RE:Κωράλιος 4

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
korrigiert  
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Band XI,2 (1922), Sp. 1372–1373
Linkvorlage für WP   
* {{RE|XI,2|1372|1373|Κωράλιος 4|[[REAutor]]|RE:Κωράλιος 4}}        

4) Κωράλιος, Fluß am böotischen Heiligtum der itonischen Athena bei Koroneia nach Alkaios frg. 9 Bergk bei Strab. p. 411. Strabon tadelt den Alkaios, daß er den Namen des Flusses, den die Böoter samt dem der itonischen Athena aus dem thessalischen Arne mitgebracht hätten, aus Κουάριος in K. verdorben hätte. Zu Alkaios stimmt die Namensform Κουράλιος für den böotischen Fluß bei Kallim. h. V 64 (wo Schneider Philol. VI 55l und Callim. I 347, der Etymologie von κοῦρος, κοῦραι, die bei Kallimachos κῶρος, κῶραι lauten, zuliebe, und weil Kallimachos den Alkaios benutze, Κωράλιος lesen will). Strabon dagegen nennt wie den böotiscben, so den thessalischen Fluß am Heiligtum der itonischen Athena Κουάριος p. 41l. 412. 435. Allerdings sind seine geographischen Angaben recht verworren. So verlegt er p. 435 das itonische Heiligtum samt dem Κουάριος ganz richtig nach der Stadt Itonos in die Phthiotis südlich der krokischen Ebene, redet aber in dem folgenden Satze (ταῦτα – Ἀθαμανίας) so, als wenn das Ganze nach der Thessaliotis und in die Gegend der Stadt Κίερος (= Arne) gehörte. Vgl. O. Müller Kleine Schriften II 200, 63. Ebenso unklar sind seine späteren Angaben (p. 438) von einem Flusse Κουράλιος, der am Heiligtum der itonischen (doch ist die Lesung zweifelhaft; man hat Ἰθωμαίας oder Πελινναίάς vermutet, s. Stählin o. Bd. IX S. 2372) Athena vorbeifließend in den Peneios münde, wo eine Entscheidung, ob als linker oder rechter Nebenfluß, unmöglich ist. Man wird die Namen Κουάριος und Κουράλιος nicht zusammenwerfen wollen. Der erstere läßt sich kaum von dem inschriftlich belegten Poseidon Κουέριος (IG IX 2, 265 = Griech. Dial.-Inschr. 333) der Stadt Kierion in der Thessaliotis trennen (O. Müller a. a. O.). Andererseits ist in der Gegend des phthiotischen Itonos der Name Κουράλιος als Monatsname in Pyrasos (IG IX 2, 133) und am Nordrand der Othrys (IG IX 2. 102) bezeugt. Daher scheinen ‚Strabons Unklarheiten auf eine Vertauschung der Flußnamen Κουάριος und Κουράλιος zurückzugeben, von denen ersterer [1373] nach Arne in Thessaliotis, letzterer nach Iton in Achaia gehört‘, Stählin o. Bd. IX S. 2373. Die ganze Frage hängt mit der von O. Müller Kl. Schr. II 199ff. aufgestellten Hypothese eines doppelten Heiligtums der itonischen Athene. in Thessaliotis und Phthiotis zusammen, auf die hier um so weniger eingegangen werden kann, als O. Müller eine scharfe Scheidung der Flußnamen Kuarios und Kuralios nicht vorgenommen hat. Vgl. noch Dümmler o. Bd. II S. 1947. Giannopulos Bull. hell. XV 1891, 564 und XVI 1892, 473–478. Den phthiotischen Fluß setzte Leake IV 356 (ihm folgend Bursian I 79) mit dem heutigen Cholorrheuma gleich, Stählin Athen. Mitt XXXI 1906, 16 mit dem Xerias (s. die Karte Taf. I). Ob der Flurname Zerelia (Stählin a. a. O. l5f.) in der Gegend des alten Iton etwas mit dem alten Kuralios zu tun hat, ist zweifelhaft.