RE:Cheirogastores

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band III,2 (1899), Sp. 2221–2222
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Cheirogastores (Χειρογάστορες), zuerst bezeugt bei Hekataios (frg. 359 aus Pollux I 50, [2222] FHG I 29), waren nach dem von M. Mayer (Giganten und Titanen 110. 125, 169) nachgewiesenen neuen Fragment des Hellanikos bei Schol. Aristid. 52, 10. III 408 Dindf. eine besondere Art von κύκλωπες neben den sog. οὐράνιοι und den sikelischen der Odyssee. Nach der ausführlicheren Fassung im Schol. Hesiod. Theog. 139 (Flach Glossen u. Schol. zu Hesiod. Theog. 225), wo sie ebenfalls von den ,Söhnen des Uranos‘ und ,denen um Polyphemos‘ unterschieden werden, haben sie Mykenai ummauert. Letzteres bestätigt der Schol. ABMI Eur. Or. 965, der sie mit dem tirynthischen König Proitos zusammen nennt, aber fälschlich Ἐγγειρογάστορες schreibt (in Verwechslung mit den kyzikenischen Wesen, s. d.). Nach Strabon VIII 372 hatten diese sieben Γαστερόχειρες, wie er schreibt, dem Proitos seinen Schlupfwinkel, von dem aus er seine Ausfälle machte, mit Riesenmauern umgeben, und ebenso die Gewölbe von Nauplia geschichtet. Wenn er hinzusetzt: diese mauerbauenden Kyklopen des Proitos stammten aus Lykien, so hat er sie irrtümlich confundiert mit den Lykiern des Amphianax, die Proitos zur Eroberung von Tiryns aus dem Lande des Iobates mitgebracht hatte; s. Apoll. bibl. II 2, 1ff. Nach dem Schol. Eur. Or. 965, der mit Strabons Irrtum nichts anzufangen weiss, stammten sie vielmehr aus Kuretis, d. i. Euboia. Über die euboisch-dryopische Herkunft der Kyklopen (z. B. des Geraistos) in Argolis vgl. Athen. Mitt. XX 1895, 288, 10. 291 (Wide) zu Athen. XIV 639 c. Bull. hell. 1886, 141. Roscher Myth. Lex. II 1689, 9. 1688 mit Anm. Singular Χειρογάστωρ bei Poll. VII 7. Strabon erklärt den Namen, der sich aus ,Hand‘ und ,Bauch‘ zusammensetzt, aus ihrer Gewohnheit, sich (γαστέρα) durch ihre Handfertigkeit zu ernähren. Schol. Aristid. II 710 παρὰ τὸ ἐκ τῶν χειρῶν ζῆν. Pollux I 50 legt dem Worte χ., dessen Bildung er tadelt, die Bedeutung: βάναυσοι, χειρότεχναι, χειρουργοί, ἀποχειρίβιοι, δημιουργοί bei. Ob das die euhemeristische Deutung war, die der Komiker Nikophron in seinen Χειρογάστορες (Meineke FCG II 2, 852; Hist. Com. 257. Kock CAF I 718) gab? Welcker setzt die Ch. des Nikophron Ann. d. Inst. 1830, 245ff. den sikelischen Paliken gleich. Der eigentümliche Name bringt aber vielmehr den in Argolis verbreiteten, mit Euboia sichtlich zusammenhängenden Polypenkult (Festschrift für Overbeck 1893, 164, 3) in Erinnerung; vgl. für Argolis jetzt noch Steuding Jahrb. f. Philol. CLI 1895, 185ff. Tümpel Berlin. Phil. Wochenschr. 1895, 997f. Die Ch. können aber als mythische Wesen richtig nur beurteilt werden im Zusammenhang mit den ebenfalls quadertürmenden Küstenbaukünstlern von Artakia-Kyzikos, den Ἐγγειρογάστορες oder Ἐγγαστρόχειρες, die mit dem dortigen Ἑκατόγχειρ Aigaion die thessalisch-malische (dryopische) Herkunft teilen. S. Briareus; Aigaion und Philol. N. F. X 1897, 340–354.

Nachträge und Berichtigungen

Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band S I (1903), Sp. 287
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S. 2221, 67 zum Art. Cheirogastores:

Cheirogastores = Encheirogastores als ,Bauchhänder‘ sind allein von Eustath. Il. II 559 p. 286, 20 (aus guter Quelle) bezeugt, während Strab. VIII 372 a. E. und Schol. Aristid. III 408 Ddf. diese Bezeichnung in dem unter anderem durch Pollux I 50 (Hekat. frg. 359) bezeugten Sinne als Handwerker auffassen. Mit den kyzikenischen ἐγχειρογάστορες, die nach Deiochos vertriebene Pelasger, also Menschen sind, haben sie nur den Beinamen gemein; vgl. Knaack Herm. XXXVII 292ff.