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RE:Aiolos 1

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Beherrscher der Winde, Vater von 6 Söhnen und 6 Töchtern, Freund der Götter
Band I,1 (1893) S. 1036 (IA)–1041 (IA)
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Aiolos (Αἴολος). 1) I. a. Bei Homeros. In der Ilias nicht genannt, nur erschlossen aus dem Beinamen des Sisyphos, Αἰολίδης (VI 154), durch den dieser König von Korinthos-Ephyra an Αἰολίς angeknüpft werden sollte, in Übereinstimmung mit den historischen Thatsachen (Κορίνθιοι-Αἰολεῖς: Thuk. IV 43) und den dialektischen Merkmalen (das υ für ο in Ἔφυρα und Σίσυφος aiolisch: G. Curtius Gr. Etym.⁵ 716). Später verstanden die Ehoien Αἰολίδης patronymisch und schufen die unter III gegebene Genealogie der Αἰολεῖς von A., indem sie nebenbei den Σίσυφος αἰολομήτης doch aus αἰόλος etymologisierten. Ebenso in der Odyssee XI 237 Kretheus Αἰολίδης, d. i. aus Αἰολίς-Thessalia. Genannt wird A. zuerst in der Odyssee X 2 als Ἱπποτάδης, was die Ehoien wiederum in ἱππιοχάρμης übertragen (frg. 25, 2 Ki.). Er ist Vater von 6 Söhnen und [1037] 6 Töchtern, die paarweise mit einander vermählt sind; Bewohner und Beherrscher einer schwimmenden, glattfelsigen, von ehernen Mauern umgebenen Insel, Αἰολίη (s. d.), als ταμίας ἀνέμων daselbst von Zeus eingesetzt, Freund der Götter, mit Gattin und Kindern in ewigem, seligem Leben dahinlebend. Dem Odysseus spendet er den aus einer Rinderhaut gefertigten Schlauch mit den gebändigten Winden bei dem ersten Besuch und bindet ihn mit silbernem Seile im Schiffe fest, weist aber die hülflos zum zweiten Male Zurückkehrenden barsch ab. Er wohnt benachbart den Laistrygonen. Mit diesen wird er auch unter dem Einfluss der Localisierung an den ‚aiolischen Inseln‘ Siciliens (s. Aiolie) genealogisch verbunden im Schol. HQ Od. X 6 (= Apostol. I 83, παλαιοί bei Eustath. Od. X 5 p. 1645, 27, gekürzt und corrupt), wo er Gatte der Laistrygonostochter Telepatra (s. d.), erinnernd an die homerische Laistrygonenstadt Τηλέπυλος (Od. X 82. XXIII 318), und Vater der 6 Söhne Iokastos (von Rhegion, s. u.), Xuthos (von Leontinoi), Pheremon, Androkles, Phalakros, Chrysippos und der 6 Töchter Iphe (H, ἔφη Q, ἴφθη Apostol.), Aiole, Periboia, Dia, Astykrateia, Hephaisteia (von Hiera-Thermessa) heisst. Die 12 Kinder werden als Allegorie der 6 Winter- und 6 Sommermonate, A. selbst = ἐνιαυτός erklärt (vgl. auch Eustath. Il. XI 2 p. 1644, 61ff.). Die Geschwisterehe wird in den Thessalika des Archinos frg. 1. 2 (aus Schol. T Od. X 7, FHG IV 317) aus thessalischer Sitte erklärt.

b. Weiterbildungen. Eine Scheidung und genealogische Neuverknüpfung der beiden geschiedenen Aioloi, desjenigen des hellenischen Mutterlandes und des sicilischen, giebt Euripides in der Melanippe σοφή (frg. 483–492 Nauck) und der Melanippe δεσμῶτις (frg. 493–518). Melanippe (σοφή), Tochter des älteren A. und der Cheirontochter Hippe (= Thetis?), gebiert von Poseidon Zwillinge, Gregor. Corinth. Rhet. VII p. 1313 u. a. (Hygin. P. A. II 18, frg. 492 N. und die ps.-eratosthen. Astrothesiai c. 18, Schol. Germanic. Arat. p. 79, 5 Breys. verwirren die Thatsachen zum Teil, vgl. Art. Melanippe). Melanippe (δεσμῶτις), Tochter des älteren A., gebiert von Poseidon als Zwillinge den Boiotos und den dem Grossvater namensgleichen Aiolos den jüngeren. Im Gebiete des Königs Metapontos von Ikarien werden die nach der Blendung und Gefangensetzung der Mutter ausgesetzten Zwillinge gefunden und von des Königs Gattin Theano aufgezogen. Unter Melanippe s. das Weitere dieser Sage, welche an das unteritalische Metapontion anknüpft (vgl. Hyg. fab. 186).

