RE:Aion 1

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band I,1 (1893), Sp. 10421043
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Aion (Αἰών). 1) Personifikation der ewigen Zeit, kommt für unsere Kenntnis zuerst bei Eurip. Heraklid. 900 vor, der ihn Sohn des Chronos nennt. Nach der grossen Rolle, welche Chronos als Weltprincip in der älteren (rhapsodischen) Theogonie der Orphiker spielt (vgl. O. Kern De Orphei Epimenidis Pherecyd. theog. Berol. 1888, 2ff.), liegt die Vermutung nahe, dass auch diese Genealogie orphischen Ursprung hat. Dies ist aber nicht erweislich, da A. in den orphischen Fragmenten gar nicht und in der orphischen Litteratur neben Chronos nur in der späten, als Prooemium der sog. orphischen Hymnen überlieferten εὐχὴ πρὸς Μουσαῖον v. 28 vorkommt. Mit spätorphischen Lehren hängt auch die Angabe des Phoeniciers Philo (Euseb. praep. evang. I 10, 10) zusammen, die A. für einen Sterblichen (!) erklärt, ihn zum Sohne des Windgottes Kolpias und der als Nyx erklärten Baaut macht, ihm den Protogonos (den hier zum Sterblichen [1043] gemachten orphischen Urdaemon Phanes (vgl. den Protolaos der Kabirmysterien und den Archanthropos des samothrakischen Systems, S.-Ber. Arch. Gesellsch. Berlin, Mai 1889) zum Bruder giebt und als Kinder der Brüder Genos und Genea nennt (vgl. Protogeneia, Tochter des Deukalion, Preller-Robert I 86, 3, oder des Erechtheus, I 201, 1). A. wird hier speciell als Erfinder der Ernährung durch Baumfrüchte genannt, was sonst dem Pelasgos zugeschrieben wird, Paus. VIII 1, 6. Bei den Neuplatonikern scheint A. eine grössere Rolle gespielt zu haben, vgl. Zoëga Abb. 188. Suid. s. Ἐπιφάνιος, Ἡραΐσκος. Ein Fest des A. am 3. Januar erwähnt Ioh. Lyd. de mens. IV 1. Besonders bei Nonnos tritt A. bedeutsam hervor; er wird dort als gebückter und altersschwacher Greis beschrieben, ist Berater des Zeus, der das Rad der Zeit rollt, Bruder der Dike, der sich immer aufs neue verjüngt; bei der Geburt der Aphrodite ist er thätig. Vgl. Dion. VII 22ff. XXIV 265ff. XXXVI 422f. XLI 178ff. Q. Smyrn. XII 194f. lässt ihn sonderbarer Weise den ehernen Wagen des Zeus verfertigen.

Von Darstellungen ist nur eine durch Inschrift bezeugt: Fragmente einer rf. attischen Vase in Karlsruhe, Arch. Jahrb. IV Tf. 7 S. 227ff. (Schumacher). Er erscheint dort in der Unterwelt neben Orpheus und Eurydike, wie es scheint jugendlich gebildet, und greift sich mit schmerzlich sinnender Gebärde an den Kopf. (vgl. jedoch Winkler Aus der Anoroia 149ff.). Die seit Zoëga meist als A. gedeutete, in einer Reihe von Statuen (Zoëga B.R. II 59; Abh. 187ff.) und Statuetten (Arch. Ztg. XXXIII 114. Rhein. Jahrb. LVIII 1876 Tf. VIII. Arch. Anz. 1892, 61) und einem spätrömischen Relief (Arch. Anz. XI 336*) erhaltene hässliche und phantastische Mischbildung hat keinen Anspruch darauf, A. benannt zu werden, da uns über die Gestalt, in welcher sich diese späte Zeit den A. dachte, nichts überliefert ist. Eher könnte man sie auf Mithras (Layard Ann. d. Inst. 1841, 170) oder Chronos (vgl. Zoëga Abh. 189) deuten.

Nachträge und Berichtigungen

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Band S I (1903), Sp. 38
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     S. 1043, 33 zum Art. Aion Nr. 1:

Dass der löwenköpfige Gott der ewigen Zeit, den man in den Mithrasmysterien verehrte, A. genannt worden sei, ist gar nicht unwahrscheinlich, vgl. Cumont Mon. myst. Mithra I 76f., wo auch über den Ursprung des Typus gehandelt wird.

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Band S III (1918), Sp. 6468
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     S. 1042, 49 zum Art. Aion:

Aion, die Hypostase des Begriffes der Zeit und Ewigkeit, die in den nachchristlichen Mysterienreligionen eine nicht unwichtige Stellung einnnimmt. etc. etc.

Anmerkungen (Wikisource)

  • Siehe auch Aion 1a von Wilhelm Kroll im Supplementband IV, Sp. 11.