RE:Augenärzte

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band II,2 (1896), Sp. 23102311
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Augenärzte. Die Augenheilkunde bildete ursprünglich keinen besonderen Zweig der Heilkunde, sondern wurde von allen Ärzten ohne Unterschied betrieben. Erst allmählich bildete sich bei einer Anzahl von Ärzten ein ausschliessliches Interesse für die Beschäftigung mit diesem Zweige der Heilkunde aus und führte zu einer hohen Entwicklung der Ophthalmologie. A. (ὀφθαλμικοί Gal. XVIII a 47. V 846f.; ocularii, medici ab oculis CIL VI 6192. 9605–9600) lassen sich allerdings in unserer litterarischen Überlieferung erst seit dem 1. Jhdt. v. Chr. nachweisen, anfangs vereinzelt, später aber in solcher Zahl, dass es uns nicht Wunder nehmen kann, einem eigenen medicus ocularius für die römische Flotte zu begegnen (Grotefend Die Stempel der römischen Augenärzte, Hannover 1867, 66). Mit der Anatomie des Auges hatten sich schon die ältesten Ärzte beschäftigt, aber ihre Kenntnisse auf diesem Gebiet waren ziemlich dürftig; Hippokrates kannte z. B. erst zwei Hautschichten des Augapfels (Gal. XIV 711). In der alexandrinischen Periode erweitern sich diese Kenntnisse ganz bedeutend, besonders seit dem Erscheinen der ophthalmologischen Schrift des Herophilos περὶ ὀφθαλμῶν (Aet. VII 46), in der er unter anderem eine genaue Beschreibung der einzelnen Augenhäute (Ruf. de appell. part. corp. hum. II 3, 55) und der Sehnerven gab (Chalcid. in Plat. Tim. p. 279f. Wrobel). Im 2. und 1. Jhdt.[WS 1] v. Chr. wurden dann in der Augenheilkunde wichtige Fortschritte gemacht. Man wagte sich nicht nur an die operative Behandlung einer Reihe von Leiden der äusseren Teile des Auges wie der Thränenfisteln, des Gersten- und Hagelkorns, des Staphyloms, der Trichiasis, des Hypopyon, man heilte sogar den Star auf operativem Wege (Cels. VII 7. Gal. X 1019. Paul. Aeg. VI 21). Ein anschauliches Bild dieser chirurgischen Leistungen erhalten wir durch Cels. VII 7. Die hohe Ausbildung der operativen Behandlung von Augenkrankheiten ist vornehmlich das Verdienst mehrerer Chirurgen aus dem 1. Jhdt. v. Chr., des Tryphon, Euelpistos, Meges, Philoxenos aus Alexandreia. Letzterer ist die Hauptquelle des Celsus für die chirurgischen Partien; vgl. M. Wellmann Die pneumatische Schule bis auf Archigenes, Berl. 1895, 123. Ein chirurgus ocularius kommt auch auf einer Inschrift vor (Orelli 2983). Als A. werden genannt aus der Zeit des Celsus: Euelpides, der eine Menge von Collyrien erfunden hat (Cels. VI 6, 8 u. ö.), Theodotos, von dem die Theodotia, eine eigene Art von Collyrien herrühren Cels. VI 6, 5. 6. Grotefend a. a. O. 82), Philon, Dionysios, Kleon, aus der Zeit vor Galen: Zoilos (Gal. XII 632. 771), Gallion (Gal. XIII 766), Hermias (Gal. XII 754), Sergius (Gal. XII 751), Gaius (Gal. XII 771), Heron (Gal. XII 745), Capito (Gal. XII 732), Paccius (Gal. XII 760), Axius (Gal. XII 786; vgl. Grotefend a. a. O. 66), Iustus (Gal. X 1019 [2311] Paul. Aeg. VI 20), Florus (Gal. XII 768) u. s. w. Martial (X 56) rühmt den Hyginus als Augenarzt. Galen war auch als Augenarzt thätig: er behandelte eine Augenentzündung im Gegensatz zu seinen Collegen durch Abführmittel, Bäder, kühlende Getränke und Aderlasse (VII 392). Eine sehr grosse Zahl von römischen A. ist uns auf den römischen Augenarztstempeln erhalten. Vgl. Grotefend a. a. O. J. Klein Stempel röm. Augenärzte, Bonn 1871. Heron