c. Kallimachos frg. 202 (aus Tzetz. Lyk. 732, vgl. 738) nennt als Vater des Iokastos, Gründers von Rhegion, den A. (υἱὸς Ἱππότου) mit Beziehung auf Od. X 2; ohne solche Tzetz. Lyk. 45 und Schol. P Odyss. X 2. Herakleid. π. πολιτειῶν frg. 25, FHG II 219.

d. Die unter a gegebene Genealogie des Hippotaden A. erscheint mit Veränderungen wieder bei Diodor. V 7f., wo statt der Laistrygonostochter Telepatra als Gattin des A. die sonst als Geliebte des syrakusischen Flussgottes bekannte Flussnymphe Kyane, Tochter des Liparos, Enkelin des Auson, genannt ist. Die 6 Töchternamen [1038] fehlen; unter den Söhnen erscheinen statt des Phalakros und Chrysippos Astyochos und Agathyrnos, Eponymos von Agathyrnos, während Xuthos Leontinoi- Xuthia, Astyochos Lipara, Iokastos Rhegion, Pheremon (hier Φεραίμων geschrieben) und Androkles die Nordküste Siciliens vertreten. A. selbst soll dem Liparos im Königtum gefolgt sein (so auch Plin. n. h. III 93) und Sorrentum hinzugenommen haben, worauf er nach seinem Tode heroische Ehren erlangte. Der Euhemerismus macht aus dem ταμίας ἀνέμων einen Erfinder der Segel und Wetterpropheten, der aus dem vulcanischen Verhalten des Berges von Lipara weissagt (Diodor. V 7 a. E.), weil dieser die Windrichtungen zu bestimmen scheint; vgl. Polybios bei Strab. VI 275f. Plin. n. h. III 94. Eustath. Od. X 21 p. 1644, 53ff. Tzetz. Lyk. 738. Nissen Italische Landeskunde 281. v. Wilamowitz Homer. Unters. 169, 5. Andere verweisen zur Erklärung der Rinderhaut als Windschlauches vielleicht richtiger auf die Delphinhaut, welche den Fischern zum Regenzauber diente: Palaiphat. 18 p. 283 West. Eustath. Od. X 29 p. 1645, 59. Tzetzes a. O. Roscher Hermes der Windgott 41. 73. 105. Über den seit Eratosthenes sprichwörtlichen σκυτεὺς ὁ συρράψας τὸν τῶν (Αἰόλου) ἀνέμων ἀσκόν s. Art. Aiolie. Der moralisierende Anonymus de Ulixis erroribus 3 p. 332 Westerm. macht aus ihm einen δεινόν τινα καὶ κακότεχνον ἄνδρα, Αἴολον τοὔνομα ὥσπερ καὶ τὸν τρόπον (also αἰόλον; s. u. Nr. III), φιλόξενονν δὲ ὅμως καὶ ἥμερον, ohne sich an den Widerspruch seiner Etymologie mit diesen Epitheta zu stossen.

II. a. Der homerische Hymnos auf den delischen Apollon v. 37 entnimmt einem alten Inselkatalog Lesbos als Μάκαρος ἕδος Αἰολίωνος, wieder in Übereinstimmung mit der ethnischen und dialektischen Stellung der Inselbevölkerung. ‚Makar der Aioler‘ ward später wiederum genealogisch gedeutet als ‚Sohn des A.‘ (vgl. u. Aiolion). Bei Pausan. X 38, 4 zeugt A., der Sohn des Makar, die Amphissa Eponyme der lokrischen Stadt. Da diese ozolischen Lokrer aus Aitolien abzustammen vorgeben, so ist das wohl eine epichorische Genealogie, welche die Stadtheroine an Pleuron und Kalydon, mit altem Namen Αἰολίς genannt (Thuk. III 102), anknüpfen will.

