RE:Aspurgos

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band II,2 (1896), Sp. 1739–1740
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Aspurgos, König des bosporanischen Reiches zwischen dem Tode des Polemon I. (um 8. v, Chr.) und dem Regierungsantritt des Polemon II. (um 38 n. Chr.), wird nur auf Inschriften und Münzen genannt (Latyschev Inscr. antiq. orae septentr. Ponti Euxini II nr. 32. 36. 37. 364. Koehne Musée Kotschoubey II 1857, 218. Buratschkov Catal. der Münzen der griech. Kol. um Pontus Euxinus [russisch], Odessa 1884 p. 250 nr. 116 = tab. 27 nr. 112. Catal. of the greek coins in the Brit. Mus., Pontus-Bosporus 1889 p. 53, 10 = pl. XII 2). Er war ein Sohn des Königs Asandrochos (Latyschev 36), der wohl mit Asandros (s. d. Nr. 4) zu identifizieren ist; also war er auch wohl ein Sohn der Königin Dynamis, die Asandros geheiratet hatte (Dio LIV 24, 4). Wir wissen nun aus Strab. XI 495. XII 556, dass Polemon I. von den Aspurgianern gefangen und getötet wurde. Diese Aspurgianer sind wahrscheinlich nach A. genannt und wohl seine Parteigenossen unter den umwohnenden Barbaren gewesen, vgl. Latyschev a. a. O. p. XXXIXf. Es scheint demnach A. gegen Polemon I. aufgetreten zu sein, um sein väterliches Erbe wieder zu erhalten. Ob er aber sofort nach Polemons Tode König geworden, ist nicht sicher. Denn auf den Münzen der J. 9/8 v.– 7/8 n. Chr. (289–304 der bosporanischen Aera) erscheint zunächst ein Monogramm, das die Buchstaben Δ, Μ und vielleicht Υ enthält (Buratschkov tab. 26, 63–68). Man könnte also versucht sein, dabei an Dynamis, die (mutmassliche) Mutter des A., zu denken, die ihren Sohn zur Erhebung gegen Polemon veranlasst und nach Polemons Tode die Regierung übernommen haben könnte. Dieser Annahme widerspräche nicht der Umstand, dass Polemon eine zweite Gemahlin Pythodoris hinterliess; denn Dynamis brauchte nicht notwendig vor der zweiten Heirat des Polemon gestorben zu sein, wie Mommsen Eph. ep. I p. 272 meint, sondern könnte auch von ihm geschieden sein. Dagegen scheitert jene Annahme wohl daran, dass kein weiblicher, sondern zwei männliche Köpfe auf den Münzen erscheinen. Wer also in den J. 9/8 v.–7/8 n. Chr. im Bosporos geherrscht hat, ob A. selbst, wie Latyschev p. XLI annimmt, oder ein anderer uns unbekannter König, wissen wir nicht. Dasselbe gilt auch von den beiden folgenden Jahren 8–10 n. Chr. (305–306 d. bosp. Aera), in denen ein Monogramm mit den Buchstaben ΚΝΕ auf den Münzen erscheint (Buratschkov tab. 26 nr. 69–70). Erst vom J. 11/12 n. Chr. ab (307 d. bosp. Aera) bieten die Münzen Monogramme, die die Buchstaben ΑΠΡ enthalten und sich also auf A. zu beziehen scheinen (Buratschkov tab. 26 nr. 71–88). Da jedoch in diesen Monogrammen meist (vom J. 13/14 n. Chr. = 310 d. bosp. Aera ab? Latyschev p. XLI) die Buchstaben ΒΑΡ hervortreten, so hat man auch an einen Βα(σιλεὺς) Ῥ(ησκούπορις) gedacht, der dann entweder mit A. zu identificieren wäre oder im Wechsel mit ihm geherrscht haben müsste. Denn dass A. zwischen 16–21 n. Chr. thatsächlich als König geherrscht hat, ergiebt sich aus der Inschrift von Phanagoria (Latyschev 364): [[Β]ασιλεύοντοσ [βασ]ιλέως [Ἀ]σπούπγο[υ φ]ιλορωμαίου ἔτους IT d. h. ΓΙΤ, ΕΙΤ oder ΖΙΤ = 313, 315, 317 d. bosp. Aera = 16–21 n. Chr.). Über den Umfang seiner Herrschaft und [1740] seinen vollständigen Titel giebt uns folgende Inschrift von Pantikapaion Auskunft (Latyschev 36): Βασιλέα μέγαν Ἀσποῦργον φιλορώμαιον τὸν ἐκ βασιλέως Ἀσανδρόχου φιλοκαίσαρα καὶ φιλορώμαιον (also war er wohl von einem römischen Kaiser anerkannt), βασιλεύοντα παντὸς Βοοσπόρου, Θεοδοσίης καὶ Σινδῶν καὶ Μαιτῶν καὶ Ταρπειτῶν καὶ Τορετῶν, Ψησῶν τε καὶ Ταναειτῶν, ὑποτάξαντα Σκύθας καὶ Ταύρους. Dass er der Vater des späteren Königs Kotys war, bezeugen Inschriften (Latyschev 32. 37) und die oben angeführten Münzen, auf denen sein Name genannt wird. Da nun Kotys ein Bruder des Mithridates war (Tac. ann. XII 18), so wird auch dieser ein Sohn des A. gewesen sein. Da ferner Kotys noch um 49 n. Chr. iuventa rudis genannt wird (Tac. ann. XII 15), also nicht lange vor 29 n. Chr. geboren zu sein scheint, so wird A. um diese Zeit wohl noch gelebt haben, vgl. Latyschev p. XLIf. Die Monogramme mit ΒΑΡ erscheinen auf den Münzen bis 38/39 n. Chr. (335 d. bosp. Aera, Buratschkov tab. 26 nr. 83), und nicht nur Tiberius (Buratschkov 84–86), sondern auch Gaius Caesar Germanicus (Buratschkov 87–88) werden auf ihnen genannt. Daher hat A. (oder Rheskuporis?) bis 38 n. Chr. regiert, wo Kaiser Gaius Polemon II. zum König des Pontos und Bosporos einsetzte (Inschrift von Kyzikos, S.-Ber. Akad. Berl. 1874, 16f. Dio LIX 12, 2. Joseph, ant XIX 388). Im allgemeinen vgl. Giel Kleine Beiträge zur antiken Numismatik Südrusslands 29ff. und besonders Latyschev a. a. O. p. XXXIXff.