RE:Dositheos 10

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
fertig  
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Band V,2 (1905), Sp. 16081609
Linkvorlage für WP   
* {{RE|V,2|1608|1609|Dositheos 10|[[REAutor]]|RE:Dositheos 10}}        

10) Dositheos (oder Δοσθῆς), zuerst von Hegesippus um 170 erwähnt als Haupt einer der sieben αἱρέσεις, von denen schon im 1. Jhdt. die Irrlehre in die Kirche eingeschleppt worden sei (Euseb. hist. eccl. IV 22, 5). Der nicht viel jüngere Verfasser von Ps.-Tertull. liber adv. omnes haer. rechnet den D. Samaritanus zu den Iudaismi haeretici wie etwa die aus seiner Wurzel aufgesprossten Sadducaeer und berichtet, D. habe die Propheten als nicht inspiriert verworfen. Nach den clementinischen Homilien II 24 und Recognitionen [1609] (I 54 und) II 8 hätte D. sich zur Zeit Jesu als eine Art von Messias aufgeworfen, wäre aber von Simon magus verdrängt worden. Epiphanios panar. prooem. und haer. 13 giebt ein Bild mit einander widersprechenden Zügen; er hat den viel späteren Enkratiten gleichen Namens mit dem Samaritaner verwechselt. Hauptquelle bleibt ausser Eulogios (bei Photios bibl. c. 230) Origenes (die Stellen bei Harnack Altchristl Litt.-Gesch. I 153), obwohl noch bis tief ins Mittelalter herab selbst arabische Schriftsteller von den Dositheanern zu berichten wissen. Eine ganz willkürliche Auslegung des mosaischen Gesetzes muss ihm die Normen für das Leben seiner Anbeter ergeben haben; jüngeren Lehren wie der von einer Auferstehung bezw. Unsterblichkeit der Seele und der vom Teufel widersprach er entschieden. Wie im 6., so liefen schon im 3. Jhdt. Bücher des D. unter seinen Anhängern um, derer Hauptzweck die Verfälschung des mosaischen Oktateuchs gewesen sein soll. Wenn D. wirklich Bücher geschrieben hat, so haben sie sicher bis zur Zeit des Eulogios starke Emendationen erlitten; am wahrscheinlichsten sind sie ihm alle später untergeschoben. Die dunkle Gestalt des D. hat ein Interesse für uns hauptsächlich als Beleg für den Drang nach religiösen Neubildungen auch in Palästina um die Wende unserer Zeitrechnung. Vg. A. Hilgenfeld Ketzergesch d. Urchrist. 1884, 155–161.