RE:Κονδαία

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band XI,2 (1922), Sp. 1308–1310
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Κονδαία, eine aus Inschriften bekannte Stadt in Thessalia Pelasgiotis bei Tempe. Der Name ist eine adjektivische Bildung von Κόνδα (Kip Thess. Stud., Halle 1910, 140, 8). Entscheidend für die Bestimmung der Lage ist vor allem das Bruchstück einer Gerichtsverhandlung in der thessalischen Hauptstadt Larisa, in welcher die Stadt K., unterstützt durch die Zeugenaussagen der Bewohner des thessalischen Mopsion (bei Mikrokeserli nach Arvanitopullos Ἐφημ. ἀρχ. 1912, 80) und eines Hirten aus dem perrhäbischen Askyrion, um seine Grenzen mit einer nicht erhaltenen Stadt, vermutlich dem perrhäbischen Gonnos, streitet, IG IX 2, 521. 1014. Sie wurde mit Unrecht auf einen Streit zwischen dem thessalischen Mopsion und dem als perrhäbisch vorausgesetzten K. gedeutet. Zekides und Arvanitopullos Ἐφημ. ἀρχ. 1901, 125, 1. 1912 p. 80 nr. 109. Πρακτικά 1910, 261. Niese Gesch. d. mak. St. III 23, 8 reihte die Inschrift schon unter die Streitigkeiten zwischen [1309] Thessalern und Perrhäbern ein und scheint sie nach 189 anzusetzen, während Kern sie nach dem Schriftcharakter dem 3. Jhdt. zuteilt. Arvanitopullos wies zuerst nach, daß es sich bei dem Streit um eine Strecke von der Zusammenmündung des Europos und Peneios abwärts nach Tempe zu handelt. Das Gebiet von K. liegt teils nördlich vom Peneios – davon gibt der Hirte von Askyrion Zeugnis –, teils an den Nord- und Westabhängen des jetzigen Erimonberges südlich des Peneios. Vgl. zu dieser Inschrift Raeder L’arbitrage international chez les Hellènes, Kristiania 1912, I p. 67 nr. 33. Tod International arbitration amongst the Greeks, London 1913, 148. Nacinowich Note sul vocalismo dei dialetti di Larissa, Roma 1906 (nach Rev. d. Et. Grecqu. XXI 175, mir nicht zugänglich).

Die aus dieser Inschrift zu schließende Zugehörigkeit K.s zu Thessalien wird bestätigt durch eine in Gonnos von Arvanitopullos gefundene Inschrift, Ἐφημ. ἀρχ. 1911, 144 nr. 82. Sie ist jünger und bezieht sich offenbar auf denselben Streit zwischen Gonnos und K. Der Schiedsspruch von Larisa, der nach den erhaltenen Resten zu schließen ganz einseitig vom thessalischen Standpunkt aus erfolgte, konnte in Gonnos nicht anerkannt werden. Ähnliche wegen ihrer Parteilichkeit nicht anerkannte Schiedssprüche in Thessalien sind bezeugt von Ereikinion-Phayttos IG IX 2, 487. 488 und Narthakion-Meliteia IG IX 2, 89. Deshalb haben sich in der jüngeren Inschrift K. und Gonnos geeinigt, um durch beiderseits anerkannte Richter aus Kierion den Streit beilegen zu lassen. Aus der sehr verstümmelten Inschrift ist doch soviel klar, daß K. einen anderen Kalender als den perrhäbischen von Gonnos hat, und das kann nur der thessalische sein. Das ist ein weiterer Beweis für die Zugehörigkeit K.s zu Thessalien. Noch schlimmer verstümmelt ist eine dritte Inschrift, die von den Grenzen zwischen Gonnos und K. zu handeln scheint, Ἐφημ. ἀρχ. 1913 p. 51 nr. 181. Aus den bisher genannten Inschriften geht hervor, daß K. außer an Mopsion auch an Gonnos grenzte. Auf der geographischen Proxenenliste in Delphi (178–171 v. Chr.) wird K. zwischen Larisa und Phalanna, also zwischen einer nordthessalischen und einer südperrhäbischen Stadt aufgezählt, Dial.-Inschr. 2580 C 126. SIG³ 638 not. 4. Latyschews unrichtige Ergänzung dieser Inschrift (ἐμ [Μ]ονδαία) Ath. Mitt. 1883, VIII 381. Dittenberger IG IX 1, 689. Arvanitopullos Ἐφημ. ἀρχ. 1914, 180 muß vor der richtigen Lesung Hausoulliersἐν Κονδαία Bull. hell. (1883) VII 202 zurücktreten. Nach diesen Nachrichten muß K. in der Gegend von Musalár oder Bakrina gesucht werden, wie zuerst Arvanitopullos erkannte Ἐφημ. ἀρχ. 1913, 232. Πρακτικά 1911, 334ff. Die Stadt wird noch in anderen Inschriften von Gonnos genannt, Ἐφημ. ἀρχ. 1912, 80f. 109. 110. Durch die Erkenntnis, daß K. thessalisch ist, fällt der Einwand weg, den Arvanitopullos Πρακτικά 1910, 260ff. gegen Kip Thessal. Studien 140 erhebt. Kip verbessert Herod. V 63 Κινέην ἄνδρα Κονιαῖον in Κονδαῖον. Das wäre natürlich unmöglich, wenn K. perrhäbisch wäre. Doch ist damit Kips Vorschlag nicht etwa als richtig erwiesen. Denn es könnte Herodot auf einer Inschrift den Vatersnamen des Kineas in thessalischer [1310] Adjektivform gelesen und aus Mißverständnis als Ethnikon aufgefaßt haben, Monceaux Rev. archéol. 1888 XI 233, oder es könnte auch eine bisher noch nicht bekannte thessalische Stadt Konia geben, wie Arvanitopullos a. O. für möglich hält, vgl. Ed. Meyer Theopomps Hellenika, Halle 1909, 245.