βριτόμαρτις p. 391, 7, FHG III 8, vgl. Et. M. p. 214, 25 wurde B. dem Zeus von Hekate geboren, obwohl ihm von ihr ein Sohn durch Orakelausspruch verkündet war, durch den er entthront werden würde. 2. Delos kennt Ἀρτεμίσια Βριταμάρτια, Bull. hell. VI 1582, 23. 3. Synkretismus mit verwandten Göttinnen (ausser mit Diktynna) zeigt a. Aigina, und zwar mit der dortigen Artemis Ἀρφαία (s. Bd. II S. 1381, 5ff.): Auctor der Ἐπικλήσεις θεῶν Wentzel VI 16f. bei Paus. III 14, 2 (= Verg. Cir. 303). II 30, 2 (Mythos). Nikandros bei Antonin Lib. 40, wo der Index B. [μεταμορφοῦται] εἰς ξόανον Ἀφαίαν den Mechanismus der Identificierung aufdeckt; das ξόανον war ein δικτύοις ἑλκόμενον, wie manches dionysische, und erinnerte so an die durch Fischer mit Netzen aus dem Meer gerettete lebende Nymphe der Artemis Diktynna. b. Kephallenia mit der Artemis Λαφρία (von Kalydon): Nikandros ebd., vgl. Apuleius met. XI 5; c. Sparta mit Artemis Λιμναία und Ἰσσωρία: Paus. ΙΙI 14, 2, missverständlich nach der Sammlung von Ἐπικλήσεις, deren Zusammenstellung der Perieget für Gleichsetzung hielt (Wentzel VI 16. Wide Lakon. Kulte 109); d. Argos, wo nach Nikandros a. O. die angeblich aus Phoinike stammende B. die Töchter des Erasinos, Byze, Melite, Maira und Anchinoe besuchte. Verfehlte antike Etymologien sind die des Etym. M. (weil sie als νύμφη Βρίσαις νύμφαις ὁμαρτεῖ) und des Myth. Vat. II 28 (Brite Martis sc. filia); richtig diejenige Solins XI 8 = dulcis virgo, von Hesych. βριτύ = γλυκύ Κρῆτες und Steph. Byz. s. Γάζα· μαρνά = παρθένος.


Nachträge und Berichtigungen

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Band III,2 (1899), Sp. 2902
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S. 880f. (Britomartis) hätten die Ausführungen von K. Wernicke o. Bd. II S. 1370ff. 1382 berücksichtigt werden müssen, auf die wenigstens hier verwiesen werden soll.


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Band S I (1903), Sp. 258
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     S. 880, 16 zum Art. Britomartis:

Es fehlt die wichtige Stelle bei Clem. Rom. recogn. Rufino interpr. X 21 aus einem Verzeichnis quas Iuppiter compresserit: Carmen Phoenicis, ex qua nascitur Britomartis, quae fuit sodalis Dianae, über deren Herkunft vgl. Michaelis De orig. indicis deorum cognominum (Diss. Berlin 1898) 36ff. Über die verderbte Überlieferung s. die Vorrede Lagardes zu seiner Ausgabe der Clementina p. (25). Ausserdem vgl. zu diesem Artikel die Ausführungen Wernickes Bd. II S. 1370ff. 1382.