de Villefosse et H. Thédenat Cachets d’oculistes romains, Tours et Paris 1882. Zur Heilung der Augenkrankheiten bediente man sich in den weitaus häufigsten Fällen der Augensalben, die in Büchsen verkauft wurden, welche mit Aufschriften versehen waren, wozu man sich eines quadratischen Plättchens oder Täfelchens als Petschaft bediente. Die Aufschrift, die meist zweizeilig, seltener einzeilig ist, giebt den Namen des Augenarztes, das Mittel und bisweilen auch die Art des Gebrauches an. Es sind bis jetzt mehr als 160 Stempel bekannt geworden, von denen die meisten in Frankreich, Grossbritannien, Deutschland und Österreich gefunden sind. Der Zeit nach sind sie aus dem 2.–5. Jhdt. n. Chr. Die A., die auf diesen Stempeln vorkommen, gehören nach den Cognomina zu schliessen, dem libertinen Stande an; fast die Hälfte derselben ist griechischen, ein anderer Teil keltischen Ursprungs. Die Salben, die als Heilmittel verwandt wurden, führten besondere Namen, die teils dem Erfinder entlehnt waren (so gab es eine Salbe des Philon, Dionysios, Theodotos, Euelpides u. s. w.), teils einem mythischen Heilkünstler (so der Xείρων des Euelpides, Cels. VI 6, 20), teils der Farbe (dahin gehören das τέφριον κολλύριον Cels. VI 6, 7, τὸ φαιόν Scrib. Larg. 23, der Schwan Gal. XII 708. 759. Alex. v. Trall. II 33 P., τὸ λευκόν Gal. XII 757. Grotefend 26, τὸ χλωρόν Gal. XII 763. Grotefend 29), teils der Hauptsubstanz, aus der das Collyrium bestand (διὰ κέρατος Cels. VI 6, 16. Grotefend 13, διὰ λιβάνου Cels. VI 6, 13, διὰ σμύρνης Gal. XII 257. Grotefend 23, διὰ λεπίδος Grotefend 17. 28 u. s. w.), teils der Wirkung, wie das αὐθήμερον, ein Mittel, das am nämlichen Tage wirkte (Gal. XII 755. Grotefend 25), teils dem Zustande, in dem es verkauft wurde, wie das στακτικόν (Grotefend 15. 18), daneben begegnen uns aber auch hochklingende Namen wie τὸ Nεκτάριον (Gal. XII 760). Oὐράνιον (Alex. v. Tr. II 35), βασιλικόν (Cels. VI 6, 31) u. s. w. Der bedeutendste der griechischen A., der vermutlich in der nachgalenischen Zeit lebte und der von Oribasius, Aetius und Paulus Aegineta benützt ist, war Demosthenes, dessen Werk über Augenkrankheiten noch im 14. Jhdt. vorhanden war. Vgl. Sprengel Geschichte der Medicin I⁴ 554.

Nachträge und Berichtigungen

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Band S I (1903), Sp. 227
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S. 2310, 9 zum Art. Augenärzte:

Vgl. jetzt die grundlegenden Bücher von J. Hirschberg Geschichte der Augenheilkunde, Leipzig 1899. H. Magnus Die Augenheilkunde der Alten, Breslau 1901.

Nachträge und Berichtigungen

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Band S III (1918), Sp. 184–185
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S. 2310f. (und Suppl.-Heft I S. 227) zum Art. Augenärzte:

Sämtliche Salbenstempel hat mit Erläuterungen und Indices herausgegeben Espérandieu im CIL XIII 3, 2 p. 559–610 sowie mit einigen Nachträgen und mit Beigabe von 68 Tafeln als besonderes Buch, Signacula medicorum oculariorum, Parisiis 1905 (8°). Mit Einrechnung der Nachträge (Sonderdruck 173f.) zählt die Sammlung 230 Stempel (doch ist z. B. nr. 132, [185] eine Erfindung des Metzer Fälschers Bégin, auszuscheiden; anderseits fehlt ein zu Straßburg 1903 gefundener Stempel, Westd. Ztschr. XXII 379) und drei Salbentöpfe mit entsprechenden Inschriften.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. korrigiert: Ihdt.