b. Um Kanake, Schwester und Geliebte des Makareus (s. d.) wird dieses Hymnen-Stemma vermehrt in Euripides Aiolos (frg. 14–42 Nauck); vgl. Dionys. Hal. Rhet. IX 11. Schol. Aristoph. Nub. 1371. Hyg. fab. 242. 243. 238 (wo A. die Tochter propter incestum selbst ermordet, während das Geschwister- und Liebespaar sonst, z. B. bei Hyginus, in den Selbstmörder- und Selbstmörderinnen-Katalogen aufgezählt wird). Ovid. trist. II 384. Eine selbständigere Wendung in den (von Welcker Griech. Trag. II 861 freilich auch an Euripides angeknüpften) Tyrrhenika des Sostratos frg. 1 (aus Plutarch. parall. hist. graec. et rom. 28, FHG IV 504), wo die Gattin des A. Amphithea heisst und Mutter von 6 Söhnen und 6 Töchtern ist; vgl. Stob. Flor. 64, 35 und über die von Euripides zu trennende alexandrinische Quelle dieser Wendung Rohde Griech. Roman 100, 2. [1039]

III. Die hesiodischen Ehoien frg. 25 Ki. (5 Verse aus Tzetz. Lyk. 184, ἡρωϊκὴ γενεαλογία) nennt A. ausdrücklich als Eponymos der Aioler, als Bruder des Doros und Xuthos, Sohn des Hellen, Vater von 7 Söhnen: Sisyphos (Il. VI 154), Kretheus (Od. XI 237), Athamas, Deïon, Magnes, Perieres, Salmoneus, und giebt ihm den an den ἱπποτάδης der Odyssee erinnernden Beinamen ἱππιοχάρμης, v. 1. 2. citiert Schol. V Od. X 2, vgl. Tzetz. Exeg. Iliad. p. 63. 134. Plutarch. quaest. conviv. IX 15, 2, 8. Schol. Thuk. I 3; v. 3–5: Schol. Pindar. Pyth. IV 253. Einzelne Wiederholungen: Sisyphos: Hyg. fab. 60. 61. Apollod. Bibl. I 9, 3; Kretheus: Dieuchidas frg. 9 aus Schol. Apoll. Rhod. I 118, FHG IV 390 (Grossvater des Amythaon, Vater des Melampus). Paus. IV 2, 5 (Grossvater des Neleus von Iolkos); Athamas Philostephanos frg. 37 (aus Schol. Il. VII 86, FHG III 34). Hyg. fab. 1. 5; P. A. II 20. Oppian. Kyneget. III 246. Apollod. Bibl. I 9, 1. Palaiphat. 31 p. 293 West. (in Phthia); Magnes: Pausan. VI 21 (Grossvater des Eïoneus). Apollod. Bibl. I 9, 6; Perieres: ebenda III 10, 4, 5. Pausan. VI 22, 12 (Grossvater des Pisos von Elis); Salmoneus: Hyg. fab. 60. 61. Schol. Theokrit. III 45. Nonnos narrat. zu Gregor. Invect. II 2 p. 384 West. (Enkel des A. über Athamas nonnulli bei Hyg. P. A. II 20). Erweiterungen der Genealogie vom Eponymos der Aioler sind: A. als Vater des Makedon: Hellanikos frg. 46, FHG I 51 (vgl. die thrakische Stadt Aiolion: Theopompos frg. 156, FHG I 304); Vater des Aethlios: Pausan. V 8, 2 (Διὸς ἐπίκλησιν), des Mimas: Diodor. IV 67 (sonst Enkel des Mimas: Schol. QV Od. X 2); Vater des Κέρφιος (Kramer Κέρκαφος), Grossvater des Ormenos (Strab. IX 438); Gatte der Aigiale als Mutter der Alkyone: Hyg. fab. 65; der Eurydike: Gregor. Corinth. Rhet. VII p. 1313 W., vgl. Nauck FTG p. 404; der Enarete, Tochter des Demaïchos, als Vater der 7 Söhne und 5 Töchter, Kanake, Alkyone (auch Theodoros von Ilion frg. 4 aus Probus zu Verg. Georg. I 399, FHG IV 514), Peisidike, Kalyke, Perimede: Apollod. Bibl. I 7, 3, 1–4; Gatte der Kanobe, Mutter der Alkyone: