RE:Ἀπαρχαί

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band I,2 (1894), Sp. 26662668
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Ἀπαρχαί.[1] Das Wort findet sich bei Homer noch nicht, wohl aber das Verbum ἀπάρχεσθαι (Od. III 446. XIV 422). Es hat wie ἄρχεσθαι (Il. XIX 254; Od. XIV 428), κατάρχεσθαι (Od. III 445) und ἐπάρχεσθαι (Il. I 471) eine sacrale Bedeutung (vgl. namentlich Buttmann Lexil. I 96. 102. Nitzsch zur Odyss. III 340. Bernhardi Das Trankopfer bei Homer, Progr. Leipzig 1885, 18ff. Dittenberger Ind. lect. Halle [2667] 1889/90 S. VIff.) und zwar ganz ähnlich wie ἀκροθίνια, die Erstlingsgabe, die Weihegabe (primitiae), die vom Opfer für die Götter abgesondert wird, ehe der Mensch sich anschickt, davon zu geniessen. Eumaios schneidet dem Eber, den er Odysseus zu Ehren schlachtet, beim Beginn des Opfers Borsten vom Kopfe ab, um ihn dem Tode, also sein Leben den Göttern zu weihen (ἀπαρχόμενος κεφαλῆς τρίχας Od. XIV 422). Nachdem er das Tier dann geschlachtet und zerlegt hat, schneidet er als erste Opfergabe Stücke von allen Gliedern ab (πάντων ἀρχόμενος μελέων 428) und wirft sie ins Feuer. Darauf legt er eines der sieben grossen Stücke, in die er das Ganze zerteilt hat, für die Nymphen und Hermes als eigentliche Opfergabe bei Seite (θῆκεν ἐπαρξόμενος 436) und verbrennt es auf dem Herde, der in seiner Hütte die Stelle des Altars vertritt (ἄργματα θῦσε 446). Diese ἄργματα sind die späteren ἀ. (Schol. Aristoph. Plut. 660. Dion. Hal. ant. VII 71. Plut. de rect. rat. aud. 6 u. a.). Die Bedeutung und Anwendung des Wortes wird bald erweitert. Herodot, bei dem wir es zuerst finden, sagt (I 91), Kroisos stiftete Weihgeschenke nach Delphoi und anderen Orten τῶν πατρωίων χρημάτων ἀπαρχήν; ἀ. τῶν ὡραίων, τοῦ σίτου erwähnt Thukydides III 38, ἀ. von der Beute (λείας, σκυλευμάτων) Sophokles (Trach. 761) und Euripides (Phoin. 857); ἀπάργματα ὧν αἱ ὧραι φέρουσι Dittenberger Syll. 377, 14, τοῦ καρποῦ ebd. 13, 43. 47. 52, τοῦ ἐλαίου 13, 60. Ἀ. heissen auch die Getreidespenden, die die mit Athen verbündeten und befreundeten Staaten von ihrer Ernte nach Eleusis senden (Dittenberger Syll. 13. Isokr. IV 31). In den attischen Tributlisten begegnet uns öfters ἀπαρχὴ τοῦ φόρου, Dittenberger Syll. 18, 51. 19, 8. Ganz allgemein Weihgeschenk heisst ἀ. z. B. Dittenberger Syll. 367, 114 (viele andere Beispiele im CIG, wo der Index die Stellen angiebt). Besonders häufig erwähnt werden die ἀ. ἀνθρώπων (vgl. Hermann Gottesdienstl. Alt.² § 20, 17. O. Müller Dorier I 260ff.), Leute, die einem Gotte, namentlich Apollon, geweiht wurden (Plut. Thes. 16. Eur. Ion 327; vgl. Bötticher Tektonik IV 25). In alter Zeit mag es mitunter vorgekommen sein, dass hier und da einer der Geweihten der Gottheit wirklich als Opfer fiel (Tzetz. Lyk. 1141; vgl. Polyb. XII 5. Strab. XIII 601), gewöhnlich wurden sie Tempelsclaven. Da aber solche Weihungen, namentlich nach Delphoi, häufiger vorkamen (vgl. Diod. IV 66. Paus. VII 3, 1. Apost. VII 3), und man selbst noch in späteren Zeiten dies mit ganzen Völkern wenigstens thun wollte (Herod. VII 132), so sandte man sie als Colonisten aus, um den Dienst des Gottes weiter zu verbreiten. So sollen die dem Herakles geweihten Dryoper Asine gegründet haben (Paus. IV 34, 6. II 35, 2. Diod. IV 37. Apollod. II 2, 7). Die Magneten, von den eingewanderten Thessalern am Pelion bedrängt, sollen auf Anraten des Gottes den zehnten Teil der jungen Mannschaft nach Kreta geschickt haben (Parthen. 5), wo sie Magnesia erbauten (Plat. leg. X 919), dann aber nach Kleinasien wanderten und dort den Apollondienst begründeten (Plut. Pyth. or. 16. Strab. XIV 957). Eben solchen Sendlingen Apollons sollte Rhegium in Italien seinen Ursprung [2668] verdanken (Strab. VI 257; mehr bei O. Müller Dorier I 260ff. Hermann Gottesd. Alt.² § 20, 17).

Anmerkungen (Wikisource)

  1. transkribiert Aparchai