RE:Decussis

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band IV,2 (1901), Sp. 23542356
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Decussis, auch decus, die römische Collectivbezeichnung für einen Betrag von 10 asses, d. i. Einheiten. Vitruv. III 1, 5: Platoni placuit esse eum numerum . . perfectum qui ex singularibus [2355] rebus, quae μονάδες apud Graecos dicuntur, perficitur decussis (vgl. ebd. § 5 a. E. 6. 8). Varro de l. l. V 170. IX 81. 84. Hultsch Metrol.² 144. Doch war bei Preisangaben neben decussi auch der Plural decussibus oder die undeclinable Form decussis in Gebrauch. Lucilius bei Varro de l. l. IX 81. Verrius Flacc. bei Paul. p. 144, 5, vgl. Bentley zu Hor. sat. II 3, 156. Paul. p. 24, 12. Stat. silv. IV 9, 9. Als Wertbezeichnung für 10 librale Kupferasse (vgl. Denarius § 1) wird der D. erwähnt von Varro de l. l. V 170. IX 81. Verrius Flacc. bei Fest. bezw. Paul. p. 24, 12f. 144, 4f. 237 a, 20. 334 b, 33f. 335, 6. 347 b, 12f. Seit der Einführung des trientalen Fusses (s. Denarius § 5) wurde der D. auch als Kupfermünze ausgebracht. Sie war durch Guss hergestellt und zeigte auf der Vorderseite einen behelmten Frauenkopf nach rechts und dahinter das Wertzeichen ✕, auf der Rückseite das Vorderteil eines Schiffes und darüber dasselbe Wertzeichen wie auf der Vorderseite. Das Normalgewicht von 40 Unzen= 1091,5 g. ist reichlich vertreten durch ein Stück des Collegio Romano von 1104,7 g., auch ein anderes, das auf der Vorderseite die beflügelte Victoria in der Biga zeigt und 1037 g. wiegt, mag noch dem trientalen Fusse zugeteilt werden; ein drittes und viertes aber, mit demselben Gepräge wie das erste, folgen einem Münzfuss von nur 3, bezw. 2½ Unzen. Als dann das Gewicht des Asses noch weiter herabgesetzt wurde, hörte die Ausbringung des D. auf. L’aes grave del Museo Kircheriano Text 17, Abbildung Cl. I Taf. I. Ailly Recherches sur la monnaie romaine I 86ff. Taf. XXIf. Mommsen-Blacas Hist. de la monn. rom. II 8. 75. III 359f. (über die Deutung des Kopfes der Göttin auf der Vorderseite – wahrscheinlich Roma, eventuell auch Minerva – vgl. ebd. II 8, 4). Babelon Monnaies de la rép. rom. I XIV. 37. 42f. Hultsch Metrologie² 281, 5. 282. Das Gewicht des D. des Collegio Romano ist oben nach der Wägung von Ailly I 87, dem sich Babelon I 43 anschliesst, gegeben. Mommsen III 359 setzt nach Zelada ein Gewicht von nur 1074 g., führt aber ausserdem die höhere Schätzung Gennarellis zu 1106 g. an, mit welcher die von Boeckh Metrol. Unters. 384 mitgeteilte Wägung zu 39 Unzen 1 Drachme ,neu-römisch‘ übereinstimmt.

Auch unter den Stücken des etrurischen Schwerkupfers aus der Periode vom Anfang des 4. Jhdts. bis etwa 269 scheint ein D. mit dem Wertzeichen ✕ vorzukommen. Mommsen Gesch. des röm. Münzwes. 217, 112. Deecke Etruskische Forschungen II 72. 87, 4. Hultsch Metrol. 687f.

Mit der Einführung der Silberprägung trat in Rom an Stelle des D. der denarius nummus (s. Denarius § 2f.). Nachdem jedoch der As auf 1/16 Denar herabgesetzt war (ebd. § 7), kam die alte Benennung D. wieder in Aufnahme, um nunmehr 10 Münzasse = 5/8 Denar zu bezeichnen, Volus. 60 Maec. distrib. 57 (Metrol. Script. II 68, 8–11): decus hac nota scribas u. s. w. Stat. silv. IV 9, 9: (liber) mihi constitit decussis, d. i. zum zehnfachen Preise eines anderen Buches, für welches nur ein abgenützter, unter Kaiser Gaius geprägter As gezahlt worden war.

Das Zahlzeichen ✕ bedeutet, wie wir sahen, auf den alten Kupfermünzen D., auf der späteren [2356] Silbermünze denarius. Zu CIL XII 5694, 1 h erklärt Hirschfeld die ✕ auf einem Serpentingewicht als D., wobei als Einheit pondo, d. i. das römische Pfund von 327,45 g. anzunehmen sein würde. Die Nachwägung des nicht vollständig erhaltenen Gewichtstückes hat ein Pfund von 324 g. ergeben.

In der Sprache der Techniker bedeutet D. zwei in der Form einer ✕ sich kreuzende Linien. Vitruv. X 6, 2. Plin. n. h. XVIII 331; s. Art. Decussare.