Alexandros v. Myndos bei Schol. Theokrit VII 57. Vater der Pheraia, die dem Zeus die Hekate gebiert: Schol. Theokrit. II 36; der Arna, Eponymen der thessalischen oder boiotischen Stadt: Krathes von Athen frg. 7 (aus Et. M. 145, 53, FHG IV 370). Pausan. IX 40, 5. Tzetz. Lyk. 511; der Perimele (Περιμήδη? Müller): Hekataios v. Abdera frg. 3 (aus Schol. Pindar. Ol. III 28, FHG II 38f., Schwiegervater des Phoroneus, Grossvater des Hyperboraeers Pelasgos); der Tritogeneia: Schol. Pindar. Pyth. IV 120 (Schwiegervater des Minyas). Tzetz. Lyk. 874 (Hss. Τριγονείας); der Tanagra: Pausan. IX 20, 1; der Iope, Schwiegervater des Kepheus: Steph. Byz. s. Ἰόπη. Eustath. Dion. Per. 910; der Polymale und des Diores, eines Geschwister- und Liebespaares: Parthen. Erot. 2 (laut Glosse nach Philetas), vgl. ferner unter Aiolides Nr. 2. Eponymos der Aioler nennt ihn ausdrücklich Apollod. Bibl. I 7, 3. Konon narrat. 27 p. 135 West. (Herrscher von Phthiotis nach Deukalion und nach seinem Vater Hellen, Deukalions Sohn). Steph. [1040] Byz. s. Αἰολία (Αἰολεῖς τὴν Λέσβον οἰκοῦντες ἀπὸ τῶν Αἰόλου παίδων).

Die verschiedenen Aioloi zu unterscheiden versuchte schon das Altertum. Das Schol. V Od. X 2 hat als nr. I den homerischen ‚Sohn des Hippotes, Enkel des Mimas‘, als nr. II den hesiodischen Sohn des Hellen, Enkel des Deukalion oder Zeus. Asklepiades dagegen im Schol. Q z. d. St. (vgl. Eustath. p. 1644, 5ff.) nennt an erster Stelle den hesiodischen ‚Eponymos der Aioler‘ (Eustath. Z. 17), dann erst den Sohn des Hippotes ‚und der Melanippe‘ (!) und fügt als dritten den ‚Sohn des Poseidon und der Arne‘ (!) an, zu dem er den Odysseus kommen lässt (!). Verwechselt wird auch von Hyg. fab. 125 der homerische Windbeherrscher mit dem filius Hellenis (im Argumentum der Odyssee). Die letzte Consequenz dieser Trennung dreier verschiedener Aioloi ist bei Diodor IV 67 gezogen, wo sie einander als Descendenten untergeordnet sind (in Weiterbildung des in den Melanippedramen des Euripides beobachteten Verfahrens): Deukalion, Vater des Hellen, Vater u. a. des Αἴολος, Vaters des Mimas, Μίμαντος δὲ Ἱππότης γενόμενος [,] ἐκ Μελανίππης [hier interpungieren einige] ἐτέκνωσε Αἴολον, Vater der Arne, diese von Poseidon Mutter des Boiotos und Αἴολος, verschlagen nach Metapontion. Da neben der gewöhnlichen Lesart Αἴολος Arkadios 56, 6 und Et. M. 37 die Betonung Αἰόλος constatieren, so wollte Lehrs Aristarch. 293 den homerischen ταμίας ἀνέμων als Αἰόλος (= αἰόλος, ταχύς, von αἰόλλω) scheiden von dem Eponymos der Αἰολεῖς, Αἴολος, und Kramer und Meineke haben in den Strabonausgaben diese Schreibung durchgeführt. Aber Pape-Benseler Eigenn. Wörterb. s. v. machen darauf aufmerksam, dass Arkadios sehr wohl den Fischnamen αἰόλος gemeint haben könne, wie ja auch Eustath. Od. X 2 p. 1644, 4ff. diesen unbedenklich den drei Αἴολοι gleichsetzt; und wie Eustathios gleichwohl ausdrücklich versichert, dass diese drei Αἴολοι gleichnamig seien, so wird wohl schwerlich ein Alter, wenn er nicht vom Schlage des Anonymus de Ulixis errorib. 