RE:Artemon 15

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band II,2 (1896), Sp. 1446
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15) Ein Nebenbuhler des Anakreon, frg. 21 p. 261 Bgk. ξονθῇ δ’ Εὐρυπύλῃ μέλει ὁ περιφόρητος (d. h. der Berüchtigte) Ἀρτέμων; geschildert wird er in den folgenden Versen, die mit den ersten nicht zusammenhängen (Blass Rh. Mus. XXIX 154), als verweichlichter, protziger Emporkömmling. Bergk Anacr. carm. rell. 112. Welcker Rh. Mus. 1835, 156f. Der anakreonteische Iambos oder sein archilochisches Vorbild scheint Horazens 4. Epode angeregt zu haben. Die citierten Verse des Anakreon waren im perikleïschen Athen allgemein bekannt; Aristophanes parodiert sie daher in den Acharnern (857 mit Schol. Hes. s. περιπόνηρος Ἀ.) und ein anderer Komiker oder der attische Volkswitz hat die Phrase ὁ περιφόρητος Ἀρτέμων auf den berühmten μηχανοποιός (Nr. 1) übertragen (Plut. Pericl. 27 = Ephor. frg. 117); in welchem Sinne sie Diphilos (frg. 36 p. 551) anwandte, bleibt unklar. Der A. periphoretos des Polyklet wird eine Porträtstatue sein und den perikleischen A. darstellen, s. Plin. n. h. XXXIV 56. Brunn Gesch. d. gr. Künstler I 215. 227f., der gegen Welcker Recht behalten wird. Über den Spitznamen ὁ περιφόρητος Ἀρτέμων sind im Altertum langwierige Debatten geführt worden; Ephoros (frg. 117, FHG I 266) hatte ihn von der Lahmheit des Mechanikers abgeleitet, der sich habe umhertragen lassen, die Peripatetiker Herakleides Pontikos und Chamaileon hatten demgegenüber auf den Vers des Anakreon hingewiesen (Plut. Pericl. 27. Athen. XII 533 E); eine kurze Zusammenfassung dieser Debatten gab Didymos bei Zenob. Ath. I 64 = App. prov. IV 32 (Bodl. 739).