RE:Cornelius 377

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Faustus Cornelius Sulla Quaest. 54 v. Chr., Sohn des Dictators L. Sulla
Band IV,1 (1900) Sp. 15151517
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377) Faustus Cornelius Sulla. Caecilia Metella, die vierte Gemahlin des Dictators L. Sulla (o. Bd. III S. 1234f. Nr. 134), gebar diesem Zwillinge vor dem J. 668 = 86, denn Plut. Sull. 22, 2 berichtet zu diesem Jahre: Μετέλλα μόλις διακλέψασα ἑαυτὴν καὶ τοὺς παῖδας, während er ebd. 34, 5 den Anschein erweckt, als ob die Geburt erst unter der Dictatur erfolgt sei, was sich mit der Ämterlaufbahn des Sohnes nicht vereinigen liesse. Der Vater nannte die Kinder Faustus und Fausta entsprechend dem Beinamen Felix, den er selbst angenommen hatte; Faustus war ein altes Praenomen (auct. de praen. 4) und ist von dem Sohne nur als solches geführt worden, nicht als Cognomen, wie nachlässigere Autoren angeben (vgl. Mommsen Röm. Forsch. I 34 Anm. 50). Die einzige Inschrift, die wir von ihm besitzen, giebt ihm ausserdem den von dessen Schutzgöttin Aphrodite abgeleiteten, im griechischen Sprachgebrauch officiellen Beinamen des Vaters (IGS III 143: [Ὁ] δᾶμος Ἐλατέων Φαῦστο[ν Κορνήλιον ; vgl. über den Beinamen Marx Neue Jahrbücher für Philol. III 1899, 543). Beim Tode seines Vaters 676 = 78 war Faustus noch ein Kind (Plut. Sulla 37, 4: νεώτατος; Appian. bell. civ. I 106) und kam unter die Vormundschaft des L. Lucullus (Plut. Lucull. 4, 6). Eine Anekdote aus seiner Schulzeit ist mehr charakteristisch für C. Cassius als für ihn (Val. Max. III 1, 3. Plut. Brut. 9, 1). Die Reaction gegen das sullanische Regiment führte wiederholt zu der Forderung, dass Faustus über die Gelder, die [1516] sein Vater aus dem Staatsschatz für sich genommen hatte, Rechenschaft ablegen und sie ersetzen sollte (Ascon. Cornel. p. 65); namentlich einer gerichtlichen Anklage von Seiten eines Tribunen entging er im J. 688 = 66 nur durch den Beistand des Gerichtshofes (Cic. Cluent. 94), und die Rogation des Servilius Rullus im J. 691 = 63 bedrohte ihn aufs neue (Cic. de leg. agr. I 12, vgl. Mommsen Strafr. 765, 1). Gegen 690 = 64 war er Münzmeister und verherrlichte auf seinen Münzen die Erfolge seines Vaters (Aufschrift: Faustus. Mommsen Münzwesen 623 nr. 263). Im folgenden Jahre diente er als Kriegstribun unter Pompeius; bei der Erstürmung des Tempels von Jerusalem war er mit den Seinen der erste auf der Mauer und erhielt dafür eine reiche Belohnung (Joseph. ant. XIV 69; bell. I 149. 154). Dass er aber auch sonst Beute zu machen verstand, zeigt seine Aneignung des wertvollen Kopfschmucks des Mithridates (Plut. Pomp. 42, 2). Freilich hatte er Geld nötig, weil er nach dem Testamente seines Vaters dem Volke noch Spiele zu geben hatte; er wandte sich schon 691 = 63 an seine Freunde in Rom wegen der Anwerbung von Gladiatoren (Cic. Sulla 54f.) und gab die Spiele mit grosser Pracht, Bewirtung des Volkes und Geschenken an die Bürger im J. 694 = 60 (Dio XXXVII 51, 4). Augur wurde er vor 697 = 57 (Dio XXXIX 17, 2) und Quaestor 700 = 54; als solcher bat er für seinen Stiefbruder M. Aemilius Scaurus, der wegen Erpressungen angeklagt wurde (Ascon. Scaur. p. 18. 