RE:Dexamenos 1

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Herrscher von Olenos
Band V,1 (1903) S. 283284
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Dexamenos (Δεξαμενός der ‚Gastliche‘), 1) Alter Herrscher von Olenos, und zwar sowohl dem in Elis (Bakchyl. Schol. Od. XXI 295 frg. 44 Blass) als dem in Achaia (Kallim. Del. 102, wo Bura seine βοόστασις, Hermesian. b. Paus. VII 18. 1), eine Parallelfigur zu König Oineus von Kalydon und als Sohn des Oikeus durch Periboia mit ihm verschwägert (Hesych. s. Οἰκιάδης). Des D. Töchter, Theronike und Theraiphone, heiraten die Söhne des Aktor, Paus. V 3, 3. Auf 3 die Beziehungen zu Oineus ist längst (s. z. B. O. Müller Dorier I 417f.) hingewiesen worden; die einzelnen verwandten Züge hat Weizsäcker (in Roschers Lexik. I 998ff.) verfolgt, im übrigen aber besonders mit der Loslösung des Kentauren D. von Dexamenos-Oineus fehlgegriffen. Dagegen scheint es Robert, an dessen Behandlung der Sage in den Monum. antichi dei Lincei IX 1899 S. 8ff. das hier Gegebene sich wesentlich anschliesst, gelungen zu sein, die Entwicklung der Sage klarzulegen. Im Schol. Call. a. a. O. (vgl. Etym. M. s. Βοῦρα und Ἑξάδιος, wo er Hexadios heisst) wird der D. des Kallimachos als Kentaur bezeichnet, nach einer bei übelwollenden Nachbarn, wohl den Aitolern, entstandenen Sage. Nun kennen wir durch drei Vasenbilder des 5. Jhdts. (bei Robert a. a. O. tav. 3 S. 10. Stephani Compte, rendu 1865 pl. IV 2) eine Sagenform, nach der sich dieser Kentaur, wie sonst Nessos oder Acheloos, der Tochter des Oineus, Deianeira, bemächtigen wollte, dabei aber von Herakles erschlagen wird. Bei Übernahme dieser Sage durch die Peloponnesier wurde aus dem Kentauren D. der Kentaur der Perithoossage Eurytion, und D. als König trat an die Stelle des Oineus. Für Deianeira aber wurde als Tochter des D. Mnesimache eingesetzt. Bakchylides a. a. O. erzählt, dass Eurytion als Gast des D. dessen Tochter Gewalt anthun wollte, aber von dem rechtzeitig eintreffenden Herakles daran gehindert wurde. Apollodoros’ Bericht n 5, 5, der den Herakles von Augeias aus Elis ausgewiesen zu D. kommen lässt, weicht hiervon insofern ab, als der Kentaur Eurytion als erfolglos abgewehrter Freier erscheint. Während bei Bakchylides der Vorgang in Elis sich abspielt, hat man bei Apollodoros wohl an das achaeische Olenos zu denken, wohin auch Hermesianax (a. a. O.), über [284] dessen Erzählung wir im einzelnen nicht unterrichtet sind, den Vorgang verlegt. Die Sage wurde aber der von Perithoos noch ähnlicher gemacht dadurch, dass die Tochter des D. auch einen menschlichen Freier erhielt, den Arkader Azan, dem Herakles zu Hülfe kommt, wie Theseus in ähnlicher Sage dem Perithoos. In dieser Form erzählt die Sage Diodor. IV 33, der die Königstochter Hippolyte nennt; dass sie aber schon dem 5. Jhdt. bekannt war, lehrt eine jüngere attische Vase, auf welcher die Sage in dieser Form dargestellt ist (Antiqu. du Bosph. Cimm. 53); sie findet sich auch noch auf römischen Sarkophagen (Robert Sarkoph. Rel. III 132a. b. 133. 135. 136). Von einem Liebesverhältnis des Herakles zur Tochter des D. ist bei den bisher Genannten nicht die Rede, wohl aber in der jüngsten Version bei Hyg. fab. 81. 33: Herakles hat Umgang mit der Tochter gepflogen und versprochen, sie zu heiraten; in seiner Abwesenheit erscheint Eurytion und erzwingt vom Vater das Versprechen, ihm die Tochter zu geben, aber am Hochzeitstage kommt Herakles zurück und erschlägt den Kentauren. In eigentümlicher Vermengung heisst die Braut wie früher Deianeira, aber D. als Vater und Eurytion als Kentaur werden beibehalten. Die Sage war mehrfach dichterisch behandelt, nach Paus. a. a. O., der nach Kalkmann Paus. d. Perieget. 203. 250 aus einem Handbuche schöpfte, von Hermesianax in einer Elegie auf den Kentauren Eurytion (Susemihl Gr. Lit. in der Alex.-Z. I 186f. u. A. 66). Nach Suid. s. Ἰοφῶν und Κλεοφῶν war D. Titel einer Tragoedie jedes dieser beiden Dichter, doch s. Welcker Gr. Trag. 976f. 1010. Endlich schrieb Timokles eine Komoedie Κένταυρος ἢ Δεξαμενός, s. Meineke Fr. Com. Gr. I 429.