3 (s. o. S. 1038) war, von der Ansicht des Philoponos π. λέξεων (bei Eustath. Il. XI 234 p. 1681, 1ff.) abgewichen sein, welcher ausdrücklich und correct den Eigennamen Αἴολος vom Adj. αἰόλος (= ποικίλος: Eustath. p. 631, 32; = ταχύς: 1191, 23) trennt. Es war ferner nicht gerechtfertigt, dass O. Müller in seiner Jugendschrift (Orch.² 132, 9) Αἴολος den Windbeherrscher von ἀέλλω ableiten und von Αἴολος, dem Stammvater der Αἰολεῖς trennen wollte, da er doch selbst die letzte Consequenz dieser Scheidung, die Diodorische Genealogie, als lächerlich bezeichnete. Jedenfalls stammt auch der homerische Hippotade und Windbeherrscher, wenn er auch durch die chalkidische Colonie in Lipara, Strongyle, Metapontion, Rhegion und Sorrentum localisiert ward, ursprünglich aus der aegaeischen Heimat des euboeischen Chalkis, und zwar aus dessen nördlicher Nachbarschaft, wo in Malis Hippotes zu Hause ist (Aristoteles u. a.; vgl. Philologus N. F. IV 1891, 613), ebenso das Nachbarvolk des Aiolos, die Laistrygonen mit ihrem König Lamos, Eponymos von Lamia, und der an die Θερμαὶ πύλαι erinnernden Stadt Τηλέπυλος (vgl. einstweilen [1041] u. Aigaion). Aus Thessalia-Αἰολίς entstammten ja auch die Colonisten der asiatischen Aiolis. Die asiatischen Αἰολίδες νῆσοι αἱ τῶν Αἰολέων, welche Steph. Byz. s. Αἰολία ἀπὸ τῶν Αἰόλου παίδων, οἳ καὶ Αἰολίωνες ὀνομάζονται herleitet (vgl. s. Αἰολίωνες), werden von den Geographen bei Eustathios p. 1644, 43 aus praktischen Gründen wohl von den Αἰόλειοι νῆσοι αἱ τοῦ Αἰόλου bei Sicilien getrennt; historisch gehören sie als Schwestercolonien Thessaliens zusammen und haben auf A. gleiche Rechte. Kanake, Schwester und Geliebte des lesbischen Makar(eus) Αἰολίων scheint Eponyme des südöstlich von Lesbos-Αἰολίς gelegenen Vorgebirges Κάν, Κανά, Καναί zu sein, wie die Aiolostochter Peisidike auch als Tochter eines Königs von Methymna vorkommt. Kein anderer als der homerische Windbeherrscher A. (I) ist es, der (II) in der Ehoiengenealogie an Thessalien angeknüpft ist; das zeigt trotz des Fehlens eines Hinweises auf die homerische ταμεία ἀνέμων deutlich genug die Anspielung ἱππιοχάρμης (auf Ἱπποτάδης); vgl. auch Preller-Plew I 520 gegen Welcker. Als Bewohner der Insel ist er, auch wenn Kultnachrichten nicht auf uns gekommen sind, ein mythisches Wesen, und zwar der aiolischen Religion. Beweis genug ist die Häufung von symbolischen Bezeichnungen des Jenseits bei dieser Insel (s. u. Aiolie). Ist der vergilianische (Aen. I 64ff.) Zug echt, dass A. die Herrschaft über die Winde durch Hera erlangt, so würde für die Zugehörigkeit dieses Windbeherrschers (I) zu den Aiolern und ihrem Eponymos (III) ein neues Argument gegeben sein; denn Hera ist die Stammgöttin der Aioler: H.D. Müller Myth. d. gr. Stämme I 251 pass., vgl. Philologus N.F. IV 1891, 618. Physikalische Deutungen s. in Roschers Myth. Lex. I 194f.