25; vgl. Bd. I S. 589), und schlug Münzen zur Verherrlichung des Pompeius (Mommsen Münzw. 628 nr. 269), dessen Tochter er einige Jahre vorher geheiratet hatte (Suet. Caes. 27. Plut. Pomp. 47, 4; Caes. 14, 3). Nach der Ermordung des Clodius im J. 702 = 52 stand er seinem Schwager Milo bei (Ascon. Milon. p. 30) und wurde mit dem Neubau der von seinem Vater erweiterten Curia Hostilia beauftragt, die künftig nach ihnen benannt werden sollte (Dio XL 50, 2f.; vgl. XLIV 5, 2. Jordan Topogr. I 2, 253. 332). Faustus war arg verschuldet, einmal hatte er schon einen grossen Teil seiner Habe, darunter auch die wertvolle von seinem Vater hinterlassene Bibliothek, versteigern müssen (Cic. ad Att. IV 10, 1. Plut. Cic. 27, 2; apophth. Cic. 13), und jetzt war ihm der Ausbruch des Bürgerkrieges willkommen, weil er davon Rettung aus seinen financiellen Nöten erhoffte (Cic. ad Att. IX 11, 4). Der Antrag des Pompeius, ihn nach Mauretanien zu schicken, wurde vereitelt (Caes. b. c. I 6, 3f.), doch leitete er die Aushebung einer Legion, vielleicht in Unteritalien (Cic. ad Att. VIII 3, 7. 12 A, 5), und er begleitete seinen Schwiegervater auf den östlichen Kriegsschauplatz, wo er im Frühjahr 706 = 48 an den Operationen in Makedonien teilnahm (Dio XLI 51, 3 abweichend von anderen Berichten; vgl. o. Bd. III S. 1227). Da er nur die Quaestur bekleidet hatte, war er damals Proquaestor, wie Cic. ad Att. IX 1, 4 angiebt, aber eine in dieser Zeit in Elatea gesetzte Inschrift (s. o.) nennt ihn ausserdem auch Propraetor. Aus der Niederlage von Pharsalos flüchtete er über Patrae nach Africa (Dio XLII 13, 3) und aus der Niederlage bei Thapsus im April 708 = 46 über Utica nach Mauretanien (b. Afr. 87, 8). Er gedachte mit L. Afranius (Bd. I S. 710ff. Nr. 6) weiter [1517] nach Spanien zu fliehen, aber sie fielen dem Caesarianer P. Sittius in die Hände und wurden nach wenigen Tagen von den Soldaten Caesars bei einem Tumult getötet (b. Afr. 95, 1–3). Nach Suet. Caes. 75 glaubte man, ihre Ermordung sei ohne Caesars Wissen geschehen, nach Livius (ep. CXIV. Flor. II 13, 90. Eutrop, VI 23, 2. Oros. VI 16, 5) und Auct. de vir. ill. 78, 9 erfolgte sie auf seinen Befehl, aber die Epitomatoren des Livius berichten zum teil auch, Pompeia, die Gemahlin des Faustus, und ihre beiden Kinder seien hingerichtet worden (Flor. Oros.), während der Verfasser des b. Afr. 95, 3, nach dem sie den Faustus begleiteten, und Appian. bell. civ. II 100, nach dem sie in Utica gefangen wurden, vielmehr angeben, sie seien ungekränkt entlassen worden. Das ganze Leben des Faustus zeigt deutlich, dass er ein unbedeutender Mensch und seinem Vater wenig ähnlich war. Einen Witz, den er über seine Schwester machte, erzählt Macrob. sat. II 2, 9, seine Beziehungen zu Cornelius Epicadus, dem Freigelassenen seines Vaters, erwähnt Suet. gramm. 12.