RE:Dositheos 9

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band V,2 (1905), Sp. 1607–1608
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9) Aus Pelusion, Schüler des Astronomen Konon. Mit letzterem war Archimedes (s. Bd. II S. 507f.) in Alexandreia bekannt geworden und hatte auch später von Syrakus aus im litterarischen Verkehre mit ihm gestanden. Nach Konons Tode, der etwa zwischen 240 und 230 v. Chr. zu setzen ist, wurden die wissenschaftlichen Beziehungen zu dem Gelehrtenkreise von Alexandreia durch Vermittelung des D. fortgesetzt. Ihm widmete Archimedes nach einander seine Quadratur der Parabel, das erste und zweite über Kugel und Cylinder, [1608] die Bücher über die Spiralen und über Konoiden und Sphäroiden. Die Blüte des D. ist also kurz nach Konons Tode, etwa um 229, anzusetzen. Archim. quadrat parab. 294; de sphaer. et cyl. I 2. II 188; de lin. spiral. 2; de conoid. et sphaeroid. 274 (Bd. II, bezw. I der Ausgabe von Heiberg), vgl. Art. Archimedes § 3. Boeckh Die vierjährigen Sonnenkreise der Alten 28ff. Susemihl Litt.-Gesch. I 722f. Wachsmuth Proleg. zu Lyd. de ostent.² p. LXIVf. Ausser in Alexandreia hat D. vermutlich längere Zeit auch an einem mehr nach Norden gelegenen Orte sich aufgehalten, mag das nun Antiocheia in Pisidien (spätere römische Colonie Κολωνεία) oder die Insel Kos gewesen sein. Ptolem. φάσεις ἀπλανῶν ἀστέρων 275, 6 in der 2. Ausgabe des Lydus de ostentis von Wachsmuth. Boeckh a. a. O. 31ff. Susemihl I 723, 93.

Beobachtungen über Erscheinen der Fixsterne (φάσεις τῶν ἀπλανῶν) und Witterungsanzeigen (ἐπισημασίαι) des D. sind überliefert in dem sog. Parapegma des Geminos, d. i. dem an die εἰσαγωνή) des Geminos angefügten Verzeichnisse der Erscheinungen der Fixsterne, 181, 17. 19. 182, 25. 186, 3 (2. Ausgabe von Wachsmuth als Anhang zu Lydus de ostentis), ferner bei Ptolemaios φάσεις u. s. w. 213, 9. 214, 2 u. ö. (vgl. den Index von Wachsmuth² 358), bei Plinius n. h. XVIII 312. Lyd. de mens. IV 83 und dazu die Excerpte aus Lydus 297, 13 Wachsm. Boeckh 58f. 93. 251. Susemihl I 723, 96. In einer Schrift πρὸς Διόδωρv hat er berichtet, dass der Dichter Aratos längere Zeit am Hofe Antiochos I. verweilt hat. Arat. vit. III 58, 24ff. (Βιοργ. v. Westermann, wo Πηλουσιακὸς statt πολιτικὸς nach der lateinischen Übersetzung Arati genus Z. 42ff. Breysig zu lesen ist). Boeckh 30. Susemihl I 290, 23. 722f. Also hat D. selbst sich gewiss mit den Phainomena des Aratos und, weiter zurückgehend, mit den astronomischen Untersuchungen des Eudoxos beschäftigt. Anknüpfend an die Schaltperiode des Eudoxos (Boeckh 123ff.) scheint er seine ὀκταστηρίς geschrieben zu haben, die vermutlich nicht allzu lange Zeit nach der gleichnamigen Schrift des Eratosthenes erschienen ist. Censorin. 18, 5. Boeckh 29. Susemihl I 723 (nach Maass Aratea, Philol. Unters. XII 14ff., hat Eudoxos keine Schrift unter dem Titel ὀκταστηρίς verfasst, wohl aber Eratosthenes περὶ τῆς ὀκταστηρίδος geschrieben; doch deutet die kurze Notiz bei Censorin darauf hin, dass D. seine Schrift περὶ τῆς Εὐδόξου ὀκταστηρίδος betitelt hat).

Nach allen diesen Überlieferungen, so lückenhaft sie auch sein mögen, stellt sich heraus, dass D. ein Astronom von Ruf und ein auch im Kalenderwesen wohl bewanderter Schriftsteller gewesen ist.